Archiv für Juni, 2009

So ein Circus!

Veröffentlicht in HomeStory, komisch - ist aber so am Juni 25, 2009 von skeltem

Der Circus ist in Coburg! Und nicht irgendeiner. Nein, der größte Deutschlands, Europas oder der Welt. Eins von denen, ich habe nur das Superlativ gelesen, den Clown gesehen und bin weg gerannt. Aber so viele kann es auch nicht mehr geben. Ich wette, dass jedes „Iglu-Zelt“ mit einem dressierten Pudel, Bontempi-Orgel und Bernd Stettler sich „der größte Zirkus Nordrhein-Westdeutschlands“ nennen darf.
Der Circus – oder ‘Zirkus’, man darf das ja jetzt – ist auf jeden Fall zu groß für Coburg. Der gesamte Süden der Stadt gleicht einem Heerlager aus dem Dreißigjährigen Krieg. Auf dem Riesenparkplatz in der Nähe des besonders hässlichen Kongresszentrums thront das riesige Kuppelzelt und überragt selbst den Prachtbau, den die Stadtwerke sich neu errichtet haben. Und in den angrenzenden Straßen, Wegen, Gärten, Spielplätzen, Garageneinfahrten hat sich der Tross niedergelassen. Es ist unglaublich, wie viele Menschen so ein Zirkus zum Funktionieren braucht. Was für ein Gewimmel!
Ich frage mich, ob die Wagen, analog zum Heer-Bild, auch je nach Rang geparkt werden dürfen. Also der Zirkusdirektor nahe am Zelt und Innenstadt und der Mann, der die Elefantensch … fäkalien weg macht, dafür in Unter-Siemau, 5 km südlich von Coburg. Auf jeden Fall bekomme ich mal eine Vorstellung, wie es damals, 1618-48, war, als bis zu 100 000 Menschen in einem Weiler von der Größe eines „Media Marktes“ einquartiert wurden.
Ich kann den Zirkus ja nicht leiden. Das geht auf ein, natürlich, Kindheitstrauma zurück. Meine Oma nämlich liebt der Zirkus. Aber sie ist der Meinung, dass das jenseits der Geschlechtsreife unschicklich ist. Deswegen mussten meine Cousine und ich immer ran, wenn der Zirkus in der Stadt war. Wir beiden Kinder langweilten uns ohne Ende, während Oma mit leuchtenden Augen den Akrobaten, Tierdressurnummern und Clowns zusah. Wenigstens kaufte sie uns Popcorn, was damals schon noch was Besonderes war. Und Tiere habe ich immer gerne gesehen.
Clowns hasste und hasse ich besonders. Ich finde sie einfach nicht lustig. Und darüber hinaus unheimlich. Was haben diese geschminkten Fratzen zu verbergen? Und dann bringen die Verrenkungen, die sie machen immer das Schlechteste im Menschen hervor: Schadenfreude. Zugegeben, das machen „Tom & Jerry“ auch. Aber die machen dabei wenigstens keine Musik oder erschrecken Kleinkinder, indem sie plötzlich auf sie zuspringen und … lassen wir das.
Clowns konnte ich noch nie leiden. Aber den Zirkus wirklich verdorben hat mit ein Tiger. Der hat zwar nicht den Dompteur vor den Augen des sechsjährigen Skeltem zerfleischt, weil er das stolze Tier zu irgendwelchen kindischen Kapriolen gezwungen hat. Das wäre ja noch cool gewesen. Nein, besagter Tiger, oder besser Tigerin, hob während einer Vorstellung kurz den Schweif und ließ Wasser. In einem geraden Strahl. Mitten in das Gesicht eines Familienvaters, der vier Sitze neben mir saß. Es war absolut genial. Das war natürlich keine Standard Comedy Situation mehr. Das war Kunst. Hollywood würde einen Film aus diesen dreißig Sekunden machen mit Adam Sandler in der Hauptrolle. ‘Wee, lil’ Tiger’ oder so.
Meine Cousine und ich bogen uns und hielten uns die Seiten vor schwer zu unterdrückender Heiterkeit, während das Opfer des heimtückischen Urin Anschlags verdattert das Zelt verließ, um sich zu reinigen und seine Kleidung zu verbrennen. Wer Katzen hat weiß, dass schon das Pipi der Teppichtiger eine Halbwertzeit ähnlich der von Plutonium hat. Und das war der wahre Jakob. Meine Oma hingegen war damals ernsthaft in Gefahr an einem Lachkrampf zu sterben. Die Menschen in Süddeutschland sind ja einem, äh, körperlichen Humor nicht abgeneigt. Also alle Dinge, die in den Körper hinein gehen und auch wieder herauskommen, besonders Flüssigkeiten, sind todsichere Brüller. Ich glaube, Filme der Farelly-Brüder („Verrückt nach Mary“) sind in Rheinland-Pfalz nur mit Attest zu besuchen.
Was leider dazu führte, dass in den folgenden Jahrzehnten jede Erwähnung des Wortes Zirkus eine genaue, bis ins Detail gehende Wiederholung dieses Vorfalls nach sich zog. Einmal wollte ich einen Zirkelkasten für die Schule und sie hub an: „Weescht noch….“. Ja Oma. Natürlich sind auch die Filme der Farelly Brothers die immer gleiche Wiederholung von lustigen Körperfunktonswitzen. Aber die finde ich auch nicht lustig.
Jedenfalls hat sich bei mir eine Assoziation gebildet: Zirkus ist Tigerpisse. Aber wenigstens das Popcorn hatte danach Geschmack.

