FNML > Wohnung mit Samba


Es war eine Wette. Und offensichtlich habe ich verloren sonst wären wir nicht in Coburg. Shit.

2002 beendete ich meine Weiterbildung zum „Nutzloser Internet-Hype Fantasieberuf“ mit dem Gefühl, gerade der Arbeitsagentur einen Haufen Geld gekostet zu haben, ohne dass es mir etwas gebracht hätte. Immerhin wusste ich jetzt mit absoluter Sicherheit, dass ich mich eher erschießen würde, als „irgendwas mit Internet“ zu machen.

Lapis hatte noch ein gutes Stück Studium vor sich, auch wenn mich die leise Ahnung beschlich, dass ihr Fach sinnvoller und gefragter ist, als mein Strauß Orchideenfächer. Trotzdem. „Wir gehen da hin, wo der oder die Erste von uns was findet“ schien mir fast ein wenig unfair.

Also schrieb ich Bewerbungen und sie schrieb ihre Diplomarbeit. Und als ich noch frustriert Bewerbung um Bewerbung zurück erhielt, hatte sie das erste Vorstellungsgespräch. Zu dem sie nicht wollte, weil der Mann, der sie einlud „komisch“ klang. Sie fuhr lieber zu den anderen zwei. Ich hatte während des Jahres unserer „Wette“ genau ein Vorstellungsgespräch.

Und so kam es, dass wir im heißen Sommer 2003 im ICE nach Würzburg saßen. Zum Glück funktionierten damals die Klimaanlagen noch. In Bamberg stürzte ich dann erst mal zwischen den Regionalzug und das Gleis, weil ich den lächerlichen halben Meter Abstand nicht richtig überspringen konnte. Fürderhin stellt euch Skeltem mit schmerzverzerrtem Gesicht humpelnd vor.

Bis zum Antritt von Lapis‘ neuer Stelle waren es nur noch ein paar Wochen und wir mussten alls ziemlich hastig abwickeln. Wir hatten genau einen Tag Zeit, um uns in Coburg eine Wohnung zu suchen. Drei mögliche Kandidaten hatten wir schon, revolutionär, im Internet ausgesucht und Besichtigungstermine gemacht.

Die erste Wohnung lag an einer Straße. Das ist nicht ungewöhnlich, aber diese lag an einer Hauptachse, die Coburg mit Irgendwo anders verbindet. Oder besser gesagt: mit allem anderen. Dementsprechend war der Verkehr.

Sie: Wie findest du sie?

Ich: WAS?

Sie: WIE FINDEST DU DIE WOHNUNG?

Ich: DU MUSST LAUTER SPRECHEN, DER KONVOI GURKENLASTER ÜBERTÖNT ALLES!

Sie: WAS KOSTET SIE?

Vermieter: 900. KALT.

Ich: AHAHAHAHAHAHA.

Dann gingen, oder in meinem Fall: humpelten, wir zur zweiten Wohnung. Die war ganz hübsch, Jeder von uns hätte eine großes Zimmer gehabt. Ich verliebte mich sofort in die dunkel gestrichenen Wände und das kleine Fenster mit Blick auf das Coburger Wahrzeichen, die Veste. Allein: die Wohnung lag auf dem Gelände eines Öl-Handels. Heizöl!

Lapis: Habe ich aus Versehen etwas getrunken, oder warum verschwimmt alles?

Ich: Das erinnert mich daran, dass ich früher gern die Eddings gerochen habe. Bis ich ganz schwummrig wurde.

Sie: Halte mich…

Ich …

Sie: :rumms:

Zur dritten Wohnung mussten wir die ganze Stadt durchqueren. Unter normalen Umständen dauert das vielleicht 10 Minuten. Aber an jenem Wochenende gab es nicht nur einen Temperaturrekord, der erst fünf Jahre später wieder eingestellt wurde. Lahmte mein gezerrtes Bein nicht nur. Es war auch noch Samba-Fest. Das Coburger Samba-Fest zu beschreiben bedarf es eigentlich einer eigenen Miszelle und die habe ich tatsächlich schon geschrieben. Jetzt genügt es vielleicht zu erwähnen, dass die Stadt voll war. Japanische U-Bahn bei Feierabend-voll. Und laut. Sehr, sehr laut.

Bei der avisierten Wohnung erwartete uns Else Kling aus der „Lindensraße“. Oder zumindest jemand, der genau so aussah genauso grantelte und genau so sympathisch war. Immerhin brabbelte sie fränkisch und nicht bayrisch vor sich hin. Die Wohnung lag über einem Imbiss und war „renovierungsbedürftig“.

Else Kling: Dredns da ned hin, da is noh ned feddich.

Lapis: Was ist DAS denn?

EK: Noch … nicht … fertig. Kummd alles noh wech.

Ich: Was ist das für ein Geruch?

EK: Der Dina.

Ich: Diner?

EK: Der Dürge. Dö-ner.

Lapis: Das Fenster is ja noch …

EK: NOH NED FEDDICH!

Ich: Wir gehen jetzt langsam, rückwärts raus und sehen ihr nicht in die Augen. Und: lächeln!

