Archiv für Mai, 2008

Boys don’t cry

Veröffentlicht in HomeStory am Mai 31, 2008 von skeltem

Heute ist wieder großer Flohmarkt in Coburg. Wie immer musste man das genaue Datum nicht kennen, sondern nur auf den Boden gucken. Wenn am Anfang einer Woche überall auf dem Asphalt virtuelle Grenzen auftauchen, kann man sicher sein, dass am Wochenende Ausnahmezustand herrscht.

Diesmal hatte Lapis auch einen Claim abgesteckt, der praktischerweise vor unserer Haustür liegt. Nur hat irgend ein Idiot ihre dezenten Hinweise „LAPIS UND SKELTEM IHR PLATZ!!!“ übersehen und seinerseits großzügig Klebestreifen auf dem Boden verteilt. Lapis hat daraufhin fragliche Streifen entfernt und ihrerseits noch etwas dezenter „MEINS!“ auf den Boden gemalt. Wer die Schrift an der Wand nicht sieht, wird halt gewogen und als zu leicht befunden. Mene mene tekel!

Heute morgen klingelt es, der dreiste Kleber steht vor der Tür und hat auch noch die Stirn sich zu beschweren, dass Lapis seine frechen Markierungen ihrer gerechten Bestimmung zugeführt hat. Vermute ich. Denn Lapis war auf der Arbeit und der Typ schnarrte: „Gnagnagnaflohmarktbrrbrrbrrplatzmurmelmurmelunser“ oder so. Ich spulte dann brav meinen Satz runter: „Bitte sprechen Sie langsam und deutlich…“ Und er bemühte sich tatsächlich, die Worte noch schneller und undeutlicher unter seinem nikotingelben Schnurrbart hervorzupressen. Er ist dann frustriert gegangen, nachdem ich ihm mehrmals erklärte, dass wir den Platz schon markiert hatten, als sein Haar noch voll und sein Bart modern war. Lapis hat sich dann später gütlich (Frauen!) mit ihm geeinigt und ihm einen Teil unsere Platzes überlassen.

Sie selbst hat, kaum dass sie unten stand, schon fast alle ihre Waren verkauft. Sie hatte nicht mal Zeit gehabt, aufzubauen. Denn sie hat im Wesentlichen ihre mehrere Tonnen schwere Schallplattensammlung lächerlich billig verschleudert.

Ein sehr emotionaler, oder wie man heute sagt: „Emo“, Moment war, als ich unter ihren Schallplatten meine ganzen Wave/Gothic Scheiben sah: The Cure (als sie noch gut waren), The Sisters of Mercy, Christian Death, Fields of the Nephilim, Dead can Dance. Und wie die Geier stürzten sich von allen Seiten alte Männer auf Lapis’s Platten und balgten sich um meine alten Schätze.

Ich hatte sie ihr geschenkt, als ich gehörlos geworden war zusammen mit meinen ganzen CDs. Was soll ein tauber Mann mit Mucke? Trotzdem musste ich schlucken. Aber was hat Robert Smith so herrlich larmoyant gesungen: Boys don’t cry. Und wegen Vinyl gleich gar nicht!

30.5.2008: Kreativ

Veröffentlicht in Allgemeines, komisch - ist aber so, relativ religiös am Mai 30, 2008 von skeltem

Eigentlich wollte ich schon gestern eine kurze Miszelle zur Untertitelung von Fernsehsendungen im deutschen TV schreiben. Meine Recherchen haben da aber durchaus Material für eine „richtige“ Miszelle zu Tage gefördert.

Heute wollte ich eine kurze garstige Bemerkung zum „Genesis-Land“ schreiben, dem Bibel Freizeitpark, der bis 2012 in der Nähe von Heidelberg entstehen soll. Unter anderen soll wohl die Arche Noah im Maßstab 1:1 nachgebaut werden. Ich frage mich jetzt: Welche Abmessungen mag ein Mythos haben. (Antwort: 150m x 25m x 15m). Außerdem: Wie Gott die Welt in 6 Tagen erschaffen hat und wie er sie wieder kaputt zu machen gedenkt.