21.6.2009: Mittsommer und ich bin unmotiviert

Veröffentlicht in Allgemeines, Zeitnah am Juni 21, 2009 von skeltem

Hallo alle.

Erst mal schönes Mittsommerfest. Lacht, tanzt, trinkt, habt Sex! Von jetzt an geht es bergab ;)

Ich bin gerade herzlich unmotiviert. Das schlägt sich auch auf die Frequenz und Qualität der Miszellen durch.
Es liegt sicher auch daran, dass ich das Gefühl habe, Deutschland hatte seinen Mittsommer vor ca. 20 Jahren. Aktuell sieht man das an dem „Kinderporno-Versteck-Gesetz„, dass die Große Koalition durchgesetzt hat. Gegen alle vernünftigen (und viele unvernünftige) Einwände. Auch aus den eigenen Reihen. Auch von Betroffenen.
Man könnte das Gefühl der Ohnmacht bekommen, hätte man es nicht schon längst. Denn die „Lex Ursula“ ist nur ein weiterer Backstein in der Mauer des Elfenbeinturmes, den sich die regierende Kaste baut.
Anderes Beispiel gefällig? Die Gesundheits“reform“ mit dem unseligen „Gesundheitsfonds“ den nur zwei Frauen gut finden: Ulla Schmidt (SPD) und uns’ Angie (CDU). Gleichzeitig geht das gesamte System vor die Hunde und Patienten müssen bei Fachärzten darum betteln, doch bitte bitte behandelt zu werden. Ich wette, die Politiker sind alle Privatpatienten.
Man könnte meinen, „die da oben“ hätten jeden Kontakt zur Wirklichkeit verloren. Ca. 1984. Ich denke, es ist eher so, dass sich die große Hilflosigkeit in unserem Land ausbreitet. Nicht nur bei uns, dem „Volk“. Sondern auch bei den Regierenden. Die sind einfach überfordert. Mit der Krise. Den neuen Kommunikationsmöglichkeiten. den Problemen. Deswegen herrscht blinder Aktionismus, damit nur niemand merkt, wie sehr alle Hündchenpaddeln, damit sie nicht untergehen.
Und dann auch noch Wahljahr! Es ist unglaublich, was für ein Bullshitmultiplikator so eine Bundestagswahl sein kann! Da versprechen die einem das Blaue vom Himmel und hoffen, dass wir nicht merken, dass sie nicht mal die Absicht haben, es zu halten. Oder, viel schlimmer, dass wenn sie es halten, das Land noch viel tiefer in der Scheiße sitzt. Eigentlich sollte man nur die Partei wählen, die nicht versucht, einen zu verarschen. Aber gar nicht wählen ist auch böse.
Ich wäre ja dafür, dass es wieder so eine Art Notstandsgesetz gibt. Nur, dass da kein wahnsinniger Diktator die Macht bekäme, sondern alle gewählten Parteien auf einmal. Die müssten eine Regierung bilden, die sich aus Vertretern aller Parteien zusammensetzt, damit sich keiner rausreden kann. Gewählt wird erst wieder, wenn die Krise vorbei ist. Zur Motivation der Volksvertreter wird deren Gehalt und alle Vergünstigungen eingefroren Am besten wäre, sie dürften Berlin auch nicht verlassen.
Ich sollte das mal an die Bundesregierung schreiben. Aber ich bin so unmotiviert.

