Archiv für Juli, 2006

30.07.06

Veröffentlicht in Gehör gefordert, HomeStory am Juli 30, 2006 von skeltem

Gestern abend waren Lapis und ich in „Fluch der Karibik 2″. Das soll hier keine Besprechung sein, das soll jemand machen, der den Film auch versteht. Nach dem, was ich so gelesen habe, können das nicht allzu viele Leute sein. Ich habe über zwei Stunden in unserem örtlichen Multiplex gesessen und nur „Jack Sparrow“ verstanden. Sowohl im übertragenen als auch im wörtlichen Sinn.

Der Film handelte, soweit ich das sehen konnte, von Jack Sparrow. Johnny Depp war wieder brilliant als der leicht schwuchtelige Piratenkapitän. Aber alle anderen Schauspieler, und ich musste ja nicht auf die Dialoge achten, hatten kaum eine Chance, ihre ohnehin dürftigen Rollen zu entfalten. Einzig Keira Knightly und der Oktopuskopf (ich weiß nicht genau, wer das war, aber er war wohl DER BÖSE in dem Film) bekamen annähernd Depps Kamerazeit.

Es wäre eigentlich lustig, wenn man von einem Film „Jack Sparrow“ und „Er ist mein Sohn“ und „Was hat das zu bedeuten?“ versteht. Das erinnerte mich an den Film, den ich mal in Göttingen sah. Nahuatl mit spanischen Untertiteln! Wir lernten Nahuatl damals an der Uni, aber außer einigen Phrasen konnte ich kein Wort verstehen. Zumindest war der „Fluch der Karibik“ spaßiger als die präkolumbianische Tragödie. Zum Einen eben wegen Johnny. Und zum Anderen gab es viele Szenen, bei denen man nicht verstehen musste und den Witz auch so kapierte. Nur gegen Ende, als wohl die Handlung voran getrieben werden sollte, wäre ich fast eingeschlafen. Bei der Überlänge verständlich, oder?

Lapis hat mir heute morgen erzählt, was eigentlich passiert ist. Dabei stießen wir auf so manchen hanebüchenen Unsinn. Es spricht für den Film, das ihr das gestern abend wohl nicht aufgefallen ist. Popcornkino halt. Aber eins weiß ich. Wenn ich mir noch einmal einen Film ohne Untertitel ansehe, lese ich vorher nach, worum es eigentlich geht. Ich habe gehört, Opernbesucher machen das auch so. Und die verstehen im Regelfall noch weniger vom Text als ich.

Gebühren

Veröffentlicht in Zeitnah am Juli 28, 2006 von skeltem

Irgendwann zu Beginn des 3. Jahrtausends…

Ein Konferenzraum. 11 Männer in dunklen Maßanzügen. Ein Radioempfänger. Ein Problem.

(Die Männer reden durcheinander, bis sich der Mann am Kopfende räuspert. Alle verstummen.)

MaK: Guten Tag meine Herren Intendanten und besonders begrüße ich den Vertreter der Deutschen Welle…

Radio: Danke, Herr…

MaK … zu dieser außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsgremiums der ARD. Meine Herren, wir befinden uns in einer Krise! Das Geld verschwindet einfach und unser Auftrag ist ernsthaft in Gefahr. Wie sollen wir Qualitätsfernsehen …

Radio: … und Radio …

MaK: … machen, wenn für unsere Produktionen kein Geld da ist? Ich bitte um Vorschläge.

Bayrischer Rundfunk: Wir könnten die Gebühren erhöhen.

(Zustimmendes Gemurmel)

MaK: Gebührenerhöhungen sind immer gut. Aber die Leute werden langsam unruhig. Die letzte Erhöhung war schließlich erst vor drei Monaten.

(Verächtliche Rufe und „Na und?“-Gemurmel)

Hessischer Rundfunk: Es drücken sich bestimmt viele vor dem Bezahlen. Wir sollten der GEZ mehr Rechte einräumen. Hausdurchsuchungen, Daumenschrauben und so.

(„Hört! Hört!“-Rufe)

MaK: Das können wir bei der Sozi-Regierung, die wir haben nicht machen.

BR: ‘Sakra!

Norddeutscher Rundfunk: Wir könnten eine Studie in Auftrag geben, die feststellen soll, wo das Geld bleibt.

(Erstauntes Raunen. Der Vertreter des HR wirft etwas von „Saarländischen Tatorten“ in die Runde. Alle reden durcheinander)

MaK: Ruhe bitte. Also einverstanden. Wir vertagen uns und lassen eine Studie anfertigen, die unsere finanzielle Situation analysieren soll.

(Alle ab)

Radio: Kann mal jemand…? Hallo? Ich möchte auch gerne nach Hause. Hallo?

Ein Jahr später. Alle sind wieder im Raum, nur das Radio fehlt.

MaK: Und? Was sagen die Eierköpfe?

