Meine Miszellen

Juni 29, 2008

29.6.2008: Fotos!

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Juni 28, 2008

Digitale Menschen analog

Gespeichert unter: EVE Online, HomeStory, Spielkram — skeltem @ 4:56

Was bietet man Hirngespinsten an, wenn sie auf Besuch kommen? Chili natürlich. Am letzten Wochenende haben mich gleich elf davon besucht. Ich war hoch erfreut.

Ich gebe es zu. Ich war sehr besorgt, als vor zwei Monaten eine unbedachte Bemerkung in einem Forum begeistert aufgenommen wurde. „Warum machen wir das nicht in Coburg?“ So unscheinbar und eigentlich harmlos. Bislang hatten die Tridents sehr erfolgreich jeden Versuch zerredet, sich mal im echten Leben zu treffen. Also wähnte ich ich auf der sicheren, als ich anbot, das Treffen in Coburg zu organisieren.

Aber dann kamen die ersten Zusagen. Die meisten blieben zwar zunächst skeptisch, aber nachdem der erste sein Hotel gebucht hatte und ich nicht anders konnte als einen Veranstaltungsort für das Wochenende zu mieten, war der Bann gebrochen. Von vier oder fünf EVE-Tridents schwoll die Welle der Besucher auf zuletzt 11 an. Oh … mein … Gott!

Wer sind diese Leute? Ich kenne die meisten davon seit über einem Jahr. Einige noch länger. Aber kenne ich sie wirklich? Ich kenne „Axxaran“ oder „Zidahya“. Habe mit „Shadowcaster“ diskutiert oder bin mit „Magic Path“ durch den Weltraum geflogen. Habe „Espoirs“ Händchen für Bilder und Videos bewundert, war über „Soonahs“ Austritt betrübt und habe mich gefreut, als „Doc Ruchi“ eingetreten ist. Aber letzten Endes sind sie so real wie Skeltem. Und aus berufenem Munde kann ich sagen, dass Skeltem zwar Ähnlichkeiten mit mir aufweist, aber alles in allem eine Fantasiefigur ist. Und da ich davon ausgehe, dass es bei den anderen auch so ist, wusste ich nicht, wen ich da eingeladen hatte.

Dazu kommt, dass ich erwiesener maßen schlechter höre, je mehr Menschen anwesend sind. Die „kritische Masse“ sind eigentlich vier Personen. Fünf, wenn die Bedingungen gut sind und ich mich anstrenge. Und ich Irrer hatte mir fast ein ganzes Dutzend Fremder ins Haus geholt?

Wie man sich vorstellen kann war die Zeit vor dem Treffen für mich ein Wechselbad der Gefühle. Zum einen würde ich endlich die Menschen hinter den Avataren kennen lernen. Und ich würde mit denen nicht so viel Zeit verbringen, wenn ich die Hirngespinste dieser Leute nicht sehr sympathisch finden würde. Außerdem brannte ich darauf, endlich mal so richtig EVE zu reden. Ich hatte früher in Göttingen mit meinen Freunden stundenlang über lauter wichtige Unwichtigkeiten reden können und mir fehlt einfach das Triviale. Mir fehlen Leute, um genau zu sein, mit denen ich über so etwas reden kann.

Dann hatte ich aber auch große Panik davor, was alles schief gehen könnte. Die größte Sorge war, dass ich sie nicht verstehen würde und alle nur dumm guckten, keiner sich traut etwas zu sagen und letztendlich sauer über das verschwendete Wochenende wieder wegfahren Dann natürlich, was wäre, wenn die netten virtuellen Personen in Wirklichkeit Ärsche sind. Ansonsten natürlich das übliche: Passt alles vom Raum, der Organisation, dem Wetter, den Sternen, dem Biorythmus oder der Gesamtsituation her.

Als dann am Freitag die ersten eintrudelten, war ich schon fast euphorisch. Die Jungs sind in Ordnung. Mehr als in Ordnung. Und ich konnte sie ganz gut verstehen. Natürlich waren am Freitag nur vier da. Als die Nummern Fünf und Sechs auftauchten, war ich schon im Cuba Libre Rausch und hätte wohl auch keine LKW-Hupe mehr gehört.

Da mache ich auch eine Beobachtung, die sich über das Wochenende wiederholen sollte. Die Leute sahen ganz genau so aus, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Na ja, natürlich nicht ganz genau. Aber ich denke mal, dass mir mein Kopf da einen Streich spielt. Ich weiß nicht mehr, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Aber als sie dann da standen, haben sie immer ganz genau so ausgesehen. Diejenigen, die ich online schon lange „kenne“ jedenfalls.

