3.11.2011: Eine Entschuldigung und eine Erklärung


Hallo.

Zuerst die Entschuldigung:
Ich weiß, dass viele Leute diesem Blog auch folgen, weil es sie interessiert, wie es mir so geht. Weil sie es als einen Weg benutzen, um sich zu versichern, dass es mich noch gibt. Diejenigen werden sich vielleicht ein paar Gedanken gemacht haben, zumal meine Aktivitäten insgesamt sehr eingeschränkt waren.

Entschuldigt bitte. Ich lebe noch.

Jetzt die Erklärung:
Mein Gesundheitszustand hat sich dahingehend entwickelt, dass ich mittlerweile Probleme mit dem Tippen habe. Wer in letzter Zeit mit mir geschattet hat, dem wird das aufgefallen sein. Zudem ist mein Sehen nicht besser geworden.
Das bedeutet, dass ich für längere Texte jetzt sehr viel mehr Zeit brauche, wenn ich sie auf einem Niveau veröffentlichen will, für das ich mich nicht schämen muss. Zusammen mit dem Umstand, dass mir zur Zeit ein richtiges „Projekt“ fehlt, bedeutet das, dass sich mein Enthusiasmus für Miszellen gerade in Grenzen hält.

Trotzdem werde ich mich jetzt nicht in die Jammerecke setzen und vor mich hinweinen. Ich versuche, im November mindestens eine Miszelle pro Woche zu schreiben. Auch wenn sie wahrscheinlich nicht mehr so lang sein werden, wie ihr das gewohnt seid. Vielleicht ist das sogar eine positive Entwicklung 🙂

Dank MOPI habe ich jetzt ja auch die Möglichkeit, von unterwegs kurze Notizen zu posten, oder wirklich niedliche Bilder von Tierbabys aus dem Zoologischen Garten. Ihr seht, die Miszellen sind endlich im Internet angekommen. Vielleicht sollte ich doch weniger korrigieren …

*räusper*

Wie auch immer. Es gibt mich noch, ich schreibe noch und liebe euch alle 😉

Cheers,
Skeetem

29.9.2011: MOPI


Ich bin jetzt auch mobil. Dank MOPI, dem mobilen Prokrastinator.
In echt heißt das Teil natürlich „SmartPhone“, obwohl es sich gerade ziemlich dumm anstellt.
Ich mag MOPI lieber, vor allem, weil es genau trifft, was man damit macht.
Aber: Statt in der muffigen Bude prokrastiniere ich jetzt im Garten.
Win-Win.

Euer Gesund-Aufschieber,
Skeltem

Gelesen > A Dance with Dragons


Ab Seite 500 geht er dann doch ab, der Tanz mit den Drachen. Das heißt, so ziemlich nach der Hälfte der lang ersehnten Fortsetzung von George R. R. Martins „Song of Ice and Fire“-Epos kommt langsam so etwas wie Spannung auf. Ach.

Was hatte ich mich gefreut! Fünf Jahre habe ich auf „A Dance with Dragons“ (ADWD) gewartet. Meine Begeisterung für die SIF-Serie habe ich damals ja schon zum Ausdruck gebracht. Nun, bei ADWD muss zumindest niemand befürchten, lesenderweise den Geburtstag seiner Mutter zu verpassen. Oder diesen langweiligen Film im Fernsehen.

Na gut, besser als Fernsehen ist es doch, vor allem in der zweiten Hälfte. Da entwickelt das Buch auch wieder Schmöker-Qualitäten. Vorher aber ist es nur mit kognitiver Dissonanz zu ertragen. Ihr wisst ja: wenn man schweine viel Geld für etwas bezahlt hat, oder seinen Jahresurlaub opfert, dann muss das einfach toll sein. Auch wenn das Auto ab der zweiten Woche dauernd in die Werkstatt muss oder die Fiji-Inseln kein Südseeparadies sind, sondern ein Moskito verseuchter Alptraum aus Beton, unfreundlichen Menschen und 42° im Schatten bei 150% Luftfeuchtigkeit.

Natürlich kann das auch ins Gegenteil umschlagen, in übertriebene Enttäuschung. Ähem.