(pflichtschuldiges Kichern)

Süd-Westdeutscher Rundfunk: Wir haben sofort nach unserem letzten Treffen eine Task Force gebildet, die ein Gremium einberief, dass eine Vorlage erstellte, die wir dann an ein führendes Wirtschaftsforschungsinstitut weiterleiteten, dass mehrere Umfragen erstellte, die dazu führte, dass gezielte Studien angestellt wurden. Das (er gibt ein Zeichen und zwei Handlanger bringen ein Buch mit ca. 5000 Seiten im Folio-Format) ist das Ergebnis.

MaK (ist beeindruckt): Und was steht drin?

SWR (nimmt einen DIN A4-Zettel und liest ab): Wir verschwenden Geld!

(großer Tumult, Geschrei, der Vertreter des BR droht dem Vertreter des SWR eine Tracht Prügel an)

Zweites Deutsches Fernsehen: Meine Herren, meine Herren. Beruhigen sie sich. Das, was mein verehrter Kollege da hat, so sehr ich die Anstrengung bewundere, ist ja nur eine Meinung. Wir vom ZDF haben nach unserer letzten Sitzung ebenfalls eine Task Force gebildet etc. pp. und unsere Studie kommt zu dem Ergebnis (er liest von einem Zettel ab) Früher war alles besser. (Er errötet) Oh.

Radio Bremen (höhnisch): Klar, dass Sie das sagen, bei Ihrem Klientel. Wir von RB haben eine Task Force gebildet usw. usf. Und wir haben hier die Lösung unserer Probleme. Die Experten sind auf eine einfach wie geniale Lösung gekommen.

(alle lehnen sich vor)

Nacktfotos von Tatort-Kommissaren!

(alles jubelt. Champagner wird gebracht, der Mann aus Bremen wird auf den Schultern um den Tisch getragen)

Später. Der gleiche Raum. Nur einer der Männer fehlt.

MaK: Und sie haben die „Palü“-Bilder nicht mal der „Praline“ ancdrehen können?

Saarländischer Rundfunk (deprimiert): Nein.

MaK: Was ist mit der Frau da aus, äh, Ludwigshafen. Wie heißt sie noch?

HR (gehässig): Die Lesbe!

MaK: Genau. Was ist mit der?

SWR: Die Zicke wollte sich nicht ausziehen.

MaK: Kann man da nicht…? Vertrag?

SWR: Es steht leider nichts im Arbeitsvertrag von Ausziehen.

Westdeutscher Rundfunk: Der Liefers will.

MaK: Der Liefers will immer! Wir haben ihn jetzt aber schon als Kalender, auf Kugelschreibern, Strip Poker für den PC…

ZDF: Der „Playboy“ wollte Carmen Nebel nicht. Unverständlich.

WDR: Fernsehen wird eben immer unbeliebter. Selbst die schärfsten Hunde bei unserer GEZ stellen immer öfter fest, dass es wirklich keine Fernseher oder Radion in den Wohnungen gibt.

(ungläubiges Raunen)

BR: Daran sind nur die damischen Privaten und deren Schund schuld.

Rundfunk Berlin Brandenburg auch „Der Kleine“ genannt (weint): Was soll ich denn tun? Meine Mutter hat immer gesagt: Werd’ Intendant. Fernsehen gucken die Leute immer.

BR: Reiß di Z’samma, Herrgottsakra! Erhöhen wir also nochmal die Gebühren.

MaK: Das wird nicht einfach. Die Politiker sind fast wieder im Wahlkampf. Aber egal, irgendwo muss das Geld ja herkommen.

Später im gleichen Jahr. Alle Männer bis auf den Intendanten des HR sind im Raum.

MaK Meine Herren, das war hart. Wirklich wirklich hart. Ich befürchte, dass es in diesem Jahrzehnt keine Erhöhung mehr gibt. Die Politiker haben die Stirn besessen, unsere Empfehlung zu ignorieren und uns weniger als einen Euro aufschlagen lassen.

(Kollektives Schlucken. Ungläubige Blicke.)

MaK: Wir müssen mittlerweile wirklich in Betracht ziehen. (Er verzieht das Gesicht angewidert) … zu ….. sparen!

(Tumult. Rufe. Der Intentant des RBB wird grün im Gesicht und rennt aus dem Raum)

MaK: Meine Herrem, meine Herren! Ich bin mir sicher, dass wir einen Konsens finden werden. Die „Sendung mit der Maus“ kann sicher gekürzt werden, oder die Polit-Magazine, die eh keiner guckt..

RB (erleichtert): Ach Sie meinten am Programm sparen! Gott sei Dank.

(Alle lachen erleichtert auf und setzen sich wieder. Da kommt der HR-Intendant durch die Tür. Er hat ein Laptop dabei.)

HR (gut gelaunt): Meine Herren! Ich habe hier die Lösung unserer Probleme!

ZDF zu MDR: Sowas habe ich schonmal gesehen. Das ist viel besser als ein Taschenrechner. Das spielt auch Musik.

HR (fummelt am Laptop rum, plötzliche erscheint auf dem Monitor das „Tagesschau“-Logo.)

(„Aaahs“ und „Ooohs“)

MaK: Toll HR. Sie können auf Ihrem Laptop fern sehen. Wir sind beeindruckt. Aber können wir jetzt …

HR (verärgert): Mensch, wissen Sie nicht, was sie hier sehen?

