EVE Online: Skeltem Story


Skeltem, in der EVE Version, fing als richtiges Arschloch an, entwickelte dann Führerqualitäten, dann ein Gewissen, Demut, Ambitionen. Er zerbrach fast, als seine Corp zerbrach, heilte sich im Raum seiner Feinde, entwickelte seinen Killer Instinkt und ist jetzt dabei, wieder ein Arschloch zu werden. Die Story seines Lebens.

Nachdem ich fast mit EVE aufgehört hatte, und mich meine Freunde vom Trident wieder hinein gezogen haben, verbrachte ich die meiste Zeit in EVE damit, Missionen für die NPC Fraktion der Amarr zu fliegen. Rollenspielerisch kann ich das leicht begründen. Skeltem war Soldat und nur weil er jetzt ein Capsuleer ist, heißt das nicht, dass er keine Pflichten mehr gegenüber Kaiser und Gott hat. Praktisch hatte ich eine Scheißangst gegen andere Spieler zu kämpfen. Wir waren im Low Sec und immer wieder kamen Piraten vorbei, um unsere Glücksbärchikreise zu stören. Wenn dann ein rot leuchtendes Quadrat in meinem Overview auftauchte, war es eigentlich schon vorbei. Tod durch Nerven.

Als Amarr-Loyalist hatte ich mich außerdem auf Amar-Schiffe zu beschränken, die ja die besten im Universum sind. Leider waren Amarr damals eben nicht die besten, sondern, Im Schnitt, die am schlechtesten unterstützten Schiffe. Außerdem faszinierten mich die organisch anmutenden Gallente Schiffe. Also lernte ich, Schiffe des Feindes zu fliegen und begründete das mit einer heimlichen Vorliebe für die hedonistische Lebensart der Gallente, die seiner harten und spartanischen Erziehung entsprang.

Zudem war unsere Corp bunt gemischt. Ich konnte mich nicht überwinden, Leute die ich mag, auch nur im Spiel, als „minderwertig“ anzuschnauzen. Also weichte Skeltem mehr und mehr auf. Das Gute war, dass das Stereotyp „Amarr-Nazi“ immer mehr in den Hintergrund trat, die Figur dadurch aber auch Facetten gewann.

Als TFT immer rastloser wurde – die PvPer hatten zu wenig PvP im Low Sec, die Mission Runner hätten mehr Profit im sicheren High Sec, die Industriellen hatten kaum Industrie – überredete ich meine Leute in die Nähe der Providence-Region zu ziehen. An den Rand des gesetzlosen Nullsec-Raumes.

Providence war damals das Mekka all jener, die einen ersten Zeh in das „Endspiel“ EVE Onlines stecken wollten. Die Curatores Veritatis Allianz beanspruchte die Region für sich. Amarr-Rollenspieler. TFT sollte dort alles finden: reichlich PvP (check!), Missionen im angrenzenden Low Sec, der auch von der CVA geschützt wurde (check!), bessere Möglichkeiten sich zu entfalten für die Industrials (ch … leider eher weniger). Das war das erste Mal, dass TFT Spieler verlor und das tat mir verdammt weh, betrachtete ich sie doch inzwischen als „meine“ Corp.

Skeltem war nun am Ziel seiner Wünsche, ich aber immer noch ein „Carebear“, der lieber Missionen machte, als im 0.0 zu kämpfen. Die Corp dümpelte etwas dahin, weil jeder machte, was er wollte (gut!), aber selten etwas als Corp (schlecht). Zur Abhilfe dachte ich mir die „Operation Winddancer“ aus, die TFT in die Tiefen des rechtslosen Raumes schleudern und uns ein gemeinsames Ziel geben sollte. Das mit dem Ziel klappte, trotzdem zerstörte „Winddancer“ TFT.

Ich wollte uns in die „Sylph“ Allianz bringen. In einer wunderbaren Aktion brachten wir zusammen das Geld dafür auf, das es brauchte, um unseren Zugang zu ermöglichen. Doch leider erwies sich „lolSylph“ als eine der größten Versagerallianzen des Clusters und wir nicht gut gewappnet für das Leben im 0.0.

Eigentlich wollte ich aufhören mit EVE. Aber ein Freund aus TFT tat etwas auf. Die Allianz Foundati0n [sic!] machte im Minmatar Raum etwas ähnliches wie die CVA. Skeltem zog also in den Raum des „Feindes“. Und blieb dort.

Skeltem „went native“. Die Minmatar Schiffe sehen zwar alle aus als seien sie hastig aus Schrott und industriellen Klebeband zusammengebaut worden, haben aber ihre eigenen Stärken. Mittlerweile fliege ich fast nur noch Minmatar. Jemand hat mal geschrieben, „Minmatar zu spielen sei, als wenn man schreiend mit einem Bürostuhl eine Treppe runterfahre und dabei eine Uzi abfeuert“. Kann ich bestätigen.