Jedenfalls hat Genesis-Land nicht nur den Satiriker in mir angesprochen, sondern auch den Religionswissenschaftler. Deswegen widme ich meinen guten Freunden, den evangelikalen Christen, noch an diesem Wochenende eine Miszelle namens „Unintelligentes Design“, in der ich mir kreativ kritisch den Kreationismus kralle.

Nächste Woche: Alliterationen sind albern, mkay?

28.5.2008: Schockschwerenot!

Veröffentlicht in HomeStory, Zeitnah am Mai 28, 2008 von skeltem

Die Schlagzeile in der SZ heute morgen hat bei drei Mitgliedern der „Familie“ wie eine Bombe eingeschlagen. Die deutschen Milchbauern streiken! Weil die Billigheimer von Aldi, Lidl und Co. ihre Milchprodukt so billig wie möglich verkaufen wollen, bezahlen sie den Bauern gerade so viel, dass viele Bauern immer am Rande des Ruins dahindümpeln (sagen die Bauern).

Das brachte die bekennende Lactoholikerin Lapis („Ich brauche Milch!“), die auch vielen Milchendprodukten nicht abgeneigt ist („Ich brauche Schokolade!“) ein wenig aus der Fassung. Davon angesteckt sorgten sich auch Pixie und Auralie („Miau!“) um ihre tägliche Portion Kuhsaft.

Als Lapis dann anfing, den Kühlschrank aus- und umzuräumen („Hier passt noch ne Tüte rein. Brauchen wir deine Wurst? Eher nicht, oder?“) erinnerte ich sie daran, dass wir eh immer die teuere Bio-Milch kaufen. Und die Supermarktketten warnten ebenfalls vor Hamsterkäufen.

Das erleichterte sie (und die Katzen). Sie hatte sich schon auf „kalter Kuh“ gesehen.

Die Iden des Mai

Veröffentlicht in Zeitnah, komisch - ist aber so am Mai 27, 2008 von skeltem

Ein Raum. Kurt „der Bart“ Beck sitzt hinter einem Schreibtisch. Frank “der Walter“ Steinmeier geht unruhig im Zimmer auf und ab.

KBB (mit in den Händen vergrabenem Gesicht): 19%?

FWS: 19%.

KBB: Bei der Sonntagsfrage?

FWS: Bei der Sonntagsfrage. Bei der Umfrage in deinem Wahlkreis „Südliche Weinstraße“ haben sie den Meinungsforscher verprügelt.

KBB: Ist das gut?

FWS: Nein. Nein, Kurt, das ist nicht gut.

KBB (schaut auf, Tränen in den Augen): Sie nehmen uns das Akronym weg!

FWS: Bitte?

KBB: Sie nehmen uns das Akronym weg! SPD. Das nehmen sie uns weg.

FWS (bleibt stehen): Wieso …

KBB: Wir sind keine Volkspartei mehr. Das Volk will uns nicht mehr. Jetzt können wir uns neben den Grünen und den Linken einreihen, die sich auch kein Akronym leisten können.

FWS: Kurt. Ich will jetzt mal so tun, als würde ich dich nicht für bekloppt halten. Oder am Rande des Nervenzusammenbruchs sehen. Deswegen frage ich dich: Was, um Willis Willen, hat eine Abkürzung mit dem Status einer Partei zu tun?

KBB (bleich): Die „Sozis“. Wir werden nur noch die „Sozis“ sein.

FWS: Kurt!

KBB: Guck sie dir doch an, die „Grauen“, die „Naturgesetzpartei“, die .. die …Loser!

FWS: FDP.

KBB (verächtlich): Die haben ihr Akronym gekauft.

FWS: Selbst diese Rechtsextremisten haben ein Akronym und das sind ja nun die größten Loser von allen.

KBB: Die haben es von den Nazis geerbt.

FWS (wütend): Jetzt hör’ endlich auf und reiß dich am Riemen.

KBB: Aber die CSU, die nehmen wir mit. Die nennt bald jeder nur noch „die Weißbier Partei“.

FWS (gehässig): Weizenbier ist beliebter als du. Kurt, ich fürchte …

KBB: Das hat alles mit dieser Frau angefangen, der Pauli.

FWS: Man könnte auch sagen, dass Edmund Stoiber …

KBB: Und bei uns hat auch alles mit einer Frau angefangen.

FWS: Was? Wovon redest du jetzt, zum Teufel?