Also von vorne. Ich versuche, so wenig wie möglich zu spoilern, aber wer bisher nur die „Game of Thrones“-Fernsehserie kennt und sich die Spannung nicht verderben will, sollte zum Fazit vorscrollen.

Wer sich mit der SIF-Serie befasst, weiß natürlich, dass ADWD nicht Teil 5 ist, sondern Teil 4.2. 4.1 war das vor fünf Jahren erschienene „A Feast for Crows“ (AFFC). In AFFC erzählt Martin, wie es im Süden der Seven Kingdoms nach dem Ende des „War of the five kings“* weiter geht. ADWD sollte den gleichen Zeitraum umfassen, nur im Norden und jenseits der narrow sea. Allerdings führt Martin die Geschichte dann doch weiter (etwa ab Seite 500) und man erfährt z.B. wie es mit Arya, Cersei, dem Kingslayer und anderen Figuren aus AFFC weiter geht. Also ist ADWD eher zwei Bücher. Dick genug ist es.

Wer aufgepasst hat merkte, dass das Buch etwa zu dem Zeitpunkt spannend wird, als es wirklich zum fünften Teil der Serie wird. Vorher liest es sich wie Melasse. Das liegt vor allem daran, dass Martin einfach nichts einfallen will. Man kann dabei zusehen, wie er mit der Schreibblockade ringt.

Inhaltlich äußert sich das im völligen Stillstand der Geschichte. An den beiden Hauptschauplätzen, der Mauer und Mereen, geht nichts mehr. Jon Snow ist von Stannis und seinen eigenen Leuten blockiert und als er einen Befreiungsschlag unternimmt, endet das … nicht so gut. Daenerys sitzt auf ihrem Thron und zagt und zaudert. Ihre Drachen werden bald weg gesperrt und so tanzt nichts und niemand mehr. Selbst eine meiner Lieblingsfiguren, Tyrion Lannister, wird zu einem langweiligen Säufer degradiert. Und weil ihm nichts einfällt, wiederholt Martin immer und immer wieder das, was mal gut an seinen Büchern war.

Als ich das erste Mal „… for the night is dark and full of terrors“ las, lief mir ein Schauder den Rücken runter. In ADWD wir R’hllor so oft angerufen, in endlosen langweiligen Litaneien, dass ich angefangen habe, ganze Seiten zu überspringen. Martins wenig zimperliche Art, Gewalt nicht zu beschönigen, wird durch die Reek-Figur und den Winterfell-Schauplatz zu einer Art Folter-Porno. Und der eine gute Einfall, Reek, halb wahnsinnig, mit seiner Identität ringen zu lassen, wird ad absurdum geführt durch die ständige Wiederholung von „My name is Reek, it rhymes with [weak/freak/meek/etc.]“.

So, das war genug Enttäuschung. Es gibt auch Gutes zu sagen über ADWD. Die Storyline an der Mauer war schon spannend, auch im ersten Teil. Und als Martin dann doch eingefallen ist, wohin er mit der Geschichte will, konnte ich stellenweise das Buch nicht aus der Hand legen und rief ein paar Mal „Lapis‘ gewölbte Augenbrauen des Todes“ hervor.

Leider fiel ihm dann aber zu viel ein. Der zweite Teil ist stellenweise ein Teppich, der am Rande ausgefranst ist. Überall lose Enden. Statt diese aber abzuschneiden oder einzuweben, ribbelt Martin das Gewebe weiter auf.

Im Vorwort äußert er die Hoffnung, in „Winds of Winter“, dem nächsten Buch, alle Personen und Schauplätze wieder unter einem Deckel zu versammeln. Nach der Lektüre von ADWD bin ich skeptisch, ob ihm das gelingt. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Ich werde die nächsten Teile sicher lesen. Nur wie ein kleiner Junge an Heiligabend, werde ich bestimmt nicht mehr auf George R.R. Martin’s Bescherung warten.

 

 

 

 

 

 

*Ich benutze die englischen Begriffe, weil ich die Serie nur auf englisch gelesen habe und Verwirrung vermeiden will.

 

6.9.2011: Morgen ™


Hallo Alle.

Wie ich letzten Freitag geschrieben habe, kommt morgen die nächste Miszelle aus der „Gelesen“-Reihe über „A Dance with Dragons“.

