In Coburg ist mal wieder der Teufel los. Bzw. die Burschen sind los. Ihr wisst schon. Burschenschaften, schlagende Verbindungen, Männer mit albernen Käppis auf dem Kopf, Narben im Gesicht und einen Schritt vom Alkoholiker entfernt.
In Moers war Pfingsten immer eine große Sause, weil immer Jazz Festival war. Wir haben zwar nie Jazz gehört, ugh, aber das drumherum erinnerte immer an Woodstock, freie Liebe, Drogen, Blumen, Drogen, Sex. Na ihr wisst schon. Coburg hat den „Coburger Convent„. Aber das wollte ich eigentlich gar nicht erzählen.
Wenn in Coburg mal was los ist, hängen sich alle dran. Sprich, ganz Coburg nutzt die Gelegenheit, mal so richtig die Sau durchs Dorf zu treiben. So auch, und gerade wohl, die Bauern aus der Umgebung.
Samstags ist immer Bauernmarkt. Lapis und ich ergreifen dann die Gelegenheit, gut und günstig lokale Produkte zu kaufen. Wozu sind wir Ökos und Grüne? Gestern, wie oben gesagt, die Gelegenheit nutzend, hatten die Bauern eine Werbeaktion gestartet. Ein kleiner Stand, an dem Pamphlete verteilt wurden, in denen zu lesen war, wie gut es doch sei, seine Sachen vor Ort zu kaufen und keine Erdbeeren aus Peru einfliegen oder Äpfel aus Südafrika um den halben Globus schwimmen zu lassen. Und eine Kuh!
Keine echte, sondern aus Plastik mit künstlichen Zitzen, die Wasser statt Milch gab. Wer wollte, konnte sich im Melken probieren. Es gab sogar einen kleinen Wettbewerb.
Und jetzt kommt ein Grund, warum ich Lapis unter anderem so liebe: sie verblüfft mich immer wieder! Begeistert meldete sich als Melkerin, ging an die Zitzen und … melkte. Was das Zeug hielt! Mir, und einigen Umstehenden, fiel der Unterkiefer gen Fußgängerzone.
Es erübrigt sich wohl zu sagen, dass meine Frau den Wettbewerb gewann und einen Präsentkorb voller Bio-Lebensmittel nach Hause brachte. Es scheint, dass ich nicht nur eine schöne, intelligente, witzige Frau geheiratet habe, sondern auch eine, die ihren Mann versorgen könnte, wenn wir nichts weiter hätten als eine Kuh.
Schade, dass ich gegen Milch allergisch bin.
Archiv für Mai, 2009
31.5.2009: Milchmädchen
Veröffentlicht in Coburg, HomeStory am Mai 31, 2009 von skeltem… behindert wird man
Veröffentlicht in Gehör gefordert, HomeStory am Mai 27, 2009 von skeltemNazi-Vergleiche sind böse. Im besten Fall sind sie geschmacklos, im schlimmsten kriminell. Nur Leute, denen das letzte Bisschen Argumentation verloren geht, schmeißen auch jeden Anspruch auch Ernsthaftigkeit über Bord, um ein letztes: „Hitler war auch Vegetarier!“ in eine Diskussion zu rotzen und dann den erbärmlichen Tod einer Lachnummer zu sterben. Und Politiker. Und Bischöfe. Und Leute, die auf der dritten Seite eines Forenthreads schreiben.
Trotzdem. Als meine Mutter am Ende eines langen, anstrengenden und demütigenden Tages mit der Deutschen Bahn sich in dem Waggon für gesellschaftliche Randgruppen (Radfahrer, Eltern mit Kleinkindern, Behinderte) „Viehwagen“ auf unseren Block kritzelte, konnte ich den unwillkürlichen Gedanken an andere Waggons, als die Bahn noch Reichsbahn hieß, nicht ganz unterdrücken. Vielleicht lag es auch dran, dass wir in Würzburg den „Zug der Erinnerung“ gesehen hatten. Der hatte zumindest in meinem Fall dann ganze Arbeit geleistet.
Vorausgegangen war, wie gesagt, ein Tag auf Schienen. Bzw. auf kalten zugigen Bahnsteigen, eingeklemmt zwischen Türen, unter den gleichgültigen Blicken von „Helfern“, der freundlichen Güte von Fremden, der ständigen Angst, den Zug zu verpassen, Langeweile und schließlich im „Viehwagen“.