Also entweder die A7 oder Saudi-Coburg. Ich war für die Ölquelle, weil die Wohnung schöner war und argumentierte, dass, wenn man wegen der Dämpfe das Bewusstsein verloren hat, hört man auch die Tanklaster nicht mehr. Lapis fand die Autobahnraststätte schöner, weil …. habe ich vergessen. Ich glaube, es war das riesige Bad.

Ein Jahr später fanden wir dann endlich eine schöne Wohnung. Meine Nerven werden allerdings nie mehr die gleichen sein.

9.3.2011: Komm‘ ich getz ins Fernsehen?


NEIN!  (Aber in die Zeitung)

Suchbild. Wo ist ist der Miszellator?

Wo bin ich?
(c) Coburger Tageblatt 2011

Das war vor anderthalb Wochen bei der Coburger Probe für die große Menschenkette gegen den Ausstieg vom Atomausstieg an diesem Samstag. Weitere Infos

Es war arschkalt im Schatten und ich habe natürlich meine Handschuhe vergessen. Aber was macht man nicht alles, wenn einer Regierung ihre Vernunft beim Buckeln vor der Industrie irgendwie abhanden gekommen ist?

Wer mich findet, gewinnt 1 Internet 🙂

21.2.2011: Yes, it’s fucking political!


Moin.

Wie ihr ja wisst, bin ich seit neuestem Mitglied bei den Grünen in Coburg. Mein Freund S. und Lapis hatten sich verschworen, damit ich a) etwas Sinnvolles aus meiner vielen Zwangsfreizeit mache und b) mal aus dem Haus und c) unter echte Menschen komme.

Das erste Treffen der Partei habe ich hinter mich gebracht. Es gab zwar keine Untertitel, aber S. hat hin und wieder aufgeschrieben, worum es ging. Das interessiert hier niemanden, aber mein erster Eindruck war, dass Parteiarbeit sehr, um es mal euphemistisch auszudrücken, „nah an der Realität“ ist. Ich war an der viel zitierten „Basis“ angekommen.

Zum Glück musste ich nicht, wie S. angedroht hatte, die Website der Grünen hier „machen“, denn in der Tat „machen“ das andere Leute, die viel profesioneller sind als ich das könnte. Dafür wurde ich in das Orts-Pendant eines Ausschusses gesteckt, der hier „Arbeitskreis“ heißt. Und zwar in den AK „Öffentlichkeitsarbeit“.

Der traf sich auch in der letzten Woche bei uns in der Küche. Sagte ich schon „nah an der Realität“? Die sah dann auch so aus, dass alle möglichen Ideen, die ich mir zurecht gelegt hatte, and der Klippe des Machbaren zerschellten. Die Klippe besteht vor allem aus zwei Materialien: Geld (und das Fehlen des selben) und Menschen (und das Fehlen der selben). Ich musste erfahren, dass die Grünen in Coburg (~50.000 Einwohner) in eine normale Oberstufenklasse passen würden. Aber wie sagte schon der Herzog von Rochefoucault im 17. Jahrhundert? „In der Politik soll man weniger versuchen, neue Gelegenheit zu schaffen, als die sich bietenden zu nutzen.“(ZITAT!!!!!)

Also habe ich mein hochtrabenden Pläne eingepackt: die großen Paraden durch die Fußgängerzone, die ganzseitigen Anzeigen in beiden Coburger Tageszeitungen und das Projekt, die Veste grün zu verhüllen und mich in das Klein-Klein gestürzt, das machbar ist. Und es macht schon Spaß und gibt mir das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun. Und weil es wirklich REAL ist, was wir machen, drängt es das Gefühl zurück, welches ich schon länger mit mir herum trage: Irrealität. Ich gehe vielleicht näher darauf ein, wenn ich über Kulturschocks schreibe.

Dass meine beiden Parteifreunde nette Menschen sind, hat mir natürlich  geholfen, meine absurde Nervosität vor dem AK zu überwinden. K. hat mir auf dem Laptop alles aufgeschrieben und beide haben zugehört, als ich meine Ideen, auch die absurdesten, vorschlug und haben nur ganz sanft gesagt:

„Die Coburger Grünen haben gar kein Flugzeug.“

So viel zu meinem Himmelsschreiber-Plan 😦

Ich habe eine neue Kategorie eingeführt: It’s fucking political. Zur Feier des Tages gibt’s ein Video:

