Wobei: Der Titel dieser kleinen Miszelle müsste eigentlich lauten: Paddel, paddel, paddel das Kanu … Aber das liest sich Scheiße, also dann so. Außerdem schießen mir Tränen der Rührung und des Schmerzes in die Augen, wenn ich an unsere Kanons (nicht Kanus, die kommen später) im Englischunterricht auf der Realschule denke.
Anyway. Die letzten Tage waren ziemlich hart. Wir hatten Besuch aus München. Lapis meinte, es sei eine gute Idee, mit den Städtern ein wenig die fränkische Natur zu erforschen. Löblich. Zum Zwecke des Erforschens schlug sie eine Kanufahrt auf einem der entzückenden kleinen Flüsschen vor. Genauer gesagt: auf der Itz, die auch durch Coburg fließt.
Ich bin ein großer Freund von Schiffen, Booten, Wasser, Meer und allem, was dazu gehört. Also war ich sofort begeistert von der Idee. Die beiden Münchener guckten erst etwas komisch, waren dann aber auch bereit, die fränkische Wildnis per Boot zu bereisen.
Nachdem wir mit schicken orangen Schwimmwesten aussahen wie eine Abordnung von der Titanic, schwangen wir uns in das Kanu und paddelten gen Norden. Nach ungefähr 10 Metern hörten wir wieder auf zu paddeln.
Und da schlug die erste Tücke der Fahrt zu. In der Natur ist alles mit Allem verbunden. Im oberfränkischen Flusssystem nicht. Wir landeten also am anderen Ufer des Bootsverleihs – ein immer wieder spannender Vorgang – hievten das Kanu aus dem Wasser, schleppten es eine kurze Strecke zum eigentlichen Fluss, wasserten es wieder und stiegen ein. Zum Glück war es aus leichtem Kunststoff und wir zu viert. Wie gesagt. Das Ein- und Aussteigen war teilweise recht tricky. Vor allem für mich. Vor allem am Ende der Fahrt.
Aber dann waren wir auf dem Fluss und es war schon irgendwie magisch. Ich hatte meinen Hörprozessor abgenommen (Wasser und Prozessor ist keine Mischung, die ich gut haben kann) und deswegen hörte ich auch die Bundesstraße nicht, die streckenweise parallel zur Itz verläuft. Es war schönes Wetter und wir kamen auch gut voran.
Ich hatte ein wenig Bedenken gehabt, ob wir das mit dem Paddeln auch hinbekommen, aber die erwiesen sich als unbegründet. Wir paddelten, als hätten wir das schon öfter gemacht. Damit es uns nicht zu langweilig wurde, hatte der Fluss eine natürliche Slalomstrecke aus umgestürzten Bäumen, scharfen Biegungen und Krokodilen angelegt.
Ok, keine Krokodile. Ich kam mir trotzdem ein bisschen vor, wie der Held aus Joseph Conrads „Herz der Finsternis“, der den Kongo hoch fuhr, um einen Herrn Kurtz zu suchen. Sogar Eingeborene sahen wir am Ufer, einige hoben drohend ihre Fäuste: Angler, die wohl Angst hatten, das wir ihre Fische verscheuchen. Speere wurden nicht geworfen. Und „das Grauen, das Grauen“ packte uns nur, als wir an einer Stelle fast stecken blieben, weil der ganze Fluss mit Wasserpest so dick zugewuchert war, dass wir die Paddel kaum wieder aus dem „Wasser“ bekamen.
Auch das Paddeln an sich war nicht so anstrengend, wie ich gedacht hätte. Nur das ständige Hocken im Schneidersitz belastete meine Beine so, dass sie am Ende fast ihren Geist aufgaben. Die „Boot-über-ein-Wehr-tragen“ Aktionen waren besonders riskant wegen des Aus- und Einsteigens mit Puddingbeinen. Ging dann aber alles gut. Offensichtlich.
Nur am nächsten Tag! Diese Schmerzen! Das war kein Muskelkater, sondern ein ausgewachsener Muskeltiger. Jetzt, da die Erinnerung an die Schmerzen langsam verblasst und die an die schöne Zeit auf dem Fluss bleibt, wäre ich durchaus bereit, eine weitere Tour in Erwägung zu ziehen. Verdammtes, schönfärberisches Gedächtnis ….