Der Freitag endete damit, dass ich mehr getrunken hatte als ich vertrage. Aber zum Glück war ich nicht der einzige. Lapis tauchte wie immer wundersamer weise auf, wenn ich sie wirklich wirklich gebrauchen könnte und meine Augen waren definitiv der Meinung, dass es Zeit für mich sei, ins Bett zu gehen. Insgesamt kein schlechter Auftakt.

Der Samstag begann stressig, wurde dann aber entspannter, sobald wir alle im „Contakt“ versammelt waren. Das Weißwurstfrühstück war nicht so gut angekommen. Vielleicht hätte ich doch Weizenbier dazu reichen sollen. Lapis hatte sich zum Glück von ihrem Migräneanfall erholt und ich konnte mich auf meine Gäste konzentrieren, während sie Salate für die Grillparty machte. Über den Tag sind dann alle gekommen und ich hatte wieder dieses komische Gefühl, sie alle schon einmal gesehen zu haben.

Am Samstag wurden mir dann aber auch hart die Grenzen meines Zustandes gezeigt. Je mehr Personen da waren, desto schlechter konnte ich sie verstehen. Als wir dann vollständig waren, konnte ich lächeln und nicken, aber dem Summen in meinem Kopf kaum noch etwas Sinnvolles entnehmen. Das war sehr frustrierend. Für eine kurze Zeit wollte ich einfach weglaufen. Dachte daran, das Spiel aufzugeben. Aber das wäre nicht nur absolut dumm und kindisch gewesen, sondern auch vollkommen unfair den Leuten gegenüber, die so große Umstände hatten, nur um (unter anderem) mich zu sehen.

Also riss ich mich zusammen und es wurde dann ein netter Nachmittag, Abend und Nacht. Und zwar nicht in dem Sinn „nett langweilig“ sondern nett, unterhaltsam und spaßig. Wir spielten Kicker und Karten und ich konnte mich trotz Summen mit Hilfe des Blocks doch noch passabel verständigen. Wir machten Fotos und lachten und ich hoffe, dass sich alle so wohl fühlten wie ich. Am Ende ging ich todmüde aber glücklich ins Bett, während die anderen noch zusammen in die Kneipe gingen. Das einzige, was ich am Samstag bedauere ist, dass ich so wenig über EVE geredet habe.

Am Sonntag war es sehr, wie man jetzt wohl sagt, „emo“. Die ersten sind früh gefahren und unsere Gruppe, die dann noch in Coburger Cafés zusammen saß schmolz auch dahin. Es war sehr ruhig und ich hoffe mal, dass ich das alles richtig verstanden habe, wenn ich meine, dass wir alle gerne noch ein wenig länger zusammen geblieben wären. Der letzte Besuch ging am Sonntag um halb acht Uhr abends.

Dieses Wochenende war ein Risiko gewesen. Es hätte alles Mögliche schief gehen können. Die Leute hätten völlig anders sein können, als ich sie mir vorgestellt habe. Und natürlich waren sie völlig anders. Sie sind keine digitalen Abziehbilder, sondern völlig analoge Personen. Aber das, was mich an ihren Imagos im Internet anzieht, ihr Humor, ihre Großzügigkeit, Toleranz und Solidarität kommt von den Personen und nicht den Personas. Und ungefiltert kommt das noch viel besser rüber. Es war ein Risiko und es hat sich ausgezahlt. Und in EVE dreht sich schließlich auch alles um „risk vs. reward“ ;)

Fly safe!

Juni 24, 2008

24.6.2008: Schön war’s …

Gespeichert unter: Allgemeines, Gehör gefordert, HomeStory — skeltem @ 6:05

… aber anstrengend.

Hallo Alle!

Am Wochende waren ja meine EVE Kollegen da. Nicht, dass man nie von diesem Blog hätte gehört haben müssen, um DAS nicht mitzubekommen.

Die Panik im Vorfeld erwies sich (zum Glück) als völlig unbegründet. Coburg steht noch, unsere Wohnung ist nicht abgebrannt, Lapis lässt sich nicht scheiden und ich glaube, den Jungs hat es auch gefallen. Also bin ich wohl noch der CEO eines fiktiven futuristischen Konzerns. Was für eine Erleichterung! :)