Der fantasierte Skeltem hat seine Sklaven schon lange freigelassen. In den Great Wildlands wäre er vermutlich auch sofort mehrmals erschossen worden, wenn er sich als Sklavenhalter geoutet hätte. Als Foundati0n aufgelöst wurde und ich die Wahl und auch schon Angebote von anderen Corps hatte, blieb ich trotzdem in den GW. Die Entscheidung trafen Skeltem und ich gemeinsam.

Jetzt ist es allerdings gut. Nach fast drei Jahren will ich mal wieder etwas anderes sehen, als immer die gleichen verrosteten Raumstationen. Vielleicht ist es Zeit, nach Hause zu gehen.

Die Möglichkeit, die neuen, verbesserten Avatare zu erstellen habe ich benutzt, um ein Statement in der Richtung abzugeben. An der Wand rechts über Skeltem ist das Symbol der Minmatar-Fraktion. Darunter ein grübelnder Skeltem.

Aktuell ist Skeltem wieder im Low Sec gelandet zusammen mit Mitgliedern seiner ehemaligen Corp. Diese schießen jetzt auf ihre früheren Freunde. Ich will das nicht. Skeltem ist kein Arschloch mehr.

Vielleicht ist das kein richtiges „Rollenspiel“. Aber es fällt mir leichter eine „Geschichte“ zu spielen als, zum Beispiel, Killboard-Statistiken. Das Leben unter den Matari hat übrigens meinem Killerinstinkt richtig gut getan, Wenn jetzt ein nicht blau gekennzeichnetes Schiff auftaucht, schieße ich erst und frage dann. Oder auch nicht.

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EVE Online: lolRP*


Ich habe mich hier ja schon seit längerem als Rollenspieler geoutet. Allerdings auch gleich als „klassischen“ P&P-Rollenspieler. Aber auch wenn die meisten Computer-“Rollenspiele“ reine Zahlen-Steigerungsmaschinen sind, die auf den Belohnungsinstinkt zielen, kann man in ihnen mit etwas Phantasie seine Rollenspielvorliebe ausleben. EVE Online ist als Sandbox-Spiel besonders geeignet, denn man kann nicht nur, man muss seine eigene Geschichte spielen. Auch wenn die meisten, ähem, harten Jungs in EVE Rollenspieler verachten und seltsam finden. Heute gestehe ich: Ich bin ein lolRPer!

Rollenspiel in EVE (und den meisten anderen Online-Spielen, läuft wie im „echten“ RPG über Kommunikation ab. Man erzählt anderen Spielern, wie toll sein Volk sei, wie überlegen die Technologie und wie minderwertig andere Völker sind. In EVE organisieren Rollenspieler sich zudem in „reinen“ Corps, die nur die Schiffe der eigenen Rasse fliegen. Besonders gerne werden Amarr und Minmatar rollenspielerisch erforscht. Der Konflikt zwischen der Curatores Veritatis Allianz (Amarr) und den Ushra’Khan (Minmatar) ist legendär in EVE. Auch wenn sie, natürlich, nur lolRPer sind.

Als ich Skeltem 2006 erschuf, war ich gerade in meiner kurzen Warhammer 40k Phase. Deswegen zogen mich gleich die faschistischen Religionsfanatiker vom Reich der Amarr an. Außerdem fliegen sie goldene Schiffe und schießen mit Lasern. Ich meine: mit LASERN! Skeltem war ein Soldat aus der amarrischen Flotte und dem Reich, Gott und der amarrischen Rasse fanatisch ergeben. Entsprechend sahen seine ursprünglichen Werte aus: Sehr hohe Willenskraft, sehr niedriges Charisma und der Rest Durchschnitt. Dann kämpfte Skeltem erst mal nicht gegen die Feinde des amarrischen Sternenreiches, sondern gegen EVE selber.

Lernkurve von EVE Online2006 war EVE noch furchtbar für neue Piloten. Die Lernkurve legendär steil und alles in allem undurchschaubarer als die Politik der schwarz-gelben Koalition. Bevor ich also meine eigene Geschichte schreiben konnte, musst ich mich mit dem Spiel auseinander setzen. Nicht nur das UI, das grottig war und erst jetzt langsam verbessert wird und die undurchschaubaren Spielmechanismen waren Anfängern ein Graus. Auch dass man mitten hinein geworfen wird in ein feindliches Universum, in dem man viel machen kann, aber nur wenn man eine Idee hat, was man machen will.

