Archiv für August, 2008

Row, row, row your boat …

Veröffentlicht in Coburg, HomeStory am August 30, 2008 von skeltem

Wobei: Der Titel dieser kleinen Miszelle müsste eigentlich lauten: Paddel, paddel, paddel das Kanu … Aber das liest sich Scheiße, also dann so. Außerdem schießen mir Tränen der Rührung und des Schmerzes in die Augen, wenn ich an unsere Kanons (nicht Kanus, die kommen später) im Englischunterricht auf der Realschule denke.

Anyway. Die letzten Tage waren ziemlich hart. Wir hatten Besuch aus München. Lapis meinte, es sei eine gute Idee, mit den Städtern ein wenig die fränkische Natur zu erforschen. Löblich. Zum Zwecke des Erforschens schlug sie eine Kanufahrt auf einem der entzückenden kleinen Flüsschen vor. Genauer gesagt: auf der Itz, die auch durch Coburg fließt.

Ich bin ein großer Freund von Schiffen, Booten, Wasser, Meer und allem, was dazu gehört. Also war ich sofort begeistert von der Idee. Die beiden Münchener guckten erst etwas komisch, waren dann aber auch bereit, die fränkische Wildnis per Boot zu bereisen.

Nachdem wir mit schicken orangen Schwimmwesten aussahen wie eine Abordnung von der Titanic, schwangen wir uns in das Kanu und paddelten gen Norden. Nach ungefähr 10 Metern hörten wir wieder auf zu paddeln.

Und da schlug die erste Tücke der Fahrt zu. In der Natur ist alles mit Allem verbunden. Im oberfränkischen Flusssystem nicht. Wir landeten also am anderen Ufer des Bootsverleihs – ein immer wieder spannender Vorgang – hievten das Kanu aus dem Wasser, schleppten es eine kurze Strecke zum eigentlichen Fluss, wasserten es wieder und stiegen ein. Zum Glück war es aus leichtem Kunststoff und wir zu viert. Wie gesagt. Das Ein- und Aussteigen war teilweise recht tricky. Vor allem für mich. Vor allem am Ende der Fahrt.

Aber dann waren wir auf dem Fluss und es war schon irgendwie magisch. Ich hatte meinen Hörprozessor abgenommen (Wasser und Prozessor ist keine Mischung, die ich gut haben kann) und deswegen hörte ich auch die Bundesstraße nicht, die streckenweise parallel zur Itz verläuft. Es war schönes Wetter und wir kamen auch gut voran.

Ich hatte ein wenig Bedenken gehabt, ob wir das mit dem Paddeln auch hinbekommen, aber die erwiesen sich als unbegründet. Wir paddelten, als hätten wir das schon öfter gemacht. Damit es uns nicht zu langweilig wurde, hatte der Fluss eine natürliche Slalomstrecke aus umgestürzten Bäumen, scharfen Biegungen und Krokodilen angelegt.

Ok, keine Krokodile. Ich kam mir trotzdem ein bisschen vor, wie der Held aus Joseph Conrads „Herz der Finsternis“, der den Kongo hoch fuhr, um einen Herrn Kurtz zu suchen. Sogar Eingeborene sahen wir am Ufer, einige hoben drohend ihre Fäuste: Angler, die wohl Angst hatten, das wir ihre Fische verscheuchen. Speere wurden nicht geworfen. Und „das Grauen, das Grauen“ packte uns nur, als wir an einer Stelle fast stecken blieben, weil der ganze Fluss mit Wasserpest so dick zugewuchert war, dass wir die Paddel kaum wieder aus dem „Wasser“ bekamen.

Auch das Paddeln an sich war nicht so anstrengend, wie ich gedacht hätte. Nur das ständige Hocken im Schneidersitz belastete meine Beine so, dass sie am Ende fast ihren Geist aufgaben. Die „Boot-über-ein-Wehr-tragen“ Aktionen waren besonders riskant wegen des Aus- und Einsteigens mit Puddingbeinen. Ging dann aber alles gut. Offensichtlich.

Nur am nächsten Tag! Diese Schmerzen! Das war kein Muskelkater, sondern ein ausgewachsener Muskeltiger. Jetzt, da die Erinnerung an die Schmerzen langsam verblasst und die an die schöne Zeit auf dem Fluss bleibt, wäre ich durchaus bereit, eine weitere Tour in Erwägung zu ziehen. Verdammtes, schönfärberisches Gedächtnis ….

