26.5.2008: Fragment
Fragment einer längeren Geschichte:
Wenn man jung ist, gibt es keinen Horizont. Nichts, was den Blick einschränkt auf die Möglichkeiten, die vor einem liegen. Wenn man ganz jung ist, erschreckt einen diese formlose Masse der Zukunft. Sie schüchtert ein.
Wir brauchen Grenzen, um uns selbst zu sehen. Wenn wir nur aus Potenzial bestehen, sind wir noch nicht wirklich. Zuerst müssen wir wissen, wer wir sind. Dann entdecken wir, dass da draußen etwas ist. Dann entdecken wir, dass wir und das andere da eine geheimnisvolle Verbindung haben. Dass wir Einfluss haben. Wir tun irgend etwas und etwas geschieht. Mit uns. Mit anderen.
Wenn man jung ist, merkt man plötzlich, dass das Andere auch Einfluss nimmt. Grenzen zieht, Potenzial abschneidet und den formlosen Ichs Gestalt gibt. Wenn man immer noch sehr jung ist, tut das weh. Die ersten Schnitte sind aber beileibe nicht die tiefsten. Man hat so viele Möglichkeiten, dass selbst tausend Grenzen nicht ins Gewicht fallen. Zehntausend! Was macht das, wenn man ewig lebt und sich immer wieder neu definieren kann?
Und so gehen wir daran, uns selbst zu erforschen und die Welt und die Möglichkeiten, die uns die Welt bietet. „Das will ich sein!“, rufen wir. Und „Das will ich haben!“. Wir möchten nicht, wir wollen. Wir fordern. Die Welt schuldet uns etwas allein für die Tatsache unserer Existenz.
Wenn man jung ist, gibt es keine Grenzen. Nichts, was man nicht vermag. Höchstens Dinge, die man nicht tun will. Die man verachtet, weil sie einem nicht entsprechen. Wenn man nicht mehr ganz so jung ist, macht man sich allmählich Gedanken über das, was man mit seinem Leben machen will.
Juni 18, 2008 um 3:06
Ware Worte!
Ich sollte mir darüber auch so langsam mal Gedanken machen – also über das was nach dem „Wollen“ kommt! ^^