Geklickt > The Book of Evil II


Eigentlich war ich ja fertig mit Facebook. Aber dann kam ich auf die Idee, eine Miszellen-Gruppe zu gründen, loggte mich kurz in meinen FB Konto ein und, puff, alles war wieder da.

Es ist ja schon oft erwähnt worden, dass es unmöglich ist, seine Facebook-Daten dauerhaft zu löschen und das war unter anderem ein Grund, warum ich keine neuen hinzufügen wollte. Und es nervt mich immer noch. Andererseits ist das symptomatisch für das Netz. Vielleicht lernen ja die Leute über Facebook, sensibel mit ihren Informationen umzugehen. Bwaaahahaha.

Ich mag es nicht. Ich bin nicht gerne bei Facebook. Obwohl es unbestreibar Vorteile hat. Ich verfolge, was Bekannte, Familienmitglieder und Freunde machen, wohin es sie verschlagen hat. Durch Facebook habe ich lange vermisste Schulkollegen gefunden (oder sie mich) und sogar einen Cousin, den ich über zwanzig Jahre nicht gesehen habe. Und es ist sehr viel einfacher mit meiner Mutter zu kommunizieren. Und ich kann sogar über Facebook allen Freunden anzeigen, dass eine neue Miszelle fertig ist.

Facebook ist wie ein, denken wir ‚Pilz‘ und nicht ‚Metastasen bildender Tumor‘, Gewächs über das Internet gewuchert. Überall gibt es jetzt diese „Like“ Buttons. Selbst da oben in der WordPress-Leiste. Und da fangen schon meine Probleme an. Es ist einerseits ganz gut, einfach allen möglichen Leuten zu zeigen, dass man etwas gut und wichtig findet. Aber „Like“ ist total beliebig und damit letztendlich nutzlos. Klar. Wenn ich einen lustigen Link finde, ein witziges Video oder einen treffenden Kommentar oder Blogeintrag, also etwas, was ich tatsächlich mag, ist der „Like“ Button treffend. Aber was, wen ich wie letztens einen Artikel über die Verfolgung Homosexueller in Afrika finde und eine Aktion gegen eben die Verfolgung. Und dazu den „Like“-Button. Da komme ich mir irgendwie vor, als würde ich die Gewalt gegen Schwule und Lesben mögen. Oder den Artikel über die Vertuschung des Desasters in Japan und die möglichen Katastrophalen Folgen. Das mag ich doch nicht. Warum gibt es keinen „Dislike“-Button. Oder einen „Das finde ich wichtig!“. Ich will nicht in die „Facebook ist der Untergang des Netzes“ Tröte tuten. Aber diese „Like“ – Unsitte kommt wirklich der Bequemlichkeit derjenigen entgegen, die keine Lust haben, sich mit anderen über ihre Vorlieben auszutauschen. Klick und weg. Nächstes Thema.

Überhaupt habe ich den Verdacht, dass dieses „Soziale Netzwerk“ kein Kommunikations-, sondern ein Kommunikationsvermeidungsinstrument (oooh langes Wort!) ist. Man hat zwar zig „Freunde“, aber mit wie vielen kommuniziert man wirklich? Und ist das überhaupt der Sinn der Sache? Oder schreiben die meisten nur autistisch ihre Statusupdates, wenn sie nicht gerade Bilder oder Videos verlinken oder die Statusupdates ihrer Freunde ‚liken‘? Ich bin da wirklich verwirrt. Weil es problematisch für uns ist, per E-Mail zu kommunizieren, unsere Anbieter hassen sich, schreiben meine Mutter und ich uns jetzt oft über Facebook. Aber dadurch merke ich, wie schlecht die Chat-Funktion ist und die „Nachrichten“ verstopfen meinen E-Mail Eingang. Ehrlich gesagt, AOL war ich den 90ern weiter.

Ein anderes Problem ist die Sprachbarriere. Ich habe deutsche, türkische und englischsprachige Freunde. Jeder postet natürlich in seiner oder ihrer Muttersprache. Das kann ich bei englisch noch gut verfolgen, aber mein Türkisch ist nicht so gut. Und ich kann eigentlich nicht erwarten, dass alle deutsch verstehen. Soll ich meine Sachen auf englisch schreiben? Das wäre dann in höchstem Maße albern.