MaK: Die Tagesschau. Habe ich schon mal, wenn auch in besserer Qualität, gesehen. Der Hofer hatte auch schon mal ne hübschere Krawatte. Was soll das jetzt?

HR (schreit fast): Geld! Sie sehen Geld, Sie Idiot! Was glauben Sie, wie viele Leute da draußen, die keinen Fernseher haben, auf ihren Rechnern fernsehen?

(Stille. Alle Intendanten sitzen wie erstarrt.)

MaK (leise zu sich): Und betrügen uns um unsere Gebühren?

HR (begeistert): Ja!

BR: Kann man auf jedem Computer ….

HR: Mit ein paar Zusatzkarten und etwas Geschick. Aber bald kann man auch über das Internet Fernsehprogramme empfangen.

ZDF: Ich habe gehört, zur WM im nächsten Jahr soll es sogar Handys geben, mit denen man fernsehen kann. Haben Sie eine Ahnung, wie viele Handys es da draußen gibt?

(Jubel. Begeisterung.)

Der Rest ist Geschichte. Ab dem 1.1.2007 muss jeder Haushalt, in dem kein Fernseher angemeldet ist, der aber einen oder mehrere PCs enthält die GEZ-Gebühren von (noch) € 17,03 abführen. Das gleiche gilt für Internet-fähige Handys, also fast alle ab ca. 2004 hergestellten.

Wer dagegen ist, kann sich bei Internet-Protest in eine digitale Unterschriftenliste eintragen.

Ob es sich so abgespielt hat, weiß ich natürlich nicht. Alle Ähnlichkeiten mit real existierenden Intendanten sind natürlich ungewollt und rein zufällig.

Sieben

Veröffentlicht in Geschichten um das Netz, Spielkram, Zeitnah am Juli 26, 2006 von skeltem

Was kommt nach Sex? Sieben! Ha ha, haben wir gelacht.

Und wie wir erst lachen werden, wenn wir von den Plänen der Sex-Industrie hören. Jauchzen werden wir. Das „nächste große Ding“ wird nämlich „interaktiver Sex“ sein. Moment mal, denkt da der Mann oder die Frau „von Welt“ und findet, dass Sex an und für sich ja schon ziemlich interaktiv ist.

Was für den normalen Menschen selbstverständlich, muss aber für die notorisch Hormon geforderte, überwiegend männliche Szene der „Geeks“ (Stubenhocker, Streber) nicht unbedingt gelten. Der Erfolg der Online-Partnerbörsen scheint ein dringender Ruf der Technikfreunde nach trauter Zweisamkeit zu sein. Laut einer aktuellen Studie benutzt jeder zehnte US-Netizen, also Internet-Nutzer, Online-Kontaktbörsen. In Deutschland geben immerhin noch 4.2 Prozent der Nutzer an, für die Partnersuche Geld zu bezahlen. Das Geschäft mit den einsamen Herzen setzt mittlerweile über eine halbe Milliarde US-Dollar (in den Vereinigten Staaten) um.

Anscheinend führt das aber nicht immer zum Ziel. Wie sollte man sich sonst die zehn bis fünfzehn Milliarden Dollar erklären, die Amerikaner jährlich für Pornographie ausgeben. Amerikanische Soziologen haben lapidar festgestellt, dass ihre Landsleute „oversexed and underfucked“ seien. Die Industrie der professionellen (Ersatz-)Befriedigung wittert aber noch mehr Geld. Findige Entwickler und Manager haben sich auf einer Konferenz in Las Vegas, „Sex in Videogames“, getroffen und beschlossen, die „aufgegeilten und unbefriedigten“ Männer da abzuholen, wo sie sind. Vor ihrem Monitor.

Die Rechnung ist einfach. Der Umsatz der Dating-Börsen ist Peanuts zu den geschätzten 20 Milliarden Dollar, die die Videospiel-Industrie jedes Jahr umsetzt. Der Anteil an Erotik-Spielen beträgt dabei gerade mal 0,1 Prozent. Ein wahnsinniger Wachstumsmarkt. Addiert man also Online-Dating + Videospiel + Erotik ergibt das die eierlegende Wollmilchsau erotisches Online-Computerspiel mit Dating-Komponente.

Auftritt „Naughty America: The Game“, das erste MMOERPG (Massively Multiplayer Erotic Role Playing Game). Das ganze ist vom Spielwert her ein Witz, denn die Avatare, also die Spielfiguren, sind mäßig gezeichnete Comicmännchen und -weibchen und die einzige Aktivität in dem „Spiel“ scheint es zu sein andere Spieler anzuquatschen, sich mit ihnen zu verabreden und zu hoffen, dass man jemanden vom anderen Geschlecht getroffen hat. Dafür soll einem „Sex-Modus“ geben, bei dem es richtig zur Sache geht. Virtuell versteht sich. Damit das ganze nicht nur ein Triebstau-Verstärker ist, kann man sich wie in einer richtigen Kontaktbörse auch je nach Wohnort und, ähem, Vorlieben andere Spieler zuweisen lassen. Die Idee ist, dass wer sich gut im Datenraum versteht, vom Trockensex zum wirklich interaktiven übergehen kann. Die Internet-Kolumnistin Isabele Pavlova vom Erotik-Blog „MMOrgy“ bemerkt trocken: „[...] ein Spiel, in dem sich jeder Mann nur zwei Minuten am Stück aufhält, könnte ein bisschen schizophren werden.“

