Archiv für März, 2007

Strohwitwer

Veröffentlicht in Film-Buch-Filmbuch, HomeStory am März 29, 2007 von skeltem

Die Wikipedia ist mir manchmal unheimlich. Für diese Miszelle habe einfach mal den Begriff „Strohwitwer“ eingegeben – und er ist tatsächlich verzeichnet! Wenn es mich mal packt, werde ich es mit „Gargar“ (Stamm in Papua-Neuguinea), „Theophagie“ (religiöse Praxis, in der symbolisch ein Gott gegessen wird) oder „Potlatch“ (Fest der Nordwestküstenethnien (Amerika), bei dem derjenige Prestige erhält, der besonders viel Besitz verschenkt oder auch zerstört) versuchen. Einfach, um sie herauszufordern.

Aber zurück zum Strohwitwer. Da Lapis für eine Woche bei ihren Eltern in Spanien weilt, qualifizierte ich mich also für diesen Terminus und war neugierig, wo der Begriff eigentlich herstammt. Wiki vermutet, dass es sich bei dem Stroh um das Bett handelt. Also eigentlich ein Bettwitwer. Bei dieser Herleitung qualifizieren sich schon Männer und Frauen als Witwen, wenn sie ihn (oder er sie, kommt ja auch mal vor), wegen Schnarchens/Streits/schlechter Laune/Stinkfüße des Bettes verweist. Die Welt wäre voller Witwen. Wenn ich Strohwitwerrente beantragen würde, bekäme ich die wahrscheinlich in Halmen ausgezahlt.

Interessant ist die Geschichte des Begriffs. In alter Zeit nannte man Frauen, die nicht als Jungfrau in die Ehe gingen (Pfui!) „Graswitwen“ und heute heißt die Strohwitwe im englischen noch „Grass Widow“. Denn die Entjungferungen fanden entweder im Gras oder im Stroh statt. Diejenige, die dann noch einen Ehemann abbekam, trug keinen Myrtenkranz, sondern eine Krone aus Stroh. Und wieder einmal fragt sich der heutige Mensch, warum das arme Mädchen, derart gebrandmarkt wurde und nicht der geile Bock, der seine …

Die wohl bekannsteste Geschichte um einen Strohwitwer stammt vom genialen Billy Wilder („Das Appartement“, „1-2-3“). 1955 drehte er mit Marilyn Monroe und Tom Ewell in den Hauptrollen „Das verflixte siebte Jahr“. Der Film schildert sehr amüsant die erotischen Konflikte eines Mannes (Ewell), der seine Frau und sein Sohn über den Sommer aufs Land schickt, während er in New York bleibt. In das Appartement über ihn zieht eine junge Frau (Monroe) und die beiden kommen sich näher. Dabei ist Monroe ganz unschuldig-erotische Kindfrau, währen Ewell’s Richard Sherman sich in mehr oder weniger sexuellen Phantasien ergeht, dabei aber die ganze Zeit ein schlechtes Gewissen hat. Eine der berühmtesten Szenen der Filmgeschichte (Monroes weißes Kleid wird wird von einer U-Bahn hochgewirbelt) stammt aus diesem Film. Ein interessantes Detail: der Film ist in Deutschland von der FSK erst ab 16 freigegeben.

Meine einzigen erotischen Abenteuer in Lapis’ Abwesenheit bestanden allerdings im Verzehr von Schokolade (Ihr erinnert euch? Ich muss immer noch zunehmen.) und der Frage, ob die neue Nachbarin von Gegenüber vielleicht wie Marilyn Monroe aussieht. Letzteres steht immer noch aus, da sich die Dame nicht blicken lässt.

Was hätte ich auch gemacht? In Coburg gibt es keine U-Bahn.

Re(h)animation #4 und Schluss: Nach der OP ist vor der OP

Veröffentlicht in Allgemeines am März 21, 2007 von skeltem

Seit einer Woche bin ich wieder zu Hause. Großartig.