Ich weiß wirklich nicht so genau, was die Faszination dieses Netzwerkes ausmacht. Farmville wahrscheinlich.

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Die Website der Pandora


Vor ein oder zwei Monaten wollte ich mal gucken, was es mit diesem „Facebook“ auf sich hat, von dem alle immer wieder reden. Ich bin zwar den neuen Medien, auch notgedrungen, sehr aufgeschlossen, aber dieses Social Network Zeug hatte ich mir noch nicht angetan. Klar, ich schreibe jetzt seit über 3 Jahren ein Blog und bin Internet-Foren hoffnungslos verfallen, aber Facebook und Klone hatte ich noch nicht angefasst. Und bevor ich zwitschere, singe ich. Und das will keiner!
Anyway. Ich hatte also das Facebook Konto angelegt und mehr persönliche Daten rein geschrieben, als vielleicht gut ist. Aber das ist das Web 2.0 und das Jahr 2009 und warum sollte ich es Herrn Schäuble schwerer machen als er es schon hat? Ich habe dann ein wenig im FB-Netzwerk herumgeklickt und innerhalb von fünf Minuten war mir so langweilig als hätte ich aus Versehen „World of Warcraft“ geladen. Schnarch. Ich loggte mich aus und habe Facebook nie wieder angesehen.
Vor ein paar Tagen dann wollte ich mir ein paar Bilder aus Island ansehen. Die Dame, die sie geschossen hatte stellte sie auf ihrer Facebook Seite zur Verfügung. Man kann sie nur mit FB Account ansehen. Blöd, dachte ich. Dann erinnerte ich mich an mein verwaistes Konto. Ich konnte mich sogar noch an das Passwort erinnern, loggte ein und bestaunte Reykjavik.
Mit dem Einloggen muss ich irgend einen verborgenen Mechanismus tief im Herzen des Mount Facebook ausgelöst haben. Für mich unhörbare Trommeln schienen eine Botschaft an mir unbegreifliche Wesenheiten im …. ah, genug Herr der Ringe.
Ich bekam eine Mail von Facebook, dass sie sich über mein Einloggen gefreut hätten. WTF?! Kopfschüttelnd löschte ich die Mail. Dann kamen aber Benachrichtigungen, dass andere Menschen auf mich aufmerksam geworden seien und meine Freunde sein wollten. Oh wie schön. Nein, ehrlich. Ich war zwar letztes Jahr auf dem Treffen meines Abi-Jahrgangs gewesen, aber leider ist da wenig draus entstanden. Vor allem, weil ich ein Stiesel bin.
Jetzt starre ich in den Abgrund, der Facebook ist und Facebook starrt zurück. Ich bin notorisch schlecht im Kontakt halten. Die Miszellen sind zum Teil aus dem Wunsch entstanden, Menschen, die mich kennen darüber zu informieren, was ich so treibe. Ich fürchte, wenn ich tiefe in dieses Social Network Zeug einsteige, wird meine Prokrastination nie gekannte Ausmaße annehmen.
Andererseits ist es schön, mit Leuten in Kontakt zu sein. Ich denke, ich werde mal ein Auge auf mein Facebook haben und sehen, was wird.
Kann natürlich sein, dass ich damit die Büchse der Pandora öffne. Aber, hey, mein Leben ist eh nicht gerade aufregend. Warum sollte ich mir nicht noch ein paar Probleme machen?