Skeltem war, und ist, Soldat, also wollte ich einen Kampfpiloten machen. Wegen meiner Taubheit kann ich aber keine Voicecomms benutzen. Das schloss PvP von vorneherein aus, dachte ich. Also schloss ich mich einer Industriecorp, Mare Stellaris, an. Was ein Fehler war. Weder Skeltem noch ich interessieren sich für Mineralienpreise und Blaupausenkopien.Nach dazu zog die Corp in den Raum der den Amarr feindlichen Minmatar und Skeltem fühlte sich wie der einzige Palästinenser im Kibbuz. Plus: Ich war einfach nicht bereit für das 0.0 – keine-Sicherheit – Gebiet.

Ich verließ die Great Wildlands, Mare Stellaris und EVE selbst. Frustriert.

Ein paar Monate später erfasste meine Trident-Community das EVE-Fieber. Wir gründeten die „Trident Future Technologies“ und hatten schnell eine passable Anzahl von angehenden Raumpiloten zusammen. Ich machte mit den anderen einen neuen Anfang, diesmal im Amarr-Raum. Diesmal wollte ich es richtig machen. Auch rollenspielerisch.

Im zweiten Teil erzähle ich, wie aus einem Fanatiker ein Geläuterter werden kann, der matarische Waisenhäuser unterstützt.

* lolRP: EVE-spezifische Beleidigung für Rollenspieler. Zusammengesetzt aus den Akronymen LOL (laughing out loud) und RP (role playing) – Spinner

18 Months Later …


Im Juni 2010 flog das von Spielern gewählte „Council of Stellar Management“ (CSM), eine Art Betriebsrat der EVE Online Spieler, nach Reykjavik, Island, um dort mit Crowd Control Production (CCP) über ihr Spiel zu reden. Und um, wie es in Spielerkreisen lautstark gefordert wurde, CCP „in den Arsch zu treten“.

Der Grund für den Unmut der Community ist, dass seit der ‚Dominion‘ Erweiterung größere Kämpfe im heiß umkämpften ‚No Sec‘, für Spieler eroberbarer Weltraum, unter heftigen Problemen leidet, die die Spieler zusammenfassend als ‚Lag‘ bezeichnen. Die Frustration der Spieler hat mittlerweise Kreise gezogen.


A1 Online

Waren noch zu Apokrypha-Zeiten Ansammlungen von bis zu 1.400 Spielern in einem Sonnensystem (gerade noch) spielbar, so breche die Performance seit Dominion schon ab 200 Schiffen in einem System zusammen, manchmal noch früher.

Dazu kommt, dass CCP durch einen beschleunigten Entwicklungsplan, der zwei größere Content-Erweiterungen pro Jahr umfasst, viele begonnene Projekte unfertig in ihrem Spiel liegen lassen. Zum Beispiel hat sich seit ihrer Einführung im Jahr 2006 nichts mehr bei den COSMOS-Missionen getan, welche die EVE Storyline vorantreiben sollten. Ein anderes Beispiel ist der mit großem PR-Aufwand eingeführte Faction War. Das  „kleine Endspiel“, das Spieler zum PvP im gesetzlosen Raum führen sollte, leidet auch nach kleineren Korrekturen an massiven Problemen. Dazu kommen viele Balance-Probleme (Rockets, Assault Ships etc.), ein GUI von Anfang des Jahrtausends und Bugs, die zum Teil schon in der Beta des 2003 erschienen Spieles bekannt waren.

Die CSM Obfrau Carole „Mynxee“ Pivarnik und ihre neun Mitstreiter/innen wurden mit dem klaren Auftrag der Spieler nach Reykjavik geschickt, von CCP zu fordern, sich endlich um die vielen brach liegenden Baustellen in ihrem eigenen Spiel zu kümmern. Die Veröffentlichung der Protokolle des CSM-Besuchs auf Island sowie Forenposts der CSM-Mitglieder selbst, könnten sich aber zu einem PR-Desaster für CCP entwickeln.

„Qualität verkauft sich nicht“ – Mehr Bling!