Moment mal, werden manche sagen. Morgen? Was ist mit Samstag? Will der Typ sich nicht mal winden und entschuldigen? Wir bez …. schenken ihm immerhin unsere kostbare Aufmerksamkeit, die wir auch dem neusten Webcomic oder niedlichen Tierbildern schenken könnten.

Gemach, liebe Leserin und lieber Leser. Ich erkläre das.

Wie ihr ja wisst, bin ich bekennender Prokrast mittelschwerer Auspägung. Heißt: ich kriege trotz aller Verschieberei noch etwas gebacken. Meist morgen. I normalen Raum-Zeit-Gedöns ist ‚morgen‘ der folgende Tag. Für Prokrasten ist ‚morgen‘ ein mythisches Land, in dem alle Aufgaben gelingen, bzw. eigentlich schon erledigt sind, wenn wir nur a  sie denken. ‚Morgen‘ hat eine unendliche Zahl an Stunden oder, wie manche Physiker fasziniert feststellen, Zeit scheint dort überhaupt keine Bedeutung zu haben.

Mittlerweile gibt es schon professionelle Anwendungen dieses neu entdeckten Phänomens: Soon™. Wer zum Beispiel in der IT-Branche darauf wartet, dass ein wichtiges Update erscheint, ein Programm oder irgend etwas, an dem mindestens ein Informatiker beteiligt ist, wird oft auf   Soon™ vertröstet. ‚Bald‘ ist natürlich nur die halbherzige, runtergedummte Version von ‚morgen‘.

Deswegen mache ich hier und jetzt meinen Anspruch auf morgen™ geltend! Wenn ich also in Zukunft schreibe, dass ich morgen ganz sicher eine super witzige Miszelle über den Pudel von Sarah Connor schreiben werde, dann ist das natürlich als morgen™   zu lesen.

Wann die nächste richtige Miszelle kommt?
Na, morgen natürlich.

Gruß,
Skeltem

P.S: damit die Tierbild-Liebhaber doch auf ihre Kosten kommen:

Planking auch bei Tieren im Trend
gefunden bei: cuteoverload

2.9.2011: Einige Updates


Moin.

Zu „Gelesen> William Gibsons Blue Ant Trilogie“: Ich habe jetzt noch einmal „Spook Country“ angefangen und muss sagen, dass er wesentlich besser ist, als ich es in Erinnerung hatte. Auch beim Verfassen der Miszelle. Also bin ich dem Buch irgendwie eine Entschuldigung schuldig. Oder so.
Da Gibson aber sowieso Pflichtlektüre eines jeden Voll-, Halb-, oder Viertel-Nerds ist (sein sollte), kann man höchstens der Meinung sein, dass das das Buch nicht ganz so großartig ist, wie seine Geschwister.

Zu „Operation Kino„: Ich war dann noch mit Lapis in „Die anonymen Romantiker (Les Emotifs)“. Netter Film mit angenehmem Kuschelfaktor. Setzt natürlich eine angemessen kuschelige Begleitung voraus.
Vor allem aber erinnerte mich der Besuch daran, dass Kino vor allem eine Sache ist, die man mit anderen macht. Wie so viele Dinge, macht es höchstens Lust auf „das Richtige“, wenn man alleine Filme ansieht.

Die nächste Miszelle wird wieder „Gelesen“ sein und sich mit einer Tragödie beschäftigen. Dem fünften Teil der „Song of Ice and Fire“-Serie. Oder George R. R. Martin, wie man’s nimmt.
Sie sollte morgen erscheinen.

In Berlin scheint mal wieder die Sonne und wenn der „Sommer“ mich eines gelehrt hat, dann, dass man solche Gelegenheiten nutzen muss.
Ich gehe also in eine Ausstellung 😉

Bis dann,
Skeltem

Operation Kino


Letzten Freitag bin ich zum ersten Mal seit sieben Jahren wieder in einem Kino gewesen (das diesen Namen verdient). Es war – ernüchternd.

Seit ich, noch in Coburg, das Berliner Kinoprogramm studiert hatte und sah, dass nicht nur kleine Pupskinos Filme im Original mit Untertiteln zeigten, sondern auch „richtige“ mit echten Leinwänden, war ich total aus dem Häuschen.