31.5.2009: Milchmädchen


In Coburg ist mal wieder der Teufel los. Bzw. die Burschen sind los. Ihr wisst schon. Burschenschaften, schlagende Verbindungen, Männer mit albernen Käppis auf dem Kopf, Narben im Gesicht und einen Schritt vom Alkoholiker entfernt.
In Moers war Pfingsten immer eine große Sause, weil immer Jazz Festival war. Wir haben zwar nie Jazz gehört, ugh, aber das drumherum erinnerte immer an Woodstock, freie Liebe, Drogen, Blumen, Drogen, Sex. Na ihr wisst schon. Coburg hat den „Coburger Convent„. Aber das wollte ich eigentlich gar nicht erzählen.
Wenn in Coburg mal was los ist, hängen sich alle dran. Sprich, ganz Coburg nutzt die Gelegenheit, mal so richtig die Sau durchs Dorf zu treiben. So auch, und gerade wohl, die Bauern aus der Umgebung.
Samstags ist immer Bauernmarkt. Lapis und ich ergreifen dann die Gelegenheit, gut und günstig lokale Produkte zu kaufen. Wozu sind wir Ökos und Grüne? Gestern, wie oben gesagt, die Gelegenheit nutzend, hatten die Bauern eine Werbeaktion gestartet. Ein kleiner Stand, an dem Pamphlete verteilt wurden, in denen zu lesen war, wie gut es doch sei, seine Sachen vor Ort zu kaufen und keine Erdbeeren aus Peru einfliegen oder Äpfel aus Südafrika um den halben Globus schwimmen zu lassen. Und eine Kuh!
Keine echte, sondern aus Plastik mit künstlichen Zitzen, die Wasser statt Milch gab. Wer wollte, konnte sich im Melken probieren. Es gab sogar einen kleinen Wettbewerb.
Und jetzt kommt ein Grund, warum ich Lapis unter anderem so liebe: sie verblüfft mich immer wieder! Begeistert meldete sich als Melkerin, ging an die Zitzen und … melkte. Was das Zeug hielt! Mir, und einigen Umstehenden, fiel der Unterkiefer gen Fußgängerzone.
Es erübrigt sich wohl zu sagen, dass meine Frau den Wettbewerb gewann und einen Präsentkorb voller Bio-Lebensmittel nach Hause brachte. Es scheint, dass ich nicht nur eine schöne, intelligente, witzige Frau geheiratet habe, sondern auch eine, die ihren Mann versorgen könnte, wenn wir nichts weiter hätten als eine Kuh.
Schade, dass ich gegen Milch allergisch bin.