Härter zur Sache soll es da bei „Virtual Hottie“ gehen. Neben detaillierteren Avataren (sehr detaillierten Avataren!) gibt es die Möglichkeit von Online-Orgien und es ist geplant, eine an den USB-Port anschließbare „Saugpumpe“ (!) zu unterstützen, um das Ganze auch gefühlsecht zu machen. So etwas ähnlich war schon in den 90er Jahre geplant, um Cyber-Sex zu ermöglichen, hat sich aber aus irgendwelchen Gründen nicht durchsetzen können. Die subtile Erotik eines Ganzkörperkondoms oder einer USB-Unterhose erschließt sich halt nicht allen.

Mir sind beim Lesen dieser bahn brechenden Neuheiten in Sachen Sex eigentlich nur eingefallen: Wer braucht das?

Man kann mit jedem simplen Chatprogramm „cybern“, also Cybersex haben. In machen Online-Spielen, besonders wenn man einen weiblichen Avatar hat, kann man sich kaum vor den eindeutig zweideutigen Einladungen der Pickel-Mutterschiffe retten. Und es gibt genug Online-Communities, die auch erotischen Abenteurern eine Spielwiese bieten. Dass es beim (Cyber-)Sex vor allem auf die Phantasie der Beteiligten ankommt und anatomische Details in voller Pixelpracht da wohl eher abtörnen, hat sich anscheinend nicht zu den Entwicklern dieser Spiele herum gesprochen.

Dass es mit eierlegenden Wollmilchsäuen eigentlich nie klappt, hat gerade die Computerspiel-Industrie eigentlich schon öfter schmerzhaft erfahren müssen. Aber es scheint einen nicht versiegenden Vorrat von Managern zu geben, die immer noch von den „Synergie-Effekten“ faseln.Andererseits könnte diese Art von Spielen natürlich auch ungeahnte Energien entfesseln. Immerhin wäre das Internet zum Beispiel ohne die einsamen, an Testosteronüberschuss leidenden Männer heute nicht da, wo es ist. Denn wir wissen ja: „The Internet is for porn.“

Lametasy

Veröffentlicht in Spielkram am Juli 24, 2006 von skeltem

Es ist eine Binsenweisheit, dass die moderne Welt immer komplexer wird. Das Wissen, dass wir ansammeln müssen, um die alltäglichsten Dinge tun zu können, ist immens. Und die Ansprüche werden größer. Früher reichte es, sich eine Nummer merken zu können und der freundlichen Vermittlung zu sagen, mit wem man zu sprechen wünscht. Später musste man nicht nur wissen, wie man die Wählscheibe des Telefons bedient, sondern auch die Telefonnummer. Heute können wir mit unseren Handys im Internet surfen, dabei Liechtenstein kaufen und eine Pizza bestellen. Der Lernaufwand, um alle 479 Funktionen der „schweizer Mobiltelefone“ nutzen zu können, entspricht allerdings einem „Bachelor“-Studiengangs. Was 10jährige Schüler übrigens nicht daran hindert, sofort zu begreifen, was ihr Handy alles kann. Aber das ist ein anderes Thema.
Komplexität ist für unsere Cro-Magnon-Gehirne tödlich. Das liegt daran, dass das Leben früher höhere Risken barg, als ein geplatztes Meeting. Bevor der gemeine neolithische Mensch sich entschieden hatte, ob er heute lieber Bär oder Beeren zum Abendessen hätte, war er schneller im Bären, als er „Bruno“ sagen konnte. Deswegen sind wir darauf angelegt, unsere Möglichkeiten überschaubar zu halten. Wenn wir vor einer Eisdiele stehen, die 50 Sorten Eis hat, ist unser erster Impuls eben immer „Vanille“.

Wenn sie nach ihrem Lieblingsgenre gefragt werden, wählen 80% der Computerspieler „Fantasy“ oder „mittelalterliche Fantasy. Dabei ist es egal, ob sie die Auswahl zwischen „Biblischer Geschichte“, „Dänisch-Preußischer Krieg von 1864″ und „Fantasy“ oder 20 phantastisch-exotischen Schauplätzen und „Fantasy“ haben. Ich gebe hiermit offiziell zu, dass ich keinen blassen Schimmer habe, warum „Fantasy“ so beliebt ist. Ich habe aber ein paar Theorien dazu und ich werde nicht zögern, sie einzusetzen.

Um wieder auf unser Cro-Magnon-Hirn zurückzukommen. Unbekanntes bedeutet für uns immer erst mal eine Gefahr. Das hat die Natur so eingerichtet und ist eigentlich auch gut so. Wenn wir eine Situation nicht einschätzen können, sind wir erst mal bereit, abzuhauen, bevor uns irgend etwas den Kopf abbeißt. Die Fluchtbereitschaft unterstützt unser Körper, auch das hat die Natur wunderbar eingerichtet, mit Hormonen, die uns wach und aufmerksam machen. Das nennt man Stress.