Wenn ich den Tag in einem kurzen Statement zusammenfassen sollte, würde der wohl: „Fahrt nicht mit der Bahn! Jedenfalls nicht, wenn ihr gehbehindert und auf Hilfe angewiesen seid.“ lauten. Seit der Zeit, in der Frachtwaggons so schrecklich missbraucht worden sind, ist die Bahn weit gekommen. Alles ist modernen geworden. „Modern“ ist im Falle der Bahn kein besonders positives Wort. Zwar setzt man jetzt Züge ein, die auf etwa 100 KM im deutschen Schienennetz eine Spitzengeschwindigkeit von einer hundertstel Astronomischen Einheit pro Stunde erreichen können. Diese tollen Züge sind aber notorisch verspätet, was den Geschwindigkeitsvorteil ad absurdum führt. Darüber hinaus sind sie unbequem und sehr sehr teuer.
Es ist irgendwie süß anzusehen, wie die Bahn sich um die Gesundheit ihrer Kunden sorgt. Sie hat sich ein sportliches Programm ausgedacht, das jedem Sporthotel zur Ehre gereichen würde. Zum Beispiel sind die Bahnsteige mindestens eine Bundesjugendspiel-Urkunde im Weitsprung weit vom Zug entfernt. Irgendwann hat ein Ingenieur sich Regionalzüge ausgedacht, deren Einstieg mit der Bahnsteigkante abschließt. Ich schätze,der Mensch wurde gefeuert. Denn die nächste Generation fügte dem Zug-Fitnessprogramm neben dem Weit- auch noch den Hochsprung zu. Und ein paar Treppen. Im Zug.
Damit die Ausdauer nicht zu kurz kommt, gibt es beim Umsteigen die Sprints. Die Züge sind normalerweise schon so geplant, dass man höchstens 5-6 Minuten zum Umsteigen hat. Allerdings kommen sie selten zu dem exakten Zeitpunkt an. Und sich darauf zu verlassen, dass der Anschlusszug auch verspätet ist, heißt das Schicksal herausfordern. Also sieht man schwer beladene Reisende ihre Fitness beim „Treppe runter rennen, Baby verlieren, Baby wieder einsammeln, Uhr checken, Panik kriegen, Treppe rauf rennen, Bby in den Zug werfen, in den Zug springen“ steigern.
Und weil „Wellness“ so hip ist, hat die Bahn ein Programm für die seelische Ausgeglichenheit entwickelt. So kann man sich, während man auf den Zug wartet, in Zen-Medidation üben. Man kann sich vor Augen führen, dass man ein Nichts ist, wenn man versucht, mit dem Kundendienst und/oder Schaffner zu verhandeln. Die Stoiker frohlocken, wenn sie erfahren, dass ihr Anschlusszug weg ist, sie den letzten Zug nach Hause verpassen und sehen müssen, wo sie bleiben. Nein, Entschädigungen gibt es nur im Fernverkehr. Das ist Ihr Problem, nicht meins. Wer unter diesen Umständen nicht das Tutzinger Bahnhofsmassaker veranstaltet, kann auch gleich ins Nirvana eingehen.
Dass die Bahn auch ein Herz für Kinder hat, beweisen immer wieder besorgte Schaffnerinnen und Schaffner, denen die Gesundheit der jungen Bahnreisenden am Herzen liegt. Sie bringen die Sport geforderten Jugendlichen deswegen häufig dazu, auszusteigen, und sich körperlich zu betätigen. Auch nachts. Ich sehe Peter Lustig mit DB-Mütze förmlich vor mir: „Und jetzt, du weißt schon. Einfach mal aussteigen, ne?“
Leider gilt das Fitnessprogramm der Bahn nur schon gesunden Menschen. Wenn man behindert ist, ist Bahn fahren die Hölle. Wir haben zwar Atteste, die uns vom Sport befreien, aber das interessiert die Bahn nicht. Viele Bahnhöfe haben keine Aufzüge. Wie soll man im Rollstuhl die Treppen bewältigen? Die Umsteigezeiten sind für gesunde Menschen knapp. Sollen ältere und gehbehinderte stundenlanges Warten auf Bahnhöfen in Kauf nehmen? Überall steht „Achten Sie auf die Durchsagen“ wegen Gleisänderungen. Das ist toll. Ich kann zumindest hören, dass das eine Durchsage ist. So wie die anderen Millionen Schwerhörigen. Gehörlose fragen sich da wenigstens nicht, ob es sie wohl betrifft. Die Durchgänge im Zug sind zu schmal für Rollatoren und Rollstühle. Letztere kommen sowieso nur mit Hebebühnen in die Züge rein. Und es sind ja nicht nur behinderte Menschen, sondern auch Senioren und Familien mit Kleinkindern für die Bahn fahren eine Tortur ist.
