Monatsarchiv: Juni 2011

17.6.2011: Never-ending Story

Na na na na nahhhhha.

Oder so ähnlich. *Seufz* Die 80er hatten schon Scheißlieder.
A propos: Lider. Ich muss wieder in die Augenklinik. Raffinierte Überleitung, was?

Im Ernst. Nächste Woche bin ich nicht hier und danach mal sehen, wie es mir geht.

Bis hoffentlich bald. Wir sehen uns*
Skeltem

* See what I did there?

FNML > Wohnung mit Samba

Es war eine Wette. Und offensichtlich habe ich verloren sonst wären wir nicht in Coburg. Shit.

2002 beendete ich meine Weiterbildung zum „Nutzloser Internet-Hype Fantasieberuf“ mit dem Gefühl, gerade der Arbeitsagentur einen Haufen Geld gekostet zu haben, ohne dass es mir etwas gebracht hätte. Immerhin wusste ich jetzt mit absoluter Sicherheit, dass ich mich eher erschießen würde, als „irgendwas mit Internet“ zu machen.

Lapis hatte noch ein gutes Stück Studium vor sich, auch wenn mich die leise Ahnung beschlich, dass ihr Fach sinnvoller und gefragter ist, als mein Strauß Orchideenfächer. Trotzdem. „Wir gehen da hin, wo der oder die Erste von uns was findet“ schien mir fast ein wenig unfair.

Also schrieb ich Bewerbungen und sie schrieb ihre Diplomarbeit. Und als ich noch frustriert Bewerbung um Bewerbung zurück erhielt, hatte sie das erste Vorstellungsgespräch. Zu dem sie nicht wollte, weil der Mann, der sie einlud „komisch“ klang. Sie fuhr lieber zu den anderen zwei. Ich hatte während des Jahres unserer „Wette“ genau ein Vorstellungsgespräch.

Und so kam es, dass wir im heißen Sommer 2003 im ICE nach Würzburg saßen. Zum Glück funktionierten damals die Klimaanlagen noch. In Bamberg stürzte ich dann erst mal zwischen den Regionalzug und das Gleis, weil ich den lächerlichen halben Meter Abstand nicht richtig überspringen konnte. Fürderhin stellt euch Skeltem mit schmerzverzerrtem Gesicht humpelnd vor.

Bis zum Antritt von Lapis’ neuer Stelle waren es nur noch ein paar Wochen und wir mussten alls ziemlich hastig abwickeln. Wir hatten genau einen Tag Zeit, um uns in Coburg eine Wohnung zu suchen. Drei mögliche Kandidaten hatten wir schon, revolutionär, im Internet ausgesucht und Besichtigungstermine gemacht.

Die erste Wohnung lag an einer Straße. Das ist nicht ungewöhnlich, aber diese lag an einer Hauptachse, die Coburg mit Irgendwo anders verbindet. Oder besser gesagt: mit allem anderen. Dementsprechend war der Verkehr.

Sie: Wie findest du sie?

Ich: WAS?

Sie: WIE FINDEST DU DIE WOHNUNG?

Ich: DU MUSST LAUTER SPRECHEN, DER KONVOI GURKENLASTER ÜBERTÖNT ALLES!

Sie: WAS KOSTET SIE?

Vermieter: 900. KALT.

Ich: AHAHAHAHAHAHA.

Dann gingen, oder in meinem Fall: humpelten, wir zur zweiten Wohnung. Die war ganz hübsch, Jeder von uns hätte eine großes Zimmer gehabt. Ich verliebte mich sofort in die dunkel gestrichenen Wände und das kleine Fenster mit Blick auf das Coburger Wahrzeichen, die Veste. Allein: die Wohnung lag auf dem Gelände eines Öl-Handels. Heizöl!

Lapis: Habe ich aus Versehen etwas getrunken, oder warum verschwimmt alles?

Ich: Das erinnert mich daran, dass ich früher gern die Eddings gerochen habe. Bis ich ganz schwummrig wurde.

