Die Iden des Mai
Ein Raum. Kurt „der Bart“ Beck sitzt hinter einem Schreibtisch. Frank “der Walter“ Steinmeier geht unruhig im Zimmer auf und ab.
KBB (mit in den Händen vergrabenem Gesicht): 19%?
FWS: 19%.
KBB: Bei der Sonntagsfrage?
FWS: Bei der Sonntagsfrage. Bei der Umfrage in deinem Wahlkreis „Südliche Weinstraße“ haben sie den Meinungsforscher verprügelt.
KBB: Ist das gut?
FWS: Nein. Nein, Kurt, das ist nicht gut.
KBB (schaut auf, Tränen in den Augen): Sie nehmen uns das Akronym weg!
FWS: Bitte?
KBB: Sie nehmen uns das Akronym weg! SPD. Das nehmen sie uns weg.
FWS (bleibt stehen): Wieso …
KBB: Wir sind keine Volkspartei mehr. Das Volk will uns nicht mehr. Jetzt können wir uns neben den Grünen und den Linken einreihen, die sich auch kein Akronym leisten können.
FWS: Kurt. Ich will jetzt mal so tun, als würde ich dich nicht für bekloppt halten. Oder am Rande des Nervenzusammenbruchs sehen. Deswegen frage ich dich: Was, um Willis Willen, hat eine Abkürzung mit dem Status einer Partei zu tun?
KBB (bleich): Die „Sozis“. Wir werden nur noch die „Sozis“ sein.
FWS: Kurt!
KBB: Guck sie dir doch an, die „Grauen“, die „Naturgesetzpartei“, die .. die …Loser!
FWS: FDP.
KBB (verächtlich): Die haben ihr Akronym gekauft.
FWS: Selbst diese Rechtsextremisten haben ein Akronym und das sind ja nun die größten Loser von allen.
KBB: Die haben es von den Nazis geerbt.
FWS (wütend): Jetzt hör’ endlich auf und reiß dich am Riemen.
KBB: Aber die CSU, die nehmen wir mit. Die nennt bald jeder nur noch „die Weißbier Partei“.
FWS (gehässig): Weizenbier ist beliebter als du. Kurt, ich fürchte …
KBB: Das hat alles mit dieser Frau angefangen, der Pauli.
FWS: Man könnte auch sagen, dass Edmund Stoiber …
KBB: Und bei uns hat auch alles mit einer Frau angefangen.
FWS: Was? Wovon redest du jetzt, zum Teufel?
KBB: Die Nahles. Die linke Sch…. Die Nahles. Wegen der ist der Münte zurück getreten und ich jetzt in dieser Situation.
FWS: Die Nahles? Münte hatte einfach keine Lust mehr. Das mit der Nahles war einfach der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat.
KBB: Frank! Walter! Ich habs!
FWS (trocken): Das befürchte ich schon lange.
KBB: Die Frauen! Die sind an allem schuld! Unsere Frauenquote! Seit wann geht es mit uns stetig bergab?
FWS: Seit wir den Leuten die nötigen Härten der Agenda 2010 nicht vermitteln konnten.
KBB: Seit die CDU eine Frau gegen Gerd aufgestellt hat!
FWS: Äh, was?
KBB: Und mein Abstieg begann, als die doofe Larmoyanti in Hessen plötzlich mit der Linken was anfangen wollte.
FWS (murmelt): Mit deiner Zustimmung.
KBB: Steini! Ich sehe es völlig klar vor mir! Die Frauen sind der Untergang der Sozialdemokratie! Der Demokratie! Der Welt, wie wir sie kennen!
FWS: Nenn mich nie wieder Steini! Und ich fürchte, du bist jetzt völlig übergeschnappt. Ich werde …
KBB (in seine Sprechanlage): Frau Mayer?
Frau Mayer (aus dem Lautsprecher): Ja, Herr Beck?
KBB: Sie sind gefeuert.