Wenn Rudi P. also das Wagnis eingeht, ein anderes Spiel als „Finale Lametasy X“ (FlaX) auszuprobieren, ist er erst einmal misstrauisch. Es könnte ja sein, dass ihm der Monitor den Kopf abbeißt. Natürlich beißt ihm der Monitor nicht den Kopf ab, aber er klemmt sich den Finger am DVD-Fach. Die Erwartungshaltung zusammen mit der kleinen Abschürfung bereiten Rudi Stress. Zuerst soll er sich ein Alter Ego, einen Charakter oder Avatar erschaffen. Aber statt einen geschickten Elf, starken Zwerg oder flinken Halbling kann er nur ihm völlig unbekannte Rassen auswählen. Woher zum Teufel, soll Rudi wissen, ob ein „Cranier“ ein guter Mage ist? Oder geben „Hyborer“ gute Tanks ab? Rudis Stresslevel steigt. Er will die „Ownz0r“-Klasse auswählen und findet, dass Nekromanten immer gut kommen. Aber was ist das? Es gibt keine Klassen. Das Spiel basiert auf Fertigkeiten! Rudi weiß nicht, was er tun soll. Er sitzt eine Stunde ergeben vor dem Monitor und wartet darauf, dass dieser ihm den Kopf abbeißt. Schließlich siegt sein Trotz (das Spiel war schließlich nicht billig) und er klickt irgend etwas zusammen und nennt es „Lego Klaus“, wie alle seine Fernkämpfer. Im Spiel wird er schon rauskriegen, welche Rassen/Skill Kombination die härteste ist. Er loggt sich in das Spiel ein und erwartet im Noob-Dorf aufzutauchen, wo er ein paar Ratten killen will, um Level zu farmen (er hat vergessen, dass es keine Level gibt). Da sieht er sich einer mit einer High-Tech Umgebung konfrontiert und ein anderer Spieler fragt ihn, ob er gerne einen „Run“ mitmachen, bei dem es darum geht in eine Konzern-Datenbank einzubrechen. Hier erreicht Rudis Stresslevel eine ungeahnte Spitze und sein Kopf explodiert.

Schlimm. Es sollte ein Gesetz gegen Computerspiele geben, die nicht „Fantasy“ sind. Aber fragt mich nicht, warum von allen Genres, die sich die Populärkultur ausgedacht hat, ausgerechnet „Fantasy“ so einen Erfolg hat. Vielleicht weil es das Phantasie ärmste ist. Man mixt ein bisschen 0815-Magie mit bekannten Rassen, klatsche das in eine Pseudo-Hochmittlalterliche Umgebung und schmecke es mit Salz und Pfeffer der immer gleichen Geschichte ab. Bloß kein Chili, das erhöht den Stresslevel und wir wissen ja, was da passieren kann.

Aber ich habe da natürlich auch meine eigene Theorie: In der Zukunft erfindet die Firma „SchneeOnlineSoft“ eine Möglichkeit, in die Vergangenheit zu reisen. Die Zeitreisenden entdecken, dass die Neanderthaler sympathische, intelligente und neugierige Kerle sind, die eine hohe Toleranz für Stresshormone entwickelt haben. Also rotten sie die Neanderthaler aus und unterziehen ihre neidischen. dummen und xenophobischen Nachbarn, die Cro-Magnons in ihren Reihen-Hütten, einer Gehirnwäsche. Fortan fühlen die Cro-Magnons sich seltsamerweise wohl, wenn sie kleine bärtige Kerle oder blonde Schlackse sehen. Auch die Entwicklung aller Religionen, die ein differenziertes Weltbild zugunsten eines einfachen „Gut/Böse“-Schemas aufgegeben haben, könnte auf die „SchneeOnlineSoft“-Kampagne zurückzuführen sein. Ihr seht, dass Spiele wie „FlaX“ so einen Erfolg haben, kommt nicht von ungefähr. Da stecken eine uralte Marketing-Kampagne und ein Genozid hinter. Danke „SchneeOnlineSoft“. Und danke, Monitor, dass du mir nicht den Kopf

23.07.06

Veröffentlicht in Allgemein am Juli 23, 2006 von skeltem

So, der Umzug ist erst mal abgeschlossen. Die Familie wieder weg, das Wetter erträglicher. Mit einem Wort: Alles wird gut :)

Die letzten zwei Wochen waren ziemlich hektisch, auch für die Miszellen. Ich hoffe, dass sich jetzt alles wieder einpendelt. Lapis sagte, es sei ein Fehler gewesen, von Kulando weg zu gehen, aber die Stunden Ladezeit, und das auch beim Schreiben haben mich zur Weißglut getrieben. Und ich weiß, dass viele von euch auch genervt waren.

Was ich schade finde, ist dass die vielen netten Kommentare nicht mit umziehen können. Und gleichzeitig bin ich etwas überrascht, dass es hier noch keinen einzigen gab. Ihr könnt hier oder auch bei Kulando gerne eure Meinung zum Umzug kund tun.

