Neulich war ich beim „Minus“ um die Ecke, Da gibt es preiswerte Bioprodukte. Meine Frau und ich sind zwar ökologisch bewusst, aber auch nicht blöd. Ich habe die Sojamilch, Tofu und die guten Grünkernfrikos für 1,99 in der Hand, da fällt mir ein, dass ich gar nicht weiß, ob ich genug Geld mitgenommen habe. Also gehe ich ein Stück von der Kasse weg, weil ich die Leute nicht aufhalten will. Schließlich ist Mittagszeit und der Laden recht voll.
Während ich nun versuche, die Tüte mit der Sojamilch, die Ein-Kilo Packung Bohnenquark und die Buletten zu jonglieren und dabei mein Portemonnaie aus der Gesäßtasche zu angeln (ich weiß, dass es einfacher gewesen wäre, das Zeug einfach abzustellen, aber ich bin eben ein echter Mann), kommt eine Kundin mit einer Packung Cräcker, Frischkäse und einem Bund Stangensellerie an die Kasse. Sie lächelt nett. Ich lächele nett zurück, verliere dabei fast die Reismilch und murmele: „Wenn sie wollen, können sie vor. Das dauert noch eine Sekunde hier”. Sie bedankt sich und legt ihre drei Teile auf das Band. Dann geht sie schnell zurück in den Laden. Und holt den Rest. Plötzlich schleppt die 2 volle Einkaufwagen an. Und ihren Freund. Ich denke, ich spinne.
Aber da ich den Freund aus Funk und Fernsehen erkannte, er spielt dort öfter Gebirgsmassive oder Wolkenkratzer, denke ich nur ‘Du und dein Großes Maul!’ und sage nichts.
Die Supermarkt-Kassenfachkraft (Minijob) arbeitet sich ne Sehnenscheiden Entzündung an, während Cräcker dümmlich grinsend daneben steht und der Berg das ganze Zeug in Tüten verpackt. Hinter mir bildet sich eine Schlange bis zur Tiefkühlnahrung.
Als dann, nach etwa einer halben Stunde alles abgezogen ist und die Kassiererin und der Freund fast am Ende ihrer Kräfte, greift der Frischkäse plötzlich in eine Tüte, holt ein Packung Butter raus und kreischt durch den ganzen Laden: „Och nee! Das ist ja gar keine Letta! Ne, das Zeug will ich nicht. Klaus? Hast du das eingepackt?“ Das Klaus-Massiv murmelt etwas und seine Frau/Freundin/Heimsuchung schmeißt der erschöpften Kassiererin die Butter hin und verlangt, sie zu stornieren. Die ersten Kunden hinter mir murren laut und einigen verlassen auch schon den Laden. Ich bin eingequetscht zwischen dem Drama an der Kasse und einem heftig schwitzenden Dicken hinter mir und muss das alles mit morbider Faszination ansehen. Das ist wie ein Verkehrsunfall. Oder ein Mob in Vorbereitung. Rieche ich schon die Pechfackeln?
Um zu stornieren, muss der Filialleiter gerufen werden, der vermutlich wie die anderen Lohnsklaven gerade Mittag macht.. Der kommt dann auch irgendwann, bongt die Butter aus und ich überlege, wann die Euphoriephase des Sauerstoffentzuges wohl einsetzt. Außerdem tun mir die Arme weh.
Ich habe einen Logenplatz, also weiß ich, dass Klaus und Lady Letta € 235,67 zahlen müssen. Ich schließe meine Augen, zähle bis drei und, richtig: „Mooment, das habe ich passend“. An dem Punkt bin ich kurz vor der Hysterie. Klaus guckt zwar komisch, als ich ein glucksendes Kichern von mir gebe, aber die beiden Frauen waren zu sehr damit beschäftigt, den Inhalt von „Ich habe nur drei Teiles“ Geldbeutel zu inspizieren, als auf mich zu achten. Ihr ahnt es sicher. Sie hat nur € 235,63 im Portemonnaie, also überlegt sie, welches Teil sie zurück gibt.
Jetzt scheint sie aber auch die aufgebrachten Menschenmassen hinter sich zu bemerken, die Schilder wie „We want to go home!“ oder akkurat gezeichneten Karikaturen von Cräcker und verschiedenen Todesarten zeigten. Das beunruhigt sie dann doch. Sie zuckt mit den Schultern und murmelte „Mein Gott, man kann sich auch anstellen!“. Zum Glück kommt niemand am Schwitzer vorbei, denn sonst wäre ich vermutlich als Kollateralschaden in die Geschichte von Coburgs erstem Supermarkt-Massaker eingegangen.
Sellerie fummelt unter lauten „Hallo“ und „Mami!“ und „Ich muss mal!“-Rufen ihre EC Karte heraus und erinnert sich tatsächlich nach nur zwei falschen Anläufen an ihre Geheimnummer. Sie packt Mount Klaus und ihre gesammelten Einkäufe ein und rauscht ab. Jubel bricht aus, wildfremde Menschen liegen sich in den Armen und ich schluchze ein bisschen in den Tofu.
Da stellt die Kassiererin das „Bitte andere Kasse benutzen“ Schild auf und läuft so schnell sie kann in ihre Mittagspause.
Tja, so kam das mit den Unruhen. Wenn jemand das hier findet: Bitte sagen Sie meiner Frau, dass ich sie liebe und der Polizei, dass ich im Minus-Markt Marktstraße, Ecke Schneidergasse bin. Ich habe mich hinter dem Toilettenpapier versteckt. Die Reismilch ist alle und ich höre die Leute von den Tiefkühltruhen kommen. Bitte!
Die Lady Letta und Klaus Katastrophe
Die URI zum TrackBack dieses Beitrags lautet: http://skeltem.wordpress.com/2009/03/27/die-lady-letta-und-klaus-katastrophe/trackback/
Klasse!
Aber hallo!
(Da steh ich auch immer nur dumm daneben weil ich sonst im Weg umgeh)
Richtig super geschrieben, hat mir grad mit einigen lauten Lachern den Tag gerettet… auch wenn ich mir zeitweise nicht sicher war, ob ich in Lady Letta und Klaus Katastrophe net meinen Freund und mich wieder erkenn… aber natürlich nur wenns ums einpacken geht.
YES!!
Übelst geil !