Ich liebe Filme. Neben der Musik waren meine Kinobesuche eins der Dinge, die ich nach dem Ertauben am meisten vermisste. Der letzte Film, den ich im Kino sah war „Van Helsing“ 2004. Ich war schon fast taub, aber der Meinung, dass man bei so einem Spektakel nicht unbedingt die „ausgefeilten“ Dialoge hören musste, um den Film genießen zu können. Leider war der Film weder mit (wie ich später auf DVD sah) noch ohne Dialoge genießbar. Dass ich eine wichtige Einzelheit des unglaublich dünnen Plots nicht verstanden hatte und damit der Film von vorne bis hinten keinen Sinn ergab, war für mich der letzte Beweis, dass meine Kinozeit vorbei war.

Zum Glück leben wir in der Zeit der digitalen Unterhaltung und der DVDs. Und auch wenn meine Landsleute offenbar zu faul oder zu knickrig sind, ihre ohnehin nicht berühmte Filmindustrie auch hörbehinderten Menschen zugänglich zu machen, konnte ich doch in den letzten Jahren auf dem Laufenden bleiben, was so gespielt wurde. Natürlich ist der Eindruck, den ein Film entweder auf unserem Winzfernseher oder meinem Monitor macht nicht so gewaltig. Auf der anderen Seite habe ich es wirklich sehr selten vermisst, irgendwelche Blockbuster in 3d und was auch immer der Soundstandard heute ist zu sehen. Das letzte mal bei „The Dark Knight“ glaube ich.

Letzte Woche war dann hier in Berlin das „Fantasy Film Fest“. Das ich schon immer mal besuchen wollte. Die meisten der gezeigten Filme wurden im OmU vorgeführt. Ausgerechnet „Red State“ von Kevin Smith, der Film, den ich am liebsten gesehen hätte, nicht. Aber irgendwas ist ja immer. Da ich den Vorverkauf für Festivalkarten verpasst hatte und das Geld etwas eng war, konnte ich nur einen Film ansehen. Ich entschied mich für „Shaolin“ von Benny Chan. Teilweise, weil der Film einfach zu einem günstigen Zeitpunkt lief. Und natürlich, weil ich schon Wuxia-Fan, als die bei uns noch „Kung-Fu-Filme“ hießen. Ich schäme mich nicht zu schreiben, dass „Jui Kuen“ (‚Sie nannten ihn Knochenbrecher‘ *augenroll* ) …. na ja … ein guter Film war.

Das FFF lief im Cinemaxx am Potsdamer Platz, also bekam ich gleich die volle Multiplex-Dröhnung. Die bestand erst mal im Preis der Kinokarte. War die Inflation so stark in den letzten sieben Jahren? Um mich zu beruhigen, bestellte ich mir dann noch eine Cola. Die gab es aber nur ab der „Kindergröße“ von einem halben Liter. Autsch.

Das waren dann aber eigentlich die einzigen Überraschungen und eigentlich war das auch nicht wirklich überraschend. Insgesamt war der Besuch im Film-Tempel eher antiklimaktisch. Ich hatte so viel Vorfreude investiert, dass das eigentlich Ding dann ziemlich abfallen musste.

Dazu kam, dass der der Film ziemlich mittelmäßig war. Die Kampfszenen waren nett choreographiert, habe ich aber auch schon besser gesehen. Die Schauspieler gaben ihr bestes, das Ensemble war ziemlich erlesen mit Andy Lau, Nicholas Tse und Jackie Chan in einer Nebenrolle, aber die Story war dünn und das Drehbuch recht schwach.

Einzig das Gefühl der Immersion, das „Versinken im Film“ erwischte mich ziemlich kalt. Ich hatte vergessen, wie einen der dunkle Raum und die riesige Leinwand förmlich im Film aufgehen lassen können. Die Kino-Magie wirkt immer noch.

Es war genau so, wie ich es in Erinnerung hatte. Nur eben realistischer und weniger romantisch. Sogar der „Zwei-Meter-Mann“ war gekommen, der sich immer vor mich gesetzt hat. Nur in Berlin war er eher klein, machte das aber damit wett, dass er ständig an seiner frisch geschorenen Glatze kratzen musste und mit seinem Ärmchen die Untertitel abdeckte.

