Archiv für September, 2007

Sex und Religion

Veröffentlicht in Etwas ethnisch, Wissen schaffen, relativ religiös am September 25, 2007 von skeltem

Wie ich ja in „Gegen die Wand“ schrieb, beschäftige ich mich derzeit mit der Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen Religion, Sexualität und Gewalt gibt. Bisher habe ich mich, bestimmt zur Enttäuschung nicht weniger Miszellen-Leser, hauptsächlich mit Religion beschäftigt. Heute würde ich gerne etwas zu Sex und Religion schreiben.

Jede Religion* ist mit Sexualität assoziiert, weil Sexualität und Reproduktion ein fundamentaler Teil von Leben überhaupt ist. So weit, so banal. Interessant wird es da, wo Religion (und andere kulturelle Phänomene) den kreatürlichen Drang verbrämen oder gar verdrängen. Siegmund Freund hat den ganzen Tanz, der in unserer Kultur um Sex aufgeführt wird, als einen reinen Ausdruck eines Konfliktes des kreatürlichen „Es“ und dem kultivierten „Über-Ich“ bezeichnet. Kulturwissenschaftler der funktionalistischen Schule haben religiöse und soziale Institutionen wie Ehe, Tabus oder Verwandtschaftsregeln als einen Ausdruck des Grundbedürfnisses nach Sicherheit der Reproduktion gesehen. Das ist natürlich heute banal, zeigt aber auch wie sehr uns (als Gesellschaft) Sexualität beschäftigt.

Seit der Zeit der „Neolithischen Revolution“ etwa, als große Teile der Menschheit sesshaft wurden, hat ein Wandel auch im Denken stattgefunden. Mit aller gebotenen Knappheit zusammengefasst: Die Natur wurde gezähmt, also verlagerte sich die Verehrung von Naturphänomenen zu abstrakteren Entitäten, also Gottheiten. Solange die Menschen weitgehend von der Fruchtbarkeit der Felder, des Viehs und den Launen des Wetters abhängig waren, ist Fruchtbarkeit ein Gegenstand der Verehrung gewesen. Fruchtbarkeit und Reproduktion ist eine weiblich asoziierte Domäne. Deswegen wird in bäuerlichen Gesellschaften oft eine idealisierte Mutterfigur verehrt. In vielen bäuerlichen Regionen findet man auch heute noch einen starken Kultus der Mutter, der auch innerhalb monotheistischer Religionen wiederzufinden ist. Man nehme zum Beispiel den Marienkult, der am stärksten in landwirtschaftlich geprägten Gegenden verbreitet ist. Fruchtbarkeit und Reproduktion sind ein Grundelement aller menschlichen Gesellschaften und also auch aller Religionen. Umso stärker wird die Rolle derjenigen gewertet, die sich diesen grundlegenden Dingen entziehen. Freiwillig oder unfreiwillig.

Immer wieder gibt es Männer und (seltener) Frauen, die sich dem „natürlichen“ reproduktiven Prozess verschließen. Sei es die „Hijras“ in Indien, Polynesiens „Fakaleiti“ oder die „Berdache“ der nordamerikanischen Indianer. In vielen Kulturen, in denen es diese Ausnahmen aus dem reproduktiven Zyklus gibt, werden sie verehrt oder doch zumindest toleriert. Ihre Außenseiterrolle wird nicht zuletzt als eine Verbindung mit dem Ungewöhnlichen, der Anderswelt oder dem Heiligen gedeutet. Deshalb erfüllen sie oft Rollen als Priester, Schamanen oder Seher. Ihre Stellung „zwischen den Geschlechtern“ ist auch ein Platz zwischen den Welten des Profanen und des Heiligen.

Es ist also kein Wunder, dass in vielen Religionen der Entschluss sich als Mönch oder Nonne freiwillig der Reproduktion zu verschließen ein Ausdruck besonderer Hingabe ist. Die Sexualität ist ein wertvolles Gut, weil sie den Erhalt der Gruppe, der Gesellschaft, der Nation oder der Religion sichert. Auf Sex zu verzichten ist das höchste Opfer, das man seinem Glauben bringen kann.

