Jeder Junkie wünscht sich, dass die Droge seiner Wahl in unbegrenzten Mengen preiswert zur Verfügung steht. So gesehen ist für uns (fast! Ich kann jederzeit damit aufhören.) Internet Abhängige eine Breitband Anbindung plus Flatrate ein Traum. Der kann allerdings schnell zum Alptraum werden, wenn die Tücken der Technik zuschlagen.
So ging es mir am Samstag. Eben noch einen cleveren (HA!) Beitrag in meinem Lieblingsforum gepostet, und plötzlich ging nichts mehr. Nachgesehen und – richtig – die grüne „Leuchtdiode of Doom“ blinkt am Router. Kein Kontakt zu einem DSL-Server. Argh!
Da das nicht zum ersten Mal vorgekommen ist und es bislang jedes Mal ein temporärer Ausfall war, machte ich ein paar Atemübungen, widerstand der Versuchung in Panik zu verfallen und ging statt dessen Lapis auf die Nerven. Zwischendurch (so etwa alle 5 Minuten) ging ich immer mal wieder im Flur nachschauen, ob das Blinken dem beruhigenden konstanten Leuchten gewichen war. Pustekuchen.
Gegen Abend hielt ich es dann nicht mehr aus und werkelte an dem System rum, in der Hoffnung (?) dass es an unserer Seite lag und nicht bei Freenet. Aber es lag entweder nicht an uns oder so sehr, dass ich es nicht feststellen konnte. Jedenfalls verbrachte ich außergewöhnlich viel Zeit mit anderen Dingen. Hauptsächlich damit, mir den Schweiß abzuwischen.
Sonntag stand ich dann tatsächlich um 8 Uhr morgens auf, um zu sehen, ob es wieder geht. Nix. Blink,blink. Scheiße! Das war dann der Zeitpunkt, wo ich dieses Schütteln das erste Mal bemerkte. Und das Zucken. Und diese schreckliche, schreckliche Frage, ob es da draußen überhaupt noch Menschen gab oder Coburg isoliert in einer weißen Leere lag. Eine Insel der Realität in einer großen schweigenden Wüste des – Nichts?
Bei Lapis begann jetzt auch der Entzug. Wo ich ein klein wenig von meinem Internetanschluss abhängig bin (wie gesagt, eigentlich bräuchte ich ihn ja nicht) ist sie Telefon … telefoniert sie gerne und ausdauernd. Und da wir das Komplettpaket haben mit DSL und Internettelefonie ging das natürlich auch nicht mehr. Überflüssig zu sagen, dass der Sonntag Morgen ungefähr so gemütlich war wie ein Picknick im Löwengehege zur Fütterungszeit.
Gegen Mittag verschaffte ich mir dann Erleichterung. Ich zog wie ein drogensüchtiger Promi los, dessen kostenloser Koks-Bringsdienst plötzlich hopps genommen worden war und der nun wieder in die Niederungen der kriminellen Halbwelt absteigen muss, um an seinen Kick zu kommen. Kurz: Ich ging in ein Internetcafé.
Dort verkauften mir levantinisch aussehende Männer lächerlich teure Internet-Zeit. Hätte ich mehr Selbstachtung gehabt, hätte ich ihnen ins Gesicht gelacht. Aber so war ich dankbar für jede Sekunde. Ich schaute nach meiner E-Mail (keine
), nach Antworten auf meinen cleveren Forenbeitrag (keine
) und, ja, auch nach der Lösung für unser kleines Internet-Problem.
Im Hilfe-Forum von Freenet überkam mich das kalte Grausen. Das Blinken des Todes ist dort keineswegs unbekannt und zwischen allerlei Flüchen auf Freenet las ich heraus, dass ich alle Hoffnung fahren lassen solle, dass das Problem jemals behoben werde. Oh wie schön war doch die Zeit bei der Telekom, wo sie einem nur ins Auge spuckten bei Problemen, die dann aber auch irgendwann behoben. Nein, Freenet, das war der Foren-Tenor, nie wieder!
Zum Glück kenne ich mich mit Foren aus und weiß, wie repräsentativ die Whiner dort sind. Und weil ich mich mit Foren auskenne, spürte ich zielsicher die relevanten Informationen (kostenlose Hotline) auf und ging nur wenig zitternd wieder nach Hause.
Der Rest der Geschichte ist eine Lanze für Freenet, die ich gerne brechen möchte. Lapis rief die Hotline an (Handy!) und kam nach nicht mal 10 Minuten Computermenü zu einem Menschen durch. Der beriet sie freundlich und schloss erst mal Kabelfehler aus. Hatte ich zwar schon, aber na ja. Dann stellte er einen Defekt in der „Leitung“ fest und versprach, dass ein Techniker sich darum kümmern würde. Mitte dieser Woche, spätestens Ende würde unser DSL wieder gehen.
Mitte bis Ende der Woche? AH! Bis dahin hätte ich sicher mein ganzes Geld im Internetcafé gelassen, Lapis ihres für Handytelefonate verjubelt. Von den psychischen Traumata ganz zu schweigen. Aber gestern morgen (!) keine 24 Stunden nach dem Anruf funktionierte alles wieder. Und man konnte einen Mann mittleren Alters durch die Küche tanzen sehen wie sonst nur, wenn Mönchengladbach gegen Bayern ein Unentschieden raus holt. Vielleicht sollte ich mir doch Sorgen machen.