Meine Facebook Seite

Mahn Wahn


Neulich traf ich meinen Freund M. Er war ziemlich sauer und ich fragte ihn, was denn sei. Er erzählte, dass er vor ein paar Monaten für seine kleine Tochter ein „Harald Töpfer“-Hörbuch aus dem Internet herunter geladen hätte. Illegal.
„Sie wollte wie alle aus ihrer Klasse „Harald Töpfer“ haben. Natürlich hat sie nicht die Konzentration, es zu lesen. Du weißt ja, wie sie ist.“ Unkonzentriert.
„Also habe ich ihr aus der Stadtbücherei die Hörbücher ausgeliehen. Aber das letzte, ‚Harald Töpfer und der bescheuerte Titel‘. war immer ausgeliehen. Aber L. wollte es unbedingt haben. Du weißt ja, dass es bei uns knapp ist. Also habe ich es auf einer Tauschbörse im Internet gefunden und runter geladen. Sie wollte unbedingt wissen, wie es ausgeht.“
„Aha“, sagte ich „also bist du sauer, weil du wegen L. etwas Illegales gemacht hast? So ein schlechtes Gewissen ist ja löblich, aber vielleicht ein wenig übertrieben.“
„Ne“, sagte er, „geht weiter. Also habe ich ihr das Buch auf ihr iPod überspielt. Sie war glücklich, ich hatte meine Ruhe. Paar Wochen später flatterte ein Brief eines Anwalts ins Haus.“
An dieser Stelle verfärbte sich sein Gesicht ungelogen zu der Art dunklem Rot, das normalerweise auf einen guten Jahrgang schließen lässt.
„Es war eine Abmahnung,“ brachte er mühsam hervor.“Aber was für eine. Der Brief unterstellte mir die schlimmste kriminelle Energie. Als hätte ich Kinderpornografie verbreitet oder so etwas. ‚Wir wissen, was Sie getan haben! Zahlen Sie sofort 750 Euro, dann lassen wir Gnade vor Recht ergehen. Aber wehe, Sie zahlen nicht! Ach, und keine Polizei!’“
„Das stand da drin?“
„Ne“, musste er zugeben,“ aber fast. Sie haben meine Internet Adresse ermittelt, als ich auf die Tauschbörse zugegriffen habe. Mein Provider, den ich übrigens so bald wie möglich wechseln werde, hat denen dann meine Daten gegeben. Weil ein Verbrechen vorlag. Wenn ich 750 Euro zahle und eine Unterlassungserklärung unterschreibe, würden sie mich nicht verklagen.“
750 Euro für ein Hörbuch? Das schien mir ein wenig viel.
Der Verlag, der das Hörbuch heraus gibt und sein Anwalt hätten den Streitwert auf 10.000 Euro festgelegt. Weil ja, während das Buch heruntergeladen worden wäre, eine unbekannte Anzahl anderer Nutzer der Tauschbörsensoftware ebenfalls auf die Datei zugreifen können. Deswegen sei es überhaupt zu der Abmahnung gekommen, weil man das Buch ja ‚verbreitet‘ habe. M. sei quasi ein Schwerverbrecher, der nicht nur Illegales konsumiere, sondern auch noch deale. Ein Händler des Todes, sozusagen. Des Todes der Buchverlage.
„Na ja, aber du HAST das Buch gestohlen. Du hast es an dich gebracht, ohne dafür zu zahlen. Das ist Diebstahl“, gab ich vorsichtig zu bedenken.
„Natürlich. Das weiß ich auch, ich bin ja nicht blöd. Ich dachte aber, ich bin nur ein kleiner Fisch, das interessiert keine Sau. Ich lade keine Terabyte Musik und die neuesten Hollywood Filme und Zeug runter. Ich verticke nichts. Ich lade ab und zu mal ne gute Serie runter, weil die hier nie laufen. In Ami-Land gibt’s die umsonst im Internet, aber hier …“
Ich wies ihn darauf hin, dass es erstens eine ziemlich lahme Entschuldigung sei, nicht damit gerechnet zu haben, erwischt zu werden. Fast schon peinlich. Zweitens habe das schlechte deutsche TV-Programm nichts mit der Sache zu tun. Er stimmte zu, sichtlich zerknirscht, und sagte, er sei einfach naiv gewesen. Er habe nicht bedacht, dass viele kleine Fische auch eine Mahlzeit seien.
„Denn da gibt es Anwälte, die sind darauf spezialisiert auf solche Geschichten. Das Schreiben ist ja nicht nur an mich gegangen. Der hat, weiß ich, 100 Leuten den Brief geschickt. Du weißt ja, wie verrückt alle auf „Harald Töpfer“ sind. Von denen haben 50 Angst bekommen und zahlen alles, was der fordert. Das sind 37.500 Euro für einen Serienbrief. Bamm!“
M. gehörte nicht zu den 50, die zahlen und hatte sich einen Anwalt genommen. Der nahm die Sache dann in seine fähigen Hände.
„Danach habe ich kaum noch was gehört. Mein Anwalt schrieb dem anderen Anwalt Anwaltsbriefe und versuchte, ihn herunter zu handeln. Dr. R., mein Rechtsanwalt, meinte aber schon, weil ich ja wirklich etwas Illegales gemacht habe, sollte ich mir keine großen Hoffnungen machen. Jedenfalls hatte ich zwei Monate Ruhe und dachte schon, dass der andere vielleicht die Lust verloren habe, weil sie nicht mit Widerstand gerechnet hatten und der Serienbrief lukrativ genug gewesen sei.“
‚Lukrativ genug‘? M. und ich lebten offensichtlich nicht im gleichen Jahrhundert. Aber das behielt ich für mich. „Aber er hat sich nicht herunter handeln lassen und jetzt bist du sauer wegen der 750 Euro?“
Er lachte bitter auf. „Ha! Doch er hat sich runter handeln lassen. Auf rund 500 Euro. Juhuu, ein Hoch auf Dr. R.!“
„500 ist immerhin weniger als 750.“ In meiner Freizeit bin ich ein Mathegenie.
„Stimmt. Aber mir den Anwaltskosten für Dr. R., die meine Rechtsschutzversicherung natürlich nicht übernimmt, komme ich auf 780 Euro. Ganz große Klasse.“
Aua. Ich wusste, dass er strampelte, nur um die laufenden Kosten zu decken.
„Aber jetzt kommt es, Skeltem. Ich hatte ja wirklich ein schlechtes Gewissen wegen des Verlages und des Schriftstellers und so. Geistiges Eigentum und der ganze Klumpatsch. Aber dann bekam ich die Aufschlüsselung der Kosten: Von den 780 Euro, die das beschissene Hörbuch gekostet hat, bekam der Verlag genau 14! Den Rest teilen die Anwälte unter sich auf. Jetzt sag mir noch mal jemand, dass das Urheberrecht den Urhebern nützt.“
M. jedenfalls weiß jetzt, warum es eine spezielle Hölle gibt, die den Anwälten vorbehalten ist.