Und das, obwohl es am Freitag irgend jemandem gelungen sein muss, meine Cola mir Rum zu versetzen. Drei Mal! Dank des Zaubers „Skeltems erstaunliches ausfahrbares Ohr“ und einem banalen Schreibblock konnte ich mich auch akzeptabel verständigen. Zumindest bis zum zweiten „Cuba Libre“. Den habe ich aber nur zur Hälfte trinken können. Irgendwie gelang es mir, den Rest über mein Gegenüber zu schütten. Wir haben alle gelacht. Ich kann mich in dem Lokal erst wieder sehen lassen, wenn Gras über das Wochenende gewachsen ist, fürchte ich. Später kam dann Lapis und hat mich gerettet. Ich weiß nicht mehr genau wovor, aber da das eine ihrer netten Angewohnheiten ist (das Retten meine ich) habe ich mich nicht beklagt. Zumal meine Augen beschlossen hatten, dass ich zuviel Spaß habe und sich entflammten wie Teenager im Mai. Alle hatten wohl gedacht, ich sei betrunken, als ich mit Lapis Hilfe nach Hause taumelte. Und das nach nur drei (zweieinhalb, actually!) Cuba Lires.

Der Samstag begann mit dem Versuch, wie viele Junge Männer man wohl in eine kleine Küche pressen kann. Erstaunlich viel stellte sich heraus. Es stellte sich weiterhin heraus, dass Weißwürste nicht jedermanns Sache sind. Nicht wirklich überraschend. Aber wenn man in Rom ist … äh Coburg … soll man’s wie die Franken … wie auch immer, ich mag Weißwürste.

Dann war meine eigene Planung ein wenig ins Schwimmen geraten, denn die Nerds hatten partout keine Lust auf Kultur und die ist in Coburg die Veste. Aber meine Frau rettete mich wieder mal (erkennt ihr ein Schema?) und wir starteten die Fete dann früher, während Lapis sich um die Salate und anderes kümmerte. Ich deligierte wie ein guter CEO meine Mannen und so schafften wir es, diverse Dinge zu erledigen ohne dass es zum logistischen Alptraum kam, den ich seit Wochen hatte. Das ist mein „Konzern“! Jeder hat eine Aufgabe und ich kriege auch noch Lob.

Der Rest des Samstags stand unter dem generellen Motto „zuviel“. Wir hatten viel zuviel von allem. Zuviel Essen, zuviel zu Trinken und für mich leider auch zuviel zu hören. 15 durcheinander sprechende Personen mit mehreren Akzenten und einer deutsch/englischen „Fachsprache“ ergaben bei mir das Tilt. Da ging nichts mehr.  Das war so ein bisschen das, was ich im Vorfeld befürchtet hatte. Man kann auch nicht bei einer Party rumgehen und jedem immer wieder sagen: „Sprich langsam und deutlich …“. Aber es war eine gute Stimmung und nach und nach erfahre ich so ein bisschen, was gesprochen wurde. Ich habe mich dann mit dem Kicker des „Contakts“ getröstet und wir hatten ein paar coole Turniere. Einige der Leute waren wirklich wirklich gut. Unter anderem Lapis. Das hat mich allerdings nicht gewundert. Von den Resten des Samstages essen wir immer noch. Von der Kameradschaft, die entstand, zehrt der „Konzern“ hoffentlich auch noch lange.

Die Tage kommt ein „miszelliger“ Bericht und vor allen Dingen Fotos von der Sache ;)

Cheers,
Skeltem

Juni 18, 2008

18.6.2008: Argh! Argh! Argh!

Gespeichert unter: HomeStory — skeltem @ 4:10

Hallo Alle!

Eigentlich habe ich gar keine Zeit für euch. Denn ich muss jetzt sofort los, einen Tisch für Freitag reservieren. Und die Wohnung putzen. Und noch ein bisschen mehr putzen. Und aufräumen, einkaufen, kochen, Zettel ausdrucken, vorbereiten, den Verstand verlieren…. argh!

Am Freitag und am Samstag findet in Coburg das erste real life Treffen meiner EVE-Online „Gesellschaft“ statt. Wieso in Coburg? Hach, das ist eine lustige Geschichte. Wir hatten (zum siebten oder achten Mal) überlegt, dass wir uns ja eigentlich mal im echten Leben sehen müssten. Üblicherweise verlieren sich solche Gedankenspiele nach 3 Minuten im Nirvana des „man müsste mal …“ Salbaderns. Euer treuer Miszellator warf dann ein „Wenn wir uns treffen, dann in Coburg. Ich organisiere das alles.“ Ich und mein großes Maul! Jetzt kommen am Wochenende ein Dutzend Leute, die ich noch nie gesehen habe. Argh!

Bevor ihr das falsch versteht: ich freue mch riesig! Die Meute sind so nette Leute, wie man es sich für Leute, die man nur aus dem Chat kennt, vorstellen kann. Und ich bin wahnsinnig gespannt, wie sehr sich das Bild, das man sich so im Kopf zurecht macht, mit den tatsächlichen Personen überein stimmt.  Wie viel besser ein Kontakt mit richtig lebenden Menschen iat, habe ich ja erst im Mai wieder gemerkt. Und wenn die virtuelle Person ein schwacher Abklatsch der realen ist, dann kommen da ein paar wirklich, wirklich coole Leute. Argh!