CU,
Skeltem

PS: ich konnte mich allerdings dazu motivieren, 3 Blogs zu verlinken: Das bildblog, die Ruhrbarone und den Spreeblick. Einfach mal reingucken.

Eskalation der Gewalt (2. Teil)

Veröffentlicht in komisch - ist aber so am Juni 14, 2009 von skeltem

Teil 1

In einem Coup eroberte von der Leyen im August 2009 den CDU-Parteivorsitz von der völlig verdatterten Angela Merkel. Man vermutet heute, dass der damalige Innenminister Wolfgang Schäuble maßgeblich zu von der Leyens Aufstieg beigetragen hatte. Die Familien- und Gedöns-Ministerin wurde zur Kanzlerkandidatin gekürt und zog mit der „Kinder, Uschi, Kirche“-Kampagne in den Wahlkampf. Die Jusos sangen zwar dagegen an „Uschi, mach kein’ Quatsch!“. Aber der Sieg von der Leyens ließ sich nicht aufhalten. In der Bundestagswahl im September 2009 erreichte die CDU zusammen mit der FDP eine sichere Mehrheit und von der Leyen wurde Kanzlerin.
Ihre Regierungszeit widmete die Kanzlerin ganz ihrem Kampf für Familie, Sicherheit, Ordnung, Sauberkeit, Pünktlichkeit und so weiter. Nach einem Amoklauf in Ostfriesland, bei der ein unzufriedener Fischer mit einem Schiffshaken 3 Angestellte einer Sparkasse angegriffen und fast verletzt hätte, erließ von der Leyens Innenminister Schäuble (CDU) ein Verbot von Koffein haltigen Getränken. Grund: Der Fischer hatte sich vor der Tat mit extrem starkem Tee aufgeputscht.
Aber die Gewalt nahm kein Ende. Jugendliche, denen der versprochene Ausbildungsplatz wieder gestrichen wurde, protestierten aggressiv Transparente schwenkend vor dem Werk Süd des Bayer Konzerns in Uerdingen. Justizminister Schäuble (CDU) ließ daraufhin prüfen, in wie weit man die Berichterstattung der Medien über derart brutale Aktionen einschränken lassen konnte.
Als es in einem Kindergarten im pfälzischen Haßloch zu unschönen Szenen kam, in der der dreijährige Matia T. seiner Krippenfreundin Leah B. ein „Mensch-Ärger-Dich-Nicht“ Brett an den Kopf warf und diese darauf ganz doll weinen musste, verbot von der Leyen höchstpersönlich alle Brettspiele. Die waren seit der „Lex Uschi“ sowieso schon ins Visier der Kinderschützer geraten. Familienminister Schäuble (CDU): „Schach ist ja eines der gewalttätigsten Spiele überhaupt. Und wenn Sie ganz genau hinsehen könnten man sagen, die Figuren ähneln Menschen, oder? Außer die Türme natürlich. Und die Pferde. Das Interview ist beendet.“
Derweil stieg die Kriminalität in der Republik sprunghaft an. Die Polizei hatte alle Hände voll damit zu tun, die jetzt monatlich erfolgenden Verbote der Regierung zu überwachen. Das organisierte Verbrechen nahm nie gekannte Ausmaße an. Die Mafias handelten mit Kaffee, Cola und „Die Siedler von Catan“ („Aggressive Marktstrukturen“, W. Schäuble CDU, Wirtschaftsminister).