Allerdings würde die Gesellschaft zusammenbrechen, wenn zu viele Menschen sich dem reproduktiven Zyklus verweigern würden. Deswegen gibt es oft strenge Auflagen, die mit Sexualität zu tun haben. Homosexualität wird gerade bei Kulturen mit ausgeprägten religiösen Institutionen verfolgt. So wird die Ehelosigkeit von Mönchen, Nonnen und Priestern in der katholischen Kirche als gottgefällig gesehen. Homosexualität aber mit dem Hinweis auf das göttliche Gebot der Reproduktion und ihre „Unnatürlichkeit“ abgelehnt.

Es hat also eine Entwicklung gegeben, dass ein „natürlicher“ Rückzug aus dem reproduktiven Zyklus, sei es aus Veranlagung oder biologischen Gründen, von Ruch des Heiligen zu einer Abartigeit erklärt wurde. Auf der anderen Seite wurde die „unnatürliche“ Unterdrückung des Geschlechtstriebes als ein Zeichen von Heiligkeit gesehen.

Und genau hier setzten meine Überlegungen über den Zusammenhang von Sex und Gewalt an. Denn eigentlich ging es um den Zusammenhang von der Abwesenheit von Sex und Gewalt. Aber das ist eine andere Miszelle.

 

 

 

*Ich benutze aus Bequemlichkeit wieder den eingebürgerten Begriff ohne „“. Stellt euch einfach vor, ich schriebe „System, das mit Hilfe transzendentaler, nicht-empirischer Phänomene die Erzeugung einer lückenlos sinnhaften Wirklichkeit zum Ziel hat“. ( ^ )

Fundamentale Überlegungen

Veröffentlicht in relativ religiös am September 19, 2007 von skeltem

Wenn man ein Haus bauen will, braucht man ein Fundament. Die Wikipedia sagt dazu: „Das Fundament (von lateinisch fundamen, -minis = Grund, Grundstein, Grundfeste, Grundlage) ist die Basis einer Baukonstruktion oder einer Maschine „ (Quelle). Das Fundament ist also die Grundlage, auf der alles andere aufgebaut ist. Wenn das Gebäude oder die Maschine stabil und sicher sein soll, muss das Fundament stimmen. Deswegen sind sie meist ausgeklügelte, aber einfache Strukturen. Fundamente sollen stützen, Halt geben. Sie sind nicht dazu gedacht, komplexe Aufgaben zu bewältigen. Fundamente sind lebenswichtig, aber meistens nur unbesungene Helden im Schatten der viel komplexeren Strukturen, die sie tragen. Und seit einiger Zeit werden sie sogar diffamiert.

Was haben die so überaus nützlichen und allgegenwärtigen Fundamente, ohne die unsere Zivilisation, ja die gesamte Menschheit wenn nicht untergehen, dann doch ziemlich unbequem leben würde, mit religiösen und anderen Fanatikern zu tun?

Am Anfang des 20. Jahrhunderts fühlten einige protestantische Geistliche in den USA, dass die Moderne zu komplex sei, als dass sie mit ihrer Vorstellung von Gottes Plan überein stimmen könne. Gott hatte ihnen schließlich die Bibel geschickt, in der alles steht, was man wissen muss. Sie kamen darin überein, dass nicht einmal die anderen Protestanten noch einen Plan hätten und schrieben mehrere Heftchen zusammen, die sie „The Fundamentals: A Testimony to the Truth“ betitelten.

Die Presse war begeistert, denn sie konnte einmal mehr ein Schlagwort prägen. Alle, die sich gegen die böse moderne Welt und für die „reine Lehre“ aussprachen, waren Fundamentalisten. Heute ist das Wort vor allem durch fanatische Terroristen negativ besetzt. Aber noch in den 80er Jahren, als die „Southern Baptist Convention“ einen Ruck von „stramm konservativ“ zu „religiös rechtsextrem“ machte, trugen die Rechten der Rechten ihren Fundamentalismus wie eine Auszeichnung.