Blackout


Jeder Junkie wünscht sich, dass die Droge seiner Wahl in unbegrenzten Mengen preiswert zur Verfügung steht. So gesehen ist für uns (fast! Ich kann jederzeit damit aufhören.) Internet Abhängige eine Breitband Anbindung plus Flatrate ein Traum. Der kann allerdings schnell zum Alptraum werden, wenn die Tücken der Technik zuschlagen.

So ging es mir am Samstag. Eben noch einen cleveren (HA!) Beitrag in meinem Lieblingsforum gepostet, und plötzlich ging nichts mehr. Nachgesehen und  – richtig – die grüne „Leuchtdiode of Doom“ blinkt am Router. Kein Kontakt zu einem DSL-Server. Argh!

Da das nicht zum ersten Mal vorgekommen ist und es bislang jedes Mal ein temporärer Ausfall war, machte ich ein paar Atemübungen, widerstand der Versuchung in Panik zu verfallen und ging statt dessen Lapis auf die Nerven. Zwischendurch (so etwa alle 5 Minuten) ging ich immer mal wieder im Flur nachschauen, ob das Blinken dem beruhigenden konstanten Leuchten gewichen war. Pustekuchen.

Gegen Abend hielt ich es dann nicht mehr aus und werkelte an dem System rum, in der Hoffnung (?) dass es an unserer Seite lag und nicht bei Freenet. Aber es lag entweder nicht an uns oder so sehr, dass ich es nicht feststellen konnte. Jedenfalls verbrachte ich außergewöhnlich viel Zeit mit anderen Dingen. Hauptsächlich damit, mir den Schweiß abzuwischen.

Sonntag stand ich dann tatsächlich um 8 Uhr morgens auf, um zu sehen, ob es wieder geht. Nix. Blink,blink. Scheiße! Das war dann der Zeitpunkt, wo ich dieses Schütteln das erste Mal bemerkte. Und das Zucken. Und diese schreckliche, schreckliche Frage, ob es da draußen überhaupt noch Menschen gab oder Coburg isoliert in einer weißen Leere lag. Eine Insel der Realität in einer großen schweigenden Wüste des – Nichts?

Bei Lapis begann jetzt auch der Entzug. Wo ich ein klein wenig von meinem Internetanschluss abhängig bin (wie gesagt, eigentlich bräuchte ich ihn ja nicht) ist sie Telefon … telefoniert sie gerne und ausdauernd. Und da wir das Komplettpaket haben mit DSL und Internettelefonie ging das natürlich auch nicht mehr. Überflüssig zu sagen, dass der Sonntag Morgen ungefähr so gemütlich war wie ein Picknick im Löwengehege zur Fütterungszeit.

