Kulturkreise sind wie Kornkreise


Als Kind war ich in einer „Bande“. Also wir waren die „Gangster von der ***straße“. Mit den Kindern der Nachbarschaft haben wir uns ständig um ein unbebautes Grundstück gestritten, das wir wegen seiner 3,25m Höhe den „Berg“ nannten. Die ***straße hatte ein Natur gegebenes Recht am Berg, da er ja direkt an unserer Straße lag. Und zwar mit der längeren Seite. Da konnten die &&&straßen Scheißerchen reden wie sie wollten, dass der Berg auch an ihrer Straße grenzte.

Später wuchs ich natürlich über diesen Unsinn hinaus. Waren wir nicht alle Meerbecker? Wieviel wichtiger war es, sich als Meerbecker von dem Rest des korrupten und verdorbenen Moers abzuheben! In Meerbeck waren alle Malocher. Selbst wir Kinder. Solidarität war groß geschrieben, die Knappschaft, die Gewerkschaft, die Zechen, das war Meerbeck. In, sagen wir, Schwafheim, wohnte der bürgerliche Mittelstand, der Feind.

Mit dem ich natürlich dann auf das Gymnasium ging. Und lernte, wie großartig es ist, Moerser zu sein. Moers hatte alles. Ein Schloss, den riesigen Schlosspark, ein großes kleines (Schloss-)Theater, in jedem Viertel eine Leihbücherei. Ein internationales Musikfestival. Ein sehr lebendiges Nachtleben. Den Pott gleich nebenan. Wie viel langweiliger war doch unsere Kreisstadt Wesel. Gähn!

(c) Martin Hoffmann 2006: mh-fotos.de

Aber eigentlich war ich dann doch froh, Niederrheiner zu sein. Besonders nach dem Umzug nach Göttingen. Plötzlich war dieser Mischung aus Deutschland und den Niederlanden, die ich zeitlebens als spießiger Flecken Flachland mit geschwätzigen Menschen und langweiliger Landschaft betrachtet hatte wie der Garten Eden, aus dem ich mich selber verbannt hatte. Waren wir nicht die „richtige“ Rheinseite? Sind wir nicht die wahren Erben der römischen Kultur, die nie zu den Barbaren am anderen Ufer vordrang? Und ist der Altrhein im Nebel mit seinen Kopfweiden nicht der schönste Anblick von allen? Die Tränen schossen mir in die Augen vor Heimweh.

Dann kam die „Wende“ und plötzlich war ich Westdeutscher. Die Göttinger waren alle aus dem Häuschen als die Mauer fiel. Die Studierenden aus dem Westen sahen das mit Befremden. Natürlich freuten wir uns für die DDRler. Irgendwie. Das treffendste Bild unserer „Euphorie“ war die Party, die ich im November ’89 in meiner Wohnung gab. „Übrigens: die Grenze zur DDR ist offen!“ Und alle so: „Yeah“. Dafür stank Göttingen bald wie die Pest und ich sah zum ersten Mal in meinem Leben ausverkaufte Regale im Supermarkt. Mit Anfang 20 wurde ich ein „Wessi“, der auf „Ossis“ schimpfte.

Als „Nur-Deutscher“ fühlte ich mich nie nie. Komisch, ist aber so. Ich denke, das hat mit der Erziehung meiner Generation zu tun, die panisch darauf bedacht war, nie wieder Nationalismus zuzulassen. Die Wiedervereinigung hat zu einer großen Verunsicherung vor allem linker Kreise geführt. Und ich war damals sehr links. Das Paradoxe: Die miefige, spießige Bonner Bundesrepublik mit Kohl als Kanzler stand einem plötzlich näher als die neue Berliner Republik. Natürlich wollte niemand ernsthaft in der DDR leben. Aber in dem Moment, als sie unterging, und damit der Gegenentwurf zum vom Großkapital beherrschten und latent faschistischen Westdeutschland, wurde dieses „unser Land“.

Meine Rettung war ein dreimonatiger Aufenthalt in Mexiko mit Stippvisite in den USA. Amerika war zwar immer schon der imperialistische Bösewicht, aber damals in den 90ern konnte ich es deutlich sehen, wie sehr es sich von Europa unterscheidet. Und plötzlich war ich Europäer. Bei allem, was unseren Kontinent trennt, können wir uns doch auf ein gemeinsames kulturelles Erbe zurückblicken. Auch, wenn das zu einem Großteil der letzten drei Jahrtausende darin bestand, dass wir uns gegenseitig abgeschlachtet haben. Immerhin sind wir dann in großem Einvernehmen dazu übergegangen, Andere abzuschlachten, auszubeuten, zu unterwerfen und versklaven. Bevor wir uns dann wieder selber umgebracht haben.

Meine Europäer-Phase dauert bis heute, auch wenn ich mittlerweile eher die „Aufklärung“ als mein kulturelles Zuhause sehe, als den alten Kontinent. Mit Europa ist das wie mit einer Familie bei mir. Man kann Tante Irmgard nicht leiden, ist total genervt vom blöden Cousin Werner und heimlich verknallt in die Tochter von Onkel Otto. Oma und Opa sind immer für nen 20er gut und auch wenn die Mischpoche sich insgeheim nicht ausstehen kann, sind wir doch Familie und wehe, jemand kommt einem von uns stinkig.

Jetzt warte ich darauf, dass ich mich als Mensch fühlen kann, der sich von allen Unmenschen abhebt.

 

Der Wolfff und die Sieben Geißeln II


Zum ersten Teil

Die Schatzkoffer des Königreiches waren allerdings nicht bodenlos und so stellte Schatzmeister Schaubier bald fest, dass beim nächsten Besuch des Monsters nicht genug Gold vorhanden wäre, alle Häuser wieder aufzubauen. Und das Monster war schon wieder gesichtet worden. Im Süden bei einem Nachbarland, wo stets die Sonne schien und die Menschen nicht so fleißig arbeiteten wie in Angies Königreich. Es drohte, das ganze Land aufzufressen und jeder war besorgt, was dann geschehe.

Angie und der Kronrat berieten sich. Sie stritten sich. Es kam zu Handgreiflichkeiten. Guy erlitt einen Nervenzusammenbruch, als Schaubier vorschlug, die Schulden des Königreichs im Süden zu übernehmen. Horst jagte Zuschi durch den Garten. Philip grub sich ein Loch und beschloss, Wurzeln zu schlagen und Graf von und zu Rumpelstilzchen stampfte mit den Füßen auf, bis der Boden unter ihm nachgab. Nur Rainer war nirgendwo aufzufinden. Da sprach Angie ein Machtwort: „Machen wir es halt so, wie Schaubier gesagt hat. Was Besseres fällt mir auch nicht ein. Oder?“ Dann verdaute sie geräuschvoll.

Am Ende kam der Rat auf die geniale Idee, das Monster einfach nicht über die Grenze zu lassen, wenn es kam. Zuschi, die Kleinste, hatte den rettenden Einfall: „Wenn das Monster kommt, verstecken wir uns einfach. Dann glaubt es, niemand ist zu Hause und geht zu einem anderen Königreich.“ Die Freude war groß im Königreich und Zuschi der Hase des Tages.

Aber das Ende nahte unaufhaltsam. Es begann, als der König sein Heer besuchte. Graf von und zu Rumpelstilzchen hatte kurz vorher entdeckt, dass es tatsächlich Gold kostete, ein Heer zu unterhalten. Nun dachte er darüber nach, wie man es so klein machen konnte, dass es zu den leeren Schatzkammern passen würde. Die Soldaten wandten sich besorgt an den König und fragten ihn, ob sie wohl noch gebraucht würden. Vor allem, da man ja jetzt beschlossen hatte, alle Gefahren einfach zu ignorieren statt gegen sie vorzugehen. Der König, der ein Köhler war, dachte ein wenig nach und sagte dann: „Um Kohle zu machen, braucht man ein Feuer.“

Zeugen aber hatten verstanden: „Für Kohle“, also Gold, „auf alles feuern.“ Das empörte die Indianer und die grünen Kobolde über alle Maßen und Tritt-Ihn!, der Koboldchef regte sich ohne Ende über den Kriegskönig auf. Der wiederum hatte bloß eine ruhige Kugel schieben wollen. Das wurde ihm jetzt alles zu viel und er dankte dankend ab.