KBB: Die Nahles. Die linke Sch…. Die Nahles. Wegen der ist der Münte zurück getreten und ich jetzt in dieser Situation.

FWS: Die Nahles? Münte hatte einfach keine Lust mehr. Das mit der Nahles war einfach der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat.

KBB: Frank! Walter! Ich habs!

FWS (trocken): Das befürchte ich schon lange.

KBB: Die Frauen! Die sind an allem schuld! Unsere Frauenquote! Seit wann geht es mit uns stetig bergab?

FWS: Seit wir den Leuten die nötigen Härten der Agenda 2010 nicht vermitteln konnten.

KBB: Seit die CDU eine Frau gegen Gerd aufgestellt hat!

FWS: Äh, was?

KBB: Und mein Abstieg begann, als die doofe Larmoyanti in Hessen plötzlich mit der Linken was anfangen wollte.

FWS (murmelt): Mit deiner Zustimmung.

KBB: Steini! Ich sehe es völlig klar vor mir! Die Frauen sind der Untergang der Sozialdemokratie! Der Demokratie! Der Welt, wie wir sie kennen!

FWS: Nenn mich nie wieder Steini! Und ich fürchte, du bist jetzt völlig übergeschnappt. Ich werde …

KBB (in seine Sprechanlage): Frau Mayer?

Frau Mayer (aus dem Lautsprecher): Ja, Herr Beck?

KBB: Sie sind gefeuert.

FM: Aber, aber …

KBB (triumphierend): Ja ha ha. Das wollte ich schon immer mal machen. Steinmeier, wir werden sofort unsere Politik radikal ändern. Wir werden das Rad der Geschichte zurückdrehen. In der guten alten Zeit, da waren wir wer! Da hätten wir unseren Namen fast nur mit Zwei Buchstaben abgekürzt! Zwei! Überleg dir das mal!

FWS: SP? Sozi Pack?

KBB: Wir werden so konsequent und radikal an unserem Profil arbeiten, dass die Leute gar nicht anders können, als uns zu wählen. Und wenn wir erst mal die Frauen aus der Politik haben, dann kann die Merkel sehen, wo sie bleibt. Soll sie doch im Osten bei ihrem Mann ver-Sauern! Ver-Sauern, Frank. Der war gut, oder?

FWS: Nein.

KBB: Ok. Sofortmaßnahme. Und ich will da die Parteiführung hinter mir haben, klar?

FWW: Was du sagst, Kurt.

KBB: Ich will nie wieder was von der „Alten Tante SPD“ hören oder lesen.

FWS: Wenn du so weiter machst, erfüllt sich dein Wunsch quasi …

KBB: Der „Nette Onkel SPD“! Das ist doch viel, hm, netter. Oder?

FWS: …

KBB: Und wir heuern Eva Herrmann an. Die soll und eine Kampagne zurecht zimmer, die sich gewaschen hat. „Sozial ist, wer für die Familie ist. Familien brauchen Frauen“. Oder so. Und die Müller brauchen wir auch.

FWS: Christa Müller?

KBB: Ja, die hat auch ein paar gute Ideen.

FWS Die Ehefrau von Oskar Lafontaine? Dem Chef der Linken? Die uns seit Monaten das Wasser abgraben? Uns links überholen? Denen du hoch und heilig geschworen hast, dass wir (auf Bundesebene) nie mit denen zusammen arbeiten? Die Christa Müller?

KBB: Willst du mir irgendwas sagen, Franky?

FWS: Nenne mich auch nicht Franky. Meinst du nicht, dass wir ein kleines Problem mit unserer Glaubwürdigkeit haben haben, wenn wir unsere neue Richtung, selbst wenn sie nicht dem Fiebertraum eines Silvaner trinkenden Bartmonsters entsprungen wäre, von der Frau unseres ärgsten politischen Gegners planen lassen würden?

KBB (nachdenklich): Hm, da könnte was dran sein. Wir müssen die Bevölkerung praktisch vorwarnen. Aufwärmen. Du hast Recht.

FWS: Gut, dass du das einsiehst. Wir vergessen also die ganze….

KBB: Steht nicht bald die Wahl des Bundespräsidenten an?