Die protestantischen Fundamentalisten gehen davon aus, dass die Bibel das Wort Gottes ist. Und zwar in wörtlichem Sinne. Weil sie ist, was sie ist, kann sie keine Fehler oder Irrtümer enthalten, denn Gott ist unfehlbar. Alle anderen Aussagen, auch und vor allem die anderer Christen, sind unwahr und unchristlich. Der Laizismus der USA müsse zugunsten der Fundamentalisten aufgehoben werden.

Die Widersprüche in der Bibel werden mit Gottes nicht von Menschen nachvollziehbarer Komplexität erklärt. Die bekannte Tatsache, dass viele Menschen über Jahrtausende hinweg an der Bibel schrieben und dass die endgültige (lateinische) Fassung erst 325 beim Konzil von Nicäa entstanden ist, wird mit dem Hinweis auf die göttliche Inspiration all dieser Männer dem eigenen Glauben angepasst.

Fundamentalismus ist verführerisch. Vor allem für alle, die sich nicht gerne eigene Gedanken machen. Warum soll ich mich mit Komplexität abplagen, wenn es auf alles einfache Antworten gibt? Alles, was ich wissen muss, steht ja schließlich schon geschrieben. Was brauche ich komplizierte Gesetze, wenn ich die 10 Gebote habe? Warum muss ich zur Schule gehen, wo eh nur falsche Dinge gelehrt werden, wenn ich die Bibel lesen kann und alles weiß, was ich bis ins hohe Alter brauche? Warum soll ich eine Ethik entwickeln, die moralische Handlungen aufgrund eines durch Erfahrung erworbenen Prozesses persönlichen Wachstums bestimmt, wenn alle meine Handlungen und Entscheidungen bereits vor zweitausend Jahren für mich bewertet wurden?

Das Problem, das die Schreiber der „Fundamentals“ damals nicht bedacht hatten ist, dass eine Metapher sich auch gegen ihren Benutzer wenden kann. Ein Fundament ist nämlich eine von Menschen gegossene Struktur. Die Fundamentalismus-Forscher Marty und Appleby stellen demnach auch fest, dass alle Fundamentalisten großen Eifer darauf verwenden, ihre „ursprünglichen“ und „grundlegenden“ und vor allem „überlieferten“ Überzeugungen zu konstruieren. Die Zeit, als die „Religion/Ideologie mit sich selbst im Reinen war und alle den Wahren Glauben hatten“ ist ein Mythos. Ein Mythos, der erfunden wurde, um Unsicherheit und Angst abzuwenden. Der Hoffnung weckt, einen „ursprünglichen Zustand“ wieder herstellen zu können. Der Zweifel vertreibt und Trost und Wahrheit verspricht.

Ich kann die Fundamentalisten verstehen, wenn auch niemals ihre Ideologie nachvollziehen. Vor allem macht ihre Sehnsucht nach dem einfachen Leben sie anfällig für die einfachste aller Problemlösungen.

 

Aber davon bald mehr.

Shlepp™

Veröffentlicht in Spielkram, komisch - ist aber so am September 12, 2007 von skeltem

Ich möchte euch heute etwas über Shlepp erzählen. Shleppist ein neues Computerspiel. Nein, lasst es mich so formulieren: Shlepp™ ist DAS neue Computerspiel. Es hat alles, was man sich wünschen kann. Seine Grafik ist so nah an der Realität, dass man meint, einen Film zu sehen. Dabei läuft es auf allen gängigen Computern. Man kann es über das Internet mit bis zu fünfzigtausend (50.000) Menschen gleichzeitig spielen. Aber auch alleine mach Shlepp™ einen Riesenspaß. Shlepp™ ist die Computerspielzukunft. Ich weiß es. Shleppco hat es gesagt.

Nörgler und ewig skeptische werden jetzt sagen, dass es Unsinn sei, ein Spiel, das noch gar nicht erschienen ist, so zu hypen. Die haben aber die Homepage von Shlepp™ entweder nicht gesehen oder verstanden, weil sie zu sehr mit Meckern beschäftigt sind. Shleppco hat eine unglaubliche Arbeit abgeliefert. Die ersten Bildschirmfotos waren so klasse, dass mir ein wenig warm ums Herz wurde. Klar, dass Spiel ist noch einer frühen Phase, weswegen die Bilder vielleicht etwas bearbeitet sind. Aber wenn Shleppco es schafft, das ins fertige Spiel einzubauen! Mann, Mann, Mann.