In Anspielung an den eigenen Anspruch CCPs ein „excellentes“ Spiel abliefern zu wollen, stellte das CSM dies beispielsweise in Frage, indem darauf hingewiesen wurde, dass EVE praktisch ein unfertiges (unpolished) Produkt sei. CCPs Executive Producer Nathan „Oveur“ Richardsson entgegnete darauf, dass CCP mehr in die Entwicklung ihres Spieles investieren würde als die meisten anderen Firmen, was ein klares Zeichen für ihr Engagement sei. Das CSM zeigte sich nicht überzeugt und argumentierte, dass diese Ressourcen nicht dafür eingesetzt werden sollten, ständig neue Features („Shinies“) zu entwickeln, sondern die bestehenden abschließend zu entwickeln („polish“). Daraufhin entgegnete Richardsson:

Zitat
„[…] the data does not seem to support that polished quality sells better than new features.“ („Die Daten unterstützen die Annahme nicht, dass ausgefeilte Qualität sich besser verkauft als neue Features“)

In diesem Sinne wurde der Entwicklungsplan CCPs für ihr Spiel vorgestellt. In den nächsten drei Content-Erweiterungen, die bis Ende 2011 erscheinen werden, wird es vor allen Dingen darum gehen, die Verzahnung von EVE Online mit dem Konsolen-Shooter Dust 514 vorzubereiten und die lange erwartete „Incarna“-Erweiterung einzuführen. In Incarna, ehemals „Walking in Stations“ und „Ambulation“, sollen die EVE Spieler endlich ihre Raumschiffe verlassen können und mit Avataren in den Stationen herumlaufen, Mini-Spiele absolvieren und, EVE typisch, sich auch in allerlei illegalen Aktivitäten vergnügen können.

Für diejenigen Spieler, die mit ihren großen Allianzen am Rande des EVE-Universums leben war dies ein harter Schlag und die Empörung ist immer noch groß. In den Augen der so genannten 0.0-Community (in EVE ist der Weltraum in Sicherheitsstufen von 1.0, sicher, bis 0.0, jeder darf auf jeden schießen, eingeteilt) werden ihre Probleme nicht ernst genommen, bzw. dem möglichen Cashflow durch Massen neuer Spieler geopfert, die Incarna möglicherweise anzieht. Die in Allianzen organisierten Spieler, die sich als die „wahren EVEler“ verstehen sind zwar statistisch gesehen eine Minderheit der ca. 300 000 Spieler, aber eine lautstarke.

18 months later

Die unzufriedenen 0.0 Bewohner reagieren in verschiedenen Foren ihre Frustration ab. Inwieweit sich der „Incarna-Skandal“ zu einem NGE für CCP entwickeln wird oder ob es sich nur um einen Sturm im Wasserglas handelt, wird sich zeigen. Im Laufe der nächsten 18 Monate.

EVE – The Empyrean Age, gelesen


Soeben habe ich das Buch „EVE – The Empyrean Age“ beendet. Es spielt in der Science Fiction Welt des Online Spiels „EVE“ und berichtet von den Ereignissen, die zu der letzten Erweiterung des Spieles, auch „The Empyrean Age“ genannt, führen. In dieser Erweiterung wird der kalte Krieg der vier vorherrschenden Fraktionen heiß. Spieler können sich jetzt sich auf eine der Seiten schlagen und für ihre Fraktion gegen andere Spieler in den Kampf ziehen.

Das Buch von Tony Gonzales ist angenehm dick (520, großzügig bedruckte, Seiten) und Softcover. Bei Amazon.de kostet es derzeit € 16,45. Allerdings scheint es Probleme mit der Verfügbarkeit zu geben. So wurde mir kurz vor dem offiziellen Erscheinungstermin mit Bedauern mitgeteilt, dass es nicht lieferbar sei. Zwei Tage später kam dann die Meldung, es werde Mitte Juli verschickt und tatsächlich war es dann am 1. Juli hier. Es liegt nur auf englisch vor.

Kurz zur Handlung: Seit dem letzten Krieg in „New Eden“ – dem Raumsektor, in dem EVE spielt – sind ca. 200 Jahre vergangen. Damals wurde ein Waffenstillstand zwischen den Konfliktparteien Gallente/Caldari und Amarr/Minmatar ausgehandelt durch die geheimnisvollen Jove. Über den Frieden wacht CONCORD, eine von den Jove mit überlegener Technik ausgerüstete Über-UNO. Allerdings sind die Konflikte, die zum Krieg geführt haben, nie wirklich aufgelöst worden. Die Heimatwelt der Caldari ist von der Gallente Föderation besetzt und ca. ein Drittel aller Minmatar fristen als Sklaven des Amarr Imperiums ein Menschen unwürdiges Leben.

In „The Empyrean Age“ wird aus der Sichtweise mehrerer Personen im Zentrum der Geschehnisse berichtet, wie der Waffenstillstand zerbröckelt und die Konflikte die Überhand gewinnen, so dass nicht einmal CONCORD einen neuen Ausbruch der Feindseligkeiten verhindern kann. Der Höhepunkt sind Ereignisse, die am Patch-Tag von CCP als „Nachrichtenmeldungen“ auf ihrer Homepage lanciert wurden und den Beginn des, spielbaren, Krieges der Fraktionen markierten.