FWS: Ja. Aber was hat das damit…

KBB: Wir lassen einen Kandidaten von uns wählen. Und zwar mit den Stimmen der Linken. Dann kann keiner sagen, unsere Zusammenarbeit mit der Müller käme überraschend. Das schärft unser Profil und zeigt gleichzeitig, dass wir flexibel sind.

FWS: Unser einziger Kandidat ist eine Frau.

KBB: Das kriegen wir hin. Wir sagen: Frauen raus aus der Politik und rein in die Familie, abgesehen von Bundespräsidentinnen. Und, äh, …. (spricht in seine Sprechanlage) Frau Mayer?

FM (verheult): Ja, Herr Beck?

KBB: Sie sind wieder eingestellt. (zu FWS) … in den Vorzimmern der Politik dürfen sie auch sitzen.

FWS: Super, Kurt. Das wird all unsere Probleme lösen. Am besten kommst du gleich mit. Das Präsidium hat sich versammelt und ist sicher gierig darauf, deine Ideen zur Rettung der SPD zu hören. Hast du eigentlich schon mal was von den Iden des März gehört, Kurt?

KBB: Nein, warum?

FWS: Nur so, Kurt, nur so.

26.5.2008: Fragment

Veröffentlicht in Kurze Geschichten am Mai 26, 2008 von skeltem

Fragment einer längeren Geschichte:

Wenn man jung ist, gibt es keinen Horizont. Nichts, was den Blick einschränkt auf die Möglichkeiten, die vor einem liegen. Wenn man ganz jung ist, erschreckt einen diese formlose Masse der Zukunft. Sie schüchtert ein.

Wir brauchen Grenzen, um uns selbst zu sehen. Wenn wir nur aus Potenzial bestehen, sind wir noch nicht wirklich. Zuerst müssen wir wissen, wer wir sind. Dann entdecken wir, dass da draußen etwas ist. Dann entdecken wir, dass wir und das andere da eine geheimnisvolle Verbindung haben. Dass wir Einfluss haben. Wir tun irgend etwas und etwas geschieht. Mit uns. Mit anderen.

Wenn man jung ist, merkt man plötzlich, dass das Andere auch Einfluss nimmt. Grenzen zieht, Potenzial abschneidet und den formlosen Ichs Gestalt gibt. Wenn man immer noch sehr jung ist, tut das weh. Die ersten Schnitte sind aber beileibe nicht die tiefsten. Man hat so viele Möglichkeiten, dass selbst tausend Grenzen nicht ins Gewicht fallen. Zehntausend! Was macht das, wenn man ewig lebt und sich immer wieder neu definieren kann?

Und so gehen wir daran, uns selbst zu erforschen und die Welt und die Möglichkeiten, die uns die Welt bietet. „Das will ich sein!“, rufen wir. Und „Das will ich haben!“. Wir möchten nicht, wir wollen. Wir fordern. Die Welt schuldet uns etwas allein für die Tatsache unserer Existenz.

Wenn man jung ist, gibt es keine Grenzen. Nichts, was man nicht vermag. Höchstens Dinge, die man nicht tun will. Die man verachtet, weil sie einem nicht entsprechen. Wenn man nicht mehr ganz so jung ist, macht man sich allmählich Gedanken über das, was man mit seinem Leben machen will.    

Macht Dampf!

Veröffentlicht in Film-Buch-Filmbuch, Rollenspiele, analog am Mai 24, 2008 von skeltem

Von den vielen interessanten Genres, die unter der Tyrannei der Lametasy zu leiden haben, gehört der Steampunk zweifellos zu den interessanteren. Er erinnert an die große Zeit, als Fortschritt noch die Welt verbessern durfte. Die Prä-Moderne des späten 18. bis frühen 20. Jahrhunderts, geprägt von Autoren wie Jules Vernes oder H.G. Wells war optimistisch, dass am Ende die Technik obsiegen und alles gut machen würde. Der Steampunk weiß es besser. Er kennt den Preis, den der Fortschritt kostet und das deprimiert ihn. Steampunk ist im Wesentlichen Gothic mit coolen Maschinen.