Sehr übel, Coburg


Coburg ist eine Autostadt. Zwei der drei größten Arbeitgeber haben mit Autos zu tun: ein Zulieferer für Autoteile und eine Versicherung, die hauptsächlich in KFZ-Kram macht. Man merkt das auch, wenn man hier wohnt. Zum Beispiel daran, dass zu den ca. 500m Fahrradweg, die 2003 existierten inzwischen nur weitere 1,5 km dazugekommen sind. Ok, lasst es 3 km sein, ihr versteht, was ich meine.
Fahrradfahren in Coburg war immer ein Abenteuer für sich und so manches Mal fühlte ich mich wie Indiana Jones, der gerade einen wütenden Fluss voller hungriger Krokodile in einem lecken Einbaum hinab fuhr, wenn ich irgendwo einen Termin hatte. Zum Glück ist Coburg auch winzig, so dass man die meisten Orte auch bequem zu Fuß erreicht. Oder unbequem, wenn man gehbehindert ist.
Aber das eigentliche Zeichen dafür, dass die Stadt Coburg der Meinung ist, man solle seinen Hintern gefälligst in einen Personenkraftwagen klemmen und aufhören zu jammern, sind die Stadt eigenen öffentlichen Verkehrsmittel.
Zuerst dachte ich, es läge an Göttingen. Diese Stadt, in der ich mehrere Jahre gelebt und studiert habe hat, hat mich einfach verwöhnt und meinen Blick für die Realität getrübt. Göttingen hatte ein Netz von Fahrradwegen, das es mit holländischen Städten aufnehmen kann. Der Nahverkehr ist ausgedehnt, leidlich preiswert und hat einen guten Takt. Die Busfahrer sind eine eigene Spezies. Aber sind sie das nicht überall? Kurz gesagt: in Göttingen war ein eigenes Auto reine Dekadenz.
Hier in Coburg ist das Busnetz, na ja, ausreichend. Theoretisch kommt man auch überall hin. Wenn man in Kauf nimmt, dass „überall“ ca. 10km vom Zentrum entfernt ist und man gut zu Fuß sein muss, um ein paar der etwas abseits liegenden Wohngebiete zu erreichen. Und man sollte auch tunlichst vermeiden, außerhalb der Kernzeiten irgendwelche Termine an so exotischen Orten wie der Klinik, dem Arbeitsamt oder der Fachhochschule zu haben. Halt, Moment! Zur Fachhochschule fährt ja gar kein Bus! Ich Töffel. Die Kernzeiten sind werktags von 8-12 Uhr. Danach lässt der Takt schon nach. Von unglaublichen 30 Minuten bei vielen Linien zu 60 Minuten. Nach 17 Uhr ist ein Bus offensichtlich überflüssig, denn da scheinen die meisten Coburger bereits zu Hause zu sein. Samstags flitzen sie, dem Busfahrplan nach, kurz mal in die Innenstadt* und Sonntags … sollte man es einfach gar nicht erst versuchen.
Weil das Busnetz und immer noch zu attraktiv sein könnte, haben sich die Planer etwas einfallen lassen. Damit möglichst viele Coburgerinnen und Coburger gefälligst per Auto die Innenstadt verstopfen, ist der Busfahrplan so gestaltet, größtmögliche Frustration aufkommen zu lassen. Wenn jede Buslinie feste Abfahrtszeiten hätte, wäre es ja zu einfach. Deswegen variieren die Zeiten je nach Tageszeit, Wochentag und, anscheinend, Mondphase. Das heißt, wenn man einen dringenden Termin dann und dann da und da hat, muss man am besten 3 Tage vorher komplizierte Berechnungen anstellen, wann der entsprechende Bus abfährt. Diese müssen nicht nur die Linie, Zeit und Ergebnisse des 1. FC Nürnberg beinhalten, sondern auch die in unregelmäßigen und willkürlich wandernden Baustellen in der Stadt, die Witterung und die Zahl der verkauften Bratwürste am Marktplatz an einem Dienstag. Und dann kommt man am besten eine Stunde vorher. Manchmal aber, wie es mir am Samstag passiert ist, fährt ein Bus in eine gänzlich andere Richtung als es auf dem Plan verzeichnet ist. Warum das so ist, habe ich nicht herausgefunden. Ich vermute Erdstrahlen oder Außerirdische.
Als ich noch arbeitete, hatte ich das Pech, dass meine Arbeitsstelle in einem Vorort von Coburg lag. Dorthin fuhr tatsächlich ein Bus. So weit, so gut. Das Unglück war, dass der Bus in nur eine Richtung fuhr. Wegen Bauarbeiten. Ich kam also morgens gut zur Arbeit – wenn der Bus tatsächlich fuhr, was nicht immer das Fall war. Nachmittags aber musste ich mit dem Bus erst mal einen ca. 20 Kilometer langen Umweg durch Oberfranken machen, diverse Pausen an Milchkannen einrechnen und nach etwa einer Stunde wieder nach Coburg fahren. Jeden Arbeitstag.
Außerdem scheinen die Busfahrer angewiesen worden zu sein, es ihren Passagieren so schwer wie möglich zu machen. Gut, die meisten ÖPNV-Nutzer werden ihre eigenen Busfahrer-Anekdoten haben. Aber ich versichere euch, Coburg hat eine neue Qualität. Oder ist e euch schon mal passiert, dass ein Bus ZU FRÜH kam? Als ich, wie gesagt, darauf angewiesen war, mit dem Bus zur Arbeit zu kommen, wetzte ich öfter zum Bus. Nur um dann von anderen Wartenden gesagt zu bekommen, dass der Bus schon weg sei. Fünf Minuten vor der Zeit. Als ich dann halt immer 10 Minuten zu früh an der Haltestelle stand, besonders im Winter nett, kamen sie natürlich zu spät. Oder, wie es mir zwei mal passierte: der Bus kam, ich stand an der Haltestelle, der Bus fuhr weiter.
Heute benutze ich den Bus nur noch, wenn es wirklich gar nicht anders geht. Wälze Pläne, schaue im Internet nach, ob nicht irgendwelche Last-Minute-Änderungen gelten (auch gern genommen). Dann checke ich den Eventkalender, versuche herauszufinden, ob der Busfahrer gerade eine gute Zeit hat und die Haushaltslage der Stadt. Ich komme grundsätzlich so, dass ich zeitmäßig zwei Busse verpassen kann und nehme Geld für ein Taxi mit.
Sehr übel, Coburg.

*Entweder die Verkehrsbetriebe hat inzwischen ein Geistesblitz getroffen oder ich konnte wirklich keine Pläne lesen. Mittlerweile ist es ein wenig besser geworden. Betonung: wenig. S-

11.3.2009: Short Cuts


Ein Umpf-Moment:

In Coburg wird der Bahnhof umgebaut. Jede Hoffnung auf einen barrierefreien Zugang zu den Zügen wurde allerdings schon früh zerschlagen. Wenn das im Jahr 2013 tatsächlich mal so weit kommt, wird der Preis für den Umbau sicher als Begründung herhalten müssen, warum die Ticketpreise drei Mal im Jahr erhöht werden. So lange fahren Rollstuhlfahrer eben eine Station weiter oder steigen früher aus, um sich dann mit dem Taxi nach Coburg bringen zu lassen.
Aber schöner soll er werden. Immerhin. Leider sind die Anzeigetafeln dafür außer Betrieb. Die Bahn denkt aber an alles: „Bitte achten Sie auf die Lautsprecherdurchsagen“ steht da. Umpf.
Wie gut, dass noch keiner meiner Züge auf einem anderen Gleis hielt. An die Verspätungen gewöhnt man sich ja eh. Und da wundert sich jemand, dass Gehörlose generell ungerne mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren.