Morgens um 4 am Niederrhein oder: der Bruch

Veröffentlicht in HomeStory am August 26, 2008 von skeltem

Ich war ja in die letzten Tage in der alten Heimat. Familie besuchen und so. Das war ein bisschen langweilig, weil ich die ja schon alle kannte. Gut, ich habe meine Mutter nach Jahren wieder gesehen, meine Oma durch Anwesenheit glücklich gemacht und mit alten Freunden (Ok, eine nicht wirklich alte, mehr so in voller Blüte stehende Freundin) getroffen. Außerdem habe ich mehr Geld für Klamotten ausgegeben, als in den letzten zehn Jahren zusammen. Insgesamt war es ein unaufregender, aber angenehmer Besuch am Rhein gewesen. Nichts für eine Miszelle. Eigentlich.

Uneigentlich muss ich euch von der Nacht vom Samstag zum Sonntag erzählen. Nicht, was ihr Ferkel wieder denkt. Ich lag also in meinem alten Kinderzimmer und schlief den Schlaf der ziemlich Gerechten, als um 4 Uhr in der Frühe meine Oma plötzlich an meinem Bett stand und mir einen Zettel unter die Nase hielt: „Polizei rufen Handy 110“

„What the Fuck?“, ist meistens mein erster Gedanke um 4 Uhr morgens. Das behaupte ich jetzt mal dreist, denn Sonntag war das einzige Mal an das ich mich erinnern kann. Aber weil mein Körper auf Autopilot war während mein Bewusstsein die vielen Stufen des Aufwachens noch vor sich hatte, nahm ich gehorsam mein Handy und versuchte die Polizei zu rufen. Da stellte ich fest, dass ich entweder zu müde war, mein Handy zu bedienen oder ich schlicht und ergreifend nicht wusste, wie das geht. Lacht nicht. Ich habe noch nie mit dem Ding telefoniert.

Nach einigen Versuchen gab ich auf und wollte erst mal wissen, was zum Teufel eigentlich los ist. Oma stellte eindrucksvoll dar, dass sie wummernde Geräusche aus dem Erdgeschoss gehört hatte. Also stieg ich in meine Hose, ging zur Treppe und sah runter, ob ich etwas sehen konnte. Konnte ich nicht. Dann öffnete ich die Augen, sah aber trotzdem nichts. Oma war sehr nervös. Sie vermutete Einbrecher. Die waren für mich etwas, das im Fernsehen passiert, aber nicht im wirklichen Leben. Zumindest nicht meinem. Und nicht um 4 Uhr morgens!

Also stapfte ich die Treppe hinunter und überprüfte die Wohnung auf Einbrecher. Oma kam mir hinterher und bestand darauf, dass ich vom Wohnzimmertelefon aus die Polizei anrief. Ich war immer noch nicht wach, also wählte mein Körper brav 110 und reichte Oma den Hörer. Ich konnte sehen, wie sie hineinsprach. Einbrecher! Grummel.

Ein letzter Raum blieb zu prüfen, nämlich die Waschküche und das dahinter liegende Bad. Weiß von euch eigentlich noch jemand, was eine Waschküche ist? Auch egal. Die Waschküche jedenfalls ist durch eine Holztür vom Rest des Hauses getrennt. Meine Oma achtet penibel darauf, dass diese Tür nachts immer verschlossen ist. Ich, wenn ich daran denke. Meistens lasse ich sie auf. Auch als Trotz, wenn ich nachts 100 Meter laufen – beziehungsweise schlurfen, taumeln und/oder kriechen – muss, wenn mich ein Bedürfnis überkommt. Sonntagnacht war sie jedenfalls abgeschlossen. Ich öffnete sie und spähte in die dunkle Waschküche.

Ein Fenster war geöffnet. Ich dachte, der Wind muss es aufgestoßen haben und da haben wir den Einbrecher. Ha! Oma hat wahrscheinlich einfach das Fenster nicht richtig zugemacht und der Wind hat es aufgedrückt. Oder sowas. Oma hinter mir muss blass geworden sein. Was sie nämlich wusste, was ich nicht wusste war, dass draußen vor dem Fenster ein dicker Laden hing, der nachts immer (Oma hat mittlerweile eine kleine Festungsmentalität entwickelt, seit Sonntag lächele ich nicht mehr über ihre Riegel, Sperren, Läden und Schlösser) von innen verrammelt ist.