Schönes und entspanntes Restwochenende,
Skeltem

Unwort

Veröffentlicht in Zeitnah am Juli 23, 2006 von skeltem

Mittels überlegener Borg-Technologie gelang es mir, in das Jahr 2010 zu reisen. Dort tarnte ich mich als Reporter des Senders MSMTV und erschlich mir so ein Interview mit ‘Josef_M’, dem Frontmann der Band „Mein Läbän“, die vor 2 Jahren(1) die ‘Natsi’-Bewegung ins Leben rief.

Skeltem: Guten Tag. Herr M.

Josef_M: Josef ist kühl.

S: Äh….

M: Sie können mich Josef nennen.

S: Ah, danke. Josef, der Name Ihrer Band ist ungewöhnlich.

M: Er stammt aus *Piep*. Was ist das? Warum kann ich nicht *Piep* sagen, *Piep*?

S: Das ist die neue Software, die vom Sender verbotene Wörter schon während des Interviews herausfiltert. *Piep* ist ein indiziertes Computerspiel und darf deswegen nicht öffentlich beworben werden.

M: Was erfinden sie demnächst? Computerprogramme, die nicht genehme Gedanken ausfiltern?

S: Ich habe gelesen, in China arbeitet man bereits daran.

M: Gar nicht kühl. (brütet etwas) Jedenfalls: ‘Mein Läbän’ haben deutsche Soldaten in diesem Spiel immer gerufen, wenn man sie erschossen hat. Das fanden wir so lustig, dass wir unsere Band so genannt haben.

S: Das war natürlich bevor Bundeskanzler Koch die so genannte Killerspiel-, oder umgangssprachlich ‘Glücksbärchi-’, Richtlinie erlassen hat, nach der nur gewaltlose Computerspiele erlaubt sind.

M: Wir sind ja auch sowas wie Vorbilder für die Jugendlichen. Der Name ist natürlich auch eine Aussage. Freiheit ist uns Natsis sehr wichtig. Deswegen steht der Name der Gruppe auch für unseren Widerstand gegen die Glücksbärchi-Richtlinie.

S: Stichwort Nazis….

M: Natsis. Mit Nazis haben wir nichts zu tun und grenzen uns ganz klar von diesen Wirrköpfen ab.

S: Wie?

M: Wie ‘wie’?

S: Wie unterscheiden sich Natsis mit ‘TS’ von Nazis mit ‘Z’?

M: Erstmal natürlich durch die Schreibweise.

S:…

M: Und, äh, wir wollen niemandem was Böses. Ausländer sind kühl. Wenn sie sich benehmen und Deutsch lernen und nicht zu lange bleiben.

S: …

M: Und wir finden *Piep*, was die Nazis vor 100 Jahren…

S: 71, wenn Sie den Zweiten Weltkrieg meinen.

M: Meinetwegen. Also, Hitler und der ganze *Piep* das war echt unkühl. Letztes Jahr(2) haben wir sogar ein Konzert gegeben, wegen der 90 …

S: 70

M: 70 Jahr Feier. Und so.

S: Das berühmt/berüchtigte ‘Ab 20 Uhr wird zurückgespielt’-Konzert in Frankfurt/Oder.

M: Genau. Da waren auch viele Polen bei und wir hatten das Gefühl, dass da echt was rüberkommt. So von wegen Völkerverständigung und so.

S: Wie würden Sie die von Ihnen ins Leben gerufene ‘Natsi’-Bewegung in wenigen Sätzen umschreiben?

M: Da brauche ich eigentlich nur ein Wort: Deutsch. Natsis sind Deutsche, die sich nicht mehr schämen. Die ganzen Nazi-Verbrechen sind jetzt so lange her. Selbst wenn man noch einen Nazi finden würde, wären die Verbrechen doch verjährt.

S: Mord verjährt nicht, ebenso wenig Völkermord.

M: Sie wissen, was ich meine. Die sind doch alle tot und wir leben und wollen einfach nur ein kühles Fest feiern. Natsis sind vor allem junge Deutsche, die keine Lust mehr haben sich von Schuldgefühlen das Feiern vermiesen zu lassen. Und wir von ‘Mein Läbän’ oder ‘Reimmich’ oder ‘Generation Deutsch’.

S: Alle von Ihrem Label ‘Reimgold’.

M: Genau. Wir wollen saubere und hochwertige deutsche Unterhaltung bieten. Wir sind unpolitisch und tolerieren fast alle. Unsere letzte Platte „Reimgesang/Heimatklang“ ist in den Vereinigten Staaten bis auf Platz 4 in der Hitparade gekommen.

S: Was ist mit Neonazis?

M: Was ist mit Neonazis?

S: Sie sagen, die Nazi-Verbrechen sind so lange her. Aber was ist mit den Neonazis?

M: Ich verstehe nicht, worauf Sie hinaus wollen.

S: Konkret beobachtet der Verfassungsschutz, dass sich die Neonazi-Szene und die Natsi-Szene, äh, überschneiden.

M: Verleumdung. Ich und meine Plattenfirma werden jeden verklagen, der so etwas schreibt. Jeden! Nächste Frage!