Sie: Halte mich…

Ich …

Sie: :rumms:

Zur dritten Wohnung mussten wir die ganze Stadt durchqueren. Unter normalen Umständen dauert das vielleicht 10 Minuten. Aber an jenem Wochenende gab es nicht nur einen Temperaturrekord, der erst fünf Jahre später wieder eingestellt wurde. Lahmte mein gezerrtes Bein nicht nur. Es war auch noch Samba-Fest. Das Coburger Samba-Fest zu beschreiben bedarf es eigentlich einer eigenen Miszelle und die habe ich tatsächlich schon geschrieben. Jetzt genügt es vielleicht zu erwähnen, dass die Stadt voll war. Japanische U-Bahn bei Feierabend-voll. Und laut. Sehr, sehr laut.

Bei der avisierten Wohnung erwartete uns Else Kling aus der „Lindensraße“. Oder zumindest jemand, der genau so aussah genauso grantelte und genau so sympathisch war. Immerhin brabbelte sie fränkisch und nicht bayrisch vor sich hin. Die Wohnung lag über einem Imbiss und war „renovierungsbedürftig“.

Else Kling: Dredns da ned hin, da is noh ned feddich.

Lapis: Was ist DAS denn?

EK: Noch … nicht … fertig. Kummd alles noh wech.

Ich: Was ist das für ein Geruch?

EK: Der Dina.

Ich: Diner?

EK: Der Dürge. Dö-ner.

Lapis: Das Fenster is ja noch …

EK: NOH NED FEDDICH!

Ich: Wir gehen jetzt langsam, rückwärts raus und sehen ihr nicht in die Augen. Und: lächeln!

Also entweder die A7 oder Saudi-Coburg. Ich war für die Ölquelle, weil die Wohnung schöner war und argumentierte, dass, wenn man wegen der Dämpfe das Bewusstsein verloren hat, hört man auch die Tanklaster nicht mehr. Lapis fand die Autobahnraststätte schöner, weil …. habe ich vergessen. Ich glaube, es war das riesige Bad.

Ein Jahr später fanden wir dann endlich eine schöne Wohnung. Meine Nerven werden allerdings nie mehr die gleichen sein.

Gesehen > Keine deutschen Filme auf DVD

Ok, ich hätte auch schreiben können, dass ich keine DVDs mit kasachischen Filme mehr sehe. Allerdings habe ich die Vermutung, dass Kasachstan bessere Filme macht und, vor allem, sie untertitelt. In bekannten Sprachen. Wie uigurisch.

Ne, im Ernst. Ich bin wirklich sauer auf die deutschen Filmfirmen. Die meisten davon sponsore ich sogar noch mit GEZ-Gebühren, weil da die Öffentlich-Selbstgerechtlichen ihre Finger im Spiel haben. Da will man dann den einen oder anderen sehenswerten „deutschen“ Film sehen, wie „Gegen die Wand“ oder „Soul Kitchen“ oder „Alle Anderen“ und stellt fest, dass man zwar mit zwei Jahren Türkisch lernen alle Untertitel von Fatih Akins großem Erfolg lesen kann, aber alle anderen genannten sind wieder typisch deutsch-arrogant nur in einer (Laut)sprache zu bekommen.

Als kleinen Exkurs könne ich mich auch endlos darüber aufregen dass zum Beispiel in den Fernsehfilmen, und nicht nur im Degeto-Schund, alle Menschen auf der Welt wie selbstverständlich deutsch reden. Erst vor zwei Wochen gab es einen an sich ordentlichen Film mit dem Noethen, der in Schweden spielte. Wo natürlich jeder Schüler deutsch sprach. Das sind Details, aber mich macht so etwas sauer, weil das einfach von Faulheit zeugt. Bei den Produzenten und beim Publikum.