Der Roman ist eindeutig Gebrauchsliteratur. Er dient dazu, den Spielern von EVE Online das Universum näher zu bringen, in dem sie sich mehr oder weniger häufig aufhalten. Und das gelingt ihm auch gut. New Eden wird von CCP immer als ein kalter, grausamer Ort beschrieben, in dem die Masse der Menschen einen schnellen Tod in Raumschiffgefechten dem langsamen Siechen in anonymen Megastädten vorzieht. Die Kapselpiloten (also die Spieler von EVE Online) werden als quasi unsterbliche Halbgötter verehrt, die ihre eigenen Regeln machen. Das Kalte, Grausame kommt gut rüber, manchmal ein bisschen zu gut. Gerade als EVE-Spieler bekommt man ein Gefühl für die brodelnden Massen „Normalsterblicher“, die mehr vegetieren als Leben. Die Frage, ob in den Raumschiffen, die wir fast täglich abschießen auch Mannschaften außer dem Piloten in seiner Kapsel sind, wird positiv beantwortet. So wie auch einige andere, die man sich in seiner EVE Karriere so stellt. Warum zum Beispiel automatisch jeder in einem Sonnensystem weiß, dass man da ist.

Das Buch gibt dem Computerspiel mehr Substanz. Die Spielwelt wird lebendiger. Leider manchmal etwas zu lebendig. Wenn ich von den Praktiken der Amarr gewusst hätte, hätte ich Skeltem wahrscheinlich nicht zu einem gemacht. Von den vier spielbaren Parteien kommen eigentlich nur die Gallente gut weg. Aber das könnte daran liegen, dass sie viel weniger Raum bekommen als die anderen drei Reiche. Es liest sich so, als sei Tony Gonzales zu den „Franzosen“ einfach nichts eingefallen.

Und damit kommen wir zu den negativen Dingen. Ich kann mir vorstellen, dass Mr. Gonzales sehr mit dem schon vorhandenen Hintergrund kämpfen musste. Die Spielwelt von EVE haben sich offensichtlich Menschen ausgedacht, deren Gefühl für die Logik einer Kultur bei „das liest sich cool“ aufhören. Wieso halten die Amarr in einer weit fortschrittlicheren Zukunftswelt Sklaven, wenn die Sklaverei schon im 17. – realen – Jahrhundert durch die Einführung der Dampfmaschinen obsolet wurde? Wieso herrschen im Caldari-Staat 7 Mega-Konzerne mit Menschen verachtenden Methoden, während der achte sozial wirtschaftet? Nebeneinander wohlgemerkt. Warum bemannen auch die Gallente ihre Raumschiffe mit Millionen Suizid Kandidaten, wo es den Menschen der Föderation doch so gut geht? (Und wo nimmt der achte „gute“ Caldari Konzern seine Mannschaften her?) Und wieso lassen die kriegerischen Minmatar rund ein Drittel ihrer Bevölkerung von dem Amarr, vorsichtig gesagt, misshandeln?

Gonzales kann den Kampf gegen einen wenig durchdachten Hintergrund nur verlieren. Deswegen hat er ihn schon zu Anfang aufgegeben. Ohne die wenige Spannung zerstören zu wollen, sind mir die frühen Episoden von Raumschiff Enterprise und ihre immer wieder kehrenden „Plot Device“ Wesenheiten eingefallen. Die Handlung ist arg konstruiert und verlässt sich zu sehr auf Mächte, gegen die keiner der Protagonisten eine Chance hat. EVE-Spieler wissen sowieso, was kommt. Alle anderen Leser haben Mühe, das Interesse aufrecht zu erhalten.

Das Aufsplitten der Geschichte in vier Erzählstränge hat ihr auch nicht gut getan. Zumal die Protagonisten überhaupt keine Entwicklung durchmachen. Eher Zustände. Vom Suizid planenden armen Schlucker zum mörderischen Diktator braucht es gerade mal ein Kapitel. Außer den vier Hauptpersonen werden einige Kapitel aus der Sicht anderer Beteiligter erzählt. Man muss ziemlich aufpassen, um mitzubekommen, welcher Strang gerade dran ist.

Eve- The Empyrean Age ist ein mittelmäßiges Buch für EVE- Spieler, die mehr über ihr Spiel-Universum wissen wollen. Nicht-Spieler werden verwirrt sein von dem nicht oder nur wenig erklärten Jargon, der uns Spielern in Fleisch und Blut übergegangen ist. Dazu kommt ein unglaubwürdiger Hintergrund. Für die EVE-Spieler ist die an sich unspannende Geschichte noch weniger spannend weil wir wissen, wie es aus geht. Zumindest, wenn wir nicht die letzten Monate unter einem Asteroiden in TA3T-3 zugebracht haben. Übrigens fand ich das Ende, obschon bekannt, enttäuschend. Gonzales, scheint es, hatte vollends die Lust verloren und die Erzählstränge flatterten traurig im Sonnenwind. Dass im letzten Kapitel die Jove auftauchen war ebenfalls keine Überraschung. Höchstens, dass man nach dem Lesen hofft, dass sie niemals eine spielbare Rasse werden.