S: Ihr Künstlername. Josef_M.

M: Ja?

S: Der ist ja angelegt an den KZ-Arzt und Kriegsverbrecher Josef Mengele, der barbarische Experimente an gefangenen Juden durchgeführt hat.

M: Die Persona Josef_M ist natürlich eine Kunstfigur. Sie ist eine ironische Anspielung darauf, dass jeder Schrecken auch mal ein Ende hat. Der Tabubruch ist eine künstlerische Aussage, der aufrütteln soll und gleichzeitig eine tiefe Verbeugung vor den Opfern des Nazi-Terrors. Er bedeutet, dass wir die Vergangenheit nicht leugnen, aber bereit sind, weiterzugehen.

S: Das hört sich an wie *Piep*.

M: Das war ein Auszug aus dem Plädoyer, das die Anwälte unseres Mutterkonzerns vor dem Verfassungsgericht hielten, als wir die Klage des Zentralrates der Juden abgeschmettert haben. Das ist alles, was ich dazu sage.

S: Sie sagen, dass die Natsi-Bewegung unpolitisch ist. Aber zu Beginn des Interviews, erwähnten Sie die Vorbild-Rolle, die sie angeblich für die deutschen Jugendlichen beim Widerstand gegen die Gängelung der Bundesregierung spielen. Für Ihre Bühnenshows benutzen Sie Nazi-Ästhetik. Die Namen Ihrer Band-Mitglieder sind Anspielungen an Kriegsverbrecher aus dem Zweiten Weltkrieg. Glauben Sie nicht, dass selbst, wenn Sie nicht politisch sind, gewissen Verfassungsfeinde die Natsi-Musik benutzen könnten, um ihre Ziele an die Jugend zu bringen? Es gibt bereits Gruppen wie „Himmler und Huhn“ oder „Ubaralles“, die unter dem Deckmantel der ‘Deutschen Reimgesangs’ faschistische und verfassungsfeindliche Lieder veröffentlicht haben.

M: Hören Sie, ich glaube, die Jugendlichen wird mehr interessieren, dass bald unsere neue Kompaktscheibe „Nirgendwo wie Deutschland“ erscheint. Das Lied „Natsiheit und Reim und Freiheit“ wird in der nächsten Woche in die Rotation Ihres Senders….

S: ‘Reimgold’ hat zum Schutz ihrer aktuellen Tournee ‘Kurs Deutsch’ Security der Firma „SaalAufsicht“ angeheuert. Diese Firma hat Verbindungen zu Neonazis und schützt auch Parteitage der NPD. Gegen zwei Mitarbeiter von SaalAufsicht wird auch im Zusammenhang mit dem Tod Tomasz Michalskis auf dem Fankfurt/Oder Konzert ermittelt.

M (steif): Die Plattenfirma Reimgold ist eine Speerspitze der deutschen Unterhaltungsmusik. Sie hat sich mit erfindungsreichen Klängen und einer neuen Dimension des deutschen Selbstbewusstseins in die Herzen und Beine der deutschen Jugendlichen gespielt. Die Auswahl der Firmen, die bei den Konzerten für die Sicherheit zuständig sind, erfolgen rein nach wirtschaftlichen Erwägungen. Das Management von Reimgold ist für Charakterfehler einzelner Mitarbeiter von Unter-Unternehmern nicht haftbar.

S: Management?

M: Wie heißt das deutsche Wort?

(1)Also 2 Jahre vor 2010. Also 2008: Das ist von uns aus in 2 Jahren. Herrjeh, es gibt einen Grund, warum ich Zeitreisen hasse.

(2) 2009

N-Wort

Veröffentlicht in Zeitnah am Juli 20, 2006 von skeltem

In meinem ersten Proseminar in Allgemeiner Religionsgeschichte lasen wir einen Text aus den Sechziger Jahren, der sich mit der „Nation of Islam“ und deren Rolle bei den Rassenunruhen Anfang der Sechziger befasste. Vor allem aber ging es um Neger.

Jedes Mal, wenn in dem Text das Wort auftauchte, zuckte ich innerlich zusammen. Also ungefähr 423 mal. Das war Anfang der Neunziger, ich war kaum der Provinz entronnen und ich habe keine Ahnung, woher meine political correctness stammte. Aber es störte mich gewaltig, dass schwarze und farbige Amerikaner als „Neger“ bezeichnet wurden. Der Autor, ein anerkannter Religionswissenschaftler, hatte bestimmt keine Herabsetzung im Sinn. Aber bei mir löste das Wort schlimme Assoziationen von „primitiven Negersklaven“ aus.

Dabei ist „negro“ noch eine der netteren Bezeichnung für Afroamerikaner. Aus der schlechten alten Zeit vor dem amerikanischen Bürgerkrieg kommt die Bezeichnung „Nigger“, ein Wort der Sklavenhalter, das die Gleichsetzung der Sklaven mit Waren beinhaltet. In den USA ist jetzt ein Kulturkampf entbrannt, bei dem es darum geht, ob Nigger auch im positiven Sinne benutzt werden darf.