Als Steampunk wird die Fiktion einer Zeit verstanden, in der die Technologie noch auf dem Niveau der Dampfmaschinen ist, also vage ein Szenario Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts. Dabei orientiert sich das Genre weniger an der tatsächlichen Technik als an den Utopien im Stile von Jules Vernes oder H.G. Wells. Das bestimmende Element ist die Existenz von Weird Science und ihren Apostel den „Verrückten Wissenschaftler“. Später kommen zu den reinen technologischen Phantasien auch mehr und mehr die „Punk“-Elemente, wenn Autoren wie William Gibson und Bruce Sterling oder Alan Moore die Realität des Zeitalters der Industriellen Revolution in die Technoromantik holen. Der Fortschritt des Dampfzeitalters wurde vom Elend der Massen bezahlt, die unter den schlimmsten vorstellbaren Bedingungen in den Boomstädten wie Manchester hausten oder sich in den Kohlebergwerken Englands und Deutschlands zu Tode schufteten für gerade mal soviel Geld, dass sie nicht an Hunger starben. Der Begriff „Manchester-Kapitalismus“ kommt nicht von ungefähr.

Steampunk ist kein neues Genre. Schon in den 80er Jahren erschienen Rollenspiele wie „Castle Falkenstein“ oder „Space:1899“, die einer Welt spielten, die eine Mischung aus der viktorianischen Ära und Jules Verneschem Science-Fiction entsprungen war. Oder das überaus geniale „Deadlands“, das Wilden Westen, Horror und Steampunk zu einem atemberaubenden Höllentrip verband. Auch die Fantasy kannte schon Steampunk Elemente, wie zum Beispiel Games Workshops „Warhammer“.

So richtig ab hob er allerdings erst Ende der 90er Jahre mit dem Hollywood Blockbuster und Will Smith Vehikel „Wild Wild West“. Und wie alles, was der Mainstream umarmt, verlor auch der Steampunk damit seine Ecken und Kanten und seinen „punkigen“ Anspruch und verkam immer mehr zum Kuriosum. Der sehr gute und zynische Comic „The League of Extraordinary Gentleman“ von Alan Moore wurde im Film zu einer Nummernrevue verwurstet. Einzig die japanischen Animes scheinen sich dem Thema mit einer gewissen Ernsthaftigkeit anzunehmen. Allen voran der hervorragende „Steamboy“ von Katsuhiro Otomo oder Hayao MiyazakisHowl’s Moving Castle“, der allerdings mehr Steam Fantasy ist.

Ende der 90er wurde auch die Steam Fantasy wieder von einem wegweisenden Roman eingeführt.“Perdito Street Station“ von China Miéville verbindet Magie und Dampftechnologie mit einem sehr düsteren Hintergrund. Die Düsternis der Steam Fantasy, die auch schon das Warhammer Szenario bestimmte wurde später in dem Erfolgs Onlinespiel „World of Warcraft“ verniedlicht und Kinder tauglich gemacht.

Trotzdem hat die Zeit, als die Bäume noch in den Himmel wuchsen, als Technik nicht kalt und steril sondern heiß und schmutzig war einen eigenen Charme. Ein Charme, der scheinbar gerade wieder entdeckt wird. Schon 2007 widmete der Spiegel Online dem Thema eine Geschichte. Und gerade hat die New York Times über einen Trend zum Steampunk berichtet. Bands wie „The James Gang“ oder Webseiten wie der „Steampunk Workshop“, Modemacher, Filme, Bücher, Rollenspiele, sind von der Retro-Ästhetik vereinnahmt.

Aber der Steampunk ist heute reine Romantik. Er drückt die Sehnsucht aus nach einer Zeit vor Klimawandel und Krieg gegen den Terror. Und reiht sich in die Mittelalter-Revivals und andere Historienspiele. Vielleicht sollten die Medien den Punk eines würdigen Todes sterben lassen. Der Punk hatte mit Freiheit und Konsumverzicht zu tun und Konsum ist der Gott, dessen Geist alle Stile, Bewegungen und Kulturphänomene der westlichen Nuller-Jahre durchzieht.

Happy Kadaver (again)!

Veröffentlicht in HomeStory, relativ religiös am Mai 22, 2008 von skeltem

Erinnert ihr euch noch an diese Miszelle? Heute ist es jedenfalls wieder soweit und die katholische Christenheit (und bayrische Arbeitnehmer) feiern das Hochfest des Leibes und des Blutes Christi, aka „Blutstag“. aka „Sakramentstag“, allgemein bekannt als Fronleichnam.

