Monatsarchiv: Juli 2011

Gelesen > Sexualität und Christentum (soweit ich es ertragen habe)

Vor vielen Jahren, es waren die lahmen 80er, fiel mir in der Stadtbücherei ein dickes Buch in die Hände, das verkündete, das Wissen und die Macht eines geheimen Ordens zu kennen. Der Orden: die Tempelritter (natürlich!). Der Gral war das Geheimnis, Jesus Christus sei als Pater Familiaris in einem Ashram in Indien im hohen Alter gestorben. Im Kreise seiner Kinder und seiner Frau Magda.

Ehrlich gesagt, die Pointe des Buches war ein ziemlicher Antiklimax. Ich hatte irgend etwas im Stile der Illuminaten erwartet. Jesus interessierte mich nicht so. Und ob er nun am Kreuz gestorben ist oder – leicht übergewichtig, das schüttere Haar immer noch lang, ab und zu kichernd im Neuen Testament blätternd – auf Goa, war mir egal. Immerhin war das Buch recht spannend geschrieben. Eine Ritterpistole, die auf echten Mythen beruht, die lose auf historischen Fakten basieren. Viel „man könnte sagen“ und “wenn man davon ausgeht, dass ..“ und natürlich auch „Aber was war auf dem Heuwagen? Forscher sagen heute ….“ Man kennt das aus „Galileo“.

Als ich die ersten ca. 20 Seiten von Dan Browns „Da Vinci Code“ gelesen hatte, wusste ich, worauf es hinaus läuft. Das Buch war trotzdem in der ersten Hälfte kurzweilig, dann übertrieb er es einfach mit immer neuen Wendungen, die nicht wirklich überraschend waren. Ein Trivialroman, der auf einem vergessenen populär“wissenschaftlichen“ Buch beruhte. Das einzige, das mich ärgerte, was der Erfolg Browns, bzw. dass er diesen mit so einem mittelmäßigen Roman erzielte. Aber die meisten erfolgreichen Dinge sind ja im besten Fall Mittelmaß.

Jetzt habe ich so viel zu anderen Büchern geschrieben und erwähne hier zum ersten Mal „Sexualität und Christentum“. Genau darum:

Dan Brown erregte […] gewaltiges Aufsehen. Er vertritt [in „Sakrileg“], Jesus sei verheiratet gewesen und habe Kinder gehabt. Dieses Buch ist […] als Roman klassifiziert, aber die Ausgangsposition dieser phantasievollen Erzählung ist […] plausibel.“ (19)

Dann ergeht sich der „Professor für Pastoraltheologie“ Raymond J. Lawrence Jr. Darin, dass die „Mutmaßung“ Browns hinsichtlich des Familienstandes JC’s „vermutlich“ „am ehesten“ zutreffe. In der Bible finden sich zwar keine Belege, aber „außerkanonische Texte“ (er nennt das Philippusevangelium) erwähnten eine „besondere Beziehung“ zu Maria Magdalena. Man könne das nicht so einfach als unhistorisch abtun.

Doch kann man. Genauso wie den Rest zumindest der ersten beiden Kapitel, die zu lesen ich ertragen habe. Es gibt keine Quellenarbeit oder zumindest Bibelexegese nach der historisch-kritischen Methode. Es gibt viele Vermutungen, Auslegungen und vor allem absolut unwissenschaftlichen Induktionen. Lawrence hat eine Agenda: die christliche Sexualmoral sei „falsch“ und beruhe auf willkürlich missverstandenen Lehren, bzw. kulturellen Traditionen, die nichts mit Jesus zu tun hätten. Diese Agenda bestimmt seine Argumentationslinie und, Mann, ist das eine miese Argumentation. Seine Quellen würden in eine Proseminarsarbeit passen, aber nicht zu einem ernst gemeinten Beitrag zur Religionsgeschichte. Seine Bibelzitate zum Beispiel stammen aus einer Übersetzung. Natürlich ist ein amerikanischer „Professor“ ein etwas besserer Lehrer, aber ich musste für meinen Magister in Religionsgeschichte mein Latinum (nach)machen und jeder Theologe muss

die “drei Sprachen der Kreuzesinschrift“ (Latein, Altgriechisch, Hebräisch) kennen. Jeder Historiker, Religions- und andere, ist vor allem von Quellen abhängig. Wenn man nicht eng an den Quellen arbeitet, kommt so etwas wie „Sexualität und Christentum“ heraus: ein spekulatives, von persönlichen Interessen geprägtes Schein-Sachbuch.