Vielleicht war es auch die Müdigkeit. Jedenfalls tat ich genau das, was unvorsichtige Personen an Tatorten immer tun: sie verwischen Spuren. Ich also stracks zum Fenster und, zack, zu den Laden. Dann noch ein Blick ins Bad, ob sie da auch kein Einbrecher, haha, versteckt hat und, ta-daaa Oma, das Haus ist sicher.

Die hatte inzwischen an der Waschküchentür die Spuren gesehen, wo der Einbrecher versucht hat diese aufzubrechen, um ins eigentliche Haus zu kommen. Die Polizei und insbesondere die Spurensicherung waren auch sehr erfreut über meine Initiative.

Der Einbrecher hatte den Laden vor dem Fenster abmontiert und dann, wie ist mir immer noch ein Rätsel, das Fenster aufgestoßen. Es war jedenfalls nicht zerbrochen. In der Waschküche stand er dann vor Zwischentür, aber die hat er nicht öffnen können. Vermutlich drosch er frustriert dagegen, was meine Oma dann gehört und sie geweckt hat. Als oben das Licht anging, muss der Einbrecher geflohen sein. Der war übrigens ein ganz mieser. Überall waren seine (und meine *hust*) Fingerabdrücke. Außerdem wusste er wohl auch nicht, dass meine Oma so gut wie kein Geld oder Wertgegenstände besitzt und schon gar nicht im Hause hat. Oma hat sich erschreckt, aber als ich ihr Anbot, noch ein wenig zu bleiben, lehnte sie ab. Taffes Mädchen, meine Oma.

19.8.2008: kurze Pause

Veröffentlicht in Allgemeines am August 19, 2008 von skeltem

Hallo Alle.

Als Höhepunkt der Sommerflaute mache ich ne kurze Pause, weil die Heimat ruft. Mein Zug fährt gleich, also kurz und schmerzlos: Nächste Woche bin ich wieder da und habe vielleicht ja, der Zeit angemessen, einen Alligator im Baggersee oder ein UFO gesehen.

CU, Skeltem

Ich will mehr …

Veröffentlicht in Allgemeines am August 15, 2008 von skeltem

Vor ein paar Tagen fuhr ich mal wieder mit dem Zug durch das schöne Franken. Am Bahnhof Haßfurt sah ich aus dem Fenster und die Bahnhofsgaststätte stach mir direkt ins Auge. „Café, Bistro, und mehr …“ stand dort groß und breit in unmodischen Typen an das Fenster gepappt. Ich stöhnte so laut, dass meine Mitreisenden einen medizinischen Notfall vermuteten. Dieses „und mehr Punkt Punkt Punkt“ versetzte mich wieder einmal in einen Zustand fortgeschrittener Übellaunigkeit. Warum schreiben sie nicht dran, dass es außer Kaffee und Brötchen noch Zeitschriften gibt? Was soll es sonst noch in einem Provinzbahnhof Interessantes geben? Stripperinnen? Außerdem brannte mein Auge.

Meistens findet man das „und mehr …“ ja dort, wo den Verantwortlichen entweder die Lust am Ausknobeln eines schmissigen Slogans vergangen ist. Oder das „mehr …“ umfasst verschiedene Gegenstände von so geringem Interesse, dass sie gerne mit der Andeutung kaschiert werden, dass ja vielleicht doch … Aber es ist nie …

Deswegen ist es gar nicht verwunderlich, dass vor allem Ramschläden, Ramschkneipen und Ramsch (allgemein) exzessiv „mehr …“ versprechen. Die Läden umgehen so einer exakten Auflistung ihrer mehr … oder weniger interessanten Waren. „1000 Geschenkideen und mehr …“ liest sich immerhin besser als „Nippes, Schmuck, humoristische Strohhalme, Kaffeebecher mit witzigen Slogans“.. Statt eine Annonce für ein Geschäft „Gebrauchte Handys und anderer billiger Ramsch, den keiner mehr … will, den ich aber teuer bezahlen lasse, um Kaufinteresse zu wecken“ aufzugeben, lautet die Beschreibung des Ladens „Second Handys und mehr …“. Das Wortspiel hat mir beim ersten Mal sogar gefallen. Das war 1998, glaube ich.

Manchmal bedeutet das Mehr .. auch, dass das Beworbene einfach nicht mehr .. hergibt. Aber „Gaststätte“ ist so 80er Jahre. Deswegen wurde die Erlebnisgastronomie mit ihrer Botschaft „Spaß, nette Leute und mehr …“ erfunden. Erfahrung zeigt allerdings, dass das „Erlebnis“ meistens ein Trommelfellriss und der Bierkrug des volltrunkenen Nachbarn im Gesicht ist. Und „Wet T-Shirt“ Wettbewerbe jeden Donnerstag. Da kommen dann natürlich nur Männer. Bäh …..