Plötzlich war das Land ohne König. Das durfte nicht sein. Angie wurde damit beauftragt, einen neuen König zu besorgen, der dann vom Ständerat bestätigt werden musste. Angie sah sich nachdenklich unter den Sieben Geißeln um. Sah Zuschi, die immer noch die populärste unter ihnen war, aufgeregt auf und ab hüpfen. Sie schloss die Augen einen Moment. Öffnete sie wieder. Sah Zuschi an, die schon einmal versuchte, so königlich wie möglich zu gucken. Und sagte: „Wolfff!“

Der Wolfff war ein ziemlich langweiliger Wolf, der sich mit drei ‚f“ schrieb, um wenigstens etwas Herausragendes zu besitzen. Er war ein Weggefährte von Angie und ihr treu ergeben. Bis zu dessen Ausscheiden aus dem Kronrat war er der erklärte Feind von Getöntes Haupthaar gewesen, was dieser aber kaum registrierte. Man übersah den Wolfff leicht.

Plötzlich hatte er endlich die ersehnte Chance, dass jeder im Königreich von ihm erfuhr. Und nicht nur das. Er sollte herrschen! Irgendwie. Und so. Na ja, gut aussehen und Angie nicht widersprechen, aber das ging schon klar.

Aber die Indianer und die Kobolde sahen ihre Chance, Angie eins auszuwischen und stellten ihren eigenen Kandidaten für das Königsamt auf, den Gockel Jo.

Jo war ein Kriegsheld und weithin beliebt im Volk und auch bei den Adeligen aller Parteien. Den Wolfff kannten hingegen alle nur als Angies Kreatur. Wenn sie überhaupt wussten, dass es ihn gab. In den folgenden Wochen gockelte Jo landauf und landab vor den Wahlmännern aller Parteien und machte so einen guten Eindruck, dass selbst die Gurken ihn wählen wollten und nicht wenige von Angies eigenen Leuten. Die wurde immer mürrischer und Befahl ihren Parteigängern schlicht, den Wolfff zu wählen, sonst würde es was setzen und basta. Guy erklärte seinen Gurken, dass sie die Steuern nur senken könnten, wenn sie den Wolfff wählten. Warum das so sei, wusste allerdings niemand. Auch Guy wohl nicht.

Der Wolfff selbst blieb weitgehend unsichtbar. Oder nicht, aber ich erinnere mich wirklich nicht daran, ihn in den Wochen vor der Königskür gesehen zu haben.

Es kam, wie es kommen musste. Am Mittsommertag trafen sich die Edlen und weniger Edlen des Landes, um darüber abzustimmen, wer ihr König sein sollte. Im ersten Wahlgang scheiterte der Wolfff, weil er keine absolute Mehrheit der Stimmen bekam. Und im zweiten. Und im Dritten. Im vierten Wahlgang, als Angie schon Anfälle von BSE vortäuschte, um Sympathie zu erwecken endlich die erlösende Mehrheit. Für Jo.

Das Gelächter der Indianer und Kobolde hallte hämisch durch den Palast und der Häuptling Dicke Wampe hielt sich eben diese. Tritt-Ihn! und Kühn, Ast., die Anführer der Kobolde mussten sich aneinander lehnen um nicht umzufallen.

Da stand Angie auf, trat Guy „versehentlich“ zu Püree und verschwand wortlos und leise pupsend zu grüneren Weiden. Dicke Wampe übernahm das Regierungsgeschäft zusammen mit den Kobolden. Der Wolfff verschwand da, wo er hergekommen war, auch wenn niemand wirklich wusste, wo das war. Die Sieben Geißeln verließen zeternd und streitend das Schloss und man sagt, Graf von und zu Rumpelstilzchen habe sich noch am gleichen Abend an Wildschweinbraten gelabt. Nur Zuschi musste eine Woche später völlig entkräftet zum Heiler gebracht werden. Sie hatte sich hinter einem Schrank versteckt.

Tja, das war die Geschichte vom Wolfff und den Sieben Geißeln. Geben Sie mit jetzt den Heller, den Sie mir versprochen haben? Seit das Monster unser Haus zerstört und die Bank all unser Vieh genommen hat, konnte ich meiner Familie nicht mal mehr jeden Tag Brot kaufen. Besonders seit ich krank wurde. He? He? Was heißt „Sozialschmarotzer“?! Kommen Sie mal mit 200 Talern im Monat aus. Arschloch.

Der Wolfff und die Sieben Geißeln I


Es war einmal …

… ein reiches Land, dessen König Köhler war. Der Köhler hatte sich zum König machen lassen, weil seine ursprüngliche Arbeit zu anstrengend wurde, man streng nach Kohle riecht und er auch nicht mehr der Jüngste war. Dazu kam, dass die Könige des reichen Landes kaum mehr tun mussten, als ab und an in ihren Staatskarossen auszufahren und dem Volk zuzuwinken. Oder sie besuchten andere Könige, vornehmlich in warmen Ländern, oder ließen sich besuchen. Und das Essen war exzellent.

Regiert wurde das Land vom Kronrat, dem ein Kanzler vorstand. Oder, wie zur Zeit unserer kleinen Geschichte, eine Kanzlerin. Die Kanzlerin war eine Kuh namens Angie und eigentlich war das Volk des reichen Landes froh, dass es sie hatte. Sie sagte nicht viel, sah aber immer sehr Vertrauen erweckend aus, wie sie wiederkäuend im Kronrat saß und Stunden und Stunden das Geschwätz ihrer Minister anhörte und manchmal aufstieß. Angie vermittelte dem Volk das Gefühl, dass es ja alles nicht so schlimm sei.

Als Angie gewählt wurde musste sie zusammen mit Indianern vom Stamm der So-Zi regieren. Deren Häuptling Silberlocke war eine langweilige, aber grundsolide Rothaut. Sein Vorgänger „Getöntes Haupthaar“ konnte nicht so mit der temperamentlosen Kuh. Aber Angie und Silberlocke bewältigten zusammen die größten Krisen. Das Problem war, dass das Volk immer nur sah, dass Angie die Probleme löste, während Silberlocke und die So-Zi sich kaum profilieren konnten. Profil zu besitzen wäre dabei natürlich auch von Vorteil gewesen.

Dazu kommt, dass ein anderer Indianerstamm, die So-Li, den So-Zi die Gunst des Volkes streitig machte. Deren Häuptlinge „Kleiner Kaiser“ und „Kleiner Anwalt“ lösten zwar keine Probleme, hatten aber enorm viel Profil.

Also nahm das Verhängnis seinen Lauf und die So-Zi mussten den Kronrat verlassen. Dafür zogen jetzt andere ein, nämlich ein Gruppe intelligenter, gelber Gurken*. Angie hätte vielleicht lieber weiter mit Silberlocke regiert, sagte aber artig „Muh“, als die Gurken einzogen und ihre Minister freuten sich einen Ast, weil die Indianer manchmal so befremdliche Ideen hatten. Und, ehrlich gesagt, „die sind einfach nicht wie wir“.

Der Chef der Gurken war ein warmes Gemüsegericht namens Guy, das gut roch, aber leider über einen beschränkten Wortschatz verfügte. Er unterhielt das Volk seit Jahren damit, dass er einen Satz („Die Steuern müssen runter!“) immer und immer wieder aufsagte. Trotzdem brachen immer noch Menschen in spontanen Applaus aus, denn wer war nicht für niedrige Steuern?

Seine Minister waren Philip, der Spitzkohl (adoptierte Gurke) und eine schon etwas angegammelte Salatgurke namens ‚Rainer‘.

Ihnen gegenüber saßen Horst, die Wildsau, Graf von und zu Rumpelstilzchen, der Schatzmeister Schaubier und die Häsin Zuschi. Man hätte auch sieben Hunde und Katzen in einen kleinen Karton sperren können und weniger Gekeife und Streiterei bekommen.