Wie gesagt: es ist mir persönlich egal, ob Jesus nun Single, Familienvater oder schwul war. Mich interessiert das Thema als Religionswissenschaftler, der plötzlich feststellen musste, dass er mehr über den Buddhismus als über das Christentum weiß und diesen Makel beheben will. Aber ich kann es auf den Tod nicht ausstehen, verarscht zu werden. Und nach der Lektüre der Einleitung, der ersten beiden Kapitel und dem Schluss des Machwerkes komme ich mir unglaublich verarscht vor.

Und ich habe den Vorteil, mich auszukennen. Die Fehlleistung „Professor“ Lawrences wäre mir zumindest nicht so krass ins Auge gefallen, wenn ich nicht parallel Diarmaid McCullochs „Christianity: The First Three Thousand Years“ lesen würde. Kein unumstrittenes Buch, aber etwa 10.000 mal besser recherchiert als „Sexualität und Christentum“ mit einem Apparat den man auch benutzen kann.

Was mich besonders wütend macht, ist dass Laien meistens nicht zwischen den gut recherchierten, wissenschaftlichen Büchern und dem Schrott unterscheiden können. Meine Mutter wollte sich über den Islam informieren und fragte mich, ob „dieses Buch“ gut sei. Ich schlug die erste Seite auf, las der ersten Absatz, in dem der einzig „erfolgreiche“ Kreuzzug (der erste) als Misserfolg abgetan wurde und konnte sofort sagen: „Nein“. Manchmal frage ich mich, ob die Sachbuchverlage mittlerweile die Position von Lektoren an Gymnasiasten vergeben.

McCulloch hat übrigens auch etwas zu Dan Brown gesagt:

Some overexcited modern commentators and mediocre novelists have even elevated her [Maria Magdalena] (on no good ancient evidence) to the status of Jesus’s wife“. (116)

Besser Arm dran ….

Der Arzt: Herr O.?: Ah, Sie sind wach.

O: … Hm? .. bin ich?

A: Im Aufwachraum. Ich wollte persönlich nach Ihnen sehen und Ihnen sagen, dass die OP ein voller Erfolg war.

O: .. schön …

A: Ja, dieses Hühnerauge kommt nie wieder. Hasta la vista, Klavus. Haha.

O: Das ist schön, Doktor. Wann lässt de Betäubung nach?

A: Betäubung?

O: Ja, die örtliche Betäubung. Ich kann meinen Fuß gar nicht fühlen.

A: Wenn Sie ein Vollnarkose bekommen, braucht es keine örtliche Betäubung, Herr O.

O: Und warum …?

A: Da machen Sie sich mal keine Sorgen. Wenn Sie Ihren Fuß nicht fühlen können ist das ganz normal nach so einer OP.

O: Da bin ich aber ….

A: Immerhin haben Sie auch keine Phantomschmerzen.

O: Was? Phan….

A: Manche Patienten haben nach Amputationen…

O: AMPU- was??!!

A: Du lieber Himmel, jetzt beruhigen Sie sich. Sie sind nicht der einzige Patient hier.

O: OH MEIN GOTT! Sie haben meinen Fuß amputiert!

A: Jetzt tun Sie nicht so, als hätten wir es Ihnen nicht bei der OP-Aufklärung gesagt.

O: Sie meinen, als Sie mich über die Risiken der OP aufgeklärt haben? Nach „Verlust jeder kognitiven Funktion“ und vor „sabbernder Idiot für den Rest Ihres Lebens“?

A: Nein, nein. Als ich erwähnte, dass wir gründliche, proaktive und terminale Methoden bevorzugen. Wie gesagt: An dem Fuß wird nie wieder ein Hühnerauge wachsen.

O: Aaaaaaarrrrrgh!

A: Oh. Wollten sie Ihren Fuß nicht sehen? Manche Patienten nehmen sie mit nach Hause.