Liebe birgt immer die Gefahr, enttäuscht zu werden. Wer heute das Kino liebt, wird das sehr gut nachempfinden können. Trotzdem ist die erfüllte Liebe das Größte, was es gibt. Meine nächsten Kinobesuche sind schon fest eingeplant.

Danke für OmU!

5.8.2011 – Wieder da, in etwa


Hallo Leute.

Lange nicht gelesen.
Seit dem Umzug sind jetzt auch schon drei Wochen ins Land gegangen. Mein Zimmet ist nicht mehr total chaotisch und unaufgeräumt, weil ich gerade eingezogen bin. Es ist chaotisch unf unaufgeräumt weil es, nun ja, mein Zimmer ist.  Ich habe schon ein paar wichtige Dinge in Berlin gemacht und gefunden. Andere, Wischmop und Onko-Cappuccino zum Beispiel, finde ich zum Teufel komm raus nicht.

Miszellen-mäßig war ich ja eher faul. Aber anders als bei meinen früheren Pausen hatte das nichts mit irgend welchen schlimmen Dingen zu tun, sondern schlicht damit, dass ich keinen Bock hatte vor dem Computer zu sitzen. Hier gibt es einfach so viel zu tun auch bei dem Scheißwetter.

Zwei Miszellen, eine „Frei nach meinem Leben“ und eine „Gelesen“ sind geplant und konzipiert und kommen sicher nächste Woche. Aber jetzt fahre ich nach Mitte 😛

Schönes Wochenende,
Skeltem

Gelesen > Sexualität und Christentum (soweit ich es ertragen habe)


Vor vielen Jahren, es waren die lahmen 80er, fiel mir in der Stadtbücherei ein dickes Buch in die Hände, das verkündete, das Wissen und die Macht eines geheimen Ordens zu kennen. Der Orden: die Tempelritter (natürlich!). Der Gral war das Geheimnis, Jesus Christus sei als Pater Familiaris in einem Ashram in Indien im hohen Alter gestorben. Im Kreise seiner Kinder und seiner Frau Magda.

Ehrlich gesagt, die Pointe des Buches war ein ziemlicher Antiklimax. Ich hatte irgend etwas im Stile der Illuminaten erwartet. Jesus interessierte mich nicht so. Und ob er nun am Kreuz gestorben ist oder – leicht übergewichtig, das schüttere Haar immer noch lang, ab und zu kichernd im Neuen Testament blätternd – auf Goa, war mir egal. Immerhin war das Buch recht spannend geschrieben. Eine Ritterpistole, die auf echten Mythen beruht, die lose auf historischen Fakten basieren. Viel „man könnte sagen“ und “wenn man davon ausgeht, dass ..“ und natürlich auch „Aber was war auf dem Heuwagen? Forscher sagen heute ….“ Man kennt das aus „Galileo“.

Als ich die ersten ca. 20 Seiten von Dan Browns „Da Vinci Code“ gelesen hatte, wusste ich, worauf es hinaus läuft. Das Buch war trotzdem in der ersten Hälfte kurzweilig, dann übertrieb er es einfach mit immer neuen Wendungen, die nicht wirklich überraschend waren. Ein Trivialroman, der auf einem vergessenen populär“wissenschaftlichen“ Buch beruhte. Das einzige, das mich ärgerte, was der Erfolg Browns, bzw. dass er diesen mit so einem mittelmäßigen Roman erzielte. Aber die meisten erfolgreichen Dinge sind ja im besten Fall Mittelmaß.

Jetzt habe ich so viel zu anderen Büchern geschrieben und erwähne hier zum ersten Mal „Sexualität und Christentum“. Genau darum:

Dan Brown erregte […] gewaltiges Aufsehen. Er vertritt [in „Sakrileg“], Jesus sei verheiratet gewesen und habe Kinder gehabt. Dieses Buch ist […] als Roman klassifiziert, aber die Ausgangsposition dieser phantasievollen Erzählung ist […] plausibel.“ (19)

Dann ergeht sich der „Professor für Pastoraltheologie“ Raymond J. Lawrence Jr. Darin, dass die „Mutmaßung“ Browns hinsichtlich des Familienstandes JC’s „vermutlich“ „am ehesten“ zutreffe. In der Bible finden sich zwar keine Belege, aber „außerkanonische Texte“ (er nennt das Philippusevangelium) erwähnten eine „besondere Beziehung“ zu Maria Magdalena. Man könne das nicht so einfach als unhistorisch abtun.

Doch kann man. Genauso wie den Rest zumindest der ersten beiden Kapitel, die zu lesen ich ertragen habe. Es gibt keine Quellenarbeit oder zumindest Bibelexegese nach der historisch-kritischen Methode. Es gibt viele Vermutungen, Auslegungen und vor allem absolut unwissenschaftlichen Induktionen. Lawrence hat eine Agenda: die christliche Sexualmoral sei „falsch“ und beruhe auf willkürlich missverstandenen Lehren, bzw. kulturellen Traditionen, die nichts mit Jesus zu tun hätten. Diese Agenda bestimmt seine Argumentationslinie und, Mann, ist das eine miese Argumentation. Seine Quellen würden in eine Proseminarsarbeit passen, aber nicht zu einem ernst gemeinten Beitrag zur Religionsgeschichte. Seine Bibelzitate zum Beispiel stammen aus einer Übersetzung. Natürlich ist ein amerikanischer „Professor“ ein etwas besserer Lehrer, aber ich musste für meinen Magister in Religionsgeschichte mein Latinum (nach)machen und jeder Theologe muss

die „drei Sprachen der Kreuzesinschrift“ (Latein, Altgriechisch, Hebräisch) kennen. Jeder Historiker, Religions- und andere, ist vor allem von Quellen abhängig. Wenn man nicht eng an den Quellen arbeitet, kommt so etwas wie „Sexualität und Christentum“ heraus: ein spekulatives, von persönlichen Interessen geprägtes Schein-Sachbuch.

Wie gesagt: es ist mir persönlich egal, ob Jesus nun Single, Familienvater oder schwul war. Mich interessiert das Thema als Religionswissenschaftler, der plötzlich feststellen musste, dass er mehr über den Buddhismus als über das Christentum weiß und diesen Makel beheben will. Aber ich kann es auf den Tod nicht ausstehen, verarscht zu werden. Und nach der Lektüre der Einleitung, der ersten beiden Kapitel und dem Schluss des Machwerkes komme ich mir unglaublich verarscht vor.

Und ich habe den Vorteil, mich auszukennen. Die Fehlleistung „Professor“ Lawrences wäre mir zumindest nicht so krass ins Auge gefallen, wenn ich nicht parallel Diarmaid McCullochs „Christianity: The First Three Thousand Years“ lesen würde. Kein unumstrittenes Buch, aber etwa 10.000 mal besser recherchiert als „Sexualität und Christentum“ mit einem Apparat den man auch benutzen kann.

Was mich besonders wütend macht, ist dass Laien meistens nicht zwischen den gut recherchierten, wissenschaftlichen Büchern und dem Schrott unterscheiden können. Meine Mutter wollte sich über den Islam informieren und fragte mich, ob „dieses Buch“ gut sei. Ich schlug die erste Seite auf, las der ersten Absatz, in dem der einzig „erfolgreiche“ Kreuzzug (der erste) als Misserfolg abgetan wurde und konnte sofort sagen: „Nein“. Manchmal frage ich mich, ob die Sachbuchverlage mittlerweile die Position von Lektoren an Gymnasiasten vergeben.

McCulloch hat übrigens auch etwas zu Dan Brown gesagt:

Some overexcited modern commentators and mediocre novelists have even elevated her [Maria Magdalena] (on no good ancient evidence) to the status of Jesus’s wife“. (116)

Besser Arm dran ….


Der Arzt: Herr O.?: Ah, Sie sind wach.

O: … Hm? .. bin ich?

A: Im Aufwachraum. Ich wollte persönlich nach Ihnen sehen und Ihnen sagen, dass die OP ein voller Erfolg war.

O: .. schön …

A: Ja, dieses Hühnerauge kommt nie wieder. Hasta la vista, Klavus. Haha.

O: Das ist schön, Doktor. Wann lässt de Betäubung nach?

A: Betäubung?

