Das New York der türkischen Riviera (von Rosina)
Wenn man auf dem Flughafen von Antalya, das bekanntlich in der Süd-Türkei liegt, landet und sich immer links vom Taurus-Gebirge und rechts vom Mittelmeer hält, gelangt man früher oder später nach Yesilkoy. Das bedeutet: Grünes Dorf. Yesilkoy ist ein kleines aufstrebendes Städtchen, welches sich mit erstaunlicher Zielstrebigkeit den hier angesagten Trend – das Mittelmeer zuzubetonieren – zu eigen gemacht hat. Yesilkoy hat einen Wasserfall, einen berühmten Bauernmarkt, ca. 50.000 Einwohner und einen hoch innovativen Bürgermeister.
Eines Tages hat der Bürgermeister von Yesilkoy in New York Urlaub gemacht und gesehen, dass es dort nur Einbahnstrassen gibt. „Toll!“, hat er ausgerufen, „Das will ich auch haben!“
Und so wurde die Hauptstraße aufgerissen, durch den Mittelstreifen eine Mauer gezogen in der man Palmen quälte, wieder zugemacht und hieß ab sofort im Volksmund: „Kleiner Gazastreifen“.
Wenn man die Straße überqueren wollte um in das gegenüberliegende Geschäft zu gehen, musste man erst einmal 25 km Richtung Alanya fahren, wenden, um dann auf dem Rückweg (25 km) auf die andere Straßenseite zu gelangen. Die Taxifahrer fanden das gut, denn wenn ihre Fahrgäste (vornehmlich Touristen – die Einheimischen nahmen sich stets ein Taxi das schon in der richtigen Fahrrichtung stand… ) von A nach B wollten, machten sie zuerst eine komplette „Seiii-siieng“-Tour durch ganz Yesilkoy und Umgebung: 25 km Richtung Alanya – wenden – 25 km zurück Richtung Antalya … Die Taxifahrer haben den Bürgermeister immer wiedergewählt*.
So ging das etwa 5 Jahre. Dann sagten die, die kein Taxi hatten sondern ein Geschäft auf der anderen Straßenseite: „Hör zu. So geht das nicht weiter. Zu uns kommen nur all-inclusive-Deutsche und die sind total knauserig. Die guten Russen, die mit richtig Rubel und nicht all-inclusive sind alle auf der anderen Straßenseite. Lass’ dir was einfallen Bürgermeister; sonst wählen wir dich nicht wieder!“
Und der Bürgermeister reagierte sofort. Nicht, dass er das wegen der Wiederwahl nötig gehabt hätte, sein Job ist, wie gesagt, eine Lebensaufgabe. Weil ihm die Straße und die vor sich hinmickernden Palmen auch nicht mehr so recht gefielen, hat er – Straße auf, Straße zu – dann nicht nur ein paar neue Kreuzungen eingebaut (sogar mit Ampel!), sondern auch die Bürgersteige wesentlich verbreitern lassen, damit dort mehr Touristen Platz finden.
Dafür wurden dann die Fahrbahnen schmaler. Aber der Bürgermeister von Yesilkoy ist ein Schlaumeier. Er hat einfach eine neue Auto-Brücke über den Fluss gebaut und den Verkehr umleiten lassen. Jetzt ist die Hauptstraße nur noch von 10:00 bis 18:00 hoffnungslos verstopft. Yaşa!
Die Innenstadt wurde zur Fußgängerzone mit Katzenkopf-Pflaster und breiten Bürgersteigen. Wenn man konsequent auf diesen Bürgersteigen bleibt und nicht etwa die Straßenseite wechselt, wird man von den durch die Fußgängerzone rasenden PKW´s nicht mitgeschleift. Heikel wird es wirklich nur, wenn man in das Geschäft gegenüber will. Früher konnte man sich ein Taxi nehmen, aber die wurden natürlich aus der Fußgängerzone verbannt.
*Obwohl er das nicht nötig gehabt hätte. Bürgermeister sein ist hier eh ein Job für´s Leben.
Dezember 24, 2007 um 3:11
sende ich dir zu allen feiertagen liebe grüsse
Mene & co
Januar 15, 2008 um 3:30
[...] Das Istanbul der türkischen Riviera (von Rosina) Diese Miszelle ist die Fortsetzung von „Das New York der türkischen Riviera“. [...]