Lapis benutzt den freien Tag dafür, ihr Zimmer radikal umzugestalten. Mal wieder. Wahrscheinlich fand sie, dass ein Zimmer, welches einen ganzen Monat genau gleich aussieht ein erstes Anzeichen von beginnender Verkalkung ist. Oder das ist ihre Art des Gehirnjoggings. Immerhin muss sie sich immer wieder neu daran erinnern, wo ihr ganzes Zeug jetzt ist. Oder ihr ist einfach langweilig, whatever.

Ich sitze jedenfalls in meinem Zimmer, ziehe den Kopf ein wenn es allzusehr rummst von drüben und hoffe, dass den Nachbarn von unten der Putz nur in kleinen Stücken auf den Kopf fällt. Ab und zu, wenn mich ein Drang überkommt, schlage ich mich dann durch den Urwald ihrer Pflanzen (die jetzt den Flur versperren) und versuche, möglichst wenig Aufmerksamkeit zu erregen. Wie sagte schon Shakespear? „Hell hath no fury like a woman redecorating“. Die Hölle kennt keine Wut wie eine Frau im Umbauwahn.

Jedenfalls. Fronleichnam. Da ich ein wenig Zeit habe (*Rumms*) möchte ich euch an den drolligen Bräuchen (*Schepper*) eurer christlichen Mitmenschen teilhaben lassen. Quasi als Update zur „Kadaver“-Miszelle (*Miiiaaauuu*).

So wurden die Fronleichnamsprozessionen als ein Gegengewicht zu den ernsten und schwermütigen Karfreitagsumzügen fröhlich und prunkvoll begangen. Man führte eine Art mittelalterliche Version des „Herrn der Ringe“ auf, in dem die Heiligen und Engel die Rollen von Gandalf, Samweis und Aragorn übernahmen und gegen allerlei Teufel und Dämonen kämpften und, natürlich, siegten. Die Veranstalter wollten sagen: „Guckt, dass ihr auch immer auf der richtigen Seite seid. Unserer.“ In den Zeiten von Live Action Verbrennungen und öffentlichen Hinrichtungen waren die Special Effects wahrscheinlich krass.

Dass es im Christentum „swift justice“, also direkte Gerechtigkeit ohne so einen Mist wie Verfahren, Nebenkläger oder Recht gibt, musste ein Dieb im Kölner Stadtteil Mühlheim erfahren. Laut Legende stahl er aus einer Kirche und machte sich auf, per Boot zu fliehen. Aber entweder war er mit den Strömen, Strudeln und, äh, Stränden des Rheins völlig überfordert oder die Gott hat „Meins!“ gerufen und den Übeltäter höchstselbst ersäuft. Für die letztere Interpretation sprach, dass der Dieb tot, das Diebesgut aber noch vorhanden war. Hm. Oder so. Und ob das Boot gekentert war oder der Dieb besoffen in den Fluss fiel, darüber schweigt sich die Legende auch aus. Jedenfalls war der Zusammenhang „Kirche beklauen, Wasserpflanzen kauen“ Wunder genug, dass die Mühlheimer darob jedes Jahr zu Fronleichnam eine schöne Schiffsprozession veranstalteten. Leichen muss man eben feiern, wie sie in den Fluss fallen.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen noch ein schönes Blutfest und schicke von hier aus viel Liebe an meine alte Religionsgemeinschaft, die einfach die coolste ist. Sie sollte allerdings mal darüber nachdenken, ob scharfe Frauen mit dick Eyeliner, schwarze Korsetts und viel Haarspray nicht viel besser in ihre sexy Kathedralen passen als die ganzen Zölibat-Zauseln.

Und jetzt befreie ich Lapis mal aus ihren Büchern. Sie wünscht sich jetzt sicher, auch mal was Leichteres zu lesen.

21.5.2008: Würden Sie diesem Mann ein Auto abkaufen?

Veröffentlicht in HomeStory am Mai 21, 2008 von skeltem

Das Foto hier kennen ja alle Miszellen-Leserinnen zumindest teilweise vom Header der Seite:

Das ist der Miszellator in München vor ein paar Jahren. Das Bild hier:

Pascal und Kirsten

bin ich vor zwei Wochen in Moers bei dem Abi-Treffen. Die nette Frau neben mir ist K., die das Treffen veranstaltet hat.

