Ich war ja in die letzten Tage in der alten Heimat. Familie besuchen und so. Das war ein bisschen langweilig, weil ich die ja schon alle kannte. Gut, ich habe meine Mutter nach Jahren wieder gesehen, meine Oma durch Anwesenheit glücklich gemacht und mit alten Freunden (Ok, eine nicht wirklich alte, mehr so in voller Blüte stehende Freundin) getroffen. Außerdem habe ich mehr Geld für Klamotten ausgegeben, als in den letzten zehn Jahren zusammen. Insgesamt war es ein unaufregender, aber angenehmer Besuch am Rhein gewesen. Nichts für eine Miszelle. Eigentlich.
Uneigentlich muss ich euch von der Nacht vom Samstag zum Sonntag erzählen. Nicht, was ihr Ferkel wieder denkt. Ich lag also in meinem alten Kinderzimmer und schlief den Schlaf der ziemlich Gerechten, als um 4 Uhr in der Frühe meine Oma plötzlich an meinem Bett stand und mir einen Zettel unter die Nase hielt: „Polizei rufen Handy 110“
„What the Fuck?“, ist meistens mein erster Gedanke um 4 Uhr morgens. Das behaupte ich jetzt mal dreist, denn Sonntag war das einzige Mal an das ich mich erinnern kann. Aber weil mein Körper auf Autopilot war während mein Bewusstsein die vielen Stufen des Aufwachens noch vor sich hatte, nahm ich gehorsam mein Handy und versuchte die Polizei zu rufen. Da stellte ich fest, dass ich entweder zu müde war, mein Handy zu bedienen oder ich schlicht und ergreifend nicht wusste, wie das geht. Lacht nicht. Ich habe noch nie mit dem Ding telefoniert.
Nach einigen Versuchen gab ich auf und wollte erst mal wissen, was zum Teufel eigentlich los ist. Oma stellte eindrucksvoll dar, dass sie wummernde Geräusche aus dem Erdgeschoss gehört hatte. Also stieg ich in meine Hose, ging zur Treppe und sah runter, ob ich etwas sehen konnte. Konnte ich nicht. Dann öffnete ich die Augen, sah aber trotzdem nichts. Oma war sehr nervös. Sie vermutete Einbrecher. Die waren für mich etwas, das im Fernsehen passiert, aber nicht im wirklichen Leben. Zumindest nicht meinem. Und nicht um 4 Uhr morgens!
Also stapfte ich die Treppe hinunter und überprüfte die Wohnung auf Einbrecher. Oma kam mir hinterher und bestand darauf, dass ich vom Wohnzimmertelefon aus die Polizei anrief. Ich war immer noch nicht wach, also wählte mein Körper brav 110 und reichte Oma den Hörer. Ich konnte sehen, wie sie hineinsprach. Einbrecher! Grummel.
Ein letzter Raum blieb zu prüfen, nämlich die Waschküche und das dahinter liegende Bad. Weiß von euch eigentlich noch jemand, was eine Waschküche ist? Auch egal. Die Waschküche jedenfalls ist durch eine Holztür vom Rest des Hauses getrennt. Meine Oma achtet penibel darauf, dass diese Tür nachts immer verschlossen ist. Ich, wenn ich daran denke. Meistens lasse ich sie auf. Auch als Trotz, wenn ich nachts 100 Meter laufen – beziehungsweise schlurfen, taumeln und/oder kriechen – muss, wenn mich ein Bedürfnis überkommt. Sonntagnacht war sie jedenfalls abgeschlossen. Ich öffnete sie und spähte in die dunkle Waschküche.
Ein Fenster war geöffnet. Ich dachte, der Wind muss es aufgestoßen haben und da haben wir den Einbrecher. Ha! Oma hat wahrscheinlich einfach das Fenster nicht richtig zugemacht und der Wind hat es aufgedrückt. Oder sowas. Oma hinter mir muss blass geworden sein. Was sie nämlich wusste, was ich nicht wusste war, dass draußen vor dem Fenster ein dicker Laden hing, der nachts immer (Oma hat mittlerweile eine kleine Festungsmentalität entwickelt, seit Sonntag lächele ich nicht mehr über ihre Riegel, Sperren, Läden und Schlösser) von innen verrammelt ist.
Vielleicht war es auch die Müdigkeit. Jedenfalls tat ich genau das, was unvorsichtige Personen an Tatorten immer tun: sie verwischen Spuren. Ich also stracks zum Fenster und, zack, zu den Laden. Dann noch ein Blick ins Bad, ob sie da auch kein Einbrecher, haha, versteckt hat und, ta-daaa Oma, das Haus ist sicher.
Die hatte inzwischen an der Waschküchentür die Spuren gesehen, wo der Einbrecher versucht hat diese aufzubrechen, um ins eigentliche Haus zu kommen. Die Polizei und insbesondere die Spurensicherung waren auch sehr erfreut über meine Initiative.
Der Einbrecher hatte den Laden vor dem Fenster abmontiert und dann, wie ist mir immer noch ein Rätsel, das Fenster aufgestoßen. Es war jedenfalls nicht zerbrochen. In der Waschküche stand er dann vor Zwischentür, aber die hat er nicht öffnen können. Vermutlich drosch er frustriert dagegen, was meine Oma dann gehört und sie geweckt hat. Als oben das Licht anging, muss der Einbrecher geflohen sein. Der war übrigens ein ganz mieser. Überall waren seine (und meine *hust*) Fingerabdrücke. Außerdem wusste er wohl auch nicht, dass meine Oma so gut wie kein Geld oder Wertgegenstände besitzt und schon gar nicht im Hause hat. Oma hat sich erschreckt, aber als ich ihr Anbot, noch ein wenig zu bleiben, lehnte sie ab. Taffes Mädchen, meine Oma.