Die Europäische Union schloss Deutschland im Jahr 2011 aus, nachdem Außenminister Westerwelle (FDP) vor dem EU Parlament in Straßburg seine Hose herunter ließ und den Deligierten seinen blanken Hintern zeigte. Vorausgegangen waren heftige Angriffe auf Deutschland, das versuchte seine Wirtschaftsmacht in die Schale zu werfen, um die „Lex Uschi“ europaweit durchzusetzen. Westerwelle musste daraufhin zurücktreten und seinen Platz nahm Wolfgang Schäuble (CDU) ein, der dafür das Verteidigungsministerium an seine Enkelin Tabea (PBC) abgab.
Am 23. Mai 2012 erschütterte ein weiteres Schulmassaker die gebeutelte Republik. Der 16jährige Arbeitslose Heiko W. tötete an seiner ehemaligen Hauptschule 14 Mitschüler, 7 Lehrer, den Hausmeister, die Katze des Hausmeisters, einen kleinen Hund, der zufällig vorbei lief und sich selbst.
In seinem Zimmer fand die Polizei mehrere Waffen, die er sich per Internet bestellt hatte. Weiterhin verbotene Rockmusik, Computerspiele, „Simpsons“-Comics, DVDs mit allen „Batman“-Filmen und, besonders übel, alle Folgen der Gewalt verherrlichenden Fernsehserie „Tom und Jerry“, die schon 2010 aus den Programmen genommen wurde und deren Kopien öffentlich vernichtet worden waren.
Untersuchungen der Polizei (zwischen zwei Einsätzen gegen radikale Rollenspieler) ergaben, dass W. sich alles legal über das Internet aus dem Ausland bestellt hatte. Offensichtlich hatte die Regierung versäumt, ihre rigide Gesetzgebung auf die Neuen Medien anzuwenden. Umfragen unter zufällig ausgewählten Jugendlichen ergaben, dass diese nicht einmal wussten, dass es die „Lex Uschi“ und die Folgegesetze gab. Ihnen war aufgefallen, dass „in der Glotze noch mehr Scheiß als sonst läuft“, aber „wer außer Luschen guckt noch fern?“
Die Regierung verspricht sich aber von einer neuen Technologie, die bereits erfolgreich in China erprobt wurde Abhilfe: „Jetzt kriegen wir das Interdingens in den Griff“, sagte Forschungsminister Schäuble der „Bild“-Zeitung, „ich habe mir von meiner Bürovorsteherin zeigen lassen, wie das geht und bin erschüttert. Aber die Bürgerinnen und Bürger können sicher sein, dass wir unsere Lektion gelernt haben. Von China lernen, heißt Siegen lernen. Deswegen haben wir unser Projekt auch ‘Den Großen Digitale Wall’ genannt. Natürlich macht sich die Opposition lustig über uns. Seien Sie versichert: Niemand hat vor, wieder eine Mauer zu errichten. Nicht mal eine dilletantische.“

Eskalation der Gewalt (1. Teil)

Veröffentlicht in Zeitnah, komisch - ist aber so am Juni 13, 2009 von skeltem

Nachdem Robert Steinhäuser im Jahr 2001 in seiner ehemaligen Schule 16 Menschen und sich selbst tötete wurde das Jugendschutzgesetz (JuSchG) der Bundesrepublik Deutschland verschärft. Steinhäuser hatte gewalttätige Computerspiele wie „Hitman“, „Heroes of Might and Magic“ oder „Half-Life“ konsumiert. Außerdem fand man DVDs mit Gewalt verherrlichenden Filmen (Fight Club, Predator, Der Herr der Ringe: Die Gefährten) in seinem Zimmer. Der Zugang zu diesen Medien wurde erschwert, damit sich so eine Tragödie nicht noch einmal wiederholt.
Aber die Tragödie wiederholte sich. Im November 2006 in Emsdetten, wo wie durch ein Wunder niemand außer dem Amokläufer getötet wurde und am 11.3.2009 in Winnenden, wo 16 Menschen starben. Die Täterprofile der drei Amokläufer stimmten in einem Punkt überein: Killerspiele! Und Filme. Und Musik. Und zwei der Täter waren Vereinsschützen. Und alle waren pubertierende Jungs, die von ihrer Umwelt abgelehnt wurden. Alle hatten psychische Probleme, die erst zu spät erkannt wurden. Aber alle spielten auch Killerspiele! Da beißt die Maus keinen Faden ab.
Deswegen beschloss die Innenministerkonferenz im Juni 2009 sämtliche Spiele zu verbieten, in der „Gewalt gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen“ „wirklichkeitsnah“ dargestellt wird. Beobachter meinen, dass die Innenminister besonders sauer waren, weil ihre geplante Verschärfung des Waffenrechtes gekippt worden war. Sie wollten verbieten, dass echte Menschen andere Menschen oder menschenähnliche Wesen mit Farbbeutel verschießende Waffen beharkten. Allerdings versicherten mehrere Experten glaubhaft, dass die Farbbeutel nicht tödlich seien. Versuchstiere überlebten ganze Salven und starben erst, als Wissenschaftler mit den Soft-Air Waffen auf sie einprügelten.
Einer Frau war das allerdings nicht genug. Die besorgte siebenfache Mutter Ursula von der Leyen (CDU), Familien- Jugendschutz-, Senioren-, Umtatata-Ministerin der Großen Koalition verschärfte den Vorschlag der Innenminister zu dem, was später die „Lex Uschi“ genannt werden sollte.
Sie ließ einen Gesetzesentwurf ausarbeiten, nach dem sämtliche Computerspiele außer einer sog. „Positivliste“ („Mein kleines Pony“, „Tetris“, „Excel“) verboten werden sollten. Der Entwurf hatte nicht sie geringste Chance, durchzukommen. Er verstieß auch eklatant gegen europäisches Recht, vom gesunden Menschenverstand mal ganz abgesehen.
Aber in Zeiten der Krise gelten andere Regeln. Kurze Zeit nachdem von der Leyen, weitgehend unbeachet*, die „Lex Uschi“ vorstellte ereignete sich eine besonders unappetitliche Tragödie in der Tannhäuser-Grundschule in Oer-Erkeschwick. Der neunjährige Luca-Leon R. zündete mehrere Mitschüler an, nachdem er sie mit Benzin gefüllten Luftballons (nicht, wie in der Bildzeitung stand, mit Kondomen) beworfen hatte. Zum Glück starb keines der Kinder, aber viele trugen schwere Verbrennungen davon. Luca-Leon behauptete, er sei ein „Feuermagier“ und seine Mitschüler „Trolle“. In seinem Zimmer entdeckte die Polizei einen PC und wie sich herausstellte, spielte der Junge als „T3h pwnz0r“ seit mehreren Jahren bereits mehr als 8 Stunden täglich das Online-Killerspiel „World of Warcraft“ (WoW). Seine allein erziehende Mutter Tanja R., die als Kassiererin bei „Minus“ arbeitete wusste von seiner Sucht, unternahm aber nichts, weil sie nach ihren 12-Stunden Schichten „froh war, wenn der die Klappe hält“.
Der Fall pwnz0r erschütterte die ohnehin schon gebeutelte Republik. Die „Lex Uschi“ wurde mit großer Mehrheit, auch von der FDP, verabschiedet und nach nur einer Lesung im Bundesrat durchgewunken. Experten und Medien feierten von der Leyen für ihren Mut und die Bevölkerung war entweder von den nun immer härter zu spürenden Folgen der Finanzkrise verunsichert oder uninteressiert.

Eskaliert…

*Außer von ein paar Nerds, die selbst niemand beachtete.

… des Todes

Veröffentlicht in Wissen schaffen, relativ religiös am Juni 7, 2009 von skeltem

Fortsetzung von: „Der Tempel…“

Aber der Tempel ist nicht allein ein bindendes, sondern auch ein ordnendes Instrument. Als Moses die zehn Gebote empfing, wurden die israelitischen Stämme allein von Stammesrecht bzw. gar keinem regiert. Sie waren ja Flüchtlinge. Genauso die Araber vor Mohammed. Der Prophet machte mit Blutrache und Infantizid Schluss. Er gab den Frauen tatsächlich einige Rechte, wo sie vorher reiner Besitz ihrer Männer oder männlichen Verwandten waren.
In der Tat kann man den Siegeszug der großen Religionsgemeinschaften auch damit erklären, dass sie ein funktionierendes Gemeinwesen aufbauten, das sich einer gemeinsamen Idee verbunden fühlte und so für viele Menschen zum ersten Mal so etwas wie Sicherheit brachte. Es ist den Tempeln zu verdanken, dass sie den Glauben der Menschen in Bahnen lenkten, die irgendwann als „zivilisiert“ bezeichnet wurden. Bleibt die Frage bestehen, warum wir dem Tempel nicht danken für alles und „Gute gemacht“ sagen und ihm eine gute Reise wo auch immer hin wünschen. Geh mit Gott, aber geh!
Die Frage ist sehr westlich. Sie geht davon aus, dass man den Tempel, also ‘Religion’, einfach aus dem Leben einer Gesellschaft herausschneiden kann. Das liegt vor allem daran, dass sich viele Menschen der Aufklärung nicht so ganz klar sind, was denn nun genau ihre Religion ist. Sie denken an die verschiedenen Kirchen. Dabei hat das neue Oberhaupt der katholischen Kirche eigentlich jedem deutlich sichtbar zu erkennen geben, dass der ‘Gott’ der Aufklärung die menschliche Vernunft ist. Der Tempel der Vernunft ist die Akademie. Die meisten so genannten Atheisten deifizieren (vergöttlichen) ihre eigene Schlauheit. Mit religiösem Eifer auch noch.
Moment! Wenn die Vernunft religiös sein soll, dann ist doch alles religiös, oder nicht? Ist dann nicht das ganze Argument für den Popo? Wenn alles Religion ist, dann ist gar nichts Religion. Es gibt durchaus Unterschiede. Und die „Vernunft“ die der Prophet Immanuel Kant in seiner heiligen Schrift „Die Kritik der reinen Vernunft“ so empor gehoben hat, ist eine machtvolle Idee. Eine bindende, befreiende Idee. Kant hat sie natürlich nicht „erfunden“. Er hat jedoch eine Reihe von Gedanken, die in Europa seit Jahrhunderten umher waberten eine Form gegeben. Die Aufklärer begründeten ein Symbolsystem, das die profane Wirklichkeit wunderbar machte. Was einfach als gegeben akzeptiert werden musste wurde zum Gegenstand von Untersuchungen und nichts schien dem forschenden Geist mehr lange verborgen bleiben zu können. Die Aufklärung gab uns die Idee, dass wir, wenn wir nur lange genug und mit den richtigen Methoden hinsehen würden, alles würden wissen können.
Wissenschaftler sind die Priester der Aufklärung. Schulen lehren ihre Prinzipien, die Akademien verbreiten die Lehre und forschen immer weiter auf das große Ziel hin: Alles zu wissen. Totale Kontrolle.
Die endgültige (zumindest hier) Antwort auf die Frage, warum es immer noch Tempel gibt muss also lauten: man wird die Scheißdinger einfach nicht los. Was vor allem daran liegt, dass Menschen keine Inseln sind. Sie leben in Gruppen und Gesellschaften und die müssen irgendwie miteinander klar kommen. Und wenn jeder glauben würde, was er will, wo käme man da hin? Horden, also erweiterte Familien in meist nomadischen Gesellschaften, kommen wahrscheinlich ohne Tempel aus. Die Gruppen sind einfach zu klein dafür und neben dem Kampf ums Überleben haben religiöse Spitzfindigkeiten keinen Platz. Aber selbst Horden besitzen Vorstellungen von Ahnen und Geistern, die innerhalb der Familie weitergegeben werden.
