Wenn es regnet, schüttet es

Es gibt Tage ….

Lapis und ich wollen im August nach drei Jahren das erste Mal wieder in Urlaub fahren, Süd-England. Das Hotel war schnell über Internet gefunden und gebucht. Zwar nicht da, wo wir eigentlich hin wollten, aber in Pllewynmouthgate ist es sicher auch schön.

Nur, wie hin kommen? Fliegen! Und scheiß was auf die CO2-Bilanz, immerhin trennen wir Müll. In der Nähe von Pfllyngatemouthden ist sogar ein Flughafen. Da Lapis Geld sparen wollte und den Frühbucherrabatt mitnehmen, haben wir also gestern Abend Flüge gesucht und gebucht. Billigflüge. „Billigflüge“.

Die Flüge von Berlin nach London waren auch tatsächlich günstig. Teuer war nur, das Gepäck mitzunehmen. Und die Sitzplätze. Und der Bus vom Terminal zum Flieger. Und Gebühr für die Benutzung der Treppe in den Flieger. Das Trinkgeld für die Flugbegleiter. Der Anteil am Kerosin. Zuschläge für Werktage, Monate ohne „-er“ am Ende und natürlich die „Weil der Vorstand ein neues Tagungsgebäude in der Karibik braucht“-Gebühr.

Aber klasse, wir fliegen nach London. Oder irgendwo in die generelle Richtung. Der Flughafen liegt wohl auf dem gleichen Längengrad, deswegen dürfen die ihn „London“ nennen. Von „London“ nach Pfllyndings kommen wir mit einem anderen Flug. Obwohl, auf der Karte sieht das so aus, als könnte man auch eine Rikscha nehmen, aber was weiß ich?

Natürlich ist der Flug günstig (Ich vermute, wir rollen einmal um den Tower und nehmen dann den Bus), aber die ganzen Gebühren fallen natürlich auch an. Zusätzlich zu „royalties“ (Unterhalt der britischen Königsfamilie), Alkoholsteuer (niemand fliegt nüchtern nach Pllynnsda) und Geld für Königspudel, weil wir damit wegkommen.

Spät am Abend waren Lapis und ich dann von der modernen Online-Buchung so kirre („Nein, das ist ein C!“ „Unsinn, ein angebissener Keks.“ „Re-captcha halt.“ „Das ist das 35.Mal jetzt.“), dass wir willenlos allem zustimmten, um nur ins Bett zu kommen. Ich vermute ein System dahinter.

Heute morgen wachten wir dann mit einem Mordskater und der Erkenntnis auf, dass wir gestern für den Preis von zwei Business-Class Tickets nach New York Flüge in der Holzklasse an das „Ass-End of England“ gekauft haben. Yay.

Lapis war ein wenig hysterisch und damit sie aufhörte, mich zu schütteln und „Was haben wir getan?!“ zu schreien erklärte ich mich bereit, zu eruieren, ob wir nicht einfach die Tickets stornieren und als billigere Alternative mit dem Taxi nach P. Fahren können.

Gesagt, getan. Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von „Billigflieger #1“ (eine echten Namen zu finden, war wohl zu teuer) erklärten mir nach nur vier Stunden Suche im Netz, dass, ja, natürlich könne man stornieren. Man müsse allerdings den vollen Preis zahlen. Und natürlich fielen Storno-Gebühren an. Ächz.

Mir fiel ein, dass ich irgendwann einmal gehört hatte, oder es mir eingebildet habe, dass man Dinge, die man per Kreditkarte bezahlt hat, einfach so wieder zurückgeben kann. Vielleicht war das auch in einer „Friends“-Folge aus den Neunzigern.

Ich ging also zur Sparkasse meines Vertrauens und vertraute mich der Sparkassen-Tante an. Tantchen sprach. Und sprach. Und gestikulierte, verzog das Gesicht in wütenden Grimassen, redete auf mich ein, deklamierte gar. Einige Kunden applaudierten, ein Kind brachte ihr eine Blume. Ich war hingerissen. Als ich sie zum, wiederholten, Male darauf hinwies, dass, jaja schön gesprochen, nur leider – ich nicht hören und so .. und langsam und deutlich etc.pp. Kritzelte sie auf einen Zettel: „Das müssen Sie bei ‚Friends‘ gesehen haben.“

Niedergeschlagen wollte ich mich schon trollen, da fiel mir ein, dass ich ja meine Kreditkarte ändern wollte. Von Prepaid zu Paid, weil das Aufladen hier in Berlin so eine Tortur ist und ich sie eigentlich auch nie brauche und trotzdem Gebühren zahlen muss.

Tante Sparkasse setzte mich in einen bequemen Sessel, rief meine Kontodaten auf und ihr Gesicht gefror. Ehrlich, total eingefroren, wie nach einer Botox-Injektion. Die Details erspare ich mir und euch. Das Ergebnis meiner Erkundigungen war, dass ich nicht nur meine Prepaid-KK abgeben musste, inklusive rituellem Zerschneiden derselben, sondern auch meinen großzügig bemessenen Dispo-Kredit verlor.

Als ich aus der Filiale taumelte, redete ich mir ein, dass das Institut ja seine Kunde vor finanziellen Hasardeuren schützen muss. Wo käme man da hin, wenn man jedem daher gelaufenen Penner einen Kreditrahmen im untersten vierstelligen Bereich einräumen würde. Vielleicht hätte ich auch sagen müssen, dass ich ein Haus kaufen will und keinerlei Sicherheiten habe, aber ein großes Vertrauen in das Spiel der Märkte.

Aber was hätte ich dann mit dem ganzen Geld gemacht?

(YAY! 400. Beitrag)

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2 Gedanken zu “Wenn es regnet, schüttet es

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