Gegen Mittag verschaffte ich mir dann Erleichterung. Ich zog wie ein drogensüchtiger Promi los, dessen kostenloser Koks-Bringsdienst plötzlich hopps genommen worden war und der nun wieder in die Niederungen der kriminellen Halbwelt absteigen muss, um an seinen Kick zu kommen. Kurz: Ich ging in ein Internetcafé.

Dort verkauften mir levantinisch aussehende Männer lächerlich teure Internet-Zeit. Hätte ich mehr Selbstachtung gehabt, hätte ich ihnen ins Gesicht gelacht. Aber so war ich dankbar für jede Sekunde. Ich schaute nach meiner E-Mail (keine 😦 ), nach Antworten auf meinen cleveren Forenbeitrag (keine 😦 ) und, ja, auch nach der Lösung für unser kleines Internet-Problem.

Im Hilfe-Forum von Freenet überkam mich das kalte Grausen. Das Blinken des Todes ist dort keineswegs unbekannt und zwischen allerlei Flüchen auf Freenet las ich heraus, dass ich alle Hoffnung fahren lassen solle, dass das Problem jemals behoben werde. Oh wie schön war doch die Zeit bei der Telekom, wo sie einem nur ins Auge spuckten bei Problemen, die dann aber auch irgendwann behoben. Nein, Freenet, das war der Foren-Tenor, nie wieder!

Zum Glück kenne ich mich mit Foren aus und weiß, wie repräsentativ die Whiner dort sind. Und weil ich mich mit Foren auskenne, spürte ich zielsicher die relevanten Informationen (kostenlose Hotline) auf und ging nur wenig zitternd wieder nach Hause.

Der Rest der Geschichte ist eine Lanze für Freenet, die ich gerne brechen möchte. Lapis rief die Hotline an (Handy!) und kam nach nicht mal 10 Minuten Computermenü zu einem Menschen durch. Der beriet sie freundlich und schloss erst mal Kabelfehler aus. Hatte ich zwar schon, aber na ja. Dann stellte er einen Defekt in der „Leitung“ fest und versprach, dass ein Techniker sich darum kümmern würde. Mitte dieser Woche, spätestens Ende würde unser DSL wieder gehen.

Mitte bis Ende der Woche? AH! Bis dahin hätte ich sicher mein ganzes Geld im Internetcafé gelassen, Lapis ihres für Handytelefonate verjubelt. Von den psychischen Traumata ganz zu schweigen. Aber gestern morgen (!) keine 24 Stunden nach dem Anruf funktionierte alles wieder. Und man konnte einen Mann mittleren Alters durch die Küche tanzen sehen wie sonst nur, wenn Mönchengladbach gegen Bayern ein Unentschieden raus holt. Vielleicht sollte ich mir doch Sorgen machen.

Flatrate


Dass heutzutage (?) bestimmte Modewörter von den Medien bis zum Erbrechen benutzt werden, so dass man wegen „modern“, „Krokodil“ oder „Killerspiele“ eine Hassattacke nach der anderen fährt, ist ja fast schon eine banale Feststellung. Das neueste Opfer der Wortverschleißung ist ‚Flatrate‘.

Dabei sind Flatrates eigentlich ziemlich gut. Natürlich gibt es Rechenkünstler, die jeden Monat genau ausrechnen, dass sie 26,7 Stunden im Internet surfen und damit bei einem zeitabhängigen Tarif besser fahren, denn die Flatrate amortisiert sich erst ab der 30. Stunde. Oder sie verschieben den Anruf zum Geburtstag ihrer Mutter in die frühen Morgenstunden („Hallo Mama! Ja, ich weiß es ist erst vier“), um den billigen „Nachteulen-Tarif“ mitzubekommen. Aber ich gehe mal von mir als Vertreter einer grundsätzlich faulen Konsumentengeneration aus und wir sind froh, einfach einmal pro Monat unseren Obulus abzudrücken und dafür den Rest der Zeit einfach keinen Gedanken mehr an Zeit und Volumen zu verschwenden.

