Archiv für Juli, 2007

31.7.2007: Keine Miszellen Medien mehr…

Veröffentlicht in Allgemeines am Juli 31, 2007 von skeltem

Ich habe mal die Medienseite abgeschaltet. Von Anfang an hat da eh kaum einer drauf geguckt und die Pflege wäre viel aufwändiger gewesen als der Gewinn. Von Amazon habe ich eh nie nen Cent gesehen, es ist aber auch kein Feedback gekommen.

Wenn ich dran denke, werde ich in die Miszellen Literatur- oder Filmtipps einbauen. Ihr könnt aber auch einfach einen Kommentar schreiben, dass euch das Thema interessiert und ihr gerne mehr darüber lesen/sehen/hören/riechen würdet.

CU,
Skeltem

Deutscher Krisensommer 2007

Veröffentlicht in Zeitnah, komisch - ist aber so am Juli 27, 2007 von skeltem

Szene 1:

Redaktionskonferenz eines großen deutschen Computerspielmagazins.

 

Redakteur 1: Sie lesen uns nicht!

Redakteur 2 (schwermütig): Das haben wir nicht verdient.

Redakteur 1 (den Tränen nah): Was haben sie gegen uns?

Redakteur 3: Undankbar! Das sind sie. Haben wir ihnen nicht Vollversionen gegeben? Demos?

Redakteur 2: Bilder von Booth Babes!

Redakteur 1: Einen fast kostenlosen und nur wenig durch Werbung verunstalteten Internet-Auftritt.

Redakteur 3 (grollend): Verwöhnt haben wir sie. Mit immer neuen Layouts und noch komplexeren Bewerungssystemen.

Redakteur 1 (weinerlich): Und dabei wollte ich doch gerade einen objektiven und unvoreingenommenen Test schreiben.

Die beiden anderen Redakteure sehen sich an, sehen Redakteur 1 an und räuspern sich.

Redakteur 2: Äh, genau.

Redakteur 3: Was wollen sie denn noch?

Redakteur 2 (nach einigem Überlegen): Keine Ahnung.

Redakteur 1 (weint jetzt offen): Was können wir denn noch machen?

Der Vertreter einer weithin bekannten Spielefirma, deren Spiele immer Zahlen im Titel tragen, betritt den Raum.

Redakteur 2 (murmelt): Wenigstens haben wir Arbeit.

 

 

Szene 2:

Krisenkonferenz eines großen deutschen Radrennstalls.

 

Radrennfahrer 1: Sie lassen uns nicht!

Radrennfahrer 2 (schwermütig): Das haben wir nicht verdient.

Radrennfahrer 1 (den Tränen nah): Was haben sie gegen uns?

Radrennfahrer 3: Undankbar! Das sind sie. Haben wir ihnen nicht unser Bestes gegeben? Traumfinishs?

Radrennfahrer 2: Bergetappen!

Radrennfahrer 1: Eine fast Doping freie Tour vor drei Jahren?

Radrennfahrer 3 (grollend): Verwöhnt haben wir sie. Mit immer neuen Publicity trächtigen Geschichten für den Sponsor..

Radrennfahrer 1 (weinerlich): Und dabei wollte ich doch gerade eine Etappe ohne Mittelchen fahren. Egal, wieviel Zeit mich das gekostet hätte.

Die beiden anderen Radrennfahrer sehen sich an, sehen Radrennfahrer 1 an und räuspern sich.

Radrennfahrer 2: Äh, genau.

Radrennfahrer 3: Was wollen sie denn noch?

Radrennfahrer 2 (nach einigem Überlegen): Keine Ahnung.

Radrennfahrer 1 (weint jetzt offen): Was können wir denn noch machen?

Der Vertreter einer weithin bekannten Pharmafirma betritt den Raum.

Radrennfahrer 2 (murmelt): Wenigstens haben wir Drogen.

 

 

Szene 3:

Vorstandssitzung einer großen deutschen Volkspartei.

 

Politiker 1: Sie wählen uns nicht!

Politiker 2 (schwermütig): Das haben wir nicht verdient.

Politiker 1 (den Tränen nah): Was haben sie gegen uns?

Politiker 3: Undankbar! Das sind sie. Haben wir ihnen nicht Reformen gegeben? Eine Agenda?

Politiker 2: Kugelschreiber!

Politiker 1: Eine fast komplette Legislaturperiode mit schönen neuen Gesetzen, von denen alle profitieren?

Politiker 3 (grollend): Verwöhnt haben wir sie. Mit immer neuen Vorsitzenden und Kompromissen. Politiker 1 (weinerlich): Und dabei wollte ich doch gerade das eine oder andere Wahlversprechen halten.

Die beiden anderen Politiker sehen sich an, sehen Politiker 1 an und räuspern sich.

Politiker 2: Äh, genau.

Politiker 3: Was wollen sie denn noch?

Politiker 2 (nach einigem Überlegen): Keine Ahnung.

Politiker 1 (weint jetzt offen): Was können wir denn noch machen?

Der Vertreter einer weithin bekannten Volkspartei, der er noch nicht ganz so schlecht geht, betritt den Raum.

Politiker 2 (murmelt): Wenigstens haben wir eine Koalition.

 

Langsam und deutlich

Veröffentlicht in Gehör gefordert am Juli 19, 2007 von skeltem

Der Weltraum, unendliches blabla… Hier ist wieder Skeltem von Borg, der auf der USS Acoustically Challenged die grenzenlose Weite hinter der Stirn so manches Menschen erforscht, der mit dem Neuen, dem Unbekannten, dem behinderten Mitmenschen konfrontiert wird.

Nach etwa einem Jahr ohne Landgang hat das Oberkommando beschlossen, dass es auch für die gemischt hörbehinderte Besatzung der USS ACC mal an der Zeit sei, sich ein wenig die Beine zu vertreten. Während unsere Kollegen von der Enterprise unter diesem Streber Picard oder die Voyager Besatzung mit dem Borg-cum-Supermodel „7 of 9“ auf solchen Paradies-Planeten wie Risa die terranische Sau raus lassen dürfen, fiel unser Landurlaub auf die idyllische Provinz der Region Deutschland.

Und ich wette, auf den anderen Schiffen gibt es kein „Neukontakt“-Training. Während die sich wahrscheinlich auf den Erstkontakt mit glubschäugigen Aliens vorbereiten dürfen, werden wir auf hörende Franken eingestellt. Etwa eine Woche lang trainieren wir, bei jedem Kontakt höflich aber bestimmt auf unsere jeweilige Behinderung hinzuweisen. Und auch wenn unser Gegenüber noch so ignorant ist, sollen wir auf keinen Fall den Kontakt abbrechen. Wir sollen die Hörenden darüber aufklären, wie man am besten mit uns kommunizieren kann. „Bitte sprechen Sie langsam und deutlich. Bitte halten Sie sich keine Hand vor den Mund und sprechen Sie in meine Richtung. Es ist nicht erforderlich, dass Sie Ihre Stimme erheben. Vielen Dank für Ihr Verständnis.“ Diesen Satz müssen wir so oft wiederholen, dass es einer Gehirnwäsche gleichkommt. Die Sternenflotte hat uns darauf eingeschworen, dass wir Botschafter in eigener Sache seien und dass dies genau so wichtig sei wie der Frieden zwischen Romulanern und Vulkaniern. Blablabla.

Als unser Shuttle dann in einem kleinen fränkischen Nest landete, war unsere Gruppe ziemlich übersichtlich. Alle GL* waren mitgekommen und offenbar in bester Stimmung. Hinten saßen ein paar moppernde ET, die sich bestätigen wollten, dass es alles keinen Sinn machte und sie tot besser dran seien als gehörlos. Außerdem ein paar SH, die voll gespannter Erwartung waren. Beim Aussteigen wurden die GL dann von einer Gruppe fröhlich gebärdender Menschen umringt und sofort entspann sich eine lautlose, aber sehr lebhaft geführte Unterhaltung. Die beiden Gruppen zogen sehr bald ab.

Ich selbst ging zielstrebig in die Stadt um eigene Forschungen anzustellen. Als erstes betrat ich ein Geschäft, dass Backwaren feil bot, weil ich eine der lokalen Spezialitäten probieren wollte. Hefeteig mit Natronlauge. „Guten Tag. Ich bin schwerhörig. Ich hätte gerne eine Teigschlaufe, die in Natronlauge gebacken wurde.“ „eeznoeras?“**, fragte sie. Ich antwortete: „Bitte sprechen Sie langsam und deutlich. Bitte halten Sie sich keine Hand vor den Mund und sprechen Sie in meine Richtung. Es ist nicht erforderlich, dass Sie Ihre Stimme erheben. Vielen Dank für Ihr Verständnis.“ „EEZNOERAS?“, schrie sie freundlich zurück. Manchmal ist es gut, ein Borg zu sein. Wenn es darum geht, den gleichen Satz zu wiederholen etwa. Ich sagte also noch einmal „Bitte sprechen Sie langsam und deutlich…“ In etwa in dem gleichen Tonfall, in dem ich auch den berühmten „Widerstand ist zwecklos“-Satz gesagt hätte. Aber wo ganze Raumsektoren kollektiv die Zwecklosigkeit eingesehen hätten, zerschellte die Borg-Drohung an der puren Ignoranz terranischer Backwaren-Verkäuferinnen. „ENNSNITSCHEIDNKONNASSECHTNKUNDRAN!“***, brüllte sie genervt zurück. Ich konnte mich gerade noch zurückhalten und deaktivierte meine Waffe und zeigte stumm auf die Schleife in der Auslage. „agchochneeze“+, sagte sie höhnisch und reichte mir das Gebäck.

„Das geht mir jeden Tag so. Seit zwei Jahren“, sagte ein Menschenmann hinter mir. „Bitte sprechen Sie langsam und ..“, begann ich, dann merkte ich, dass ich ihn gut verstanden hatte. Er lächelte traurig und ich wusste, dass er ertaubt war. „Vor zwei Jahren habe ich bei einem Unfall das Gehör verloren“, sagte er langsam und deutlich, „Seitdem wohne ich wieder hier. Ich komme fast jeden Tag hierher. Aber glauben Sie, dass die sich darauf einstellen, dass ich nichts höre?“ Die Frau hinter dem Tresen brüllte ihn in diesem Moment an: „AOERRAEUCH ONASSIDAAIN ASAREUEIN?“ Da ich mich nicht für das Schicksal irgendwelcher Menschen interessierte, ließ ich ihn einfach stehen.

Kurz gesagt, der Landgang war eine Katastrophe. Wo ich auch hinkam, die Menschen machten sich nicht einmal die Mühe, langsam und deutlich zu sprechen, obwohl ich die Aufforderung 46 mal wiederholt habe. Am Ende unseres Besuches war es dann allerdings auch um meine Borg-Gleichmut geschehen. Die Erd-Polizei musste mich betäuben, als ich einen Meschen in die Luft hob und ihn anschrie: „Sprich langsam und deutlich, du Primat!. Wenn du dir eine Hand vor den Mund hältst, schwöre ich beim Kollektiv, dass ich sie abhacke! Sprich in meine Richtung, verdammt und nicht mit deinen Füßen! Wenn ich dich nicht verstehe, du Fleischsack, dann liegt das nicht an der Lautstärke, sondern daran, dass du deine verdammten Lippen nicht bewegst. Was bist du? Bauchredner? Widerstand ist aargh….“

Das war dann doch etwas peinlich. Der nächste Landurlaub wurde dann auch auf eine unbemannte Bergbaukolonie im Beta-Quadranten verlegt. Wir sind alle sehr erleichtert über diese Entscheidung.

 

 

* Ich benutze auch in dieser Miszelle wieder die Abkürzungen GL für gehörlos, ET für ertaubt und SH für schwerhörig.

** „Eine Breze, oder was?“

*** „Wenn Sie sich nicht entscheiden können, lassen Sie den nächsten Kunden ran!“

+ „Sag ich doch, ne Breze.“

„I’m a looser baby, so why don’t you kill me?“

Veröffentlicht in HomeStory, Spielkram, komisch - ist aber so am Juli 9, 2007 von skeltem

Manchmal muss man einfach ehrlich zu sich selbst sein. Auch wenn’s weh tut. Aber nachdem ich das Gleiche von verschiedenen Seiten mehr oder weniger schonend gehört habe, musste ich der schrecklichen Wahrheit ins Auge sehen: Ich bin ein schlechter Verlierer.

Gut, es hätte mir auch etwas sagen sollen, dass damals niemand mehr mit mir BloodBowl spielen wollte. Dabei habe ich wirklich nicht immer nach einer verpatzten Aktion mit dem Würfelbecher geworfen. Nur zwei oder drei Mal. Pro Spiel. Und mein Spielleiter hätte sich nicht wirklich wundern müssen, dass sein Sichtschirm plötzlich einen Riss hatte. Ich habe schließlich an dem Charakter gehangen. Und dass der Idiot, der mich damals bei diesem Online-Rollenspiel umgehauen und mein ganzes Zeug geklaut hat, plötzlich diesen schlimmen Wurm hatte…

Dabei bin ich ein ruhiger und ausgeglichener Mensch. Aber wenn ein Sechsseiter 5 Mal hintereinander eine „1“ zeigt, dann kann da doch was nicht stimmen, oder? Oder wenn ich beim Doppelkopf minus 120 Punkte habe, weil den ganzen Abend nur Scheißkarten hatte, kann man doch mal ein bisschen verstimmt sein. Ok, ich hätte P. Vielleicht nicht „dumme Sau“ nennen sollen, als er mir mein Solo kaputt gemacht hat. Aber ist das gleich ein Grund, mir die Freundschaft zu kündigen? Und was soll dieser lächerliche Gerichtsbeschluss, den H,. erwirkt hat, bloß weil ich ihn beim „Magic“ mal ein bisschen gewürgt habe, weil er meine super teure Kreatur mit einer „häufigen“ Karte außer Gefecht gesetzt hat? Ich habe wirklich nicht fest zugedrückt. Ehrlich.

Aber irgendwann ist Lapis dann der Kragen geplatzt. Vielleicht hätte ich nicht mit Scheidung drohen sollen, als sie ihren zweiten „Kniffel“ hinlegte. Jedenfalls meinte sie, dass ich Hilfe bräuchte und wenn ich nichts unternähme würde sie nicht nur nie wieder ein Spiel mit mir spielen, sondern ernsthaft erwägen, Fremd zu spielen.

Der Gedanke, dass meine Frau mit Wildfremden kniffelt oder gar „Siedler“ spielt war mehr, als ich ertragen konnte. Also schlug ich das Telefonbuch unseres damaligen Wohnortes auf und fand: nichts. Ich wollte bereits nach 5 Minuten intensiver Suche aufgeben und mich in das Schicksal fügen, in Zukunft mit mir selbst spielen zu müssen. Da fiel mir im Papiermüll das wöchentliche Anzeigenblatt auf. Zwischen „Monique, der heißen Hexe“ (wohl ein Schnellimbiss) und „Dorothea, der Domina“ (ich musste unwillkürlich an ein Raumschiff denken) hatte eine Gruppe namens „Looser Anonymous“ inseriert. Sie hielten einen Gruppenabend ab für Leute, die Probleme damit hätten, Verlierer zu sein. Nun, eigentlich hatte ich ja keine Probleme damit, zu verlieren. Aber meine Umgebung schien komischer weise mit mir zu leiden. Also beschloss ich, auf diesen Gruppenabend zu gehen. Das würde Lapis meinen guten Willen zeigen. Und wenn nichts weiter dabei rumkam, konnte ich sie wenigstens über die korrekte Schreibweise von „Loser“ aufklären.

Das war gleich die erste Enttäuschung des Abends, denn „Peter“* erklärte, dass das „Looser“ schon beabsichtigt sei. Denn „loose“ hieße ja auch „lose“ oder „locker“ und eigentlich sei es ein drolliges Wortspiel. „Lockere Anonyme Verlierer“, haha. Er hielt meinem Blick etwa eine Sekunde stand und erklärte dann, dass es ihnen erst aufgefallen war, als die Anzeige schon in der Zeitung stand. Er sah so bedröppelt aus, dass ich ihn auch nicht darauf hinwies, dass er seinen vollen korrekten Namen samt Telefonnummer unter die Anzeige gesetzt hatte.

Neben Peter und mir waren auch noch Georg, Hans und Eusebio da. Die einzige Frau der Gruppe hatte letzte Woche die 80 Kilo unterschritten und damit irgendwie gegen die Satzung verstoßen.

Nachdem Peter mich als „Stefan“ (Zwinker, Zwinker) vorstellte und mich aufforderte, mein Problem zu schildern, konnte ich gerade noch sagen: „Mein Name ist Stefan und alle sagen, ich hätte ein Problem mit…“. Dann ging es auch schon los. „Ha, du glaubst, du hast ein Problem? Ich hatte seit 15 Jahren keine Verabredung mehr.“ „15 Jahre! Ich hatte noch nie eine! Und wohne bei meinen Eltern. Mit 42.“ „Du hast Eltern? Was machst du dann hier, du Gewinner?“ „Ich warte, bis der Präparator meinen besten Freund, der gestern von Auto überfahren wurde, fertig gemacht hat.“ „Du hast Freunde? Hast du vielleicht auch noch in der Lotterie gewonnen?“ „Ich habe an dem Hund gehangen, du Glückschwein, seit ich ein Kind war.“ „Ich hätte als Kind auch gerne einen Hund gehabt. Aber meine Eltern haben mir keinen erlaubt. Da habe ich mir eine Ratte gezähmt, aber die hat mich gebissen. Aus Angst habe ich nichts gesagt, und da hat sich der Biss entzündet und sie mussten mir einen Zeh abnehmen. Wollt ihr mal sehen?“ „Ihr hattet Ratten? Was hätte ich für eine leckere Ratte gegeben! Was machst du überhaupt hier, du Zoowärter.“ „Ich schlage die Zeit bis zur Dialyse tot, die glückliche gesunde Sau.“ „Du hast wenigstens einen Dialyse-Platz. Was soll ich denn sagen? Mir haben sie meine Wohnung gekündigt und ich sitze mit einer offenen Lungenentzündung auf der Straße“ Nach diesem Satz rückten alle etwas von Georg ab.

Es ging den Abend dann so weiter. Ich rückte näher an Eusebio, der an diesem Abend noch nichts gesagt hatte und nur lächelnd, auf seinem Stuhl saß. „Ehm, Eusebio, warum sind Sie hier bei diesen Verlierern?“ Er antwortete: „μην καταλάβετε μια λέξη. Αλλά όταν ήμουν εδώ , Αισθάνομαι καλύτερα Ακόμα κι αν η σύζυγος και τα παιδιά μου ζουν σε Θεσσαλονίκη.“**

Ich bin dann nie wieder hingegangen. Aber es hat trotzdem geholfen. Jedes Mal, wenn ich ein Spiel verlor, musste ich an die „Looser“ denken und plötzlich war ich froh und glücklich, dass es nur ein Spiel war. Manchmal habe ich den Verdacht, dass das eine ganz raffinierte Art der Therapie war. Aber Lapis hat nie zugegeben, dass die Anzeige ein Fake war.

 

 

 

*Namen der Verlierer aus Rücksicht auf ihre Familien geändert.

** Ich verstehe kein Wort. Aber wenn ich hier war, geht es mir besser. Selbst, wenn meine Frau und meine Kinder in Thessaloniki leben.

4.7.2007: Einleitung zu „Religion:Eine Annäherung“

Veröffentlicht in Allgemeines am Juli 4, 2007 von skeltem

Ihr habt euch vielleicht gewundert, warum so lange keine neue Miszelle erschienen ist. Ich habe in der letzten Woche bestimmt vier geschrieben, aber das Meiste wieder gelöscht. Der Plan, eine Miszelle über Religion zu schreiben existiert schon über ein Jahr, aber bisher habe ich mich erfolgreich davor gedrückt.

Ein Grund ist der Gedanke, dass ich mir bei meinen wohl überwiegend aufgeklärten und technisch interessierten Lesern damit wohl kaum Punkte machen kann. Aber das eigentlich Hindernis war die Größe des Themas an sich. Um überhaupt von der Stelle zu kommen, habe ich micht entschlossen, „Religion“ zu teilen.

Heute habe ich „Religion: eine Annäherung“ veröffentlicht. Darin versuche ich die Vielschichtigkeit des Phänomens anzudeuten. Das Ende dieser Miszelle mag überraschend sein. Es ist eigentlich die Einleitung zu „Religion, Kultur, Natur“. Und wenn alles gut geht, erlöse ich euch mit „Religion und die Brandstifter“.

Den wissenschaftlich Interessierten muss ich sagen, dass die Miszelle eine sehr grobe Vereinfachung zu Gunsten der Lesbarkeit darstellt. Wer sich aber für das Thema interessiert, dem kann ich gerne eine Liste mit Literatur zukommen lassen.

Damit ihr nicht die nächsten Miszellen einfach ausfallen lasst, werde ich aber wohl hoffentlich noch andere Themen finden, die ich in meinem Blog verwursten kann.

Wie immer sind Kommentare sehr erwünscht.