FM: Aber, aber …
KBB (triumphierend): Ja ha ha. Das wollte ich schon immer mal machen. Steinmeier, wir werden sofort unsere Politik radikal ändern. Wir werden das Rad der Geschichte zurückdrehen. In der guten alten Zeit, da waren wir wer! Da hätten wir unseren Namen fast nur mit Zwei Buchstaben abgekürzt! Zwei! Überleg dir das mal!
FWS: SP? Sozi Pack?
KBB: Wir werden so konsequent und radikal an unserem Profil arbeiten, dass die Leute gar nicht anders können, als uns zu wählen. Und wenn wir erst mal die Frauen aus der Politik haben, dann kann die Merkel sehen, wo sie bleibt. Soll sie doch im Osten bei ihrem Mann ver-Sauern! Ver-Sauern, Frank. Der war gut, oder?
FWS: Nein.
KBB: Ok. Sofortmaßnahme. Und ich will da die Parteiführung hinter mir haben, klar?
FWW: Was du sagst, Kurt.
KBB: Ich will nie wieder was von der „Alten Tante SPD“ hören oder lesen.
FWS: Wenn du so weiter machst, erfüllt sich dein Wunsch quasi …
KBB: Der „Nette Onkel SPD“! Das ist doch viel, hm, netter. Oder?
FWS: …
KBB: Und wir heuern Eva Herrmann an. Die soll und eine Kampagne zurecht zimmer, die sich gewaschen hat. „Sozial ist, wer für die Familie ist. Familien brauchen Frauen“. Oder so. Und die Müller brauchen wir auch.
FWS: Christa Müller?
KBB: Ja, die hat auch ein paar gute Ideen.
FWS Die Ehefrau von Oskar Lafontaine? Dem Chef der Linken? Die uns seit Monaten das Wasser abgraben? Uns links überholen? Denen du hoch und heilig geschworen hast, dass wir (auf Bundesebene) nie mit denen zusammen arbeiten? Die Christa Müller?
KBB: Willst du mir irgendwas sagen, Franky?
FWS: Nenne mich auch nicht Franky. Meinst du nicht, dass wir ein kleines Problem mit unserer Glaubwürdigkeit haben haben, wenn wir unsere neue Richtung, selbst wenn sie nicht dem Fiebertraum eines Silvaner trinkenden Bartmonsters entsprungen wäre, von der Frau unseres ärgsten politischen Gegners planen lassen würden?
KBB (nachdenklich): Hm, da könnte was dran sein. Wir müssen die Bevölkerung praktisch vorwarnen. Aufwärmen. Du hast Recht.
FWS: Gut, dass du das einsiehst. Wir vergessen also die ganze….
KBB: Steht nicht bald die Wahl des Bundespräsidenten an?
FWS: Ja. Aber was hat das damit…
KBB: Wir lassen einen Kandidaten von uns wählen. Und zwar mit den Stimmen der Linken. Dann kann keiner sagen, unsere Zusammenarbeit mit der Müller käme überraschend. Das schärft unser Profil und zeigt gleichzeitig, dass wir flexibel sind.
FWS: Unser einziger Kandidat ist eine Frau.
KBB: Das kriegen wir hin. Wir sagen: Frauen raus aus der Politik und rein in die Familie, abgesehen von Bundespräsidentinnen. Und, äh, …. (spricht in seine Sprechanlage) Frau Mayer?
FM (verheult): Ja, Herr Beck?
KBB: Sie sind wieder eingestellt. (zu FWS) … in den Vorzimmern der Politik dürfen sie auch sitzen.
FWS: Super, Kurt. Das wird all unsere Probleme lösen. Am besten kommst du gleich mit. Das Präsidium hat sich versammelt und ist sicher gierig darauf, deine Ideen zur Rettung der SPD zu hören. Hast du eigentlich schon mal was von den Iden des März gehört, Kurt?
KBB: Nein, warum?
FWS: Nur so, Kurt, nur so.
Mai 31, 2008 um 8:50
grandios…jetzt hab ich gelernt, was Akronym bedeutet.
Juni 18, 2008 um 3:12
Hätte ich auch gleich am 27.05. schreiben können, aber damit du es weist:
Ein Dialog, der mir meinen Geburtstag gleich noch ein bißchen mehr versüßt hat! Dankeschön!