Andererseits führen die Flatrates zu fast schon manischem Konsumverhalten. Eine frühe Form der Flatrate (als wir noch ‚deutsch‘ sprachen) ist das Buffet. Man zahlt einmal und kann dann so viel Essen, wie man will. Der Effekt ist natürlich, dass man viel zuviel isst, weil man ja den Preis wieder reinbekommen muss. Im wahrsten Sinne des Wortes. Moderne (wie ich dieses Wort hasse) Versionen des Buffets heißen „All you can eat“. Zwanghafte Telefonierer profitieren von den mittlerweile erhältlichen Telefonflatrates aka „All you can Sabbel“. Ersten weiblichen Teenagern mussten inzwischen die Hörer operativ vom Ohr entfernt werden.

Als ich mitte der 90er die ersten zaghaften Schritte ins Internet unternahm, damals noch in der warmen Sicherheit des AOLspaces mittels einen 28.800er Modems, kosteten 10 Minuten AOLchat den Gegenwert eines Kleinwagens. Der Leid- und Neidgeprüfte deutsche Surfer konnte nur in ohnmächtigem Sehnen nach Amerika schauen, wo die Herren der New Economy für eine lächerlich geringe monatliche (!) Gebühr die digitale Welt in Besitz nahmen, die ihr verdientes Erbteil zu sein schien.

Als die Preise fielen und die Technik erschwinglich wurde, berauschten wir uns hier an den Möglichkeiten des Web 1.0. Noch nie wurde so viel geklaut. Wenn man nicht auf den Gigabyte schauen muss, wird man ziemlich wahllos und auf vielen Festplatten schlummerten Wochen niemals gehörter Musik und Tage von ungesehenen Filmen. Allein die Porno-Industrie erlebte einen Aufschwung, der nur mit dem nach dem Fall der Berliner Mauer vergleichbar war.

Leider fordert auch die Schöne Neue Flache Welt ihre Opfer und mittlerweile gibt es das Krankheitsbild der Internetsucht. Darüber weiß ich allerdings nichts zu berichten, denn als ich neulich einen Fragebogen im Internet (!) ausfüllte, unterbrach die Website von sich aus meine Verbindung und ich konnte mein DSL-Modem gerade noch retten. Sie hätten auch  einfach schreiben können „Sie surfen zu viel“.

Andere dunkle Seiten der Flatrates gibt es morgen.

Sieben


Was kommt nach Sex? Sieben! Ha ha, haben wir gelacht.

Und wie wir erst lachen werden, wenn wir von den Plänen der Sex-Industrie hören. Jauchzen werden wir. Das „nächste große Ding“ wird nämlich „interaktiver Sex“ sein. Moment mal, denkt da der Mann oder die Frau „von Welt“ und findet, dass Sex an und für sich ja schon ziemlich interaktiv ist.

Was für den normalen Menschen selbstverständlich, muss aber für die notorisch Hormon geforderte, überwiegend männliche Szene der „Geeks“ (Stubenhocker, Streber) nicht unbedingt gelten. Der Erfolg der Online-Partnerbörsen scheint ein dringender Ruf der Technikfreunde nach trauter Zweisamkeit zu sein. Laut einer aktuellen Studie benutzt jeder zehnte US-Netizen, also Internet-Nutzer, Online-Kontaktbörsen. In Deutschland geben immerhin noch 4.2 Prozent der Nutzer an, für die Partnersuche Geld zu bezahlen. Das Geschäft mit den einsamen Herzen setzt mittlerweile über eine halbe Milliarde US-Dollar (in den Vereinigten Staaten) um.

Anscheinend führt das aber nicht immer zum Ziel. Wie sollte man sich sonst die zehn bis fünfzehn Milliarden Dollar erklären, die Amerikaner jährlich für Pornographie ausgeben. Amerikanische Soziologen haben lapidar festgestellt, dass ihre Landsleute „oversexed and underfucked“ seien. Die Industrie der professionellen (Ersatz-)Befriedigung wittert aber noch mehr Geld. Findige Entwickler und Manager haben sich auf einer Konferenz in Las Vegas, „Sex in Videogames“, getroffen und beschlossen, die „aufgegeilten und unbefriedigten“ Männer da abzuholen, wo sie sind. Vor ihrem Monitor.

Die Rechnung ist einfach. Der Umsatz der Dating-Börsen ist Peanuts zu den geschätzten 20 Milliarden Dollar, die die Videospiel-Industrie jedes Jahr umsetzt. Der Anteil an Erotik-Spielen beträgt dabei gerade mal 0,1 Prozent. Ein wahnsinniger Wachstumsmarkt. Addiert man also Online-Dating + Videospiel + Erotik ergibt das die eierlegende Wollmilchsau erotisches Online-Computerspiel mit Dating-Komponente.