Aber was ist, wenn ich sie nicht verstehe? Was ist, wenn sie mich nicht verstehen? Was ist, wenn alles schief geht, wenn es regnet, wenn … argh!

Ich muss putzen! Ich muss einkaufen! Ich muss eine Großpackung Baldrian bestellen!

Skeltem

Juni 16, 2008

16.6.2008: Nachtrag zur Fuß-Miszelle

Gespeichert unter: Gehör gefordert, komisch - ist aber so — skeltem @ 10:58

Aus der Fuß-Miszelle rausgeflogen:

Überhaupt scheint es mir, als sei das Gesundheitswesen in Deutschland, und nicht nur das, hin- und hergerissen zwischen dem 19. und dem 21. Jahrhundert.
Beispiel: Mein Hörprozessor ist High-Tech. State of the Art. Ich schätze mal, dass der Forschungsaufwand, der nötig war um dieses kleine Gerät zu entwickeln fast dem einer neuen Reihe von BMW entsprach. Das Ding musste am Anfang oft eingestellt und nachjustiert werden. Dazu musste ich nach Würzburg fahren. Wenn ich dort einen Termin beim C(ochlear) I(mplant)-Zentrum haben wollte, konnte ich ihnen eine E-Mail schreiben. Wenn ich die Adresse fand.
Die Homepage des CI-Zentrums war eine einzige katastrophe. Ein Patient ohne Ausdauer mit technischen Dingen ließe beim ersten Anblick alle Hoffnung fahren und versuchte jemanden zu finden, der telefonieren kann. Wohlgemerkt, es handelt sich um eine Einrichtung für Gehörlose und sehr Schwerhörige. Als ich dann tatsächlich nach wenigen Stunden die Adresse hatte und um einen Termin gebeten habe, war ich dann doch auf Lapis angewiesen, denn der Termin kam nur durch einen Telefonanruf zustande. Offensichtlich war es den Mitarbeitern verboten, E-Mails zu schreiben.
Oder mein neuer Zahnarzt. Supermoderne Klinik. Ich komme mir vor wie beim „Raumschiff Enterprise“. Und auch dort kann man, wie es eigentlich heute selbstverständlich sein sollte, seine Termine per E-Mail machen. Beziehungsweise man kann anfragen und sie rufen dann zurück. Warum sie keine E-Mails schreiben können, weiß ich nicht. Vielleicht fürchten die hohen Portokosten.
Die moderne Zeit ist voller Erleichterungen, speziell für uns Hörbehinderte. E-Mail, DVD, SMS, es ist wunderbar. Jetzt müssen diese Erleichterungen nur noch in den Köpfen der Leute ankommen.

Juni 14, 2008

Erhobenen Fußes

Gespeichert unter: HomeStory, komisch - ist aber so — skeltem @ 10:28

Um die folgende kleine Geschichte wirklich würdigen zu können muss man wissen, dass ich nicht besonders gut zu Fuß bin. Das natürlich eine nette Untertreibung. Ich laufe mit der Ausdauer und der Eleganz eines Captain Ahab. Nur, dass ich kein Holzbein habe. Beim Gehen hilft mir eine kleine, aber hässliche Vorrichtung in meinen Schuhen, die für zwei Dinge sorgt: 1. ich stolpere nicht andauernd über meine aufsässigen Füße und 2. ich muss auch im afrikanischsten Sommer dicke Schuhe und Socken tragen.

Nun ist diese Vorrichtung, eine Schiene, langsam recht betagt und löst sich, wie es heute üblich ist, nach einer genau vom Hersteller berechneten Periode selber auf. Ich brauche also dringend eine neue. Der Weg zu dieser Schiene erweist sich aber als Epos, das selbst Homer kleinlaut hätte werden lassen. Dies ist meine Saga.

Zuerst einmal redete ich mit meiner Physiotherapeutin. Das schien mir logisch, weil die aktuelle Schiene auch von einer Physiotherapeutin verordnet wurde. Vor drei Jahren war das. Meine KG, Citrin, konnte mir allerdings nicht helfen. Sie meinte, meine Ärztin müsse mir die Schiene verschreiben. Ich musste eh wegen diverser Sachen zu der Ärztin, also fragte ich sie auch nach der Schiene. Die Ärztin stimmte mir im Prinzip zu, dass sie dafür zuständig sei. Praktisch wüsste sie nicht, was genau sie mir da jetzt verschreiben solle. Ich zeigte ihr besagte Schiene. Aber trotz des sehr empirischen Faktums an sich, konnte sie das Wesen der Schiene, also das, was die Krankenkasse in der Schiene sieht, nicht indentifizieren. Ich solle in ein Sanitätshaus gehen und sie dort krankenkassentechnisch korrekt identifizieren lassen. „Kommen Sie nächste Woche nochmal wieder“. Zum Glück ist ihre Praxis ja nicht am anderen Ende von Coburg mit seinem notorisch schlechten ÖPNV.