—–
Völkerverständigung:

In München waren Lapis und ich indisch essen. Freunde hatten uns eingeladen. Der Laden hieß „Nuurgh Moor“ oder so ähnlich. Leckeres Essen, pampige Kellner. Aber das das eigentlich Interessante war das Schild am Eingang des Restaurants.
Dort stand der Name des Ladens „Aargh Morgh – indische Spezialitäten“. Das „indische“ war auf einer Plakette nachträglich angebracht worden. „Was steht darunter?“ fragte nicht nur ich mich. J. schraubte die Plakette ab und unter dem Wort „indische“ kam „pakistanische“ zum Vorschein.
Ich bin kein Experte, aber die Abwesenheit von Armen, blauen Frauen und weißen Elefanten sowie die Speisekarte waren für mich ein Hinweis, dass „Graah Murg“ tatsächlich eher ein pakistanisches denn ein indisches Etablissement ist. Eigentlich ist das ja auch egal, solange es schmeckt.
Nur: Eigentlich, so ist die vorherrschende, durch die Medien verbreitete Meinung, hassen sich Inder und Pakistanis bis aufs Blut. So ein „Erbfeindschafts“-Ding.Ich fragte mich also, was die, mutmaßlich, pakistanischen Besitzer dazu gebracht hat, sich den Ruch ihres Erzfeindes zu geben.
Vielleicht ist Pakistan durch die Politik gerade so unbeliebt, dass die Besitzer dachten, ein ausgewiesen pakistanisches Lokal würde keine Gäste bekommen. Dass sie sich dann kurzerhand als indisch ausgeben, zeigt doch: eigentlich ist es egal, solange man Geld verdienen kann. Ich habe den Verdacht, dass diese ganze Erbfeindschafts Geschichte zwar irgendwo auf einem Level stimmt, dass die konkreten Menschen, Restaurantbesitzer, Kellner, whatever ganz normal ihre Arbeit machen wollen.
Vielleicht sollten Politiker öfter essen gehen.

Eine Geschichte und ihre Meldung


Es war ein schöner Herbsttag in Oberfranken. Das Ehepaar Siegmund, 71, und Renate, 65, S.* aus Untersiemau beschlossen das schöne Wetter zu nutzen und nach Coburg in den Rosengarten zu fahren, um dort ein wenig Spazieren zu gehen. Wie immer wurden sie von ihrem betagten, aber rüstigen Dackel Wasti** begleitet. Wenn die beiden geahnt hätten, was für ein Horror sie in der oberfränkischen Metropole erwartet, wären sie sicher zu Hause geblieben und hätten sich statt dessen eine Carmen Nebel Videokasette angesehen.
Wie hätten sie ahnen können, dass nur wenige Minuten nachdem sie den idyllischen Park am modernen Coburger Kongresszentrum mit seinem Palmenhaus und dem großartigen Sintflutbrunnen betreten hatten, das Chaos über sie hereinbrechen würde?
An jenem Tag verließ Heike U.*, 28, schon früh ihr Haus in der *****gasse, um mit ihrem Pudel Osama*** Gassi zu gehen. Weil die *****gasse in der Nähe des Rosengartens liegt und man die Hundeköttel in den Blumenrabatten nicht so gut erkennt, führt Heikes und „Ossi“ (wie sie ihn nennt) Weg häufig am Kongresshaus vorbei in den Park. Dabei nehmen sie immer den Südweg, biegen dann vor dem Brunnen scharf ab und gehen den Nordweg zurück nach Hause. Genau das war ihr Plan an jenem Samstag im November. Wenn sie nicht am Abend vorher auf einer Party ein, zwei Drinks zuviel gehabt hätte, dann wäre sie ihrer Routine vielleicht auch treu geblieben und vielen Personen und Hunden wäre dieser Tag vielleicht nicht als der schlimmste ihres Lebens in Erinnerung geblieben.
So aber blieb sie erschöpft von den Nachwirkungen des Alkohols, dem Schlafmangel und ihrer schlechten Kondition ganz entgegen ihre Gewohnheit und Absicht auf einer Bank am Palmenhaus sitzen und ließ Osama von der Leine. Das allein wäre schon ein Verstoß gegen die Parkordnung, die strengstens darauf hinweist, dass alle Hunde an der Leine geführt werden müssen#. Der Pudel lief daraufhin los, um einige interessante Düfte aufzunehmen und seine Nase, wie es seine Gewohnheit ist, in Dinge zu stecken, die ihn nichts angehen. Meistens in den Allerwertesten anderer Hunde.
Die Gruppe S. (Siegmund, Renate und Wastmund) betrat zu gleichen Zeit den Park. Wasti war, wie es der gesetzestreue Herr S. vorzug, natürlich an seiner teueren Leine aus Kalbsleder. Weil der treue Dackel aber schon gut und gerne 500m zurückgelegt hatte, hechelte er Mitleid erregend hinter seinem Herrchen und dem Frauchen hinterher+.
Als sie sich dem Palmenhaus näherten, nahm das Schicksal seinen Lauf. Erst scheint es, als sei alles in Ordnung. Die S. gehen in sehr gemächlichem Tempo aus das Haus zu, aus Rücksicht auf ihren Dackel. Heike U. Sitzt auf einer Bank davor, mit geschlossenen Augen und fängt die milde Herbstsonne ein. Sie ist sogar ein bisschen eingedöst, gibt sie später zu Protokoll. Osama versucht seinen eigenen Hintern zu lecken, weil keine anderen Hunde im Park sind. Plötzlich nimmt er Wastis Witterung auf. Freudig erregt schnellt er auf die Dreiergruppe aus Untersiemau zu. Freundlich bellend tut er die Absicht kund, den anderen Hund „kennen lernen“ zu wollen. Und vielleicht erwähnt er auch Sex, aber unser Tierpsychologe ist da noch unschlüssig.
Für Herrn und Frau S. tun sich aber die Pforten der Hölle auf. Ein Hund, mindestens doppelt so groß wie ihr Preisdackel kommt über den Rasen angerannt, genau auf den geliebten Hund (Kind gar) zuhaltend! Frau S. gibt ein Wehklagen von sich aus Angst um Wasti. Herr S. aber, der kaltblütiger ist als sein Eheweib, reißt aus der Manteltasche eine kurzläufige Pistole und legt auf den heranspringenden Terrorpudel an. Heike U. Macht in diesem Moment ihre Augen auf um zu sehen, was ihr Hund treibt. Ihr Blick fällt auf Siegmund S. und seine Waffe. Sie schreit auf, kann das Bild aber überhaupt nicht zuordnen, wähnt sich in einem Wachtraum.
S., der jetzt auf die Frau aufmerksam wird, fährt herum und schreit, mit vorgehaltener Pistole: „Pfeif’ns Ihrn Hund z’rick. Oder ich grandiere fir nix!“. Renate U. schreit darauf hin noch lauter und jetzt fällt auch Heike S. ein. Osama, der das Ganze für tolles Spiel hält bellt und bellt. Wasti hat sich derweil hingelegt und ruht seine müden Stummelbeinchen aus.
Heike U. ist inzwischen soweit wach, dass sie versteht, was der Mann mit der Pistole von ihr will. „Osama! Ossi! Komm mal her!“
Ein Schuss peitscht durch den Park.