Meine Augen wurden schlagartig (fast) gesund. Morgen habe ich einen Termin beim Implantatklempner, der hoffentlich mein Gehör wieder herstellt. Ich habe wieder etwas Gewicht dazubekommen und gefalle mir momentan schlank aber nicht spargelig. Gut, ein wenig spargelig. Die Reha hat wirklich gute Arbeit geleistet und ich denke mit Schrecken daran, wie die alltägliche Apathie vieles davon wieder aufhebt.

Die meisten Dinge sind geregelt, dass es wieder so ist, wie es war. Lapis hat mir lachend das Wischtuch zugeworfen und ist in den wohlverdienten Urlaub gedüst. Hurra, ich darf wieder die Wohnung putzen! Das Arbeitsamt hat sich schon Sorgen gemacht. Die Armen haben ja nichts zu lachen, wenn ich sie nicht ab und zu mal nach einem Job frage.

Die Miszellen werden weitergehen. Vielleicht ein wenig ruckelnd zu Beginn, denn der alte Schreibmotor ist etwas eingerostet, aber letztendlich kommen sie wieder auf Touren. Die Medienseite wird kommen.

Bis…. irgendwann in diesem Jahr, vielleicht sogar bald, ich das nächste Mal operiert werden muss. Das ist dann aber ein harmloserer Eingriff und ich werde (hoffentlich) nicht solange wegbleiben. Die Rehaklinik hat auch Interesse daran angemeldet, mich in diesem Jahr noch einmal in die Klauen zu bekommen. Aber ich muss mich ja nicht mal taub stellen, um einen Ruf geflissentlich zu überhören :)

Re(h)animation #3: I wanna be a cowboy

Veröffentlicht in HomeStory am März 19, 2007 von skeltem

…. oder auch: „Happy on a Hippo“

Die letzte Begegnung Skeltem <> Pferd endete ein wenig unglücklich. Nämlich damit, dass ich schreiend am Hals eines Ponys hing, dem ich gerade in die Seiten getreten hatte. Ohne eine Stunde Reitunterricht hatte ich versucht, im Galopp auf dem Pferd zu bleiben. Das Ergebnis war ein eine schmerzhafte Konfrontation mit der guten Mutter Erde (die Erde gewann), ein durchgegangenes Pony und böse Ponyhofbetreiber. Der Umstand, dass ich acht Jahre alt war, schien sie nicht zu besänftigen.

Na ja, wie sagt man? „Wenn man vom Pferd fällt, soll man sofort wieder aufsteigen“. Nach diesem Motto war ich entzückt, als ich, kaum 30 Jahre später, erfuhr, dass es in der Rehaklinik auch Hippotherapie gebe. Ja, liebe Leserinnen und Leser, auch ich musste sofort an die lustigen Plastikflusspferde aus den Eiern denken, aber „Hippo“ ist schlicht griechisch für Pferd. Also trug ich mich für die Rosskur ein und weil ich „Freunde in hohen Plätzen“ habe, wurde ich als einer der Wenigen, der Stolzen, der vom Pferd gef …. Äh, ja. Ich bekam die Therapie.

Ich muss wirklich sagen, ich war überrascht. Jetzt mal ohne Albernheiten. Obwohl ich im Wesentlichen 25 Minuten lang versucht habe, nicht den gleichen Fehler wie vor 30 Jahren zu machen („Die Hacken bei dir halten, Skeltem, halt die Füße ruhig“), fühlte ich mich nach der ersten Stunde richtig gut. Meine Wirbelsäule, die knirscht, wenn ich mich bücke, fühlte sich fast geschmeidig an. Meine Haltung, eher an ein „?“ erinnernd wurde im Laufe der Therapie fast ein „!“. Oder vielleicht ein „1″. Aber es war schon verblüffend. Und auch wenn ich jetzt nicht zu den Pferdeliebhabern gehöre, war der Kontakt zu dem Tier irgendwie … beruhigend. Keine Ahnung. Ich war jedenfalls viel entspannter.

Leider zahlt die Kasse keine Hippotherapie, aber wir versuchen hier in der Nähe in eine Gruppe zu kommen, was bezahlbar ist. Das Ziel ist jedoch für mich, letztendlich richtig reiten zu lernen. Damit ich so einer Mähre endlich die Sporen Hacken geben kann. MWAHAH.. autsch