Auftritt „Naughty America: The Game“, das erste MMOERPG (Massively Multiplayer Erotic Role Playing Game). Das ganze ist vom Spielwert her ein Witz, denn die Avatare, also die Spielfiguren, sind mäßig gezeichnete Comicmännchen und -weibchen und die einzige Aktivität in dem „Spiel“ scheint es zu sein andere Spieler anzuquatschen, sich mit ihnen zu verabreden und zu hoffen, dass man jemanden vom anderen Geschlecht getroffen hat. Dafür soll einem „Sex-Modus“ geben, bei dem es richtig zur Sache geht. Virtuell versteht sich. Damit das ganze nicht nur ein Triebstau-Verstärker ist, kann man sich wie in einer richtigen Kontaktbörse auch je nach Wohnort und, ähem, Vorlieben andere Spieler zuweisen lassen. Die Idee ist, dass wer sich gut im Datenraum versteht, vom Trockensex zum wirklich interaktiven übergehen kann. Die Internet-Kolumnistin Isabele Pavlova vom Erotik-Blog „MMOrgy“ bemerkt trocken: „[…] ein Spiel, in dem sich jeder Mann nur zwei Minuten am Stück aufhält, könnte ein bisschen schizophren werden.“

Härter zur Sache soll es da bei „Virtual Hottie“ gehen. Neben detaillierteren Avataren (sehr detaillierten Avataren!) gibt es die Möglichkeit von Online-Orgien und es ist geplant, eine an den USB-Port anschließbare „Saugpumpe“ (!) zu unterstützen, um das Ganze auch gefühlsecht zu machen. So etwas ähnlich war schon in den 90er Jahre geplant, um Cyber-Sex zu ermöglichen, hat sich aber aus irgendwelchen Gründen nicht durchsetzen können. Die subtile Erotik eines Ganzkörperkondoms oder einer USB-Unterhose erschließt sich halt nicht allen.

Mir sind beim Lesen dieser bahn brechenden Neuheiten in Sachen Sex eigentlich nur eingefallen: Wer braucht das?

Man kann mit jedem simplen Chatprogramm „cybern“, also Cybersex haben. In machen Online-Spielen, besonders wenn man einen weiblichen Avatar hat, kann man sich kaum vor den eindeutig zweideutigen Einladungen der Pickel-Mutterschiffe retten. Und es gibt genug Online-Communities, die auch erotischen Abenteurern eine Spielwiese bieten. Dass es beim (Cyber-)Sex vor allem auf die Phantasie der Beteiligten ankommt und anatomische Details in voller Pixelpracht da wohl eher abtörnen, hat sich anscheinend nicht zu den Entwicklern dieser Spiele herum gesprochen.

Dass es mit eierlegenden Wollmilchsäuen eigentlich nie klappt, hat gerade die Computerspiel-Industrie eigentlich schon öfter schmerzhaft erfahren müssen. Aber es scheint einen nicht versiegenden Vorrat von Managern zu geben, die immer noch von den „Synergie-Effekten“ faseln.Andererseits könnte diese Art von Spielen natürlich auch ungeahnte Energien entfesseln. Immerhin wäre das Internet zum Beispiel ohne die einsamen, an Testosteronüberschuss leidenden Männer heute nicht da, wo es ist. Denn wir wissen ja: „The Internet is for porn.“

Anti


Wie ich fast reich geworden wäre (und die WM alles kaputt gemacht hat).

Kürzlich stieß ich bei der Lektüre gewisser Internet-Seiten zu Online-Spielen auf ein interessantes Phänomen. Anscheinend haben Firmen professionelle Forenjubler angeheuert, um ihr Produkt direkt bei der Zielgruppe zu bewerben. Diese Tarnkappenfans tun so als wollten sie der Community einen Gefallen tun und auf ein tolles Spiel hinweisen. Der englische Fachausdruck für diese Leute lautet „Shill“ Die Shills sind einfach zu erkennen. Ihre Beiträge spielen sich meist auf dem Niveau „Das Bäste Spiehl eva!!!1112233“ ab. Dass das „Bäste“ Spiel meistens von allen denkenden Wesen eher in die Kategorie „Computervirus mit graphischer Oberfläche“ eingeordnet wird, muss die Shiller ja nicht interessieren, da sie zu dem Produkt eh keine Beziehung haben. Aber irgendwie muss irgendwer ja glauben, mit dieser durchsichtigen Masche könne man Leute anlocken.