Das ist wirklich passiert. Vielleicht nicht ganz so, wie geschildert, aber bei dem Rentner und seiner Frau wurden später je eine Schreckschusspistole und eine Dose Tränengas sichergestellt. Legt auch bloß nicht mit älteren Herrschaften an, liebe Leute 😉 )

*Namen von der Redaktion frei erfunden
** Wastmund von Freiwitz, Sieger in der Klasse Langhaarteckel 1997, 1998 und 2001 des Dackelzüchterverbandes Franken/Thüringen, 1990 e.V.
*** Geschmacklose Hundenamen kommen nie aus der Mode****
**** Er hat allerdings auch noch nie irgend etwas gewonnen
# Dass es alle machen heißt noch lange nicht, dass es legal ist.
+ „Er ist ja wie unser Kind. Unser kleiner Wastl. Ne, wie unser Sohn. Und ihn dann in diesem Zustand …“ Frau S. wird heute noch psychologisch betreut.

Row, row, row your boat …


Wobei: Der Titel dieser kleinen Miszelle müsste eigentlich lauten: Paddel, paddel, paddel das Kanu … Aber das liest sich Scheiße, also dann so. Außerdem schießen mir Tränen der Rührung und des Schmerzes in die Augen, wenn ich an unsere Kanons (nicht Kanus, die kommen später) im Englischunterricht auf der Realschule denke.

Anyway. Die letzten Tage waren ziemlich hart. Wir hatten Besuch aus München. Lapis meinte, es sei eine gute Idee, mit den Städtern ein wenig die fränkische Natur zu erforschen. Löblich. Zum Zwecke des Erforschens schlug sie eine Kanufahrt auf einem der entzückenden kleinen Flüsschen vor. Genauer gesagt: auf der Itz, die auch durch Coburg fließt.

Ich bin ein großer Freund von Schiffen, Booten, Wasser, Meer und allem, was dazu gehört. Also war ich sofort begeistert von der Idee. Die beiden Münchener guckten erst etwas komisch, waren dann aber auch bereit, die fränkische Wildnis per Boot zu bereisen.

Nachdem wir mit schicken orangen Schwimmwesten aussahen wie eine Abordnung von der Titanic, schwangen wir uns in das Kanu und paddelten gen Norden. Nach ungefähr 10 Metern hörten wir wieder auf zu paddeln.

Und da schlug die erste Tücke der Fahrt zu. In der Natur ist alles mit Allem verbunden. Im oberfränkischen Flusssystem nicht. Wir landeten also am anderen Ufer des Bootsverleihs – ein immer wieder spannender Vorgang – hievten das Kanu aus dem Wasser, schleppten es eine kurze Strecke zum eigentlichen Fluss, wasserten es wieder und stiegen ein. Zum Glück war es aus leichtem Kunststoff und wir zu viert. Wie gesagt. Das Ein- und Aussteigen war teilweise recht tricky. Vor allem für mich. Vor allem am Ende der Fahrt.

Aber dann waren wir auf dem Fluss und es war schon irgendwie magisch. Ich hatte meinen Hörprozessor abgenommen (Wasser und Prozessor ist keine Mischung, die ich gut haben kann) und deswegen hörte ich auch die Bundesstraße nicht, die streckenweise parallel zur Itz verläuft. Es war schönes Wetter und wir kamen auch gut voran.