Und wer zweifelt daran, dass Shleppco, ein riesiger Games-Konzern, das schafft? Muss ich Titel wie Shlupp I, II oder IV anführen? Wer solche Meilensteine abliefert, kann einfach nicht daneben liegen. Und die Szene ist sich ja mittlerweile einig, dass die Probleme bei Shlupp III der Fehler dieses Entwicklers waren, der dann ja auch gefeuert wurde und mittlerweile Shwisch macht.

Shwisch! Wenn ich das schon höre. So einen absolut blöden Titel kann sich wirklich nur eine lobotomisierte Marketing-Abteilung minderjähriger Bonobos ausdenken. Die Shwischies, wie sich die retardierten Fans dieses Machwerks nennen, glauben, dass diese in Code verfasste Gülle tatsächlich besser wird als Shlepp™. Bezeichnen Shlepp™ als einen Switsch-Klon! Das ist ja nun wohl der blödeste aller Vorwürfe. Bloß weil Switsch das erfolgreichste Computerspiel aller Zeiten ist, kommen irgendwelche „Oldschool“-Idioten und brabbeln was von „Innovation“ und „spielerischer Freiheit“und alles, was in etwa so aussieht wie Switsch wird gleich zum Klon.

Ich sag euch mal was, Shwulies. Habt ihr die Feature-Liste von Shlepp™ überhaupt mal gesehen? Shlepp™ wird 25 spielbare Rassen haben, die insgesamt 123 verschiedene Klassen wählen können. Das ist Freiheit! Schlagt das! Es wird eine Weltsimulation, wie es sie noch nie gegeben hat. Es wird „Spieler gegen Spieler“ Elemente haben. Es wird „Spieler gegen Umwelt“ Elemente haben. Man wird alles selber bauen können. Spieler werden Herrscher ihrer eigenen Länder sein und gegen andere Spieler Armeen anführen können wie in einem Strategiespiel. Wenn man nicht kämpfen will, wird es allein 23 Handwerksberufe geben, die wirklich Sinn machen und die Welt verändern können. Die Programmierer und Autoren haben 10.000 (!) Aufgaben für die Spieler geplant und jetzt schon 30 eingebaut. Shlepp™ wird der Chuck Norris aller Computerspiele. Shwisch, wenn ihr Glück habt, Lee Majors.

Was macht es da aus, wenn Shlepp™ sich bei der Benutzeroberfläche an Switsch orientiert? Ja, ich finde das sogar richtig gut. Warum soll man das Rad neu erfinden? 12 Millionen Switsch-Benutzer haben sich daran gewöhnt, ihr Spiel auf diese und jene Weise zu bedienen, warum soll man das ändern? MagerQuark ändert ja das Konzept für „Portal“ auch nicht. Und JEDER benutzt „Portal“.

Klar ist Shlepp™ bei der letzten Vorführung auf der B4 abgestürzt. Na und? Die Entwickler haben superschnell eine erste lauffähige Version programmiert. Immerhin soll das Spiel ja erst in sechs Monaten erscheinen. Bis dahin haben sie alle Fehler ausgebügelt. In einem Entwickler-Blog hat „SC Atrocious“, Vize-Chefentwickler geschrieben, dass die Shleppgine™, die Grafik-Software von Shlepp™, zu 75% fertig sei.

Ich bin jedenfalls wahnsinnig aufgeregt und habe schon an drei Wettbewerben teilgenommen, um einen Beta-Zugang zu Shlepp™ zu bekommen. Ich habe sogar ein Sonnet, eine Kurzgeschichte und einen Popsong über Shlepp™ geschrieben. Das ist aber nur zur Sicherheit, denn ich habe am Rande einer Shleppconvention den Freund eines Entwicklers getroffen und der hat gesagt, dass Gilden auf jeden Fall in die Beta kommen und wenn ich ihm ein Bier kaufe, erwähnt er meine. Auf meiner Homepage „www.shleppnatics.de“ könnt ihr euch bei meiner Gilde, den „Fantastischen Shleppnatikern“ anmelden und kommt so mit 90% Sicherheit in die Beta, die nächsten oder übernächsten Monat startet.

