Die Miszellen melden sich zurück. Endlich. Und welches Thema sollte der erste Beitrag besser behandeln als das inoffizielle Wort des Jahres 2008? Olympia!
Quatsch. ‘Krise’ natürlich. Das Jahr sah den Kollaps des Siegers im Kalten Krieg ‘45 bis ‘89, Kapitalismus. Was ist nicht alles zusammengebrochen? Wall Street, Island, die bayrische Landesbank und unser Oma ihr klein’ Häuschen, um nur einige Opfer zu nennen. Und das war offenbar noch nicht alles, wenn man gewöhnlich gut informierten Wirtschaftsjournalisten glauben darf. Selbst unserer Wohlfühlkanzlerin wird es ganz klamm unter ihrem Mop, wenn sie an das Jahr 2009 denkt. Wenn die Amis uns, wie immer, alles vormachen, dann dürften bald sehr viele Menschen sehr viel Freizeit haben.
Das alles läuft unter dem Oberbegriff ‘Finanzkrise’. Wahrscheinlich könnt ihr das auch nicht mehr lesen. Der Wirtschaftsteil unserer Tageszeitung ist seit dem Ende der (Finanz)Welt paradoxerweise ja auf das Doppelte angeschwollen. So sehr beschäftigen uns die verschiedenen Fehlschläge, -kalkulationen und -tritte der „Elite“. Offensichtlich wurde die Welt des Geldes endlich vom langen Arm der Naturgesetze eingeholt. Allen voran der Thermodynamik.
Denn allen mit einem Bisschen gesundem Menschenverstand hätte eigentlich klar sein müssen, dass so etwas wie unbegrenztes Wachstum, auf dessen mehr als wackeligem Fundament die kapitalistische Wirtschaft ja gebaut wurde, rein physikalisch unmöglich ist. Aber beim Geld hört bei vielen Menschen ja alles auf. Schon der Gautama-Buddha (das ist DER Buddha) sah in der Gier (‘tanha’, wörtl. Durst) eine der Ursache für das Leiden auf der Welt. Wenn man sich die Geschichte seitdem anguckt und den Öl-Durst der modernen Welt in Betracht zieht, wird das Leiden auch nicht so bald aufhören.
Aber eigentlich wollte ich ja etwas über Krisen sagen. Eine Krise markiert den Wende- oder Höhepunkt eines länger andauernden Niedergangsprozesses. Die Krise setzt ein, wenn klar wird, dass der Status Quo nicht aufrecht erhalten werden kann. Im Idealfall kann eine Krise eine Chance sein, verkrustete Strukturen zu ändern. Wenn das Aufrechterhalten eines gegebenen Zustands etwa aufwändiger ist als eine Reform. Und der Niedergang ist immer mit Leiden verbunden. Also besser „ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“.
Diverse Währungsreformen beendeten so erfolgreich Krisen, zum Beispiel 1948. Oder die Wahl 1998 beendete die Kohl-Krise, unter der Deutschland jahrelang zu leiden hatte.
Auf der anderen Seite gibt es Krisen, die schier nicht enden wollen. Die „Nahost-Krise“ zum Beispiel, die ca. 70 nach Christus begann, als eine europäische Großmacht ein Volk aus dem nahen Osten delogierte (Super Wort! Danke Österreich.) und eine andere europäische Macht sie knapp 1900 später wieder einmietete. Die neuen Mieter waren darob sauer und der Streit der feindlichen (Zwangs-)Nachbarn daurt bis heute an.
Überhaupt. Europäer. 90% der Krisen sind überhaupt erst entstanden, weil Europäer (und ausgewanderte Verwandte) sich in Dinge eingemischt haben, die sie erst mal überhaupt nichts angingen. Und als ihnen das um die Ohren flog, haben sie schnell alles wieder gut machen wollen und vor allem allen alles Recht. Zivilisation wollten sie in den Busch, die Berge und nach Bayern bringen. Deswegen bauten sie Häuser für Hutu und Tutsi, Paschtunen und Hasara, Franken und Bayern. Plötzlich waren Menschen Nachbarn, deren Kultur einander so sehr widerspricht wie die eines Klassik-Fans und Anhängern von DJ Ötzi. War man sich vorher bestenfalls egal, lernten sich die Menschen innerhalb von ein paar Jahren erst richtig zu hassen. Aber weil jeder das Haus haben will, gibt es nun überall auf der Welt Mord und Totschlag. Denkt mal an einen Streit unter Geschwistern, wenn es darum geht, das Haus der Eltern nach deren Ableben aufzuteilen. Nur, dass man eben nicht einfach die Anwälte einschalten kann und sich ansonsten für die nächsten 10 Jahre aus dem Weg geht.
Jetzt bin ich mal wieder „von Höcksken auf Stöcksken“ gekommen, wie man am Rhein sagt. Das mit den Krisen wird und (alle!) jedenfalls noch etwas begleiten und nicht nur in den Miszellen. Persönlich hatte ich in den letzten Monaten eine gesundheitliche Krise. Wie gesagt, die Miszellen sind nicht die Apotheken-Rundschau, aber bis vor kurzem fühlten sich meine Augen wie mein persönlicher Naher Osten an. Ob die Krise überstanden ist und ein neuer Status Quo erreicht ist, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Aber vor allem habe ich keine Entschuldigung mehr, nicht mehr zu schreiben. Macht daraus jetzt, was ihr wollt