Meine Mutter jedenfalls will das nächste Mal wieder fliegen. Und die meisten Menschen mit Handicaps werden, wenn sie können, lieber das Auto nehmen. Die Bahn kommt – aber wir kommen nicht rein.
23.5.2009: Behindert ist man nicht ….
Veröffentlicht in Gehör gefordert, HomeStory am Mai 23, 2009 von skeltemSkeltem: Guten Tag. Ich hätte gerne eine Sperrmüllkarte.
Freundliche Gisela Schlüter Imitatorin im Coburger Bürgerbüro: Ulartnicherabaieönnachufn.
S: Äh, verzeihung. Ich kann Sie nicht hören. Können Sie bitte etwas langsamer reden?
FGSiICB: Esgibtkeinearteabaieonnach an ru fen.
S: Um. Anrufen?
FGSIiCB: Aischreibieumaauf.
S: Sie müssen die Nummer nicht aufschreiben. Ich bin gehörlos. Ich kann nicht telefonieren.
FGSIiCB: Sieöreich? Aiedasoch.
S: Das habe ich Ihnen doch eben gesagt. Kurz vor: „Können Sie bitte etwas langsamer sprechen?“
FGDIiCB: KennenSie niemandenerachufnan?
S: Meine Frau. Aber die muss arbeiten und es wäre mir lieber gewesen, das selber zu erledigen.
FGSIiCB: Ie önn auumofar.
S: Äh, was?
FGSIiCB: IE ÖNN AUUMOFAR!
S: Ich bin taub, nicht schwerhörig. Wenn Sie langsam und deutlich reden, kann ich von Ihren Lippen absehen. Ich höre ein wenig mit diesem …. Wertstoffhof?
FGSIiCB (mit ‘na also, geht doch’ Miene): Ja, ingieochachenin.
S: Wir haben gar kein Auto.
FGSIiCB: Dann mussohlireauufn.
S: Die wird sich freuen. Kann man vielleicht im Internet…?
FGSIiCB: Nein.
S: Na, dann schreiben Sie mir bitte die Nummer auf. Warum gibt es denn keine Karten mehr?
FGSIiCB: Um das System Bürger freundlicher zu machen.
S: (seufzt)
Türkçe Düğün
Veröffentlicht in Etwas ethnisch, HomeStory am Mai 21, 2009 von skeltem Ich lese gerade ein Buch über den Dreißigjährigen Krieg (1618-1648, 30 Jahre) und in diesem werden die Deutschen des ausgehenden 16. und beginnenden 17. Jahrhunderts charakterisiert: „Zu dieser Zeit war Deutschland in ganz Europa durch nichts so sehr berühmt wie durch Essen und Trinken. ‘Ochsen’ , sagten die Franzosen, ‘hören auf zu trinken, wenn sie nicht mehr durstig sind; die Deutschen fangen dann erst an.’ Reisende aus Spanien und Italien waren gleichermaßen erstaunt über die ungeheure Völlerei und den Mangel an Unterhaltungsgabe in einem Land, in dem die Wohlhabenden aller Klassen unter dem ohrenbetäubenden Lärm einer Blechmusik stundenlang bei Schmaus und Trunk saßen.“* Hört sich doch an, wie das Oktoberfest.
Was hat das mit einer türkischen Hochzeit zu tun, um die es ja in der Überschrift geht? Weil in diesem Absatz der kulturelle Abgrund zwischen der Türkei und Deutschland in seiner ganzen Tragweite offenbar wird. Vergesst Religion. Vergesst Politik. An ihren Festen sollt ihr sie erkennen.
Eine türkische Freundin, D, heiratete ihren deutschen Freund, M.. Die deutsche Hochzeit war schon vor Monaten. Ich war indisponiert, aber Lapis berichtete von „ungeheurer Völlerei“. Von Blechmusik sagte sie nichts, aber ich nehme an, es war laut.
D.s Familie war natürlich auch anwesend, bzw. ein kleiner Teil ihrer Familie. So ca. 50 Personen. Bei der Beschreibung von Lapis’ Mischpoche habe ich leider schon sämtliche Superlative aufgebraucht, die alles in allem beschreiben, na ja, dass sie groß ist. D.s Familie ist größer. Viel größer. Ich zögerte, ob ich auf die Hochzeit gehen sollte. Verschiedene Dinge sprachen dagegen, aber ich dachte: D. ist enttäuscht, wenn keiner kommt. Ahahahaha. Was genau habe ich wohl an Lapis’ Aussage, sie hätten einen mittelgroßen Festsaal gemietet nicht verstanden? Weil ich ein Deutscher und als solcher auf eine stolze TraditonFressbeuteln zurückblicken kann machte ich einen verhängnisvollen Fehler: ich ging hungrig zu der Feier und in der Annahme, gefüttert zu werden.