Das brachte mich ins Grübeln. Es gibt bestimmt Agenturen, die sich diskret im Internet umschauen und Leute suchen, die alles, wirklich alles für Geld machen. Aber die Masche ist so dumm, dass selbst ein Marketing-Mensch nach maximal 5 Jahren darauf kommt, dass es nicht genug Lobotomisierte im Netz gibt, damit sich das Shilling lohnt. Also hat das Marketing 2 Möglichkeiten: a) sie werden raffinierter und stellen Leute ein, die subtiler die zarten Pflänzchen des keimenden Hypes pflanzen oder b) sie machen genau das Gegenteil der bisherigen Kampagne, stecken dafür aber das doppelte an Kohle in die Werbung, der Kunde zahlt es ja. Da Möglichkeit a) völlig ausgeschlossen ist, wartet da viel Geld auf diejenigen mit der richtigen Idee.

Ihr kennt bestimmt diesen Brüller, wie man sich das Paradies und die Hölle vorstelle. Da sind dann die Franzosen die Köche im Paradies, aber die Bankiers in der Hölle und das dann für ein paar Nationen. Eigentlich muss man ja vorsichtig sein, wenn man ganzen Nationen Eigenschaften zuspricht. Im allgemeinen sagen die Vorurteile mehr über den aus, der sie hat als über den Gegenstand des Vorurteils.

Trotzdem. Hierzulande kommt immer mal wieder das Wort von der „Leidkultur“ auf. Und womit? Mit Recht! Niemand leidet, jammert und greint so wie wir Deutschen. Das Glas ist nicht halb voll oder leer: es ist schmutzig und mir gefällt die Form nicht. Sowieso. Früher, ja früher hatten wir Gläser. Das sag ich euch: GLÄSER! Nicht den Mist, den sie heute haben.

Da setzte dann meine geniale Idee ein: ich gründe eine Agentur und nenne sie „German Whine“. Ich stelle die schlimmsten Nörgler und Meckerer ein, die ich finde. Leute, die an einem Millionengewinn im Lotto etwas schlechtes fänden. Die aus Prinzip schon keinen Spaß habe. Die Créme de la Créme der Hater. Wenn dann eine Firma ein neues Produkt herausbringen will, kann mich die Konkurrenz mieten. Wir machen dann Anti-Shill. Wir überfluten das Internet mit der Botschaft „This sux!“ Da kann die Software das Beste sein, was man sich vorstellen kann. Und dazu noch Kaffe kochen. „German Whine“ wird einen Fehler finden. Wenn wir unsere Herrschaft des Terrors über die Netzgemeinde ausgebreitet haben und die letzten Fans unter der ätzenden Macht unserer Negitivität zusammengebrochen sind, werden wir Geld dafür nehmen, dass wir nichts sagen. „Wäre doch schade um Ihr neues Betriebssystem, Mr. Ballmer. Aber schlechte Presse kriegt man sooo schwer wieder weg.“ (manisches Lachen denken)

Und? Was ist? Nix is. Auf einmal ist WM und alle sind froh und gut gelaunt. Aber das Verhängnis scheint tiefer zu gehen. Die Wirtschaftsdaten deuten seit Jahren mal wieder einen leichten Optimismus an. Bücher, die sich positiv mit uns beschäftigen, sind plötzlich auf der Bestseller-Liste. Florian Langenscheid, der Optimismus-Mosi in der SZ. Wir sind Papst! Wir sind Deutschland! Ach, es ist ein Elend.

Ich hoffe, dass wir bald wieder zu alter Form auflaufen. Falls wir Deutschen plötzlich zu einer Nation wie alle anderen werden, habe ich aber schon einen Plan B. Ich plane Deutschland-Fahnen, die beim Schwenken fröhliches Kinderlachen erzeugen. Das wird der Renner. Damit bediene ich nicht nur die wachsende Nachfrage nach Fahnen. Ich sorge auch für die Lust nach Vermehrung. Wenn wir schon wieder wer sind, müssen wir auch wieder mehr werden. Ich muss jetzt leider Schluss machen. Ich habe ein Meeting mit Frau von der Leyen.