Also vergesst Switsch, Smatsch, Supidupi, oder Schmoll2. Lasst euch nichts von den blöden Shwischies erzählen, die jetzt schon ahnen, dass ihr „Spiel“ gegen Shlepp™ abstinken wird. Und für alle die „A.D.A.M“ spielen (alle 300 :) ): Shleppco hat sogar versprochen kurz nach der Veröffentlichung Luftkämpfe mit ausbaubaren Luftschiffen und/oder reitbaren Drachen einzubauen. Wie geil ist das denn? Wer ab März nicht Shlepp™ spielt, ist wirklich ein unheilbarer Noob.!

The Sound of Music (dt.)

Veröffentlicht in Gehör gefordert, HomeStory, Medien, allgemein am September 4, 2007 von skeltem

Der erfahrene Miszellen-Leser/die erfahrene Miszellen-Leserin ahnt natürlich, dass „The Sound of Music (dt.)“ eigentlich ein Teil von „The Art of Noise (dt.)“ war, den ich wegen der Länge abgetrennt habe. Dem ist allerdings nicht so. Ich habe das Thema außen vor gelassen, weil es mich so schrecklich deprimiert hat.

In den letzten Jahren bevor ich ertaubte spielte Musik immer weniger eine Rolle. Ich habe zwar immer noch Musik gehört. Und gerne. In den letzten Jahren hatte sich mein Geschmack in Richtung elektronisch erzeugter Musik entwickelt. Die letzte CD, die ich mir gekauft habe war das excellente „Palookaville“ von Fatboy Slim. Ignoranten mögen einwenden, dass sich Electronica eh nur auf immer wiederholten Samples ausruht, die dem Hörer so lange um die Ohren gehauen werden, bis er es in einem Anfall von Spontangehirnwäsche gut findet. Aber das ist natürlich nur die halbe Wahrheit. Das Klangerlebnis war eher mau, obwohl ich die Musik sehr gut fand. Es frustrierte mich mehr und mehr, nur die groben Züge herauszuhören und nicht die feineren Nuancen zu erkennen.

Nachdem der Prozessor angeschaltet wurde, begann ich damit, mit dem neuen „Hören“ zu experimentieren. Unter anderem mit Musik. Leider war schnell klar, dass elektronisch wiedergegeben Töne sich mit dem Prozessor aufs Heftigste bissen. Das war zu erwarten gewesen und passt zu meinem Unvermögen, Telefongespräche zu führen, war aber trotzdem eine Enttäuschung. Immerhin fand ich einen Weg, die Erfahrung, die ich mit der Kommunikation gemacht habe, zu nutzen. Je mehr Informationen ich besitze, desto besser kann ich kommunizieren. Dessen eingedenk sah ich mir Videos von einigen meiner Lieblingstiteln an und rekonstruierte sie im Gedächtnis (wie mit den Geräuschen). Die Bilder der Videos dienten als zusätzliche Gedächtnisstütze.

Das funktionierte aber natürlich nur mit Musik, die ich kenne. Einige der neueren Gorillaz Titel haben mir überhaupt nichts gesagt, obwohl ich die Musik der Gruppe gerne gehört habe. Und wie mit den Geräuschen, verliere ich auch mit der Zeit die Erinnerung an die Musik. Der Refrain ist manchmal das einzige, was ich noch von einem Lied weiß und der Rest ist ein Brei. Langsam aber sicher verliere ich die Musik. Und von den vielen Sachen, die die Gehörlosigkeit mit sich bringt, ist das eine der am schwersten zu verdauende.

Seht ihr? Ich habe euch gesagt, dass es keine der „happy sunshine“-Miszellen wird. Wieso ich die überhaupt schreibe? Heute wurde in der SZ die neue CD von Manu Chao „La Radiolina“ besprochen. Bevor ich es besser wusste habe ich den ersten Absatz gelesen, und die Kritik war sehr positiv. Manu Chao und Mano Negra gehörten mal zu meinen Lieblingsmusikern und das Album wäre ein „must have“ gewesen. Life sucks. Manchmal.