Religion: Eine Annäherung

Veröffentlicht in Wissen schaffen, relativ religiös am Juli 4, 2007 von skeltem

Diese Miszelle beruht stark auf dem Inhalt von „Glaube“.

Der Anfang ist selbst ein Mythos. Wie entstand Religion? Man stellt sich den Augenblick, in dem die Menschheit Religion fand gemeinhin wie die Anfangssequenz von „2001-Odyssee im Weltraum“ vor. Inklusive „Also sprach Zarathustra“. Tatsächlich dürfte es so etwas wie ein religiöses Bewusstsein schon gegeben haben, bevor es überhaupt Worte wie „religiös“, „Bewusstsein“ oder „Kubrik“ gab.

Dabei ist Religion in einem weiteren Sinne zu verstehen, als das Wort heute gemeinhin benutzt wird. Der deutsche Religionshistoriker Rudolf Otto sprach vom „Numinosen“, was in etwa mit „generischem übernatürlichen Wesen“ übersetzt werden kann. Menschen, die mit dem Numinosen konfrontiert werden, reagieren entweder fasziniert und angezogen oder vollkommen überwältigt und von Furcht ergriffen. Otto nannte diese beiden Reaktionen „mysterium fascinans“ bzw. „mysterium tremendum“. Die beiden Mysterien zeigen deutlich die ambivalente Natur von Religion.

 

Januskopf Religion

 

Ich habe mich lange Jahre mit Religion beschäftigt. Seit meinem „Erweckungserlebnis“ als Achtjähriger habe ich mich intensiv mit den verschiedensten Weltanschauungen befasst und schließlich auch an der Universität studiert. Warum? Das habe ich mich auch oft gefragt. Meine Antwort war, dass es kaum etwas mächtigeres gibt, das Menschen zum Guten wie zum Schlechten über sich hinaus wachsen lässt. Diese Antwort war falsch.

Aber sie zeigt wieder das Janusgesicht dieses Phänomens. In „Glaube“ stellte ich fest, dass Religion eine Strategie sei, mit dem Unbekannten umzugehen. Vor allem die so genannten „Naturreligionen“ erklärten sich viele Phänomene, denen ihre Mitglieder häufig begegneten als „übernatürlich“. Die Trennung zwischen „natürlich“ und „übernatürlich“ bedeutete meistens „beherrschbar, Beute“ und „unbegreiflich“ (in sehr wörtlichem Sinne). Diese Kategorisierung hat nie wirklich aufgehört.

Aber die Erklärung des Unerklärlichen ist nur ein Teil, eine Seite, von Religion. Je erklärbarer die Welt wird, je „entzauberter“, desto weniger Raum nimmt dieser Aspekt ein. Wir brauchen keine Götter und Geister mehr, um die Natur zu beherrschen. Wir müssen niemandem mehr opfern, um sein Wohlwollen zu erringen. Der Gott des Alten Testaments war das Mysterium Tremendum. Das Geheimnis, dass diejenigen, denen es sich offenbarte, zittern ließ. Die Geister des Busches, die Ahnen, Kali Durga, sie alle stehen für eine Religiosität, die überwältigt, unterwirft. Als Mohammed der Engel erschien und ihm den Koran verkündete, warf dieser sich nieder und war vor Angst fast gelähmt. Der Engel musste dem armen Kaufmann aus Mekka dreimal befehlen, zu lesen, bevor er begann, die Offenbarung anzunehmen.

 

Faszinosum

 

Aber das Heilige hat auch eine anziehende Seite. Das Unfassbare kann faszinieren, wenn es verspricht, alle unsere Sorgen und Probleme aufzunehmen. Wenn das Numinose kein schreckliches Gesicht hat, sondern eines von überirdischer Güte und uns Geborgenheit verspricht. Wenn es Ordnung bringt in eine Welt, die scheinbar Chaos ist.

Vielleicht erklärt diese Ambivalenz auch die Reaktionen auf Religion. Man kann Religion nicht als monolithisches Phänomen erklären, da sie in sich bereits mehrere Aspekte vereint. Religionen wollen erobern und einen. Sie wollen erklären, Sinn geben und die Welt ihrer Gläubigen in ihrem Sinne formen. Religionen sind eifersüchtig. Die meisten von Ihnen haben einen absoluten Anspruch, weil in ihrem Kern eine absolute Kraft steht: der menschliche Drang nach Wirklichkeit.