Digitale Menschen analog


Was bietet man Hirngespinsten an, wenn sie auf Besuch kommen? Chili natürlich. Am letzten Wochenende haben mich gleich elf davon besucht. Ich war hoch erfreut.

Ich gebe es zu. Ich war sehr besorgt, als vor zwei Monaten eine unbedachte Bemerkung in einem Forum begeistert aufgenommen wurde. „Warum machen wir das nicht in Coburg?“ So unscheinbar und eigentlich harmlos. Bislang hatten die Tridents sehr erfolgreich jeden Versuch zerredet, sich mal im echten Leben zu treffen. Also wähnte ich ich auf der sicheren, als ich anbot, das Treffen in Coburg zu organisieren.

Aber dann kamen die ersten Zusagen. Die meisten blieben zwar zunächst skeptisch, aber nachdem der erste sein Hotel gebucht hatte und ich nicht anders konnte als einen Veranstaltungsort für das Wochenende zu mieten, war der Bann gebrochen. Von vier oder fünf EVE-Tridents schwoll die Welle der Besucher auf zuletzt 11 an. Oh … mein … Gott!

Wer sind diese Leute? Ich kenne die meisten davon seit über einem Jahr. Einige noch länger. Aber kenne ich sie wirklich? Ich kenne „Axxaran“ oder „Zidahya“. Habe mit „Shadowcaster“ diskutiert oder bin mit „Magic Path“ durch den Weltraum geflogen. Habe „Espoirs“ Händchen für Bilder und Videos bewundert, war über „Soonahs“ Austritt betrübt und habe mich gefreut, als „Doc Ruchi“ eingetreten ist. Aber letzten Endes sind sie so real wie Skeltem. Und aus berufenem Munde kann ich sagen, dass Skeltem zwar Ähnlichkeiten mit mir aufweist, aber alles in allem eine Fantasiefigur ist. Und da ich davon ausgehe, dass es bei den anderen auch so ist, wusste ich nicht, wen ich da eingeladen hatte.

Dazu kommt, dass ich erwiesener maßen schlechter höre, je mehr Menschen anwesend sind. Die „kritische Masse“ sind eigentlich vier Personen. Fünf, wenn die Bedingungen gut sind und ich mich anstrenge. Und ich Irrer hatte mir fast ein ganzes Dutzend Fremder ins Haus geholt?

Wie man sich vorstellen kann war die Zeit vor dem Treffen für mich ein Wechselbad der Gefühle. Zum einen würde ich endlich die Menschen hinter den Avataren kennen lernen. Und ich würde mit denen nicht so viel Zeit verbringen, wenn ich die Hirngespinste dieser Leute nicht sehr sympathisch finden würde. Außerdem brannte ich darauf, endlich mal so richtig EVE zu reden. Ich hatte früher in Göttingen mit meinen Freunden stundenlang über lauter wichtige Unwichtigkeiten reden können und mir fehlt einfach das Triviale. Mir fehlen Leute, um genau zu sein, mit denen ich über so etwas reden kann.

Dann hatte ich aber auch große Panik davor, was alles schief gehen könnte. Die größte Sorge war, dass ich sie nicht verstehen würde und alle nur dumm guckten, keiner sich traut etwas zu sagen und letztendlich sauer über das verschwendete Wochenende wieder wegfahren Dann natürlich, was wäre, wenn die netten virtuellen Personen in Wirklichkeit Ärsche sind. Ansonsten natürlich das übliche: Passt alles vom Raum, der Organisation, dem Wetter, den Sternen, dem Biorythmus oder der Gesamtsituation her.

Als dann am Freitag die ersten eintrudelten, war ich schon fast euphorisch. Die Jungs sind in Ordnung. Mehr als in Ordnung. Und ich konnte sie ganz gut verstehen. Natürlich waren am Freitag nur vier da. Als die Nummern Fünf und Sechs auftauchten, war ich schon im Cuba Libre Rausch und hätte wohl auch keine LKW-Hupe mehr gehört.

Da mache ich auch eine Beobachtung, die sich über das Wochenende wiederholen sollte. Die Leute sahen ganz genau so aus, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Na ja, natürlich nicht ganz genau. Aber ich denke mal, dass mir mein Kopf da einen Streich spielt. Ich weiß nicht mehr, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Aber als sie dann da standen, haben sie immer ganz genau so ausgesehen. Diejenigen, die ich online schon lange „kenne“ jedenfalls.

