WegDonald’s

Auch im Leben des modernen Deutschländers gibt es Glaubenskrisen. Wenn eine Frau Bundeskanzer wird. Oder Bayern München nicht Deutscher Meister. Oder ein Spiel/Film/Buch hat plötzlich großen Erfolg, das nicht der herab gedummte Klon seiner drei Vorgänger ist. Ok, Letzteres ist natürlich Wunschdenken.

Ich hatte vor einiger Zeit auch so eine Glaubenskrise. Denn bis zu dem fraglichen Tag habe ich fest daran geglaubt, ein McDonald’s Laden sei wie eine Lizenz zum Gelddrucken. Ich meine, was früher die Kirche in jedem Dorf war, sind heute die McDonald’s „Restaurants“. Und wenn es so viele von den Fressbuden gibt, muss man damit ja auch Geld machen können. Oder?

Der Laden in der Coburger Innenstadt war jedenfalls immer gerammelt voll. Vor allem die Burger relevante Zielgruppe der 8-29jährigen verbrachte einen großen Teil ihrer Freizeit darin. Aber die Kinder und jungen Erwachsenen haben den Laden wohl wirklich mehr als ihr Wohnzimmer genutzt, als Fett und Zucker zu konsumieren. Das war einerseits gut für die Kids, andererseits schlecht für den Laden, denn er musste schließen. Seitdem irren Gruppen verwirrter Jugendlicher durch Coburg, die nicht mehr wissen, wohin sie gehen sollen. Schlimm!

Warum hat der Laden dicht machen müssen? Lag es wirklich nur an den nicht konsumierenden Kids? Dass die Hauptzielgruppe der Burgerkette, die Familien, von den Massen Basecap schief tragender Gesäß geforderter Teenager abgeschreckt wurde, glaube ich aber auf keinen Fall. Die sind so abschreckend wie „Bambi“. Eher könnte das mit den motivierten Mitarbeitern zu tun gehabt habe, die es dringend erforderlich gemacht hatten, ein gutes (dickes!) Buch in das „Schnellrestaurant“ mitzubringen. Dass die keine Lust hatten, die Geschäftspolitik des Inhabers auszubaden ist klar. Schließlich waren häufig zur „Hauptverkehrszeit“ nach Schulschluss ganze vier der acht Kassen besetzt. Und die Billiglohn-Schufter durften es ausbaden, wenn der Mob seinem Unmut Ausdruck verlieh.

Nicht, dass ich was gegen McDonald’s an sich hätte! Vor allem seit meinem drei Jahre andauernden Kampf um jedes Gramm Gewicht hat mir der goldene Bogen so manche leckere Kalorie geschenkt. Und man muss es ja auch nicht so übertreiben wie Morgan Spurlock. Aber das Schicksals der Coburger Filiale sollte allen Franchise-Nehmern ein mahnendes Beispiel sein! Zufriedene Mitarbeiter bedeuten satte Kunden und satte Kunden sind zufriedene Kunden. Hungrige Kunden in einer großen Gruppe anderer hungriger Kunden bedeuten gute Geschäfte für die gefühlten 3578 Dönerläden in Coburg.

Ich jedenfalls müsste jetzt entweder zu der McD-Filiale am anderen Ende der Stadt fahren oder zum Burger King „auf der grünen Wiese“. Da würde ich ja für den Weg mehr Kalorien verbrauchen als ich in Whoppern oder Big Mäcs zu mir nehmen könnte. Wo ist da der Sinn? Deswegen und auch wegen der vielen heimatlosen Coburger Teenager: Bitte bitte komm zurück in die Innenstadt, Ronald McDonald!

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