Dabei begann die Regierungszeit des neuen Kronrates so harmonisch. Er beschloss, dass die Gastwirte des Königreiches zu viel Steuern bezahlten und senkten diese fürderhin. Guy gluckste vergnügt „Steuern runter, Steuern runter“ und man wusste nicht, ob er wegen des neuen Gesetzes so glücklich war oder wegen des Beutels mit Gold, den ihm der Wirt Mövenpickel gerade in die Hand gedrückt hatte.

Dann aber begann auch schon der Verfall. Vor allem wegen der Steuern hatten sich Horst, die Wildsau und Guy die Gurke ständig in den Borsten, beziehungsweise gingen sich auf die Schale. Dabei waren sie sich im Grunde einig. Nur über den Details fochten sie verbissen. Offener Krieg brach im Rat aus als Spitzkohl Philip, der für die Volksgesundheit zuständig war, vermeldete, dass das Gold des Landes im nächsten Jahr kaum mehr für die Kranken reichen würde und deshalb jeder Bürger ein wenig mehr zahlen müsse. Er vermied das Wort „Steuern“. Horst quieckte entsetzt auf und schrie etwas von „Steuererhöhungen“ und „Nicht mit mir!“ und lief ein bisschen Amok. Beim Wort „Steuererhöhungen“ erlitt Guy kurzzeitig braune Stellen. Der Rest des Kronrates ging in Deckung, während Angie nur brummte: „Das hätte ich so jetzt nicht gesagt. Muh. Denke ich mal. Oder doch?“

Bald nannte das ganze Land den Thronrat die „Sieben Geißeln“ und viele Menschen begannen, an der Weisheit der obersten Landeskuh zu zweifeln.

Denn es trug sich zu, dass zu nämlicher Zeit ein riesiges Monster umging, das alle Länder heimsuchte. Viele Menschen mussten leiden und es zerstörte nicht wenige Häuser und trieb deren Bewohner ins Elend und in die Armut. Angie und Silberlocke hatten es beim letzten Besuch besiegt, indem sie einfach den obdachlos gewordenen Menschen neue Häuser bauten. Das Monster verlor dadurch viel von seinem Schrecken und zog bald enttäuscht ab. Es lebte nämlich davon, dass es den verängstigten Menschen ihre Besitztümer zu einem lächerlichen Preis abkaufte und später teuer wieder verkaufte.

Geht weiter …

* Ich vermute, dass sie in Wirklichkeit Zucchini sind. Aber bin ich  Märchenonkel oder Botaniker?

Fragment III: Warum?


Und wieder muss ich darauf hinweisen, dass der folgende Text Teil eines größeren Projektes ist und nicht von mir handelt, auch wenn die Hauptfigur gehörlos ist.

„Paul! Paul!“ Das ist meine Mutter. „Bleib drin. Deine Haare sind doch noch nass.“ Ich erinnere mich. Komisch, wie sie in meiner Erinnerung Hochdeutsch spricht. Wahrscheinlich hat sie gerufen: „Bleibste drin! Deine Haare sin‘ doch noch total nass.“ So mit dem kehligen ‚a‘ der Oberhausener. „Blaaibste“ und „totaal“.
Ich habe dir nie erzählt, warum ich auf dem rechten Ohr taub war. Du weißt alles über den Unfall, jetzt. Du weißt, wie dieses Stück Plastik mich fast umgebracht hat. Du weißt, warum ich so schnell gefahren bin. Du weißt, warum ich taub bin. Nur, du weißt nicht alles.
Ich habe mich früher nie gefragt, warum du nicht nach dem rechten Ohr gefragt hast. Jetzt muss ich mich damit abfinden, dass es dir einfach egal war. Als ich dich liebte, als ich in Depressionen versunken bin, als es mir dann besser ging, weil ich dich liebte. Nein, ich fange anders an.
In der schlimmen Zeit – der Depression, ich weiß Dr. Fürst, ich muss es aussprechen – habe ich mich das gefragt, was sich alle fragen: warum ich? Warum musste mir das passieren? Warum bin ich taub? Warum bin ich ein Krüppel? Warum ist alles, was ich esse Asche in meinem Mund? Warum ich und nicht jemand anderer?
„Paul, du musst jetzt sehr tapfer sein.“ Wieder meine Mutter. Warum, Mama? Warum muss ich tapfer sein? „Der Doktor schneidet was an deinem Ohr, dann tut es nicht mehr weh.“ Nich‘ mär weh. O ja, bitte. Ich hatte keine Tränen mehr, so viel habe ich geweint. Bekomme ich keine Betäubung? „Das ist nicht nötig. Ein kleiner Schnitt, dass läuft dir etwas Warmes ins Ohr und dann ist alles vorbei.“ Wie hieß er noch? Dr. Dingenskirchen hat Mama immer gesagt, weil sie sich den Namen nie merken konnte. Dr. Dingenskirchen war so alt wie mein Opa und roch wie „Schlegel und Eisen“, wenn es Geld gab.
Ein kleiner Schnitt für mich, aber eine Welt aus Schmerz für meinen kleinen Patienten. Es hat mich nicht getröstet. Dass Dr. Dingenskirchen nach dem kleinen Schnitt nicht mehr praktizieren durfte. Warum ich? Weil ein versoffener HNO-Arzt aus Obermeiderich eine Parazentese versaut hat? Weil deswegen, als ein Stück Plastik mein Stammhirn auf der linken Seite perforierte und ich den Hörnerv verlor und einiges andere auch, meine rechte Seite das nicht ausgleichen konnte? Warum ich? Weil Dr. Dingenskirchen?
„Deine Haare sind doch noch nass.“ Ich stelle mich taub. Übe schonmal. Winter ’73. Wir wohnen in der Taunusstraße. Gegenüber das unbebaute Grundstück; „der Berg“, der ein kleiner pisseliger Hügel ist. Heute ist da das „Mercator Center“. Aber man kann rodeln, Schlitten fahren. Ich liebe den Schnee. Das weißt du natürlich.
Sobald ich konnte war ich auf dem „Berg“. Ich hatte mir Kinderskier zusammen gespart und alle staunten mich an. Ich liebte auch das. Stunden blieb ich dort. Auch als alle anderen weg waren. Auch, als meine Skier kaum noch rutschten, weil den ganzen Tag Ruhrpottt-Kinder auf Schlitten mit rostigen Kufen oder Müllsäcken die ca. 10 Sekunden „Abfahrt“ genossen und die dünne Schneedecke aufrissen. Ich spürte die Kälte nicht. Nie. Das war es! Das wollte ich mein Leben lang. Am Abend tat mein rechtes Ohr weh. Warum? Weil nasse Haare?
Ich glaube nicht an Gott, das Schicksal, der ganze Schmu. Wenn ich heute zurück sehe, sehe ich wie alles auf meine Taubheit hinausläuft. Ich bin taub, weil ich ich bin. Ich bin damals weg, als ich wusste, meine Mutter konnte mich nicht rein holen. Ich musste auf den Berg. Ich musste den ganzen Tag bleiben. Nicht weil mich jemand gezwungen hätte, sondern weil das in mir war. Ich war glücklich. Und alles, was später kam, lief und läuft auf genau diesen Moment des Glücks hinaus. Wenn ich katholisch wäre, würde ich vielleicht von Schuld sprechen. Aber es ist niemand schuld. Wenn ich nicht so glücklich gewesen wäre, wenn Mama nicht hätte arbeiten müssen, wenn ich langsamer gefahren wäre, wenn die Nackenstütze nicht gesplittert wäre … Wo ist die Schuld? Wo setzt man an? Ist meine Situation die Strafe für die flüchtigen Momente des vollkommenen Glücks, nach denen ich so süchtig war und wieder bin? Wer will in so einem Universum leben?
Wenn du mich fragen würdest, würde ich dir antworten dass mein ganzes Leben nicht ein Pfeil ist, der von Gestern durch Heute nach Morgen schießt. Ich würde dir sagen, dass mein rechtes Ohr in dem Moment ertaubte, als auch mein linkes Ohr keine Signale mehr weiter leitete. Nur früher. Es ist alles wie ein Foto, das sich nach und nach entwickelt. Ich, du, Mama, Dr Dingenskirchen, Dr. Fürst, Herbert. Alle. Wir sind alle auf diesem Foto. Manche Dinge sind scharf, aber das meiste ist verschwommen. Es ist irgendwie alles schon da. Nur man erkennt es halt nicht gleich.
Aber du hast mich nie gefragt.
Warum? Darum!

Hier sind Drachen!


Es war einmal …

… ein Land, das von Drachen regiert wurde. Die Drachen hatten ihre Schuppen, Zähne und Klauen abgelegt. Sie trugen jetzt feine Anzüge. Der Rauch aus ihren Nüstern stammte von kubanischen Zigarren. Statt selber zu fliegen stiegen sie lieber in ihre Lear Jets. Was sie nicht abgelegt hatten, war ihre Vorliebe für Schätze. Sie liebten Gold über alles und es war ihnen egal, wie sie es bekamen. Außerdem verspeisten sie auch die eine oder andere Jungfrau, die sie sich per sehr exklusivem „Escort-Service“ kommen ließen.
Die Drachen regierten auch nicht selber. Es war ihnen im Grunde egal, wie es den Menschen geht, also warum sollten sie sich mit langweiligen Dingen wie Bildung oder Gesundheit befassen. Solange es ihnen gut ging und sie ihren Reichtum mehren konnten überließen sie die Politik anderen. Sie setzten Menschen als Herrscher ein, was ihnen einerseits Arbeit abnahm und andererseits ihren ahnungslosen Subjekten das Gefühl gab, einen Einfluss auf ihr Schicksal zu haben.
Dann und wann machten die Menschenherrscher etwas, das bei ihren Untertanen
Unmut hervor rief. Dann beschworen die Drachen mit ihren magischen Kräften Gespenster. Etwa das schwarze Gespenst der Todesangst oder das rote Gespenst der Armut. Das wirkte in 90 Prozent der Fälle. Die Menschen bekamen solche Angst, dass sie ihre Herrscher alles tun ließen, um nur die Gespenster los zu werden. Das Land nannte sich selbst übrigens „das Land der Freien“. Was müssen die Drachen gelacht haben, als sie den Namen erfanden.
Die Drachen hatten einen Weg entdeckt, wie sie ihre Horte unabhängig von Schlössern oder Höhlen machten und gleichzeitig vorwitzige Kleinwüchsige davon abhielten, sich als Drachentöter zu versuchen. Sie verwandelten ihr gesamtes Gold in Zahlen. Diese Zahlen waren ungreifbar, aber beherrschten bald nicht nur das „Land der Freien“ sondern die ganze Welt viel besser als jeder Herrscher. Die Menschen wurden süchtig nach den Zahlen und die Drachen waren ihre Dealer. Niemand beherrschte das Spiel mit den Zahlen besser als die Drachen. Und niemand vermutete, dass die Zahlen ungefähr so viel Substanz hatten wie die Geister, die sie beschworen.
Weil ihnen eines Tages langweilig geworden war versuchten die Drachen herauszufinden, wie weit sie dieses Zahlenspiel treiben konnten. Sie versprachen armen Menschen, dass jeder von ihnen ein eigenes Haus bauen könne. Das Geld dazu müssten sie sich nur von den Drachen leihen. Über die Rückzahlung könne man später reden. Die Menschen sahen sich plötzlich in der Lage, einen Traum vom eigenen Heim zu realisieren. Wer hätte da nicht zugegriffen? Selbst wenn der Typ von der Bank so komisch grinst. Die Zahlen wuchsen und wuchsen. Die Zahlen, die geliehenes Geld darstellten, mit denen die armen Leute ihre Häuser bauten oder kauften. Die Zahlen des Geldes, die sich die Drachen untereinander liehen um die Kredite zu bezahlen.
Dann hatte irgendein Drache eine Idee, für die er spontan zum König der Drachen ernannt wurde: Warum machen wir nicht nur aus Nichts Geld, sondern auch noch aus weniger als nichts, den Schulden. Die Drachen jubelten. Fortan handelten sie untereinander oder mir Drachen anderer Länder mit den geschickt verpackten Schulden der armen Leute des „Landes der Freien“. Und das so erfolgreich, dass andere Länder sie imitierten und bald ganze Länder aufblühten, die mit weniger als nichts handelten. Wie die Hütchenspieler verschoben und verschoben sie die Zahlen, bis niemand wer wusste, wo die Erbse war. Ja, dass es überhaupt eine Erbse gab, die natürlich die ganze Zeit in der Hand der Drachen geblieben war.
Irgendwann merkten aber selbst die dümmsten Menschen, was Sache ist und der ganze Schwindel flog auf. Es erwischte eine Drachen mit dem seltsamen Namen „Lehman“. Die anderen verspotteten ihn und er musste für ein paar Jahre auf die Bank. Die stand natürlich auf einer sonnigen Insel und war bequem gepolstert.
Die anderen Drachen dachten darüber nach, worum sie jetzt spielen könnten. Da fiel einem ein: Menschenleben. Da Menschenleben erst mal wertlos sind, mussten die Drachen sich etwas ausdenken. Sie gaben den Leben einen Wert: ihr Alter. Je älter ein Mensch wurde, desto weniger wert war er für die Drachen. Sie kauften nun große Bündel von Wettscheinen auf das Alter der Menschen von Versicherungen. Versicherungen sind die kleinen, hässlichen Verwandten der Drachen.
Aber nach dem „Lehman“ Desaster waren die Menschen geschockt und hatten dieses eine Mal ohne irgendein Gespenst Angst bekommen. Sie hatten einen schwarzen Ritter als „Herrscher“ gewählt, der ihnen versprach, dass sich etwas ändere im „Land der Freien“. Als erstes wolle er dafür Sorgen, dass alle Menschen für ihre Gesundheit aufkommen können, zur Not mit Hilfe des Staates.
Das passte den Drachen nun gar nicht. Diese sahen sich in ihrem Spiel gestört, das ja gerade darum ging, dass die Menschen nicht gesund sind und früh sterben. Also beschworen sie wieder Gespenster. Um dem Ritter zu zeigen, wer im „Land der Freien“ wirklich das Sagen hat, gingen sie diesmal sogar so weit, alle beide zu rufen, das Rote und das Schwarze. Außerdem erinnerten sie einige Menschen daran, wer ihnen denn ihr Leben in Luxus und Überfluss ermöglicht.
Die armen Menschen im „Land der Freien“ waren ungebildet und die Reichen hatten viel zu verlieren. Deswegen glaubten die Armen den hanbüchenen Geschichten, die die Günstlinge der Drachen verbreiteten.
Das ist das Ende der Geschichte vom „Wandel“ im „Land der Freien“. Und wenn die Drachen nicht an ihrer eigenen Gier zugrunde gegangen sind, verarschen sie die Menschen auch heute noch.

Ende

PS:Glaubt ihr mir nicht?

Ganz arm in St. Tropez (3. Teil und Schluss)


Irgendwann Anfang der 80er beschlossen die Frauen und Mädchen, dass Bikinis am Strand immer noch zu unbequem seien und ließen einfach die Oberteile weg. Ich habe zwar das dumpfe Gefühl, die Idee entstand eher in den „Gehirnen“ von Männern, insbesondere Chefredakteuren, aber wenn’s ein Trend ist …
Mit 14 wusste ich sehr genau, dass diese dumpfe Gefühl, das mich beim Anblick eines hübschen Mädchens ergriff nichts mit Darmbewegungen aufgrund schlechten Essens zu tun hatte. Aber was genau dieses Brennen auslöste und wie ich damit umgehen sollte war mir immer noch ein Rätsel. Da ich bei meinen Mitschülerinnen den sozialen Status von etwas hatte, was man unter Steinen findet, stellte sich das Problem auch nicht wirklich und ich lebte in unschuldigem Zölibat. An der Côte d’Azur nun verlor ich diese Unschuld. Nicht, dass ich Sex gehabt hätte, bewahre. Aber mir sprang buchstäblich ins Gesicht (ich schwöre!), was ich wollte. Oh .. mein … Gott!
Abgesehen vom gemeinsamen Unterricht, der morgens statt fand, bot der Veranstalter der Sprachreisen ein ausgedehntes Freizeitprogramm an. Meistens waren das Ausflüge in die umliegenden Städte wie St. Tropez oder in die Provence. Außerdem standen gemeinsame Kinobesuche, Bootsfahrten, Sportveranstaltungen und Badeausflüge auf dem Programm. Beim ersten Badeausflug kam ich auch noch mit. Ich glaube, ich hatte nicht ganz verstanden, was geplant war, denn ich kann mich nicht erinnern, dass ich wirklich schwimmen war. Dafür kann ich mich gut daran erinnern, dass plötzlich sehr, sehr viel weibliches wohl geformtes Fleisch vor meinen Augen entblößt wurde. Ich glaube, ich bin weg gelaufen.
Der Ausflug endete dann damit, dass die Bande vom Mailänder Schnösel mich mit meinen Klamotten ins Wasser warf. Eine mitfühlende Mitschülerin lieh mir kurz entschlossen ihren rosa Angorapullover (!), damit ich mich nicht erkältete. Alle hatten Spaß. Natürlich war das der letzte Ausflug dieser Art, an dem ich teil nahm.
Nach der ersten Woche bat ich um meine Versetzung in die nächst höhere Klasse der Sprachschule. Der Mailänder Arsch und seine Kumpel hatten sich auf mich eingeschossen und demütigten mich, wo es ging. Da mir weder die Lehrer noch die Mitschüler halfen, sah ich mein Heil nur noch in der Flucht. Weil mein Vater bezahlte, wurde dem Wunsch natürlich entsprochen. Was zur Folge hatte, dass ich dann überhaupt nichts mehr verstand. Die Vormittage verliefen also in Geist tötender Langeweile, die mir glaube ich immer noch lieber waren als die kleinlichen Hänseleien pubertierender Hohlköpfe.
Ah, die Pubertät! Bin ich froh, das hinter mir zu haben. Damals hätte ich, wenn ich nicht so an allem möglichen gelitten hätte, trotzdem meine Freude haben können. Heute, 26 Jahre später könnte ich mich köstlich amüsieren. Die Hormone meiner Mitschüler schwappten über, und also auch ihre Probleme. Es gab Strandpartys (zu denen ich nicht eingeladen war), bei denen so heftig getrunken wurde, dass halbe Klassen am Morgen fehlten. Und Dramen! Natürlich wurde kreuz und quer durch die Gegend gef … äh, Liebe gemacht. Und natürlich wurde sich verliebt, Ehen geschmiedet, Pläne geschmiedet, verraten, verloren, neu gefunden, Herzen gebrochen und vor allem war jedes einzelne Teenagerschicksal das wichtigste der ganzen Welt und nie zuvor wurde so gelitten.
Ich erlebte damals auch noch ein paar andere Dramen, aber das wird langsam langweilig. Es gibt zwei schöne Dinge, an die ich mich erinnere. Das erste war ein Ausflug in eine kleine Hafenstadt, wo ein Festival stattfand, auf dem Männer in Booten sich gegenseitig mit stumpfen Lanzen ins Wasser stießen. Ich hatte viel Spaß. Wahrscheinlich, weil ich diesmal nicht ins Wasser fiel. Dann kam in der dritten Woche ein schon etwas älterer Junge aus Schwaben zu meiner Gastfamilie. Er sprach sehr gut französisch und konnte mir endlich übersetzen, was so gesagt wurde (nicht interessant, aber hey). Er nahm mich ein wenig unter seine Fittiche. Oh, eine dritte gute Erinnerung! Wir machten einen Bootsausflug. Die See war recht rau und die meisten waren seekrank. Ich setzte mich mit meinem Baguette genau vor meine Peiniger und mampfte fröhlich vor mich hin, während Mailand grün wurde. Kleinlich? Sicher, aber sehr befriedigend.
Nach Mérô war ich sehr sehr froh, wieder zu Hause zu sein. Ich hatte mir für mein Aquarium zwei wunderschöne Buntbarsche bestellt, die natürlich alle meine Fische auffraßen. Ich schaffte das Becken bald ab. Der Urlaub in Südfrankreich, so schlimm ich ihn empfunden habe, hatte bei mir endlich eine längst überfällige Entwicklung ausgelöst. Ich rebellierte gegen meine Großeltern, zog mich besser an, zeigte ein paar meiner Mitschüler, wo der Hammer hängt, wurde besser in der Schule. Ich war durch die „französische Diät“ auch nicht mehr so pummelig. Mädchen interessierten sich zwar immer noch nicht für mich, aber man kann nicht alles haben, oder?
Den nächsten Urlaub verbrachte ich mit einer Gruppenreise in der Sowjetunion, mit 17 bereiste ich per InterRail England, Schottland, Wales und Irland. Ich verliebte mich und natürlich war es eine unglückliche Liebe und niemals zuvor hat ein Junge so gelitten wie ich.

Musik!

Ganz arm in St. Tropez (2.Teil)


Außer dem Mailänder Draco Malfoy sind mir eigentlich nur ein ganzer Haufen sehr sehr hübscher Mädchen in Erinnerung geblieben (ja, ich weiß) und ein nicht so hübsches. Das nicht-so-hübsche deswegen, weil sie offensichtlich von einem tiefen Groll gegen die Model-Mädchen erfüllt war. Das machte sie zu so etwas wie einer Leidensgenossin. Leider sah sie das nicht so und ignorierte mich wie alle anderen auch.
An die Lehrerinnen und Lehrer kann ich mich nicht mehr erinnern. Bis auf einen Typen, der eigentlich ein Animateur war und dessen pädagogische Fähigkeiten sich auf das Verbreiten guter Laune erschöpften. Ich hasste ihn. Ich hasste gute Laune. Seine „Latin Lover verarscht sich selbst“ Art kam an. Immerhin versuchte er nie, mich zu animieren. Vermutlich hätte mein Blick ihn versteinert.
Nachdem ich am ersten Tag den Horror der nächsten drei Wochen gekostet hatte, wollte ich nur schnell wieder „nach Hause“ zu Gucky und Bully. Aber vor das selige Vergessen haben die Götter die harte Arbeit gesetzt.
Schüler B informierte mich, dass wir alleine zu Fuß zu unserer vorübergehenden Behausung gelangen mussten. Offenbar war das allen bekannt außer mir. Bestimmt war in den hastigen französischen Konversationen am Familientisch so etwas lang und breit erörtert worden. Nur…. ich hatte keine Ahnung. Also machten wir uns in der drückenden südfranzösischen Nachmittagsschwüle auf, die gefühlten 20 Km zu unserer Gastfamilie zu kommen. Ich erinnere mich nicht mehr, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die Stille (Franzosen waren bestimmt nicht so bescheuert, bei der Hitze vor die Tür zu gehen!) nur von meinem Keuchen und Moppern und Schüler Bs rasselndem Asthmaatem unterbrochen wurde.
Ich war damals schon gehbehindert. Ich zog mein rechtes Bein schwer nach und der Weg wäre auch ohne die Hitze und den Staub eine Qual für mich gewesen. So …. war es nicht wirklich angenehm. Als ich schließlich bei den Gasteltern war, erschrak Madame sichtlich. Ich erklärte mühsam, dass ich schlecht laufen konnte. Das rief sofort eine Telefonkette ins Leben, von der ich nichts mitbekam, weil ich zusammengebrochen war.
Offensichtlich hatte mein Vater vergessen, meine Behinderung auf der Anmeldung anzugeben. Madame hatte erregt den Repräsentanten des Reiseveranstalters angerufen und ihm meinen Zustand geschildert. Sie und ihr Mann arbeiteten, deswegen war es ihr unmöglich, uns zur Schule zu fahren. Ich könne den Weg aber auch nicht laufen. Zwei Mal am Tag schon gar nicht. Der Rep versprach, sich um das Problem zu kümmern. Das tat er auch und schnell.
Am nächsten Tag wurde ich informiert, dass man andere Gasteltern gefunden hätte. Ich würde in eine Familie kommen, die näher an der Schule wohne. Wow! Am Abend brachten sie mich dann zu einem großen Haus direkt am Strand mit einem großen, etwas verwilderten Garten. In diesem Garten war eine kleine Hütte. In dieser kleinen Hütte gab es zwei Etagenbetten, einen kleinen Tisch, einen kleinen Hocker, einen kleinen Schrank, ein normal großes Klo und eine klitzekleine Dusche. Das war mein neues zu Hause. Ich hatte es ganz für mich. Ich war im Himmel.
Die Schule war wirklich nur fünf Minuten entfernt. Die Hütte war vielleicht mal ein Geräteschuppen gewesen, aber mir war das egal. Sie war perfekt. Im Garten gab es einen kleinen verkrauteten Teich, in dem bunte Zierfische schwammen und ich nahm mir vor, sie bald zu bestimmen. Ins Haus durfte ich nur zu den Mahlzeiten, das war mir recht, ich verstand die Leute mit ihrem heftigen südfranzösischen Akzent („Demäng nu vullong aschteh unn kammiong“) kaum. Morgens standen ein halbes Baguette, ein großes Glas Aprikosenmarmelade (immer das gleiche), Butter und Milchkaffee für mich bereit. Abends aß ich mit den Leuten. Französische Küche hat für mich seitdem nie wieder einen guten Klang gehabt. Es war das schlechteste Essen, das ich je gezwungen war, zu mir zu nehmen bis zu jenem denkwürdigen Hackbraten in Würzburg 2005. Aber, always look on the bright side, endlich verlor ich diese überflüssigen zehn Kilo, die mich zu einem eher vollschlanken Vierzehnjährigen machten.
Es hätten alles in allem immer noch akzeptable 3 Wochen werden können, die ich dann, jungem Gemüt sei Dank, schnell hätte verdrängen können. Leider hatten sich die Pforten des Hades für mich erst einen Spalt breit geöffnet. Der Grund für die wahre Hölle auf Erden waren, wie immer, Mädchen. Oder genauer: ihre Brüste!

Wird fortgesetzt …

Ganz arm in St. Tropez (Erster Teil)


Der „Sommer der Liebe“ ist fast so alt wie ich. Das bedeutet, dass er 1983, als sich unsere Geschichte zutrug, bereits seit 12 Jahren tot war. Ich war 14 und Helmut Kohl unser neu gewählter Bundeskanzler. Jeder machte sich noch über „Birne“ lustig. Wenn wir gewusst hätten, dass Kohl noch weitere 15 Jahre regieren würde, wäre uns wohl das Lachen vergangen.
Über die 80er sagt man heute, dass es ein „verlorenes Jahrzehnt“ war. Sie seien langweiliger gewesen als die 50er, modisch und kulturell übler als die 70er (was ich vehement bestreite!) und politisch bedeutungsloser als die 60er Jahre. Das zeigt, dass „man“ keine Ahnung hat. Für mich waren die 80er meine Jugend und 1987 mein persönlicher Sommer der Liebe. Sie waren aufregend und erschreckend. Es gab die „Neue Deutsche Welle“, die echte New Wave, David Bowie, die Sisters of Mercy, Miami Vice, Karottenjeans, „Flashdance“ und Tschernobyl. Aber ich greife vor.
1983 war ich, wie gesagt, 14 Jahre alt. Ich war auf der Realschule und sehr unglücklich. Ich hatte so gut wie keine Freunde, meine Mitschüler hassten mich und meine besten Freunde waren mein Aquarium und „Perry Rhodan“. Dazu kam, dass ich mir gerade einen dieser neumodischen „Home Computer“ der Firma Commodore samt Datenrekorder zugelegt hatte, mit dem spielte, wenn ich meine Nase nicht in einen Roman oder mein Becken steckte. Kurz gesagt: ich war ein Freak.
Dazu kam, dass ich mich kleidete wie jemand, dem Klamotten egal sind und der das trägt, was seine Oma ihm kauft. Genau tat ich nämlich. Statt Röhrenjeans trug ich ausgebeulte Cordhosen, statt der modischen „Lacoste“-Polohemden in Eierschale und Malve Synthetik-Hemden mit Krägen, die mittlere Segelboote stabilisiert hätten. Ich war schlimmer als ein Freak. Ich war ein schlecht angezogener Freak.
Im Sommer 1983 sollte ich das erste Mal alleine in Urlaub fahren. Die letzten neun Jahre war ich mit meinen Großeltern brav nach Süddeutschland gereist. In diesem Jahr sollte ich endlich etwas erwachsener werden. Ich erinnere mich ehrlich nicht mehr daran, ob es mein eigener Wunsch war, alleine zu sein oder ob meine Familie sich das ausgedacht hatte. Aber ganz bestimmt wollte ich nicht zu einem Sprachkurs an die Côte d’Azur fahren.
Das wuchs auf dem Mist meines Vaters. Der bezahlte die ganze Sache, also wurde es so gemacht, wie er sich das vorgestellt hatte. Mit 14 hatte ich seit zwei Jahren Französisch gehabt, mochte es nicht besonders und war auch nicht sehr gut darin. Ein Grund mehr, meinte mein Vater als ich vorsichtig einwand, dass ich für so einen Kurs vielleicht nicht gut genug sei und mein englisch viel besser und England … Also saß ich im Zug nach Paris und las von den Heldentaten der unsterblichen Terraner und ihrer Haustiere.
Am Bahnhof in … keine Ahnung wie das Kaff hieß, es hatte sicher Mér oder mère oder ô irgendwas im Namen und der Name der Ortschaft allein lässt Mädchenknie weich werden … wartete meine Gastfamilie auf mich. Oder besser: auf uns. Außer mir beherbergte sie einen weiteren Sprachschüler aus Deutschland, der im Gegensatz zu mir die Leute sogar verstand. Schüler B durfte für mich übersetzen. Wenn ich mich recht erinnere war er a) ziemlich gut und b) geradezu euphorisch, mein Zimmergenosse zu sein.
Das Gefühl beruhte spätestens in der Nacht auf Gegenseitigkeit, denn Schüler B litt an Asthma. Schlimmem Asthma. Er pfiff und keuchte die ganze Nacht. Selbstverständlich bekam ich kein Auge zu und am nächsten morgen wäre ich fast in meinem Milchkaffee ertrunken, weil ich beim Trinken in Sekundenschlaf fiel. Die Madame fuhr uns dann im Familienwagen die nicht unbeträchtliche Strecke zur Schule. Unsere Gasteltern lebten in eine Neubaugebiet vor den Toren Mérôs und die ÖPNV waren in Frankreich 1983 entweder noch nicht erfunden oder Mérô war einfach zu snobistisch für gemeine Busse.
Der erste Tag in der Sprachschule war ein Fanal für die kommenden drei Wochen. Wir hatten einen Einstufungstest, den ich als mit weitem Abstand Schlechtester abschloss. Es gab nur vier Klassen, dem Können der Schülerinnen und Schüler angepasst, aber für mich überlegten sie sicher, ob sie nicht einen Kindergarten einführen sollten.
Ich lernte meine Mitschüler kennen, der nächst ältere war 17, und natürlich hassten sie mich wie die Pest. Obwohl, das stimmt nicht. Die meisten ignorierten mich einfach, was mir Recht war. Leider war in meiner Klasse ein Diplomatensöhnchen aus Italien (Deutscher Diplomat), der wohl seinem umfangreichen Sprachschatz („Kellner!“, „Waiter!“, „Cameriere!“) auch noch ein „Garçon!“ zufügen wollte. Jedenfalls hatte er in mir sofort den Sandsack erkannt, auf dem er die Handschuhe seiner Standesdünkel ausprobieren konnte.

Wird fortgesetzt….