Der Freitag endete damit, dass ich mehr getrunken hatte als ich vertrage. Aber zum Glück war ich nicht der einzige. Lapis tauchte wie immer wundersamer weise auf, wenn ich sie wirklich wirklich gebrauchen könnte und meine Augen waren definitiv der Meinung, dass es Zeit für mich sei, ins Bett zu gehen. Insgesamt kein schlechter Auftakt.

Der Samstag begann stressig, wurde dann aber entspannter, sobald wir alle im „Contakt“ versammelt waren. Das Weißwurstfrühstück war nicht so gut angekommen. Vielleicht hätte ich doch Weizenbier dazu reichen sollen. Lapis hatte sich zum Glück von ihrem Migräneanfall erholt und ich konnte mich auf meine Gäste konzentrieren, während sie Salate für die Grillparty machte. Über den Tag sind dann alle gekommen und ich hatte wieder dieses komische Gefühl, sie alle schon einmal gesehen zu haben.

Am Samstag wurden mir dann aber auch hart die Grenzen meines Zustandes gezeigt. Je mehr Personen da waren, desto schlechter konnte ich sie verstehen. Als wir dann vollständig waren, konnte ich lächeln und nicken, aber dem Summen in meinem Kopf kaum noch etwas Sinnvolles entnehmen. Das war sehr frustrierend. Für eine kurze Zeit wollte ich einfach weglaufen. Dachte daran, das Spiel aufzugeben. Aber das wäre nicht nur absolut dumm und kindisch gewesen, sondern auch vollkommen unfair den Leuten gegenüber, die so große Umstände hatten, nur um (unter anderem) mich zu sehen.

Also riss ich mich zusammen und es wurde dann ein netter Nachmittag, Abend und Nacht. Und zwar nicht in dem Sinn „nett langweilig“ sondern nett, unterhaltsam und spaßig. Wir spielten Kicker und Karten und ich konnte mich trotz Summen mit Hilfe des Blocks doch noch passabel verständigen. Wir machten Fotos und lachten und ich hoffe, dass sich alle so wohl fühlten wie ich. Am Ende ging ich todmüde aber glücklich ins Bett, während die anderen noch zusammen in die Kneipe gingen. Das einzige, was ich am Samstag bedauere ist, dass ich so wenig über EVE geredet habe.

Am Sonntag war es sehr, wie man jetzt wohl sagt, „emo“. Die ersten sind früh gefahren und unsere Gruppe, die dann noch in Coburger Cafés zusammen saß schmolz auch dahin. Es war sehr ruhig und ich hoffe mal, dass ich das alles richtig verstanden habe, wenn ich meine, dass wir alle gerne noch ein wenig länger zusammen geblieben wären. Der letzte Besuch ging am Sonntag um halb acht Uhr abends.

Dieses Wochenende war ein Risiko gewesen. Es hätte alles Mögliche schief gehen können. Die Leute hätten völlig anders sein können, als ich sie mir vorgestellt habe. Und natürlich waren sie völlig anders. Sie sind keine digitalen Abziehbilder, sondern völlig analoge Personen. Aber das, was mich an ihren Imagos im Internet anzieht, ihr Humor, ihre Großzügigkeit, Toleranz und Solidarität kommt von den Personen und nicht den Personas. Und ungefiltert kommt das noch viel besser rüber. Es war ein Risiko und es hat sich ausgezahlt. Und in EVE dreht sich schließlich auch alles um „risk vs. reward“ 😉

Fly safe!

Wir unterbrechen dieses Blog für Werbung!


(Achtung: Es geht um das Spiel EVE Online)

Ein Interview mit Skeltem, CEO des Konzerns Trident Future Technologies. Für Scope of Domain (SoD) geführt von Ms. Elis Verdarr.

EV: Bitte erzählen Sie uns doch etwas über Ihren Konzern, Skeltem.

S: TFT ist, um es kurz zu machen, ein kleiner Konzern, ohne besondere Spezialgebiete. Obwohl der militärische Arm des Konzerns ein leichtes Übergewicht hat, personell, sind auch unsere mehr wirtschaftlich orientierten Mitarbeiter sehr aktiv und erfolgreich. Außerdem haben wir einige sehr rührige Piloten in den Bereichen Erkundung und verfügen auch über eine eigene kleine Raumstation, in der wir intensiv forschen.

EV: Man hört Gerüchte über eine „Operation Winddancer“ ihres Konzerns. Können Sie dazu etwas sagen?

S: Ich habe keine Ahnung, wovon …

EV: Sie haben doch vor dem Interview gesagt, ich soll Sie danach fragen.