Das heißt nicht, dass die Tempel grundsätzlich eine gute Sache sind. Im Gegenteil. In der katholischen Kirche missbrauchten Priester hunderte von Kindern und Jugendlichen. Die Kirche deckte sie auch noch. Evangelikale Christen propagieren Hass gegen Homosexuelle, Abtreibungsärzte und Andersgläubige auf und schrecken auch vor Gewalt nicht zurück. Muslimische Organisationen fordern zum Terror auf oder bringen tatsächlich Tausende um. Radikale jüdische Siedler töten Palästinenser. Radikal-islamische Palästinenser töten Juden. Hindu-Nationalisten töten Moslems. Moslems töten Inder. Buddhisten töten Hindus. Wissenschaftler entwickeln immer perfektere Möglichkeiten, Menschen möglichst effektiv umzubringen Die Liste ließe sich fortsetzen. Man kann sie jeden Tag aus den Nachrichten aktualisieren.
Die Gräuel, die von Tempeln angerichtet werden haben viele Menschen, vor allem der Aufklärung, dazu gebracht, zu glauben, dass wenn man die Tempel abschaffe, man auch die Gräuel abschaffe. Das ist natürlich naiv. Erstens kann man die Tempel nur abschaffen, wenn man die Menschheit ausrotten würde und zweitens töten nicht Tempel Menschen sondern Menschen töten Menschen. Oft.
Die Sache ist doch die: gebt Menschen Macht und sie missbrauchen sie. Niemand ist davor gefeit. Wer jetzt sagt, dass Religionen eher dazu führen, dass Macht mörderisch missbraucht wird, dem sage ich: stimmt. Das liegt in der Natur der Sache. ‘Religion’ („Ein Symbolsystem, dass …“) erzeugt eine Wirklichkeit. Diese Wirklichkeit ist absolut, sonst wäre sie es nicht. Religiöse Wirklichkeit lässt keine halben Sachen zu. Es gibt einen Gott oder nicht. Deswegen sind religiöse Auseinandersetzungen immer so, dass sie ums Ganze gehen. Wir in Europa haben das auf die harte Tour gelernt. Im Westfälischen Frieden wurde festgelegt, dass Kriege nie mehr wegen Religion geführt werden sollten. Aber der Krieger der Aufklärung, Napoleon Bonaparte, führte wieder einen „totalen Krieg“. Dann wurden Kriege für die „Nation“ geführt. Die zwei größten Mörder des letzten Jahrhunderts waren keine ‘religiösen’ Männer (obwohl Hitler von sich selbst wohl als eine Art „Deutscher Messias“ dachte) bzw. sogar aggressiv antiklerikal. Heißt das, dass wir uns damit abfinden müssen, dass Tempel des Todes ein Teil unserer Wirklichkeit sind?
Nein, heißt es nicht. Und damit verlasse ich meine, sowieso nur mythologische, wissenschaftliche Objektivität. Wir müssen mit den Tempeln leben, denn sie sind ein Teil unseres Lebens. Die Tempel formen unser Denken. Sie zeigen uns, wie wir unsere Welt ordnen könne, was wir mit unseren Ideen anstellen können. Sie machen aus Glauben Sinn. Aber genauso werden die Tempel von den Gläubigen geformt. Eine der größten Erkenntnisse der Aufklärung war, dass wir frei sind, zu denken. Wenn wir es wagen. Im Zuge dieser Erkenntnis verloren die Tempel im Bereich der Aufklärung viel von ihrer Macht. Und damit auch die Priester. Und Priester ohne Macht können niemandem befehlen, die Ungläubigen zu töten, wo ihr sie trefft.
Das heißt nicht, dass die Aufklärung perfekt und ohne Fehl sei. Aber die Entmachtung der eigenen Tempel war ein großer Schritt nach vorne. Ich wünschte, dass andere Menschen sehen, was Europäer so blutig erkämpft haben und für ihre eigenen Gesellschaften anpassen. Aber durch unsere Geschichte von Intoleranz und Unterdrückung und der Verbreitung unserer Ideen durch das Schwert haben wir uns eigentlich jeden Anspruch auf Glaubwürdigkeit wieder verspielt.
Letztendlich sind die Tempel nur ein Teil unserer Wirklichkeit. Und wenn die anderen Teile statt Freiheit Tod bringen, was nützt die ganze Aufklärerei?

