Das Istanbul der türkischen Riviera (von Rosina)

Diese Miszelle ist die Fortsetzung von „Das New York der türkischen Riviera“.

 

Die hübsche Innenstadt von Yesilkoy mit Katzenkopf-Pflaster, kleinen Laternen und frisch gepflanzten Ficus-Bäumchen sah wirklich „entzückend“ aus.

Bei Tag.

Bei Nacht konnte man sie leider nicht mehr sehen. Man hatte vergessen die Laternen an der elektrische Leitung anzuschließen. Kann ja mal passieren. Straße auf, Straße zu…

Nach einem Jahr gefiel dem Bürgermeister das alles nicht mehr. Er ließ die Bürgersteige noch ein weiteres Stück verbreitern, die hübschen kleinen Laternen entfernen und neue, große mit Soft-Light einbauen. Die Tausende von Ficus-Bäumchen wurden wieder heraus gerissen und – Straße auf, Straße zu – das Katzenkopf-Pflaster nun in hübschen Mustern neu gelegt.

 

Dann machte er Urlaub in Istanbul.

 

Danach hatten wir in Yesilkoy einen überdeckten Basar, ähnlich dem „Großen Basar“ in Istanbul nur in Mikro-Ausgabe und eine „Fast-Galatabrücke„.

Im überdeckten Basar gibt es nur Scheiße. Sogar Touristen finden die angebotenen Waren Scheiße. Die T-Shirts sind Scheiße und alle gleich. In allen 3390 T-Shirt-Läden gibt es gnadenlos die gleichen Modelle. Abwechslung gibt es nur bei den Preisen. T-Shirts gibt es in teuer und viel zu teuer. Die Schuhe sind Schund und die Kunstledertaschen grotten hässlich. Einzig der Stand mit der Olivenöl-Seife soll vorige Woche einen Kunden gehabt haben, sagt man. Eine russische Familie aus Dnjeprpetrovsk.

Der Bürgermeister meinte aber, dass der „Große Basar“ so schlecht besucht werde läge in keinem Fall an dem katastrophal schlechten Angebot, sondern an dem Montagsmarkt (dem Wahrzeichen und neben dem Wasserfall einzigen Anziehungspunkt von Yesilkoy), der alle Kunden, sprich Touris, weglocken würde weil er gleich nebenan stattfindet. Immer montags…

Seitdem findet der berühmte Yesilkoy-Montagsmarkt zwar immer noch montags statt, aber jetzt 3 km von der Innenstadt entfernt, unten am Fluss. Die Touris werden in Bussen hingekarrt, joggen durch die Marktstände, die alle haargenau das gleiche Angebot haben wie der Marktstand nebenan. Stellen fest dass bei Kick, Pennymarkt und Zeman in Deutschland alles um die Hälfte billiger ist und drängen zurück ins Hotel. Zumal sie alle „all-inclusive“ gebucht haben, da kann man ja nicht für eine Cola am Fluss sein Geld verplempern.

Die entzückende Innenstadt mit Katzenkopf-Pflaster ist seitdem Touristen freie Zone.

Um die Touristen dennoch etwas länger am Fluss zu halten hat der Bürgermeister von Yesilkoy dort wo jetzt der neue Montagsmarkt ist eine wunderschöne neue Fußgängerbrücke über den Yesilkoy-Fluss bauen lassen.

Es will zwar kein Mensch an dieser Stelle über den Fluss, ein Tourist schon gar nicht, denn am anderen Ufer befindet sich die städtische Müllabfuhr. Und die findet selbst ein ganz eingefleischter Gepäckrollband-Fotografierer zum Knipsen zu langweilig. Aber die schicke neue Brücke hat sogar einen Aufzug und oben (sie ist ziemlich hoch wegen der vielen Touri-Holzschiffe die drunter her fahren ) viele schicke Restaurants. Fast wie die Galata-Brücke in Istanbul. In den Restaurants soll man preiswerte Ficus-Bäumchen und hübsche kleine Laternen kaufen können.

 

Im nächsten Jahr will der Bürgermeister Urlaub in Venedig machen.

 

Die Preise für Gummistiefel sind explodiert.

2 Antworten zu “Das Istanbul der türkischen Riviera (von Rosina)”

  1. Unterhaltsam…muss glaub mal in die Türkei… :)
    Aber:
    Ich versuche mir gerade diese Brücke über den Yesilkoy-Fluss vorzustellen. Ziemlich hoch. Okay. Mit einem Aufzug, wahrscheinlich seitlich, vielleicht aus Glas. Soweit so gut. Aber… viele Restaurants oben? Die Ficusbäumchen verkaufen? Hier versagt meine Phantasie…

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