O: Ich … ich … verklage Sie! Sie … Sie …. Metzger!

A: Na viel Spaß dabei, Herr O. Unsere Rechtsabteilung ist der am besten zahlende Arbeitgeber in diesem Bundesland. Erinnern Sie sich noch, Schwester? Diese peinliche Verwechslung bei der Geschlechtsumwandlung?

Schwester: Ja, ich …

A: Schnauze! Wir haben überzeugend darlegen können, dass ein Leben mit zwei Genitalien tatsächlich ein Vorteil ist und unser Honorar verdoppelt.

O: Wenn Sie mir vorher gesagt hätten, was Sie vor haben ….

A: Aber das haben wir doch, Herr O. Wir haben sogar Ihre Unterschrift.

O: Aber ich dachte ….

A: Sehen Sie, da ist das Problem. Sie dachten. Leider sind Sie ein medizinischer Laie und ich bin Doktor der Medizin. Ich könnte Ihnen in vielen lateinischen Worten sagen, warum es absolut notwendig war, Ihren Fuß abzunehmen. Aber das verstehen Sie ja sowieso nicht, warum also die Mühe. Vertrauen Sie mir einfach.

O: Vertrauen?! Nachdem Sie mich zum Krüppel gemacht haben?

A: Nun mal nicht so melodramatisch. Die Prothesentechnik ist heute sehr weit. Bald werden Sie wieder … Was sind Sie von Beruf?

O: Tänzer.

A: Autsch. Aber denken Sie mal an diese Einbeinige. Die Ex von diesem Beatle ….

O: Heather Mills?

A: Genau. Die hat doch auch getanzt. Sogar im Fernsehen. Das sah zwar scheiße aus … Nanana. Wer wird denn weinen?

O: Was mache ich denn jetzt?

A: Sie suchen sich erst mal eine schöne Prothese aus. Einer wie Sie landet doch immer auf den Füßen, autsch.

O: Ich bring mich um!

A: Das lassen Sie mal schön sein. Hier. Ich habe Ihnen einen Katalog zum Blättern mitgebracht. Als Tänzer und Kassenpatient dürften Sie sich allerdings höchstens den „Käpt’n Jack Sparrow“ leisten können.

O: Den was?

A: Früher hieß das Modell „Long John Silver“, aber sie müssen ja mit der Zeit gehen. Außerdem ist der Gang mit der Prothese ähnlich … exaltiert.

O: Ein … ein … Holzbein?

A: Sehen Sie es mit Humor. Wenn Sie von Vampiren angegriffen werden, haben Sie immer einen Pflock zur H … zum Fuß. Witzig nicht? Hallo? - Seufz – Schwester! Da hat sich einer am Tropf erhängt.

Schwester: Schon wieder?

6.7.2011: Zu Risiken und Nebenwirkungen …

… erzählt Ihnen Ihr Arzt, Apotheker habe ich nicht gefragt, nicht unbedingt alles.

Hallo Alle.

Ich wäre da raus gekommen! Mein Koffer war gepackt, die Schwestern verständigt.

Dann habe ich mir gesagt: “Skeltem, sei nicht so eine Sissy! Es sind ja nur drei Tage und ein bisschen Aufwand in den ersten zwei Wochen nach der Operation.”
Was mein Arzt “vergaß” zu erwähnen war, dass ich in jenen ersten zwei Wochen praktisch nichts sehen konnte. Letzten Freitag habe ich das erste Mal wieder etwas lesen können. Eine entsprechend sarkastische Miszelle ist in Vorbereitung.

Jetzt freue ich mich erst mal wieder daran, dass ich tatsächlich sehen kann, ohne das Gefühl zu haben, ein Marsriegel zu sein und in Milch zu schwimmen.

Allerdings gibt es keine Ruhe für die, äh, Blogger, denn wir sind mitten im Umzug. Und Lapis freut sich sicher darüber, ein bisschen mehr Hilfe zu bekommen als ein paar schlecht gepackte Kartons.

Wo es hingeht? Ich gebe euch einen Tipp:

In dem Sinne: Ich fühl’ mich besser!

Skeltem