O: Ja, die örtliche Betäubung. Ich kann meinen Fuß gar nicht fühlen.

A: Wenn Sie ein Vollnarkose bekommen, braucht es keine örtliche Betäubung, Herr O.

O: Und warum …?

A: Da machen Sie sich mal keine Sorgen. Wenn Sie Ihren Fuß nicht fühlen können ist das ganz normal nach so einer OP.

O: Da bin ich aber ….

A: Immerhin haben Sie auch keine Phantomschmerzen.

O: Was? Phan….

A: Manche Patienten haben nach Amputationen…

O: AMPU- was??!!

A: Du lieber Himmel, jetzt beruhigen Sie sich. Sie sind nicht der einzige Patient hier.

O: OH MEIN GOTT! Sie haben meinen Fuß amputiert!

A: Jetzt tun Sie nicht so, als hätten wir es Ihnen nicht bei der OP-Aufklärung gesagt.

O: Sie meinen, als Sie mich über die Risiken der OP aufgeklärt haben? Nach „Verlust jeder kognitiven Funktion“ und vor „sabbernder Idiot für den Rest Ihres Lebens“?

A: Nein, nein. Als ich erwähnte, dass wir gründliche, proaktive und terminale Methoden bevorzugen. Wie gesagt: An dem Fuß wird nie wieder ein Hühnerauge wachsen.

O: Aaaaaaarrrrrgh!

A: Oh. Wollten sie Ihren Fuß nicht sehen? Manche Patienten nehmen sie mit nach Hause.

O: Ich … ich … verklage Sie! Sie … Sie …. Metzger!

A: Na viel Spaß dabei, Herr O. Unsere Rechtsabteilung ist der am besten zahlende Arbeitgeber in diesem Bundesland. Erinnern Sie sich noch, Schwester? Diese peinliche Verwechslung bei der Geschlechtsumwandlung?

Schwester: Ja, ich …

A: Schnauze! Wir haben überzeugend darlegen können, dass ein Leben mit zwei Genitalien tatsächlich ein Vorteil ist und unser Honorar verdoppelt.

O: Wenn Sie mir vorher gesagt hätten, was Sie vor haben ….

A: Aber das haben wir doch, Herr O. Wir haben sogar Ihre Unterschrift.

O: Aber ich dachte ….

A: Sehen Sie, da ist das Problem. Sie dachten. Leider sind Sie ein medizinischer Laie und ich bin Doktor der Medizin. Ich könnte Ihnen in vielen lateinischen Worten sagen, warum es absolut notwendig war, Ihren Fuß abzunehmen. Aber das verstehen Sie ja sowieso nicht, warum also die Mühe. Vertrauen Sie mir einfach.

O: Vertrauen?! Nachdem Sie mich zum Krüppel gemacht haben?

A: Nun mal nicht so melodramatisch. Die Prothesentechnik ist heute sehr weit. Bald werden Sie wieder … Was sind Sie von Beruf?

O: Tänzer.

A: Autsch. Aber denken Sie mal an diese Einbeinige. Die Ex von diesem Beatle ….

O: Heather Mills?

A: Genau. Die hat doch auch getanzt. Sogar im Fernsehen. Das sah zwar scheiße aus … Nanana. Wer wird denn weinen?

O: Was mache ich denn jetzt?

A: Sie suchen sich erst mal eine schöne Prothese aus. Einer wie Sie landet doch immer auf den Füßen, autsch.

O: Ich bring mich um!

A: Das lassen Sie mal schön sein. Hier. Ich habe Ihnen einen Katalog zum Blättern mitgebracht. Als Tänzer und Kassenpatient dürften Sie sich allerdings höchstens den „Käpt’n Jack Sparrow“ leisten können.

O: Den was?

A: Früher hieß das Modell „Long John Silver“, aber sie müssen ja mit der Zeit gehen. Außerdem ist der Gang mit der Prothese ähnlich … exaltiert.

O: Ein … ein … Holzbein?

A: Sehen Sie es mit Humor. Wenn Sie von Vampiren angegriffen werden, haben Sie immer einen Pflock zur H … zum Fuß. Witzig nicht? Hallo? – Seufz – Schwester! Da hat sich einer am Tropf erhängt.

Schwester: Schon wieder?