Das Sanitätshaus auch nicht. Nur auf de halben Strecke zum anderen Ende von Coburg. Dort konnte eine freundliche, aber ratlose Verkäuferin die Schiene auf den ersten Blick auch nicht identifizieren. Langsam fragte ich mich, ob sich nicht vielleicht ein PAL-Feld um meinen rechten Fuß gebildet hatte. Sie meinte aber, am nächsten Tag käme jemand, der sich damit auskennt. Aha, also doch ein Problem anderer Leute.

Ich wackelte also mit meiner in Auflösung begriffenen Schiene wieder durch die halbe Stadt nach Hause, um am nächsten Tag zurück zu wackeln. Der Kollege war tatsächlich da und erklärte mit einem fachmännischen Blick auf meinen Fuß, dass es sich eindeutig um eine Fußheberschiene handele. Nach einem weiteren kundigen Blick fügte er noch hinzu: „Rechts“. Dann sagte er noch, dass die Krankenkasse die Neuanschaffung erst genehmigen müsse, bevor er mir eine neue Schiene anpassen könne.

Mit dieser Auskunft und einem Zettel für meine Ärztin („Fußheberschiene, rechts“) wackelte ich dann durch die ganze Stadt zu der Ärztin, deren Praxis am anderen Ende Coburg liegt. Die Ärztin war wie immer sehr freundlich und aufgeschlossen und verschrieb mir mit nicht wenig Schulterzucken eine „Fußheberschiene, rechts“, meinte aber, ich solle erst mit der Krankenkasse reden.

Also ging ich zur Krankenkasse, denn die Schiene liegt wirklich in den letzten Zügen und ich muss echte Gewalt anwenden, damit sie überhaupt sitzt. Bei der Krankenkasse traf ich leider eine Mitarbeiterin, die offensichtlich in direkter Linie von Gisela Schlüter, „Lady Schnatterly“, abzustammen schien. Deswegen gestaltete sich das Gespräch für uns beide ein wenig, hm, anstrengend.

Die junge Frau hatte noch nie etwas von „Fußheberschienen, rechts“ gehört und war erst mal verwirrt. Auch als ich ihr besagte Schiene (und den Zustand der Auflösung) zeigte, wusste sie scheinbar nicht genau, was ich wollte. Auch das Rezept und einen Zettel meiner Ärztin („Der Patient benötigt eine Fußheberschiene, rechts“) ließen keinen Groschen fallen. Sie suchte Hilfe bei einem Telefonat. Das schien etwas gebracht zu haben, denn ihre Miene zeigte endlich Verstehen.

Nun versuchte sie ihrerseits mir etwas mitzuteilen. Nach circa einer Viertelstunde hatte ich dann herausgefunden, dass „Goschorlag“ in Wirklichkeit „Kostenvoranschlag“hieß und ich zum Sanitätshaus gehen sollte, um einen ebensolchen zu bekommen. Der müsste dann wieder zur Krankenkasse eingereicht werden, die dann zu gegebener Zeit darüber entscheiden würde, ob ich eine Fußheberschiene, rechts, bekommen würde oder vielleicht auch dick gewickelte Mullbinden reichen würden.

Ich vermute, bis ich meine neue Fußheberschiene, rechts, bekomme, sitze ich im Rollstuhl. Aber den muss ich wohl auch erst beim Sanitätshaus identifizieren („Ja, das ist ein Rollstuhl“), von meiner Ärztin verschreiben („Der Patient braucht einen Rollstuhl“), von der Krankenkassen bestätigen („Sie brauchen was? Reicht da nicht auch ein Bürostuhl?“) vom Sanitätshaus bekostenvoranschlagen, wieder bei der Krankenkasse einreichen, den Antrag nochmal neu schreiben, verlieren, wiederfinden und bei Neumond unter einer Eiche vergraben lassen. Der wahre Sinn der Gesundheitsreform scheint zu sein, den Kranken ein wenig Auslauf zu gönnen.