Auf der anderen Seite umgeht man mit dem vagen „mehr ..“ Wert auch andere Peinlichkeiten. Wenn beispielsweise eine Zeitarbeitsfirma „Arbeit und mehr …“ heißt, heißt sie eben nicht „Sie arbeiten in prekären Verhältnissen zum Mindestlohn, von dem wir auch noch einen Batzen einbehalten“. Oder die Webseite „Schilddrüsen und mehr“ bietet zwar alles für an Schilddrüsen interessierte aber mehr … irgendwie auch nicht. Wobei. Das ist ja eigentlich ein Etikettenschwindel. Wenn sie wenigstens etwas über die Milz hätten.

Man mag jetzt darüber spekulieren warum ich mich, in einer Welt in der es Joghuretten Werbung und Paris Hilton gibt, über so ein simples Verdummungsvehikel echauffiere. Die Verheißung! Die Verlockung! Die Enttäuschung! Als ich Kind war bestellte ich mir in der Eisdiele meines Vertrauens den „Karibiktraum. Frucht, Eis und mehr …“. Das Wasser lief mir im Munde zusammen. Die Spannung, was denn das „mehr …“ sei brachte mich um. Ein Äffchen vielleicht? Kokosnuss, frisch von der Palme? Dann entpuppt sich das Mehr… als ein läppischer Zahnstocher, an den man bunten Flitter geklebt hat. Nie mehr …! Heute bin ich zum Glück klüger. Wenn irgendein Computerspiel „Spannung, Action und mehr …“ verspricht, weiß ich, dass wenn man Glück hat, findet es spannend findet, welche Action man veranstalten muss, um mehr … und mehr … Patches herunterzuladen, damit es wenigstens einigermaßen läuft.

Dabei muss das gar nicht sein. Haben nicht die großen Genies unserer Zeit gezeigt, dass mit nur ein wenig mehr … Nachdenken alle zufrieden gestellt werden können? Douglas Adams beispielsweise. Wenn es bei ihm ums große Ganze ging, hieß es „das Leben, das Universum und der ganze Rest“. Damit war alles gesagt und ließ doch Raum für das Wundern und Staunen. Oder motiviert uns, wieder bei Adams, „Spaß, Abenteuer, lauter fetzige Sachen“ nicht viel mehr… als „Spaß, Abenteuer und mehr…“? Oder die Werbeabteilung von Ferrero. Die locken Kinder nicht mit „Schokolade, Plastikscheiß und mehr …“, sondern sagen ganz genau, was Sache ist: „Spiel, Spannung, Schokolade, Akne, Adipositas, Karies“.

Bitte, liebe Marketingmenschen! Bitte vergesst das Mehr … und sagt uns genau, was wir bekommen. Die enttäuschten Hoffnungen, wenn wir wieder einmal feststellen müssen, dass der mysteriöse Mehrwert nichts anderes ist als heiße Luft oder eine Cocktailkirsche schadet mehr … als es hilft, eure Phantasielosigkeit zu kaschieren.

Emanzenkram!

Veröffentlicht in Zeitnah am August 10, 2008 von skeltem

Vor ein paar Tagen schrieb ich diese Miszelle. Sie war das Ergebnis einer Meldung und früher angestellten Recherchen über die Ungleichheit der wirtschaftlichen Situation der Geschlechter in Deutschland. Ich hatte polemisch konstatiert, dass die deutsche Wirtschaft überall nach Fachkräften sucht nur nicht vor der eigenen Nase. Außerdem habe ich die Familienfeindlichkeit, zumal in den oberen Gehaltsklassen aufs Korn genommen.

Ganz früher, als ich jung und dumm war, nahm ich an, dass die Diskriminierung der weiblichen Hälfte der deutschen Bevölkerung irgendwann in den siebziger Jahren aufgehört hat. Ich war sogar richtig stolz in einem Land zu leben, in dem Frauen emanzipiert sind im Gegensatz zu, sagen wir, Spanien.

Deswegen traf es mich, als ich während meines Studiums mit der „Gender-Problematik“ konfrontiert wurde die, kurz gesagt, davon handelte, dass Frauen eben nicht die gleichen Chancen und Möglichkeiten haben. Auch nicht in Industrienationen. Schon gar nicht in Deutschland.