Warum packe ich zwei Fotos von mir in mein Blog? Einfache Antwort: Natürlich weil ich kann und das nicht so lange dauert, wie eine echte Miszelle zu schreiben ;)

Skeltem-Antwort: Gestern hat Lapis mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, für einen Prospekt ihres Arbeitgebers zu modeln. Als Belohnung hätte ich am Steuer des neu angeschafften Fahrsimulators sitzen dürfen und auch die firmeneigene Wii mal testen. Obwohl mich die Wii natürlich gereizt hätte, habe ich abgelehnt. Grund: siehe Foto 2. Mal ehrlich! Würdet ihr diesem Mann etwas abkaufen?

20.5.2008: Der beste Klick?

Veröffentlicht in HomeStory am Mai 20, 2008 von skeltem

Heute wollte ich eine begonnene „echte“ Miszelle beenden. Leider spinnt entweder Freenet oder (wieder mal) der %§$% Samsung Router, den wir zu unserem DSL-Komplett bekommen haben.

Das heißt, ich konnte einige relevante Sachen nicht nachgucken, das heißt nur ne mickerige Tagebuch-Miszelle heute.

Nach dem ganzen Ärger im Januar mit dem Router und Freenet frage ich mich, ob das wirklich „der beste Klick meines Lebens“ war. Auf der positiven Seite haben wir mittlerweile zwei ganze Freenet-Läden hier in Coburg. Auf der negativen Seite, scheinen die mit ehemaligen Post/Telekom-Leuten besetzt zu sein. Denn als ich im Januar da nachgefragt habe, konnten oder wollten sie mir nicht helfen und verwiesen mich an den „tollen“ Freenet-Telefon-Service.

Ob sie mitbekommen hatten, dass ich gehörlos bin?

19.5.2008: Der Lala Lama

Veröffentlicht in Zeitnah, relativ religiös am Mai 19, 2008 von skeltem

Der Dalai Lama tourt wieder durch Deutschland. In mir verursacht das Phänomen der Dalai-Happenings, Lama-Ins oder Lamamanie immer ein gewisses Kribbeln. Dabei mag ich Tenzing Gyatso eigentlich. Nur, wenn ich sehe, was für einen unbuddhistischen Bohei um den Tibeter gemacht wird, kommen mit einige Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit der Menschen um ihn herum.

Immerhin, kalt lässt er keinen. Politiker schlagen sich, ihn zu treffen. Werden geschlagen, wenn sie ihn treffen. Schlagen zurück. Werden dafür mit Acht und Bann belegt. Wo er auftaucht, mobilisiert er die Menschen. Selbst im religionsfeindlichen Westen strömen ihm die Massen zu, wie sonst nur dem Papst oder Mick Jagger.

Und lässt sie vergessen, dass er eigentlich für ein unmodernes theokratisches System mönchischen Feudalismus steht. Eigentlich. Aber der Mann, der solche Weisheiten wie: „Bewerte deine Erfolge daran, was du aufgeben musstest, um sie zu erzielen“ oder “ Lebe ein gutes, ehrbares Leben – wenn du älter wirst und zurückdenkst, wirst du es ein zweites Mal geniessen können“ von sich gibt, ist ein Schlitzohr.

Er trommelt mächtig für die Sache seines Volkes, ist dabei aber so gewaltlos wie eine Reinkarnation Mahatma Gandhis. Er will nicht wirklich, selbst wenn das möglich wäre, Tibet ganz von China lösen, sondern die kulturelle und religiöse Autonomie. Sprich: Die Technik und den Komfort sollen die Chinesen bitte bringen, ihre „Politik“ dürfen sie behalten. Das hat eingeschränkt ja schon in Honkong geklappt. Heißt dann halt „Ein Land – 3 Systeme“.

Ich kann mir nicht helfen. Ich finde hinter der Fassade vom Lieblingslama des Westens steckt ein knallharter Politiker, der das beste aus dem macht, was er hat. Noch ein Spruch: „Religion ist ein Segen, solange sie keine Gewalt ausübt“. Der ist aber von mir.