Juni 12, 2008

Fähnchen im Wind

Gespeichert unter: HomeStory, Zeitnah — skeltem @ 4:37

Für diejenigen, die mich nicht kennen oute ich mich mal als absoluten Fußball-Nichtinteressierten. Alles was mit Fußball zu tun hat löst bei mir einen Gähnreiz aus, der nur noch von Debatten über die größten Hits von Michael Jackson, geführt in vollen Sälen, übertroffen wird. Alle vier Jahre sehe ich mir zur Weltmeisterschaft das eine oder andere Spiel an, nur um wieder festzustellen, dass ein Spiel alle vier Jahre genau die Dosis ist, die ich vertragen kann. Eine Halbzeit reicht allerdings auch.

Die WM vor zwei Jahren war ja ganz nett. So von der Stimmung her. Überall Trauben von Menschen, friedlich vereint im Sport. Und ich fand, dass unsere Flagge schon was her macht. Ok, Jamaicas hat schönere Farben. Die Schweizer Fahne ist quadratisch, praktisch, rot. Und wenn man die Flagge von Tibet aufzieht, zeigt man a) Solidarität b) politisches Bewusstsein c) China den Finger und d) dass Comics auch bei den Nationalsymbolen Einzug gehalten haben. Jedenfalls sah man überall schwarzrotgelb. Und irgendwie war das schon cool.

Jetzt haben wir ja die EM in Österreich und der Schweiz. Bei allen 3 Miszellen Leserinnen, die das noch nicht mitbekommen haben, entschuldige ich mich hiermit dafür, in ihre hermetisch abgeschirmte Welt eingedrungen zu sein. Andererseits kann ich mir nicht vorstellen, dass es irgendeinen Ort in Europa gibt, wo es noch kein „EM-Fieber“ gibt. Das Virus verbreitet sich durch alle Medien und Menschen, die Kontakt mit Medien hatten.

Neulich spielten wir wieder EVE und hatten gerade eine kleine Flotte gebildet, um uns Ärger zu suchen. Tatsächlich fanden wir in den Weiten des virtuellen Weltraums auch Opfer und die Spannung erreichte den Siedepunkt als wir den Gegner in die Zange nahmen. Der Kommandant gab ruhig seine Befehle, wir flogen in Position. Wenn uns jetzt nur keine feindliche Flotte in die Rücken fiel! Gespannt beobachteten wir unsere Anzeigen, während wir in Angriffsposition gingen.

Plötzlich meldete einer meiner Kampfgefährten: „Holland führt!“ Johlen und Schreien im Chat, obwohl keiner von uns Holländer ist. Erwähnte ich schon, dass ich Fußball nicht leiden kann?

Hier in Coburg ist die Stimmung auch bei weitem nicht so gut wie vor zwei Jahren. Viele Geschäfte zeigen solidarisch unsere Fahne oder bieten EM-Angebote an. Zum Beispiel 11 EM-Brötchen (die verdächtig wie die aussehen, die sie immer verkaufen) zum Preis von10. Wer, bitte, soll 11 Brötchen essen? In Deutschland? Wir müssen doch Leute importieren, wenn wir Doppelkopf spielen wollen. Vielleicht glauben diejenigen, die sich so etwas ausdenken, dass es überall zu spontaner Fußballmannschaftsbildungen kommt. Dass mitten in der Fußgängerzone wildfremde Menschen gegeneinander kicken. Und danach stärken sie sich mit leckeren EM-Brötchen vom Bäcker. Wahrscheinlich haben sie irgendwelche teuren Lizenzen gekauft und es war ihnen peinlich, dass sie nicht genau wussten, was Fußball und Laugengebäck miteinander zu tun haben.

Auch die vielen vielen Autos und nicht wenigen Motorroller in Coburg haben Fahnen. Allerdings auch nicht mehr so viele wie noch zur WM. Eher nur noch jedes Fünfte. Diejenigen die trotzig Fahnen zeigen, tun das aber zum Ausgleich für ihre unpatriotischen Nachbarn richtig. Ein Trikolore reicht heute nicht mehr, es müssen mindestens zwei ans Auto gepappt werden. Drei oder vier Fähnchen im Wind sind auch keine Seltenheit. So aufgetakelt schieben sich die Patrioten durch den Stadtverkehr, jeder eine kleine „Gorch Fock“. Und bieten in etwa den gleichen Luftwiderstand wie der Dreimaster. Aber wer wird aufs Benzin gucken, wenn es „unsere Jungs“ anzufeuern gilt. Blöd, dass die in ihrem Luxushotel in Italien sitzen, wenn sie nicht irgendwelchen Bällen hinterherrennen, und gar nicht sehen, wie Xaver Coburger es geschafft hat, acht Fähnchen an seinem Clio zu befestigen.