Was mich ganz besonders irritiert ist die Tatsache, dass Frauen bei gleicher Leistung in Deutschland weniger Geld verdienen als Männer. Die Gründe dafür sind ziemlich komplex und liegen auch oft bei den Frauen. Aber eben nicht nur. Vor ein paar Monaten monierte dann der EU Sozialkommissar, dass in Deutschland die Gehälter der Frauen rund 22% niedriger seien als die der Männer. Wenn ich die Miszelle etwas ausgebaut hätte, könnte ich eine Frau sagen lassen: „Ok, ich verdiene weniger als mein Kollege. Ok, ich kümmere mich neben dem Job noch um Haushalt, Kinder und bilde mich weiter. Aber wenigstens lebe ich nicht in Estland.“ Richtig. Nur in Estland, Zypern und der Slowakei sind die Unterschiede größer oder gleich groß. Soviel zur Wirtschaft.

Wenn ich meine persönlichen Erfahrungen verallgemeinern würde, müsste ich sagen, dass wenigstens an den Universitäten die Geschlechter langsam gleich ziehen. An „meinem“ Institut hatten wir 2 Profesorinnen und 2 Professoren. Der Mittelbau war sogar weiblicher. Später als ich dann Arbeit gesucht habe, hat es mich sogar teilweise echt gewurmt das „Bei gleicher Qualifikation werden Frauen bevorzugt“. Aber das scheint irgendwie auch nur so ein bedeutungslosen Satz zu sein wie „die Würde des Menschen ist unantastbar“. Jedenfalls sieht die Statistik so aus: im vergangenen Jahr ist die Zahl der Professorinnen an deutschen Hochschulen auf 16 Prozent gestiegen. Sech – zehn – Pro – zent! Damit hat sich die Zahl seit 1999 fast verdoppelt, als es nur neun Prozent Professorinnen gab. Ich gebe ganz offen zu, dass mich diese Zahl erschüttert hat. Danke noch mal an die ungläubigen Thomasse unter den Miszellen-Lesern, die mich dazu gebracht haben, mich noch etwas mehr mit dem Thema zu beschäftigen.

Das waren jetzt zwei, mehr oder minder willkürliche, Beispiele. Die letzte Frage in diesem Zusammenhang war, ob deutsche Frauen wenigstens sicher, im Sinne von körperlich sicher, sind. Auch hier wieder eine Statistik: Rund ein Viertel aller deutschen Frauen erleben oder erlebten schon körperliche und/oder sexuelle Gewalt von Männern in ihrem Umfeld. 10 Prozent dieser Frauen erleben schwerwiegende und wiederholte Gewalt in ihren Beziehungen. Gewalt geht zwar auch von Frauen aus, aber im Bereich der „häuslichen Gewalt“ sind 90-95% der Täter Männer.

Der bff (Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe) hat noch mehr Zahlen veröffentlicht. Oh, und für diejenigen, die jetzt wieder sagen, das seien ja getürkte Zahlen von larmoyanten Frauen: die Zahlen haben immerhin die Regierung dazu veranlasst, einen Aktionsplan zu entwerfen. Was immer das bringt.

Ich möchte keine Frau sein in Deutschland. Und wahrscheinlich geht es den deutschen Frauen sogar noch gut. Im Gegensatz zu, sagen wir, Zypriotinnen.

1.8.2008: Happy Birthday!

Veröffentlicht in HomeStory am August 1, 2008 von skeltem

Meine Mutter hat heute Geburtstag.  Ich sage nicht welchen, aber er ist rund uns sie ist älter als ich ;) Herzlichen Glückwunsch, Mama. Guck mal, du bist im Internet!

Leider kann sie das nicht lesen. Weil sie zur Zeit in der Türkei lebt. Weil die Türkei, bzw. ein türkisches Gericht WordPress-Blogs hat sperren lassen. Weil einige Blogger sich kritisch über die hirnverbrannten Thesen des türkischen Kreationisten Adnan Oktar geäußert hatten. Weil dieser dann geklagt hatte, er würde verleumdet. Deswegen kann ich meiner Mutter nicht per Blogeintrag gratulieren.

Vielleicht denken alle jetzt einen kurzen Moment über Zensur nach und wie sie uns persönlich betreffen kann. Und dann, ob wir wirklich die olympischen Spiele aus China verfolgen müssen.

Skeltem

P.S.: Natürlich habe ich ihr einfach eine E-Mail geschrieben. Wofür haltet ihr mich?