Ich hatte ein wenig Bedenken gehabt, ob wir das mit dem Paddeln auch hinbekommen, aber die erwiesen sich als unbegründet. Wir paddelten, als hätten wir das schon öfter gemacht. Damit es uns nicht zu langweilig wurde, hatte der Fluss eine natürliche Slalomstrecke aus umgestürzten Bäumen, scharfen Biegungen und Krokodilen angelegt.

Ok, keine Krokodile. Ich kam mir trotzdem ein bisschen vor, wie der Held aus Joseph Conrads „Herz der Finsternis“, der den Kongo hoch fuhr, um einen Herrn Kurtz zu suchen. Sogar Eingeborene sahen wir am Ufer, einige hoben drohend ihre Fäuste: Angler, die wohl Angst hatten, das wir ihre Fische verscheuchen. Speere wurden nicht geworfen. Und „das Grauen, das Grauen“ packte uns nur, als wir an einer Stelle fast stecken blieben, weil der ganze Fluss mit Wasserpest so dick zugewuchert war, dass wir die Paddel kaum wieder aus dem „Wasser“ bekamen.

Auch das Paddeln an sich war nicht so anstrengend, wie ich gedacht hätte. Nur das ständige Hocken im Schneidersitz belastete meine Beine so, dass sie am Ende fast ihren Geist aufgaben. Die „Boot-über-ein-Wehr-tragen“ Aktionen waren besonders riskant wegen des Aus- und Einsteigens mit Puddingbeinen. Ging dann aber alles gut. Offensichtlich.

Nur am nächsten Tag! Diese Schmerzen! Das war kein Muskelkater, sondern ein ausgewachsener Muskeltiger. Jetzt, da die Erinnerung an die Schmerzen langsam verblasst und die an die schöne Zeit auf dem Fluss bleibt, wäre ich durchaus bereit, eine weitere Tour in Erwägung zu ziehen. Verdammtes, schönfärberisches Gedächtnis ….

Gehstock 2008 – das Konzert


Am Samstag Abend waren Lapis und ich auf einem Open Air Konzert in Coburg. Jetzt werden sich diejenigen, die mich kennen fragen: „Was macht ein gehörloser Mann auf einem Konzert?“ Das gleiche, das Hörende dort machen. Die Atmosphäre genießen. Oh, und leicht bekleidete Groupies begaffen, die auf den Schultern ihrer Freunde reiten und den Musikern ihre … Begeisterung zeigen.

Leider war in der letzteren Kategorie nicht so viel los. Das könnte natürlich daran liegen, dass das Konzert ein klassisches war und der Altersdurchschnitt der Besucher die Fünfzig deutlich hinter sich gelassen hat. Wenn ich es mir recht überlege bin ich sogar froh, dass keine ältere Dame auf die Schultern ihres Galans gestiegen ist. Das hätte sicher zur Unterbrechung des Konzertes geführt. Bis der Krankenwagen weg gefahren wäre.

Es war eine super Stimmung. Die anwesenden Herrschaften hätten ihren Kindern zwar damals sicher verboten, das „Woodstock“ Festival zu besuchen, trotzdem kam man sich vor wie beim „Sommer der Liebe“. Der eine oder andere ältere Herr wiegte seine Herzdame zu den Klängen von Wagner und Beethoven und als Mozart gegeben wurde, war das Publikum ein Meer von Feuerzeugen, die zum ersten Satz der G-Moll Sinfonie hin und her geschwenkt wurden. Auch bei der romantischen Habanera von Emanuel Chabrier kam es zu ergreifenden Szenen von gut situierten Menschen im Liebestaumel. Die Küsschen hier und Küsschen da nahmen schier kein Ende. Fast war es mir ein wenig peinlich.

Drogen wurden rumgereicht. Allerdings keine verdächtig aussehenden Zigaretten oder dubiose Pillen, sondern die eine oder andere Flasche gekühlten Chablis oder Kelche mit tief rotem Claret. Aber auch das gemeine Volk erfreute sich an proletarischem Sushi, Prosecco oder ganz banalen Austern. Das leise Knacken und der anschließende Fischgeruch zogen aber so manchen bösen Blick auf sich. Leider waren auch auf diesem Festival ein paar Leute, die sich partout daneben benehmen müssen. Neben uns belästigten einige ältere Damen im „Klosterfrau“ Rausch zwei knapp fünfzig Jahre alte Männer und mussten mit sanftem Druck von der Wiese geschoben werden.

Das Politische kam nicht zu kurz. Buttons mit „Grieg statt Krieg“ oder „Débussy diente nie!“ unterstrichen, dass die klassische Musik nichts von ihrem Biss verloren hat. Die Haare mögen grau sein, aber in den maßgeschneiderten Dreiteilern oder der Cocktailkleidern schlagen die Herzen von Rebellen. Das aggressive Nicken zu Brahms „ungarischem Tanz“ vermittelte mehr Feuer als jedes Headbanging bei Metallica Konzerten. Und als zu Strauß‘ „Radetzky Marsch“ einige Männer fast die Bühne gestürmt und ins Publikum gesprungen wären (sie haben es dann doch nicht ganz über die Absperrung geschafft), wusste man, dass die Klassik der legitime Vorgänger, Wegbegleiter und Erbe des Punk ist.

Als Kommentar zu aktuellen Lebensmittelkrise hatten die Veranstalter nur Catering Services zugelassen, die auf Biodiesel verzichteten. Außerdem durften nur Hummer gereicht werden, die in ökologischen Hummerfarmen herangezogen wurden. Dafür wurde das nah gelegene SÜC-Gebäude mit mehr Glühbirnen beleuchtet als Las Vegas in einer Woche verbrauchte. Aber wer wird an solch einem Abend auf die CO2-Bilanz schauen?

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Zu Tschaikowskis Polonaise aus „Eugen Onegin“ hielt es das Publikum dann nicht mehr in seinen Stühlen. Viele wollten aufspringen, einige schafften es sogar. Rollatoren wiegten sich im Takt, Champagnergläser wurden geschwenkt, Gehstöcke dirigierten das hervorragende Orchester mit und ein Summen erfüllte die laue Sommerluft wie 100 Bienenschwärme. Das Summen hatte ich natürlich seit Beginn der Veranstaltung im Kopf, weil ich die Musik nicht hören konnte. Aber Lapis versicherte mir, dass das Konzert großartig war. Nachdem sie mich geweckt hatte. Beim nächsten Konzert passe ich glaube ich, obwohl das Sushi wie immer exzellent war.

WegDonald’s


Auch im Leben des modernen Deutschländers gibt es Glaubenskrisen. Wenn eine Frau Bundeskanzer wird. Oder Bayern München nicht Deutscher Meister. Oder ein Spiel/Film/Buch hat plötzlich großen Erfolg, das nicht der herab gedummte Klon seiner drei Vorgänger ist. Ok, Letzteres ist natürlich Wunschdenken.

Ich hatte vor einiger Zeit auch so eine Glaubenskrise. Denn bis zu dem fraglichen Tag habe ich fest daran geglaubt, ein McDonald’s Laden sei wie eine Lizenz zum Gelddrucken. Ich meine, was früher die Kirche in jedem Dorf war, sind heute die McDonald’s „Restaurants“. Und wenn es so viele von den Fressbuden gibt, muss man damit ja auch Geld machen können. Oder?

Der Laden in der Coburger Innenstadt war jedenfalls immer gerammelt voll. Vor allem die Burger relevante Zielgruppe der 8-29jährigen verbrachte einen großen Teil ihrer Freizeit darin. Aber die Kinder und jungen Erwachsenen haben den Laden wohl wirklich mehr als ihr Wohnzimmer genutzt, als Fett und Zucker zu konsumieren. Das war einerseits gut für die Kids, andererseits schlecht für den Laden, denn er musste schließen. Seitdem irren Gruppen verwirrter Jugendlicher durch Coburg, die nicht mehr wissen, wohin sie gehen sollen. Schlimm!

Warum hat der Laden dicht machen müssen? Lag es wirklich nur an den nicht konsumierenden Kids? Dass die Hauptzielgruppe der Burgerkette, die Familien, von den Massen Basecap schief tragender Gesäß geforderter Teenager abgeschreckt wurde, glaube ich aber auf keinen Fall. Die sind so abschreckend wie „Bambi“. Eher könnte das mit den motivierten Mitarbeitern zu tun gehabt habe, die es dringend erforderlich gemacht hatten, ein gutes (dickes!) Buch in das „Schnellrestaurant“ mitzubringen. Dass die keine Lust hatten, die Geschäftspolitik des Inhabers auszubaden ist klar. Schließlich waren häufig zur „Hauptverkehrszeit“ nach Schulschluss ganze vier der acht Kassen besetzt. Und die Billiglohn-Schufter durften es ausbaden, wenn der Mob seinem Unmut Ausdruck verlieh.

Nicht, dass ich was gegen McDonald’s an sich hätte! Vor allem seit meinem drei Jahre andauernden Kampf um jedes Gramm Gewicht hat mir der goldene Bogen so manche leckere Kalorie geschenkt. Und man muss es ja auch nicht so übertreiben wie Morgan Spurlock. Aber das Schicksals der Coburger Filiale sollte allen Franchise-Nehmern ein mahnendes Beispiel sein! Zufriedene Mitarbeiter bedeuten satte Kunden und satte Kunden sind zufriedene Kunden. Hungrige Kunden in einer großen Gruppe anderer hungriger Kunden bedeuten gute Geschäfte für die gefühlten 3578 Dönerläden in Coburg.

Ich jedenfalls müsste jetzt entweder zu der McD-Filiale am anderen Ende der Stadt fahren oder zum Burger King „auf der grünen Wiese“. Da würde ich ja für den Weg mehr Kalorien verbrauchen als ich in Whoppern oder Big Mäcs zu mir nehmen könnte. Wo ist da der Sinn? Deswegen und auch wegen der vielen heimatlosen Coburger Teenager: Bitte bitte komm zurück in die Innenstadt, Ronald McDonald!