Dafür dürfen die Fahnenfahrer sich aber so richtig austoben wenn „wir“ gewonnen haben. Beim ersten Spiel (und, ich rate mal, Sieg) der deutschen Mannschaft, fuhren gefühlte Hundertschaften von motorisierten Fans durch die Gegend und hupten vor Freude, was das Zeug hielt. Es hätten natürlich auch immer die gleichen fünf Autos sein können, immer im Kreis fahrend. Coburg ist klein. Ich dachte, mein Prozessor platzt und schaltete ihn aus. Arme Lapis, die sich höchstens etwas in die Ohren stopfen kann gegen die hupende Horde. Aber vielleicht scheidet die deutsche Mannschaft ja bald aus. Wie das Erlebnis mit meinen EVE-Kollegen zeigt, können die Fans sich dann aber durchaus Ersatzbegeisterung schaffen. Ist Estland eigentlich dabei? Die haben auch eine schöne Fahne.

Juni 9, 2008

Es wird kritisch

Gespeichert unter: Wissen schaffen, relativ religiös — skeltem @ 4:56

Am Ende dieser Miszelle habe ich den Standpunkt wiedergegeben, dass unser Wissen über die Wirklichkeit nur einen Teilaspekt dieser Wirklichkeit wiedergibt und dass wir nicht in der Lage seien, die gesamte Realität zu begreifen. Die Teile des Ganzen, die wir erfassen können, spiegeln vor allem kulturell tradiertes Wissen wider. Um es kurz zu sagen: Wirklichkeit liegt immer im Auge des Betrachters.

Die resignierte Aussage, dass etwas wahr sei, wenn es wahr ist und dass man keine sicheren, positiven Aussagen treffen kann, scheint zu bedingen, dass alles irgendwie wahr sein kann. Das kann natürlich nicht sein, es würde den Grundlagen unseres Denkens widersprechen und sinnvolle Wissenschaft wäre unmöglich. Deswegen haben Erkenntnistheoretiker den „kritischen Rationalismus“ entwickelt, der sinngemäß besagt, dass als wahr angenommen werden kann, was einer ernsthaften Kritik standhält.

Das ist ziemlich dünnes Eis. Sie räumen ein, dass letztendlich alles Wissen Glauben ist. Aber wenn der Glaube gerechtfertigt ist, dann geht das in Ordnung. Diese Rechtfertigung erfolgt durch kritisches Hinterfragen. Kurz gesagt: Es wird überprüft, ob ein Glaube „vernünftig“ ist oder anderen „akzeptablen“ Wissensinhalten widerspricht.

Das ist (zumindest mein) Stand dessen, was Wissenschaft heute ist: Der Wissenschaftler ist sich bewusst, dass Wissen gerechtfertigter Glaube ist. Es ist die Aufgabe der Wissenschaft durch ständige Überprüfung der eigenen Postulate sicherzustellen, dass ihre Erkenntnisse, soweit man es sagen kann, „wahr“ sind. Aber genug Theorie! An einem Beispiel aus der richtigen Welt will ich den kritischen Rationalismus in Aktion zeigen.

Kreationismus, das dürfte bekannt sein, ist die Lehre, dass die Welt vor etwa 10.000 Jahren (die genauen Angeben gehen hier auseinander) erschaffen wurde. Sie bezieht sich explizit auf die Heiligen Texte der Religionen, die wortwörtlich als wahr angenommen werden. Eine moderne Spielart des Kreationismus ist die Lehre vom „intelligent Design“. Sie sieht sich selbst als Wissenschaft, die versucht zu beweisen, dass die Komplexität der biologischen Vielfalt der Welt nicht durch Mutation und Selektion entstanden ist, sondern durch die „lenkende Hand“ eines nicht näher bezeichneten „Designers“.

Der Kreationismus steht in direktem Gegensatz zu der Evolutionstheorie, die im 19. Jahrhundert von Charles Darwin begründet wurde und davon ausgeht, dass sich die Lebewesen über Jahrmilliarden durch zufällige Mutationen in natürlicher Auslese zu den heutigen Formen entwickelt haben. Grundlagen dafür sind Beobachtungen der rezenten Flora und Fauna und Fossilienfunde.