Der Tempel …

Veröffentlicht in Etwas ethnisch, Wissen schaffen am Juni 5, 2009 von skeltem

Wenn die meisten von uns das Wort „Religion“ lesen, denken sie an Kirche, Terroristen, Fanatiker, Atheisten (in Bussen), Langeweile, Papst und ähnliche Sachen. Die religiöseste Erfahrung, die die meisten Deutschen machen ist das Öffnen des Umschlages mit dem Zaster zur Kommunion/Konfirmation. Als ich neulich auf einer Konfirmation war, fragte ich mich wieder einmal, ob sich die Kirche nicht eigentlich selbst zerstört, indem sie ihrem Nachwuchs ein so leidenschafts- und blutarmes Bild bietet. Wie soll man in den albernen Liedern, salbadernden Predigten, leeren Ritualen echte heiße Religion verspüren? Die vom Hinterkopf zu den Augen wandert, den Körper schüttelt und einen von der Anwesenheit des Heiligen überzeugt? Die Antwort ist natürlich, dass die ganzen Riten solche Erfahrungen verhindern sollen. Hat uns Luther denn gar nichts gelehrt?
Der Religionspsychologe William James hat unter anderem die Entwicklung von Machtstrukturen in Religionen untersucht. Echte religiöse Erfahrungen sind bei weitem nicht jedem Menschen gegeben. Meistens werden diejenigen, die sie machen als Kranke oder verwirrte dargestellt. Einige Persönlichkeiten beeindrucken ihre Mitmenschen allerdings so, dass sie an die religiöse Herkunft der Erfahrung glauben und um die Figur des Charismatikers bildet sich eine Gruppe oder ein Kult. Diese Gruppe wird von der religiösen Orthodoxie, dem ‘Establishment’ meistens angefeindet und der Ketzerei, Abweichlertum oder Ähnlichem beschuldigt. Für die meisten war es das dann. Allerdings kann sich entweder die Person oder die Lehre des Kult Begründers als so ansteckend erweisen, dass die Orthodoxie zurückweichen muss. Sie versucht die neue Gemeinschaft dann entweder zu assimilieren oder abzustoßen. In ganz wenigen Fällen wird die Häresie zur neuen Orthodoxie und entwickelt ihrerseits nur Machtstrukturen, um ihre Lehre vor abweichenden Meinungen zu schützen.
Wer die Geschichte der „Hochreligionen“ kennt, dem wird das eben Geschilderte bekannt vorkommen. Allerdings hat James einige Dinge nicht bedacht. Zum Beispiel, dass sein Schema eben nur auf die drei abrahamitischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) und den Buddhismus so anzuwenden ist. Schon bei den vedischen Religionen (meist als Hinduismus bezeichnet) greift es nicht, weil dort die „Orthodoxie“ sehr flüssig ist. Und von den ‘traditionellen’ Religionen, die an bestimmte Gesellschaften geknüpft sind will ich gar nicht anfangen.
Deswegen hat die Religionswissenschaft andere, weitaus passendere Ansätze entwickelt. Wie zum Beispiel Wilfred Cantwell Smith, der den Begriff ‘Religion’ aus hier auch schon genannten Gründen, ablehnte und lieber von ‘religiösen Traditionen’ sprach. Heutzutage ist es usus, von Religionen als einem ‘Symbolsystem’, das auf die Errichtung einer umfassenden Wirklichkeit abzielt’ zu reden.
Warum habe ich James zitiert? Weil er, wie später Smith, betont, dass religiöse Gemeinschaften und religiöse Erfahrung nicht unbedingt zusammengehen. Wer mir in diesem Thema bisher gefolgt ist, hat festgestellt, dass ‘Religion’ ein gesellschaftlicher Faktor ist. Oder, um es weniger nett zu sagen: ein Machtmittel.
Gehen wir einen Schritt zurück. Lasst uns das tun, was wir in der Aufklärung gelernt haben: analysieren, also zerschneiden. Ich trenne ab hier den Glauben, also die kognitive Ordnung der Lebenswelt aufgrund eines erlernten oder erfahrenen Symbolsystems von der religiösen Institution. Die Institution nenne ich mal den „Tempel“.
Die Frage ist jetzt: warum überhaupt ein Tempel? Können wir nicht einfach glauben und die gesellschaftlichen Ordnungsfragen den profanen weltlichen Behörden überlassen? In der Tat ist es im Gebiet der aufgeklärten Welt so. Mann nennt das auch Laizismus oder die Trennung von Staat und Kirche. Und viele Aufgeklärte hielten den Laizismus für das Ende der Religion. Denn, mal ehrlich, wenn die Kirche nicht herrscht und ihre Ideen überkommen sind, wer braucht sie noch? Einfache Antwort: alle.
Komplizierte Antwort: Für diese Miszelle setze ich noch mal voraus, dass wir alle darüber einig sind, dass jeder Mensch glaubt. Aber dieser Glaube ist zu einem großen Teil ‘kalt’. Damit meine ich, dass die wenigsten Menschen genuin religiöse Erlebnisse haben. In der Aufklärung natürlich noch seltener als z.B. bei mystischen Sekten oder Pfingstkirchen. Aber Menschen tendieren dazu, erst mal ihr Leben leben zu wollen. Das Heilige ist immer wieder gern gesehen (oder auch nicht) aber das Rollen, In-Zungen-Sprechen. Trance, Ekstase, Gotteserlebnis überlässt man doch gerne den Fachleuten. Sprich: dem Tempel und seinen Priestern. Statt der ‘heißen’ Religion, die in der Seele brennt und einen der profanen Welt entrückt bevorzugen die meisten die Riten des Tempels.
Der Ritus ist nicht nur eine Glaubensbekräftigung und damit ein beruhigender Beweis, dass die Welt immer noch die Welt ist. Riten haben auch eine verbindende und damit soziale Kraft. Sie schaffen eine gemeinsame Identität. Sei es beim gemeinsamen Gebet, Hochzeiten, Initiationsriten oder kollektiver Trauer bei Bestattungen. Der Tempel ist der Ort an dem Glaube zu Gesellschaft wird.

Wird fortgesetzt…