… Schock


Er: Hast du das gelesen? Eine unbemannte Drohne hat den Anführer der Taliban in Pakistan zerfetzt. Außerdem seine Leibwächter, eine seiner Frauen, seinen Neffen, einen Cousin, die Freundin seines Cousins und ein paar andere Leute, die nicht mit ihm verwandt sind. Oh, und seine Katze.
Sie: Was sind Drohnen?
Er: Das ist eine christliche Sekte aus dem Libanon. Schlimme Leute. Die haben damals im Auftrag der Zionisten die ganzen Palästinenser in den Flüchtlingslagern umgebracht. Entsetzliche Killer, diese Drohnen.
Sie: Und warum unbemannt?
Er: Glaubst du, irgend ein Mann mit Verstand würde so eine Mörderin heiraten?
Sie. Ah, stimmt.
Sie: Weißt du, was ich nicht verstehe?
Er: Wo soll ich anfangen?
Sie: Was?
Er: Was verstehst du nicht?
Sie: Wieso hassen die uns so, diese Christen, dass sie ihre Drohnen auf uns jagen? Ich meine. Sie haben alles, was man sich wünschen kann. Und wir wohnen in diesem Dreckloch und ich habe nicht mal eine Waschmaschine. Unsere Töchter müssen drei Mal am Tag zum Brunnen rennen, die Wäsche wird kaum sauber bei der miesen Seife, die es hier gibt. Und vom Staub überall will ich gar nicht anfangen….
Er: Dann lass es.
Sie: .. oder Ehemännern und Söhnen, die sich einen Dreck darum kümmern, wie sie angezogen sind. Warum lassen die uns nicht einfach in Ruhe, die Christen?
Er: Das geht nicht, weil in deren Koran steht, dass sie alle Moslems töten sollen.
Sie: Das steht da drin?
Er: Sicher. Gleich hinter der Stelle, wo es den Frauen erlaubt wird, außerehelich Unzucht zu treiben.
Sie: Du spinnst. Die nette Dame vom Roten Kreuz sieht nicht so aus, als wolle sie mit irgend jemandem Unzucht treiben. Und die hat auch sicher noch keine Moslems getötet, das wüsste ich.
Er: Erstens ist die dürr und hässlich. Da will eh keiner ran. Und zweitens ist die Deutsche und keine Libanesin.
Sie: Also keine Drohne.
Er: Mein Gott, jetzt hat sie’s.
Sie: Warte mal. Ist unser Koran nicht nach dem der Christen geschrieben wurden? Wie kann da drin stehen, dass sie Moslems töten sollen? Du ziehst das alles aus deiner Nase, Mann.
Er: Das liegt daran, dass die keinerlei Ahnung von Relion hast.
Sie: Religion.
Er: Relion. Das ist wie Religion, nur .. äh. wissenschaulich.
Sie: Aha.
Er: Du weißt doch, dass es nur den einen Koran im Himmel gibt, oder?
Sie: Das weiß jedes Kind.
Er: Und nur der Koran, der dem Propheten offenbart wurde, ist dem im Himmel am nächsten. Deswegen lernen wir guten Moslems arabisch und es ist nicht erlaubt, den Koran in anderen Sprachen zu lesen.
Sie Ja ja. Aber meine arabisch ist …
Er: Nicht wichtig jetzt. Jedenfalls hat Isa, der Prophet der Christen, gemerkt, dass seine Version irgendwie nicht so das war, was Gott sich gedacht hat. Und er fürchtete, dass ein anderer Prophet kommen würde, der die ganze Sache richtig stellen wird.
Sie: Mohammed!
Er: Genau. Aber weil er sich mittlerweile als Erlöser aufgespielt hat war ihm das peinlich. Er wollte nicht zugeben, dass er da irgendwas nicht richtig verstanden hat, was ihm der Engel diktierte. Ich glaube sogar, er hat den Engel einfach unter den Tisch fallen lassen.
Sie: Den Engel? Das ist doch das Beste!
Er: Isa dachte sich wohl, dass er besser raus kommt, wenn er den Engel nicht erwähnt. Jedenfalls hat er dann eine Stelle in die Bibel geschrieben, in der steht, dass er wirklich und echt der Erlöser und Prophet Gottes ist und man solle keinem glauben, der eventuell nach ihm kommt. Und Arabern sei sowieso nicht zu trauen. Schlagt sie tot, bevor sie Lügen erzählen können, sagt er.
Sie: Da hat die Frau vom Roten Kreuz aber nie etwas von erwähnt.
Er: Glaubst du, das würden die Christen so offen sagen? Die lullen uns ein mit Brunnen und Hilfslieferungen und dann schicken sie uns die Drohen.
Sie: Entsetzlich! Da geh ich nicht mehr hin.

Sie: Was ich nicht verstehe ….
Er: Keine Sorge, ich habe dich nicht wegen deines Verstandes geheiratet.
Sie: Wie gut. Ich dich auch nicht.
Er: Hmpf. Was verstehst du nicht?
Sie: Wieso machen diese Drohnen das? Ich meine Religion, oder Relion, gut und schön, aber Frauen, Kinder und Greise zu töten?
Er: Das war schon immer so, dass die Kreuzritter zu uns gekommen sind und versucht haben, uns auszurotten. Dass die Drohnen aus dem Libanon kommen ist kein Zufall. Da waren doch die letzten Kreuzritterburgen. Aber Gott hat uns bis jetzt immer beschützt. Wenn du mich fragst, sind die Christen neidisch auf uns. Und der Neid frisst sie auf. Sie können es nicht ertragen, dass es uns trotz allem besser geht als ihnen.
Sie: Besser geht? Wir haben nicht mal einen Fernseher! Jeder in unsere Straße hat wenigstens einen Fernseher.
Er: Mag sein. Aber wir haben Lior und Baram. Und Amir, Alisha, Ela und Nuria.
Sie: Nicht zu vergessen Mirjam und Ayden unsere Enkelkinder.
Er: Und guck dir die Deutsche an. Wie alt ist die? 27? 28 Jahre alt? Glaubst du, die hat einen Ehemann? Sicher nicht, denn sonst wäre sie in Deutschland bei ihren Kindern.
Sie: Sie ist eine unbemannte Deutsche. Die Arme!
Er: Die Christen haben Angst vor uns, weil sie genau wissen, dass sie eines Tages einfach weg sind. Keine Kinder, keine Christen.
Sie: Keine Drohnen.
Er Genau. Dann können wir Moslems endlich in Frieden leben. Jamal hat gesagt, er habe im Radio gehört, wie in Amerika eine Frau einer Schwangeren den Bauch aufgeschnitten hat, um an deren Kind zu kommen. Siehst du, wie verzweifelt sie sind?
Sie: Widerlich.
Er: Salim, der ein bisschen deutsch gelernt hat, hat erzählt in der deutschen Zeitung würde andauernd von Frauen berichtet, die ihre eigenen Kinder umbrächten und äßen.
Sie: Was? Wieso das denn?
Er: Das weiß keiner so genau. Aber ich denke, es ist wegen der Juden.
Sie. Was haben denn die Juden damit zu tun?
Er: Weil die Christen früher Juden waren, haben sie bestimmt auch ein paar jüdische Rituale übernommen. Und jeder weiß, dass die Juden zu bestimmten hohen Feiertagen kleine Babys essen.
Sie: Wahrscheinlich kriegen die Christinnen deswegen keine Kinder. Warum die Mühe, wenn sie sowieso gegessen werden.
Er: Genau. Du siehst. Wir müssen einfach nur abwarten, dann haben die Christen sich gegenseitig aufgefressen.
Sie: Wenn die Christen ausgestorben sind ….
Er: Ja?
Sie: Meinst, wir können und dann die Waschmaschine aus der Kaserne nehmen?

Kultur …


Sie: Hast du das gelesen? Die Ätta hat auf Mallorca gebombt. Jetzt haben sie alle Angst um die deutschen Touristen. Aber die Spanier und die Regierung sagen, dass das alles nicht so wild ist und man immer noch Urlaub machen kann auf Mallorca. Komisch. Sind die von der Ätta nicht selber Spanier?
Er: Das sind Basken.
Sie: Was ist das denn?
Er: Basken, das sind spanische Mohammedaner. Die sind über von als Spanien noch den Muselmanen gehörte. Die sind dann erst von Franco vertrieben worden. Da gab es einen Krieg in den 30ern und Spanien war wieder katholisch. Und die Basken sind jetzt sauer auf die richtigen Spanier. Und weil sie eben Moslems sind, bomben sie auf Malle.
Sie: Was du nicht alles weißt.