S: Äh, ja. Schneiden wir das raus?

EV: Nein.

S: Nun gut. Operation „Winddancer“ ist der nächste Schritt in der Evolution unserers Konzerns …

EV: Und was bedeutet das genau?

S: Wir sind an einem Punkt angelangt..

EV: Skeltem, bitte lesen Sie mir nicht diesen Prospekt da vor.

S (legt das Papier weg): Um, also. Wir wollen in den gesetzlosen Raum, den so genannten „No Sec“ expandieren und bei der Sylph Allianz anheuern, die Systeme in den Regionen Providence und Catch hält.

EV: Geht doch.

S:Weil wir ein bisschen zu „flauschig“ geworden sind, wurde die Operation „Winddancer“ ins Leben gerufen, um Geld für diesen Schritt zu sammeln, mehr Piloten zu rekrutieren und die Konzernstrukturen zu straffen.

EV: Wieviel Geld haben Sie schon beisammen?

S: Etwa 1,3 Milliarden ISK.

EV: Nicht schlecht, für so einen Mini-Konzern.

S (patzig): Immerhin kennt bei uns jeder den andern. Manchmal ist es einfach nett, in ein System zu fliegen, wo alle deinen Namen kennen. Manchmal möchte man einfach unter Freunden sein, statt sich wiederholt aus dem Pod schießen zu lassen! Manchmal möchte man sich einfach bei einem Quafe an die Bar setzen ….

EV: Verzeihung, sind wir noch bei EVE Online?

S: Ja, natürlich. Sicher, C … Elis. Aber das ist natürlich auch unser größtes Problem.

EV: Fernsehserien aus den 80ern?

S: Unsere kompakte Anzahl an Mitarbeitern.

EV: „Kompakt“ ist schön. Wie unsere Recherchen ergeben haben, müssen Sie Ihre eigenen Schiffe warten.

S: Das ist ein Unterstellung! Wir haben Subunternehmer.

EV: Und bei militärischen Operationen müssen die Mitglieder Ihres Konzerns gleich mehrere Rollen übernehmen.

S: Das schult den Geist und zeugt von hoher Flexibilität!

EV: Und sie haben fast mehr Direktoren als „normale“ Piloten?.

S: Jetzt hören Sie mir mal zu, Frau Verdarr. Wir sind zwar nicht der Goonswarm, aber dafür ist jeder dieser Piloten 10 Goons wert. Nicht, weil wir so tolle Krieger sind. Nicht, weil wir der reichste Konzern New Edens sind. Sondern weil wir TFT sind. Jeder von uns und ich meine JEDER TFT – Pilot ist etwas besonderes. Daran glauben wir und nicht an eine anonyme Drohnenmentalität. Wir kümmern uns. Wir stehen zueinander. Wir machen nicht Einzelne stark, sondern wir versuchen, TFT stark zu machen. Ich als CEO verstehe mich nicht als Anführer, der rumkommandiert, sondern als der erste Sklave der Corp. Und, dem Kaiser sei’s geklagt, die anderen sehen das genau so. Wir setzen uns für einander und die Corp ein weil wir uns dazu entschieden haben und nicht, weil es uns befohlen wurde.

EV: Man sagt, sie haben keine Hierarchie, sondern den Meeresspiegel.

S (erregt): Also ich sage Ihnen jetzt mal was. Ihnen allen. Wir haben bislang jedes einzelne Projekt geschafft, das wir uns vorgenommen haben. Wir sind vom einen Ende des Amarr-Imperiums zum anderen gezogen. Wir haben Widrigkeiten überwunden, uns im Low Sec angesiedelt, Freundschaften geschlossen und Feinde besiegt. Wir haben das alles in kürzester Zeit mit einem sehr kleinen Mitarbeiterstab geschafft. Wir sind von furchtsamen Imperiums-Bewohnern zu Piloten geworden, die freudig in ihre Kampfschiffe stürmen, wenn Feinde auftauchen. Wir sind keine Elite. Wir sind, wir sind … wir. Wir sind Trident Future Technologies und …..

EV: Entschuldigen Sie die Unterbrechung, aber unser Studioassistent „Bruno der Brutor“ musste den CEO Skeltem mit unnötiger Härte des Studios verweisen. Kommen wir zum nächsten Thema bei SoD: Kutten – Kapuze ins Gesicht oder freier Blick für unfreie Bürger?“

S (aus dem Hintergrund): Wir nehmen noch Piloten, uff, auf. Schreiben sie eine Iiieh, Eve-Mail an „Skeltem“ oder „Espoir“. *rumms* Channel: „Trident“

14 Tage EvE Trial TriDEnt EvE