Momentan ist der Kreationismus wieder groß in Mode. Kürzlich wurde eine Umfrage unter Biologielehrern in den USA veröffentlicht, laut der etwa ein sechstel der Lehrerinnen und Lehrer erklärten, sie würden Kreationismus und Evolutionstheorie gleichwertig im Unterricht behandeln. Auch in Großbritannien Deutschland oder der Schweiz ist der Kreationismus im Biologieunterricht aufgetaucht. Andere Beispiele für das Wiedererstarken des Kreationismus sind die Macht, die der türkische Islam-Kreationist Harun Yahya alias Adnan Okdar besitzt, der wegen Kritik an seiner Person und seinen Vorstellungen („Wenn es die Evolution gegeben hätte, stünde etwas davon im Koran!“) alle WordPress Blogs in der Türkei sperren ließ. Und nicht zuletzt ist ja auch der ‘Commander-in-Chief’ der letzten verbliebenen Supermacht ein evangelikaler Christ und Wortführer des „Intelligent Designs“.

Die Arena ist bereitet. Die beiden Kontrahenten stoßen in „Unintelligentes Design“ aufeinander.

(Wer sich für das Thema interessiert, dem lege ich das (kritische) Blog „Evil Under The Sun“ von JLT ans Herz, das sich ausschließlich mit Evolution <> Kreation befasst.)

Juni 7, 2008

7.6.2008: Ich habe mal was versucht …

Gespeichert unter: Allgemeines — skeltem @ 6:01

… und es hat nicht geklappt.

Hallo Alle.

Am 17. Mai habe ich versucht, das Blog auf fast tägliches Erscheinen zu bringen. Zuletzt hatte ch fast nur noch eine Miszelle in der Woche geschrieben, was viel zu wenig war. Auch um meine eigenen Motivation zu halten. Ich habe es auch geschafft, aber zu einem Preis. Die Qualität der Miszellen hat gelitten und ich auch.

Deswegen versuche ich nicht mehr krampfhaft, viele Miszellen rauszubringen, sondern gute. Das bin ich euch und mir schuldig. Ich versuche, wieder auf die Frequenz von drei Miszellen pro Woche zu kommen, die sich als eine sehr gute Balance erwiesen hat.

Cheers,
Skeltem

Darth Lippe strikes back!

Gespeichert unter: Zeitnah — skeltem @ 3:28

Vor kurzer Zeit, in einem weit entfernten Bundesland…..

Wies Wars – Episode V: Das Imperium spielt verrückt

Es herrscht Verwirrung im Lande Hessen. Der böse Imperator hat eine gefährliche Schlappe erlitten. Prinzessin Ypsilanti konnte in der Schlacht von Wiesbaden verhindern, dass Hessen endgültig in Hände von Darth Lippe und seinen schwarzen Schergen fällt. Schwer angeschlagen torkelt er auf seinen Todesstern zurück, wo er von der Rebellenallianz der Roten Andrea belagert wird.

Aber der finstere Schurke ist noch lange nicht am Ende. Zwar kann er zusammen mit seinem treuen Paladin Grand Moff Hahn die Rebellen nicht besiegen, aber diese sind auch zu schwach, einen entscheidenden Schlag gegen die schwarze Macht des Imperators zu führen.

Prinzessin Ypsilanti beschließt, alles auf eine Karte zu setzen und mit Hilfe neuer Verbündeter, den linkischen Populisten eine Entscheidung zu erzwingen. Die Rebellen sind in Aufruhr! Wollte die Allianz die dubiosen Populisten nicht links liegen lassen? Unruhe macht sich in den Reihen der Rebellen breit. Darth Lippe reibt sich auf dem Thron, an den er sich mittlerweile hat schweißen lassen, die Hände.

Prinzessin Ypsilanti ist aber noch nicht gescheitert. Sie versammelt ihre tapferen Rebellen mit dem (zugegebenermaßen nicht so tollen) Schlachtruf „Nieder mit den Gebühren für das Erststudium und dem Ausschluss ärmerer Schichten aus der Universität“ hinter sich und diesmal akzeptieren alle die Populisten, die sich mit einreihen.

Die Schlacht scheint gewonnen. Die Rebellen scheinen die Oberhand in den Wies Wars zu behalten. Aber Darth Lippe gibt nicht auf. Er weist darauf hin, dass es sehr wohl den ärmeren Schichten möglich sei, ein Studium aufzunehmen. Seine bösen Gesetze sähen nämlich vor, dass einkommensschwachen Studierende Kredite mit großzügigen Rückzahlungsoptionen aufnehmen könnten. Außerdem wäre der Angriff auch nicht richtig gemacht worden und überhaupt. Was für ein Haufen diese Rebellen seien.

Wieder einmal hat sich Darth Lippe aus der Affäre gezogen. Die Rebellen stehen bedröppelt vor den Toren Wiesbadens und kommen sich dumm vor. Aber die Scham schweißt sie auch zusammen. Diese Schlacht mögen sie verloren haben. Aber Episode VI der Wies Wars kommt bestimmt!

Möge die Macht mit ihnen sein.

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