Die Wikipedia ist mir manchmal unheimlich. Für diese Miszelle habe einfach mal den Begriff „Strohwitwer“ eingegeben – und er ist tatsächlich verzeichnet! Wenn es mich mal packt, werde ich es mit „Gargar“ (Stamm in Papua-Neuguinea), „Theophagie“ (religiöse Praxis, in der symbolisch ein Gott gegessen wird) oder „Potlatch“ (Fest der Nordwestküstenethnien (Amerika), bei dem derjenige Prestige erhält, der besonders viel Besitz verschenkt oder auch zerstört) versuchen. Einfach, um sie herauszufordern.
Aber zurück zum Strohwitwer. Da Lapis für eine Woche bei ihren Eltern in Spanien weilt, qualifizierte ich mich also für diesen Terminus und war neugierig, wo der Begriff eigentlich herstammt. Wiki vermutet, dass es sich bei dem Stroh um das Bett handelt. Also eigentlich ein Bettwitwer. Bei dieser Herleitung qualifizieren sich schon Männer und Frauen als Witwen, wenn sie ihn (oder er sie, kommt ja auch mal vor), wegen Schnarchens/Streits/schlechter Laune/Stinkfüße des Bettes verweist. Die Welt wäre voller Witwen. Wenn ich Strohwitwerrente beantragen würde, bekäme ich die wahrscheinlich in Halmen ausgezahlt.
Interessant ist die Geschichte des Begriffs. In alter Zeit nannte man Frauen, die nicht als Jungfrau in die Ehe gingen (Pfui!) „Graswitwen“ und heute heißt die Strohwitwe im englischen noch „Grass Widow“. Denn die Entjungferungen fanden entweder im Gras oder im Stroh statt. Diejenige, die dann noch einen Ehemann abbekam, trug keinen Myrtenkranz, sondern eine Krone aus Stroh. Und wieder einmal fragt sich der heutige Mensch, warum das arme Mädchen, derart gebrandmarkt wurde und nicht der geile Bock, der seine …
Die wohl bekannsteste Geschichte um einen Strohwitwer stammt vom genialen Billy Wilder („Das Appartement“, „1-2-3“). 1955 drehte er mit Marilyn Monroe und Tom Ewell in den Hauptrollen „Das verflixte siebte Jahr“. Der Film schildert sehr amüsant die erotischen Konflikte eines Mannes (Ewell), der seine Frau und sein Sohn über den Sommer aufs Land schickt, während er in New York bleibt. In das Appartement über ihn zieht eine junge Frau (Monroe) und die beiden kommen sich näher. Dabei ist Monroe ganz unschuldig-erotische Kindfrau, währen Ewell’s Richard Sherman sich in mehr oder weniger sexuellen Phantasien ergeht, dabei aber die ganze Zeit ein schlechtes Gewissen hat. Eine der berühmtesten Szenen der Filmgeschichte (Monroes weißes Kleid wird wird von einer U-Bahn hochgewirbelt) stammt aus diesem Film. Ein interessantes Detail: der Film ist in Deutschland von der FSK erst ab 16 freigegeben.
Meine einzigen erotischen Abenteuer in Lapis’ Abwesenheit bestanden allerdings im Verzehr von Schokolade (Ihr erinnert euch? Ich muss immer noch zunehmen.) und der Frage, ob die neue Nachbarin von Gegenüber vielleicht wie Marilyn Monroe aussieht. Letzteres steht immer noch aus, da sich die Dame nicht blicken lässt.
Was hätte ich auch gemacht? In Coburg gibt es keine U-Bahn.