Sie: Was ich nicht verstehe …
Er: … damit könnte man 3 Bibliotheken füllen.
Sie: Was?
Er: Schon gut. Was denn?
Sie: Warum tun die das? Die spanischen Mohammedaner. Warum bringen die Leute um? Können die nicht einfach sagen: Das finde ich jetzt aber blöd, dass Spanien wieder katholisch ist. Ich zahl keine Kirchensteuer an den Papst. Leckt mich anne Füße!
Er: Weil das im Koran steht.
Sie: Was steht im Koran?
Er: Na, dass die alle Ungläubigen umbringen müssen.
Sie: Das glaub ich nicht. Wenn das da drin steht, warum verkauft mit der Özel vom Gemüseladen Tomaten und, was weiß ich, wirft uns nicht eine Bombe durch den Briefkasten. Der weiß doch, wo wir wohnen.
Er: Özel ist auch Türke und kein Baske.
Sie: Und Türken sind keine Mohammedaner?
Er: Doch, aber nicht so richtig. Die waren doch unsere Verbündeten im Ersten Weltkrieg.
Sie: Was hat das jetzt damit ..
Er: Ach, Mutter. Du verstehst nichts von den Großen Zusammenhängen. Die Türken waren mit uns verbündet, weil sie kein Bock mehr auf Mohammed hatten und lieber Deutsche wären. Und heute sind alle hier, weil sie sich so wohl fühlen und keiner ihnen was vorsingt. Wenn die Merkel die in die EG lassen würde, wäre die Türkei leer bis auf so ein paar Islamistissen.
Sie: Singt?
Er: Na, von den Moscheetürmen. In der Türkei singt da jede Stunde so ein Muselmane runter. Nicht mal die Türken selber verstehen, was der da singt, weil das aramäisch ist. Das spricht heute keiner mehr. Aber es heißt sicher: „Habt ihr auch geguckt, dass sich kein Ungläubiger bei euch versteckt? Passt auf auf die fiesen Ungläubigen. Nur ein toter Ungläubiger ist ein guter Ungläubiger.“
Sie: Na, da hätte ich auch keine Lust drauf.
Er: Jede Stunde! Karl hat das erzählt, als er in Antala war.
Sie Auch nachts?
Er: Auch nachts!
Sie: Mein Gott! Kein Wunder, das die so durchdrehen, die Molukken …
Er: Mohammedaner!
Sie: … da macht man doch kein Auge zu. Und du regst dich Sonntags wegen so ein paar Glocken auf. Was ich nicht verstehe ….
Er …
Sie … was ich nicht verstehe ist, warum die nicht ihre Pfarrer, oder wer auch immer da nachts rum brüllt kalt machen, sondern den Ballermann bomben. Ich meine wenn das Gesinge ihnen so auf die Nerven geht.
Er: Das kann niemand verstehen, wahrscheinlich nicht mal die Muselmänner selbst. Das ist so eine kulturelle Sache.
Sie: Was ist das?
Er: Na Kultur. Wagner, Demekratie, äh, Kohl, äh, Heino, Rühmann. Du wirst doch wohl wissen, was Kultur ist.
Sie: Und was haben Heinz Rühmann und der fette Kohl mit den baskischen Bomben auf Malle zu tun? Ich glaub langsam, du denkst dir das alles aus.
Er: Das liegt daran, dass du keine Ahnung hast, Mutter. Ich erkläre dir das.
Sie Na, da bin ich mal gespannt.
Er: Also. Wir Christen ….
Sie: Was denn? Bist du wieder eingetreten?
Er: Nein. Aber in einem … kulturellen … Sinn … sind wir Christen.
Sie: Dazu muss man nicht in der Kirche sein?
Er: Man muss nicht mal an Gott glauben. Aber weil die Leute, die unsere Kultur gegründet haben an Gott und Jesus geglaubt haben, sind wir quasi Erb-Christen.
Sie: Du meinst, ich muss nicht jeden Sonntag in die Kirche rennen und komme trotzdem in den Himmel? Na, wenn ich das gewusst hätte.
Er: Du rennst sowieso nur zum Tratschen mit den anderen Weibern hin. Und jetzt unterbrich mich nicht mehr. Das ist hoch … spiritistisch für mich.
Sie: Was? Schon gut.
Er: Also. Wir Christen. Also wir „im weitesten Sinne“ Christen. Wir sind die überlegene Kultur auf der Erde, ne? Und das war schon so bevor Jesus überhaupt geboren wurde. Denn bevor wir Christen waren, waren wir Griechen. Ja doch. Unsere Kultur kommt von Platos, der hat nämlich die Demekratie erfunden. Und als Jesus geboren wurde, fand er es doof, das er Jude ist und wollt lieber Grieche sein. Deswegen steht in der Bibel auch, dass Demekratie klasse ist und man soll bloß keine irakischen Diktatoren am Leben lassen.
Sie: Das steht in der Bibel?
Er: Ja doch. Irgendwo beim Apostat Johannes. Der Bush hat das doch dauernd vorgelesen.
Sie: Der muss eine andere Bibel haben als ich.
Er: Ja, eine englische. Die ist viel genauer als unsere. Jetzt lass mich weiter erzählen.
Er: Wo war ich? Ah ja. Die Juden fanden es nicht gut, dass Jesus kein Jude mehr sein wollte und seine Demekratie sollte er sich sonst-wo-hin stecken und deswegen haben sie ihn ans Kreuz genagelt. Die Römer waren damals wie die Griechen, nur ohne Demekratie. Und weil sie Jesus aber auch ans Kreuz genagelt hatten, da tat denen das irgendwie leid und so sind sie auch Christen geworden und Demekraten.
Sie: Aber die Römer hatten doch Könige und Kaiser!
Er: Ja. Erst. Hör doch zu. Aber als sie Christen wurden, waren sie auch Demekraten. Und dann kam die Völkerwanderung und das Mittelalter und ganz Europa war christlich und demekratisch und kulturell. Aber irgendwann war Mohammed geboren worden und der wollte mit den Christen und der Demekratie nichts zu tun haben. Der war Araber und die Araber wollen lieber viele Frauen haben. Und weil das nicht demekratisch ist, haben sie die Christen zum Teufel gejagt und gesagt. Mohammed, der hatte viele Frauen. Wir sind Mohammedaner.
Sie: Das mit den Frauen hat’s dir angetan, was? Willst wohl auch noch eine Frau?
Er: Darum geht’s nicht. Aber siehst du nicht, dass die Mohammedaner eine ganz andere Kultur haben als wir? Während wir, ichsagmal, den Kompass erfunden haben oder Amerika entdeckt, haben die mit ihren ganzen Weibern im Harem rumge….
Sie: Ich sehe nur, wie deine Bäckchen plötzlich glühen. Und was ist jetzt mit den Bomben? Da dürften sie ja gar keine Zeit für haben, die Muselmänner, wenn sie so viele Muselfrauen haben.
Er: Irgendwann haben die gemerkt, dass es so nicht weitergeht. Während wir Christen auf dem Mond waren, hockten die in ihren Zelten und haben nichts gemacht außer Kinder. Und die Frauen sehen auch so aus. Plötzlich haben die gemerkt, dass sie ganz arm dran sind. Keine Demekratie und ein Haufen fetter Weiber. Und die ganze Zeit das Gejaule von den Moscheetürmen! Da sind sie neidisch auf uns geworden, weil wir alles haben: Geschirrspüler, Waschmaschine, Mikrowelle, Claudia Schiffer. Und da, und auch um weg von ihren vielen Frauen zu sein, ziehen sie los und Bomben was das Zeug hält. Und im Koran steht auch, dass wenn du möglichst viele Ungläubige tötest, kriegst du pro zehn toter Ungläubige eine junge, schlanke Frau. Deswegen sind die so, die Mohammedaner.
Sie: Hm. Wenn man da als Frau auch einen jungen Kerl abkriegt, lass ich mich morgen in der Moschee taufen.