Zurück zu den DVDs. Ich habe ein Abo bei Love-Film. Das ist bequem, vor allem seit die letzte Videothek in Reichweite dicht machte. Nach der ersten Pleite mit einem deutschen Film ohne Untertitel, achtete ich dann darauf, ob in der Beschreibung Untertitel aufgeführt waren. Vorher war ich, zugegeben, ein wenig naiv. Da bin ich doch davon ausgegangen, dass es auf jeder DVD die Untertitel zum Film gibt. Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass Untertitel angegeben werden, die dann aber nicht auf der DVD sind. Oder, wie bei “Gegen die Wand”, es sind nur Passagen untertitelt, die nicht auf deutsch gesprochen werden. Oder türkisch.

Leider ist es im Moment so, wie damals, als die CD die Schallplatte ablöste. Erinnert sich jemand? Zuerst gab es auf den CD wunders was für Bonus-Tracks und manchmal sogar Dateien, die man man auf dem PC ansehen konnte, wie Musikvideos. Aber sobald die Platten so gut wie tot waren, hörte das schlagartig auf. Und natürlich wurden die CDs dann auch gleich mal teurer. Heute kann man das Gleiche bei den Blue-Rays beobachten. Inzwischen bin ich froh, wenn auf den DVDs wenigstens deutsche Untertitel sind.

Überhaupt: Deutsche und Untertitel. Als Junge habe ich unheimlich gerne das holländische Fernsehen geguckt. Die haben nicht nur die ganzen coolen englischen Serien wie „The Young Ones“ gezeigt. Die waren auch noch im Orginal und gerade Humor leidet wahnsinnig unter der üblicherweise mittelmäßigen Fernseh-Übersetzung. Das letzte, mir bekannte Opfer war die genial-komische britische Serie „Coupling“, die auf deutsch zu Recht floppte. Als Halbwüchsiger am Niederrhein verstand ich natürlich bei weitem nicht alles. Aber da halfen die holländischen Untertitel. Das puzzelte ich mir dann das meiste, whrscheinlich falsch, zusammen. TV aktiv.

Ich sollte vielleicht auch noch zwei Dinge erwähnen, der Fairness halber: Ich gucke auch keine englischen TV-Serien mehr auf DVD. Gerade Dienstag hate ich mit die erste DVD von „Skins“ bestellt. No fucking subtitles, man. Dito „Life on Mars“. Uncool.

Und: Es gibt natürlich auch absolut hervorragende deutsche Filme, einige sogar auf DVD und ein paar davon auch mit Untertiteln: „Das Leben ist eine Baustelle“ z.B. Oder der überraschend gute deutsche Zombiefilm „Rammbock“ oder „Jerichow“.

Natürlich gibt es immer noch Tv4user.de, wo man Untertitel zu fast allen Filmen und Serien herunterladen kann. Legal, denn die sind von enthusiastischen Fans selber gemacht. Aber die dazu gehörigen Filme und Serien muss man illegal aus dem Internet downloaden. Und es ist irgendwie scheiße, dass man als Behinderter seinen kulturellen Fix nur auf dem Bahnhofsklo bekommt und sich dabei vielleicht sogar wer weiß was holt.

Andererseits: Ich werde auch ohne deutsche Filme überleben. Es ist ja nicht so, als würden die mein Geld brauchen.

FNML > Fritz

An diesem Wochenende besuchten uns mein Neffe Fritz und seine Mutter, Korund.

Fritz heißt natürlich nicht so und wenn er wüsste, dass ich ihn hier so nenne, würde er sicher den langsamen Schamestod eines Teenagers sterben. Er ist in dem Altern, in dem aus Franks „Frankies“, aus Karls „Charlies“ und aus Davids „David (engl.)“ werden. Ach. Fritz ist 14 und damit läuft er sich schon mal warm für die schlimmste Zeit der Adoleszenz.

Meine Erinnerungen an die Pubertät sind gemischt. Schrecklich und abscheulich. Das viel gerühmte „Niemals wirst du wieder so starke, ungefilterte Emotionen erleben“ kann auch ganz übel mit einem umspringen, wenn die Emotionen eher zu denen gehören, die man am liebsten durch 100 Meter Mutterboden erleben will. Oder in einen Salzstock versenken.

Jedenfalls hat Fritz mein volles Mitgefühl. Seine Mutter natürlich auch. Ehrlich gesagt: ich finde es mitunter erstaunlich, dass so aus so vielen Teenagern Erwachsene werden. Dass sie die zahllosen selbst zugefügten Modekatastrophen (bauchfreie Oberteile auch bei -20°; Hosen, die auch im dichtesten Straßenverkehr um die Knöchel schlabbern) überleben und nicht obendrein von ihren Eltern erwürgt werden. Mir persönlich reicht Fritz’ bloße Körperhaltung, wenn er seiner Mutter klar machen will, dass er ihre Autorität nicht mehr akzeptiert, um eine Ader an meiner Stirn schwellen zu lassen. Ich frage mich, ob das ein biologischer Mechanismus ist und die Adoleszenz ein Teil der natürlichen Auslese ist.

Komischerweise verhält sich Korund dann auch genau so, dass ein Teenager nicht anders kann, als zu rebellieren. Sie kitzelt ihn vor allen Leuten (d.h. Lapis und mir) und nennt ihn „Mein großer Junge“ und ähnliche Peinlichkeiten. Das erinnert mich dann an meine Großmutter, die mich mal vor einem Mädchen, das ich scharf fand ihren „Bu’“ (Bub) nannte. Und schon laufen meine Ohren rot an. Nach 27 Jahren!

Ich gebe zu, dass Fritz mir Rätsel aufgibt. Einerseits behandelt er seine Mutter schlecht, ein allgemein anerkanntes und akzeptiertes Verhalten in seinem Alter. Andererseits hat er auch einen Narren an mir gefressen, was ich nicht so nachvollziehen kann. Denn, ich mache mir da keine Illusionen, ich bin nicht gerade das, was man einen „glücklichen Camper“ nennt. Vielleicht braucht er das ja. Jemanden, der keinen Zirkus um ihn macht. Fritz ist unter Frauen aufgewachsen und vielleicht imponiert ihm ja jemand, der einfach mal die Klappe hält.

Ich wüsste auch ehrlich nicht, was ich mit ihm besprechen sollte. Ich interessiere mich zwar für seine Schulsachen, aber „Und? Wie läuft es in der Schule?“ ist so ein schlimmes Klischee, dass der Satz höchstens noch in Degeto-Filmen mit Christine Neubauer fällt. Oder „Hast du denn schon eine Freundin?“ am besten noch „kleine Freundin“. Würg. Was geht mich das an? Soll ich ihn vielleicht auch fragen, ob er sich schon einen runterholt?

Also interagieren wir auf echt männliche Art. In Ermangelung eines Sees, auf dem wir Rücken an Rücken sitzen und schweigend angeln könnten, sitzen wir vor meinem PC spielen Spiele für die er zu jung ist und reden möglichst wenig. Vielleicht ist es genau das, was er braucht. Ich hatte meinen Opa, mit dem ich nie richtig gesprochen habe und der mir seit seinem Tod unglaublich fehlt. Ich hoffe, ich werde Fritz irgendwann fehlen.

Musik!

3.6.2011: Frei nach meinem Leben

Moin.

Nachdem ich “War was?” eingestampft habe, war ich verzweifelt (na ja) auf der Suche nach einem neuen Thema für eine Kolumne am Freitag. Grübel hin, grübel her. Schließlich hatte ich die Erleuchtung: Es ist mein Blog, also sollte es auch irgendwie um mich gehen.

Weil mein Leben aber insgesamt nicht viel interessanter ist als das von Bodo, dem Hausmeister der Erich-Noll-Schule für Angewandte Pädagogenentsorgung, getatte ich mir, wie jeher, ein paar Freiheiten, was die Homestories angeht. Mit anderen Worten: Ja, das könnte mir im Groben vielleicht passiert sein.

Die Kolumne nenne ich “Frei nach meinem Leben” oder, auf akronymisch, “FNML”. Die erste Folge erscheint heute oder morgen, denn mein Neffe Fritz ist zu Besuch. Oder vielleicht auch nicht.

Stay tuned,
Skeltem