Der Festsaal befand sich in einem Dorf an der Grenze. Es liegt an der Grenze zwischen Oberfranken und Thüringen und wenn es noch kleiner wäre, würde man es ein Haus nennen. Geographisch und kulturell liegt es am Ereignishorizont des langweiligsten Schwarzen Loches, das man sich vorstellen kann. An einem Ort, an dem Zeit und Raum eins werden: Ödnis. Als einzige Attraktion hat der Ort einen großen Saal, den man mieten kann. Das muss man sich überlegen. Und dann versuchen, nie wieder dort zu landen. Auch nicht per Zufall.
Aber die Feier war sehenswert. Es waren mindestens die angekündigten sechs hundert (600!!) Personen anwesend. Der mittelgroße Festsaal hätte gut und gerne alle ca. 2000 Seelen des Dorfes beherbergen können, in dem er sich befand. Von den Anwesenden schätzte ich etwa ¾ als Vorderorientalen ein. Die deutsche Fraktion hockte in mittendrin und guckte von interessiert bis zu unbehaglich auf das Gewimmel der erweiterten Brautfamilie. Diese hatte überhaupt keinen „Mangel an Unterhaltungsgabe“.
Während die Mitteleuropäer gesittet auf ihren Bänken klebten, an ihren wenigen Getränken nippten (es gab zwar Bier aber in homöpathischen** Dosen) und dem wachsenden Hungergefühl mit bereit stehenden Knabbereien begegneten, liefen die Orientalen in fröhlichem Chaos durch die Gegend. Jeder schwatzte mit Jedem und die Kinder (viele Kinder!) spielten dazwischen. Es war eine sehr lebendige Feier.
Dann spielten eine türkische Band auf. Weil ich meinen Prozessor ausgeschaltet hatte, bekam ich es nicht mit, aber es wird nicht der „Schneewalzer“ gewesen sein. Lapis meinte, sie seien gut gewesen. Jedenfalls hielt es niemanden mehr auf den Stühlen (außer an den deutschen Tischen) und die Leute, jung und alt, Mann und Frau und Kind stürmten nach vorne, um zu tanzen. Das war dann auch am Rest des Abends so.
An den deutschen Tischen waren inzwischen die Knabbereien rar geworden und man sah erste Verrohungstendenzen beim Kampf um die letzte Salzstange. Gestresste Familienväter, Bier benötigend, wurden immer unruhiger. Mein Magen knurrte hörbar und es war mir nicht mehr peinlich. Die Türken tanzten.
Einige Deutsche, Lapis unter anderem, gesellten sich zu dem fröhlichen Treiben und hatten „Spass für ‘ne Mark“. Ich beneidete sie. Irgendwann kam dann tatsächlich etwas zu Essen. Mehr so als Nebensache. Ich glaube, die Türken haben nicht mal alle etwas gegessen. An meinem Tisch wurde „ur-teutsch“ geschlungen und verzehrt und gevöllt. Und, ja, ich schäme mich nicht es zu sagen: Ich war glücklich.
* C.V. Wedgwood, „Der Dreißigjährige Krieg“, 1983
** zumindestr für deutsche Feier-Verhältnisse
15.5.2009: Satz mit X
Veröffentlicht in Allgemeines am Mai 15, 2009 von skeltemDas war wohl nix!
Wenn ich schon was ankündige *schmoll*
Also: Diese Woche ist Essig mit Miszellen. Aus diversen Gründen. Vor allem aber, weil ich ne dicke Erkältung habe.
Das Gute: Ich war das letzte Mal vor 15 Jahren in Mexiko, also wird’s keine Schweinegrippe sein.
Ich würde ja sagen, dass es nächste Woche wieder Mszellen gibt, aber man soll das Schicksal nicht mehr als nötig herausfordern.
*hatschi*
Skeltem
11.5.2009: … ich komm’ wieder, keine Frage.
Veröffentlicht in Allgemeines am Mai 11, 2009 von skeltemHallo Alle.
Sorry sorry sorry.
Seit Anfang Mai ist meine Mutter (Rosina, die mit den „Yesilköy“ Miszellen) im Lande.
Wir haben viel Spaß und viele Termine und sie hält mich ganz schön auf Trab. Am Mittwoch, spätestens Donnerstag, gibt es eine neue Miszelle.
Skeltem
PS: Zur Überbrückung das süßeste YouTube-Video: