Eskalation der Gewalt (1. Teil)
Nachdem Robert Steinhäuser im Jahr 2001 in seiner ehemaligen Schule 16 Menschen und sich selbst tötete wurde das Jugendschutzgesetz (JuSchG) der Bundesrepublik Deutschland verschärft. Steinhäuser hatte gewalttätige Computerspiele wie „Hitman“, „Heroes of Might and Magic“ oder „Half-Life“ konsumiert. Außerdem fand man DVDs mit Gewalt verherrlichenden Filmen (Fight Club, Predator, Der Herr der Ringe: Die Gefährten) in seinem Zimmer. Der Zugang zu diesen Medien wurde erschwert, damit sich so eine Tragödie nicht noch einmal wiederholt.
Aber die Tragödie wiederholte sich. Im November 2006 in Emsdetten, wo wie durch ein Wunder niemand außer dem Amokläufer getötet wurde und am 11.3.2009 in Winnenden, wo 16 Menschen starben. Die Täterprofile der drei Amokläufer stimmten in einem Punkt überein: Killerspiele! Und Filme. Und Musik. Und zwei der Täter waren Vereinsschützen. Und alle waren pubertierende Jungs, die von ihrer Umwelt abgelehnt wurden. Alle hatten psychische Probleme, die erst zu spät erkannt wurden. Aber alle spielten auch Killerspiele! Da beißt die Maus keinen Faden ab.
Deswegen beschloss die Innenministerkonferenz im Juni 2009 sämtliche Spiele zu verbieten, in der „Gewalt gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen“ „wirklichkeitsnah“ dargestellt wird. Beobachter meinen, dass die Innenminister besonders sauer waren, weil ihre geplante Verschärfung des Waffenrechtes gekippt worden war. Sie wollten verbieten, dass echte Menschen andere Menschen oder menschenähnliche Wesen mit Farbbeutel verschießende Waffen beharkten. Allerdings versicherten mehrere Experten glaubhaft, dass die Farbbeutel nicht tödlich seien. Versuchstiere überlebten ganze Salven und starben erst, als Wissenschaftler mit den Soft-Air Waffen auf sie einprügelten.
Einer Frau war das allerdings nicht genug. Die besorgte siebenfache Mutter Ursula von der Leyen (CDU), Familien- Jugendschutz-, Senioren-, Umtatata-Ministerin der Großen Koalition verschärfte den Vorschlag der Innenminister zu dem, was später die „Lex Uschi“ genannt werden sollte.
Sie ließ einen Gesetzesentwurf ausarbeiten, nach dem sämtliche Computerspiele außer einer sog. „Positivliste“ („Mein kleines Pony“, „Tetris“, „Excel“) verboten werden sollten. Der Entwurf hatte nicht sie geringste Chance, durchzukommen. Er verstieß auch eklatant gegen europäisches Recht, vom gesunden Menschenverstand mal ganz abgesehen.
Aber in Zeiten der Krise gelten andere Regeln. Kurze Zeit nachdem von der Leyen, weitgehend unbeachet*, die „Lex Uschi“ vorstellte ereignete sich eine besonders unappetitliche Tragödie in der Tannhäuser-Grundschule in Oer-Erkeschwick. Der neunjährige Luca-Leon R. zündete mehrere Mitschüler an, nachdem er sie mit Benzin gefüllten Luftballons (nicht, wie in der Bildzeitung stand, mit Kondomen) beworfen hatte. Zum Glück starb keines der Kinder, aber viele trugen schwere Verbrennungen davon. Luca-Leon behauptete, er sei ein „Feuermagier“ und seine Mitschüler „Trolle“. In seinem Zimmer entdeckte die Polizei einen PC und wie sich herausstellte, spielte der Junge als „T3h pwnz0r“ seit mehreren Jahren bereits mehr als 8 Stunden täglich das Online-Killerspiel „World of Warcraft“ (WoW). Seine allein erziehende Mutter Tanja R., die als Kassiererin bei „Minus“ arbeitete wusste von seiner Sucht, unternahm aber nichts, weil sie nach ihren 12-Stunden Schichten „froh war, wenn der die Klappe hält“.
Der Fall pwnz0r erschütterte die ohnehin schon gebeutelte Republik. Die „Lex Uschi“ wurde mit großer Mehrheit, auch von der FDP, verabschiedet und nach nur einer Lesung im Bundesrat durchgewunken. Experten und Medien feierten von der Leyen für ihren Mut und die Bevölkerung war entweder von den nun immer härter zu spürenden Folgen der Finanzkrise verunsichert oder uninteressiert.
*Außer von ein paar Nerds, die selbst niemand beachtete.