Allerdings haben Kultur und Kommerz schon lange Tatsachen geschaffen. Mit dem Aufkommen und dem ungeahnten Erfolg der Hip-Hop Musik ist es unter den schwarzen Jugendlichen cool geworden sich gegenseitig als „Nigga“ zu bezeichnen, wie es in Deutschland für manche türkisch stämmigen Rapper Usus ist, sich „Kanacken“ zu nennen. Und wer erinnert sich nicht an die Szene aus „Pulp Fiction“, als der Gangesterboss Marcellus Wallace den Boxer Butch fragte, ob er sein Nigger sei. Der schwarze Regisseur Spike Lee hat mitgezählt. „Nigger“ wird in Pulp Ficton 36 mal benutzt, klagt er. Er sage es auch manchmal, aber nicht so oft, erzählt er weiter und vermutet, dass Tarantino anstrebe, ein „Schwarzer ehrenhalber“ zu werden. Tatsache ist, dass „Nigga“ mittlerweile ein Teil der Jugendkultur ist.

Nicht alle Schwarze sind glücklich mit der Entwicklung. Viele Künstler, Journalisten, Bürgerrechtler und Politiker sehen in dem Gebrauch der alten Sklavenhaltervokabel ein Anzeichen für einen latenten Selbsthass der schwarzen Jugendlichen. Die Zuordnung des Schimpfwortes zu einer bestimmte Jugendkultur kann skurrile Formen annehmen. So gab es einen Prozess gegen einen weißen New Yorker, der einen schwarzen Jugendlichen mit einem Baseballschläger angegriffen hat, als der ihn „Nigger“ genannt hatte. Während der Verhandlung wurde erörtert, ob der Angreifer ein Teil der HipHop-Szene sei, dann wäre es ein rassistisches Verbrechen. Wenn nicht, wäre es Körperverletzung aufgrund einer Beleidigung gewesen. Als Experten traten unter anderem ein schwarzer Musikproduzent in dem Prozess auf. Der schwarze Rapper Tupac Shakur hatte es einmal so zusammengefasst, dass „Nigger“ Schwarze mir Sklavenketten seien, wohingegen „Nigga“ Schwarze mit Goldketten.

Soviel Sophisterei hätte ich dem HipHop gar nicht zugetraut. Ich kann verstehen, wenn die schwarzen Jugendlichen ideologischen Ballast abwerfen wollen, der überhaupt nichts mehr mit ihnen zu tun hat. Aber es ist ja nicht so, dass es mittlerweile in den USA Gleichsetzung zwischen Schwarz und Weiß gebe. Die Helden des HipHop sind ja sogar stolz darauf, aus dem „Ghetto“ zu kommen, in das sie die Benachteiligung der Schwarzen geschickt hat. Dass die Milliarden Dollar schwere HipHop-Industrie nicht als Kämpfer für mehr schwarzes Selbstbewusstsein erweist, ist ja zu erwarten. Ich bin nur verwundert, wie sich Menschen wie der Harvard-Professor Randall Kennedy für eine Neubewertung der Hass-Vokabel einsetzen können. Ich sehe einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Sklavenhalterwort und einer Sklavenhaltermentalität.

Die Ästhetik der HipHop-Videos zumindest ist angelehnt an das Bild der Schwarzen als „körperliche“ Menschen (und damit intellektuell nicht ganz für voll zu nehmen). Bilder wie halbnackte Schwarze Männer und „willige“ schwarze Frauen („Bitches“), wie sie von den Videos vermittelt werden, gibt es auch aus dem 19. Jahrhundert, als die Schwarzen noch Eigentum der „Massas“ waren. Der Schwarze Journalist Cobb hat sich übrigens gefragt, warum nicht auch Schimpfworte gegen die Weißen in Mode gekommen sind, wie „kike“ oder „Cracker“. Er beantwortet seine Frage selber: „Massa erlaubt es nicht.“

Morgen gibt es eine weitere Miszelle zu dem N-Wort Thema. Dann sehe ich in die Zukunft, wie auch in Deutschland das N-Wort neu bewertet wird.

Agenten

Veröffentlicht in komisch - ist aber so am Juli 19, 2006 von skeltem

Der Sketch, den ich nie ans Fernsehen geschickt habe.

1. Einstellung

(Man sieht eine Türe. Sie ist aus Metall, eine Sicherheitstüre. Sie ist grau und ein Türspion ist in Augenhöhe. Links und rechts der Türe sind graue, leicht vergammelte Spinde. Die Wand, in der die Türe ist, ist blanker Beton. Aus dem Off ertönt laute Industrial-Musik. Die Kamera fährt auf die Türe zu, bis sie das ganze Bild ausfüllt. Verharrt einen Moment.)
Ton: Türklingel (fröhliches Glockenthema)
Frauenstimme, nörgelig: Ja, Ja, komm’ ja schon.
(Schnitt auf die ursprüngliche Einstellung. Frau kommt von rechts ins Bild. Man sieht sie kurz im Profil und dann von hinten. Sie hat kurze schwarze Haare Sie trägt eine glänzende Lackhose und ein passendes Lacktop. Sie trägt eine Sonnenbrille. Sie stellt sich vor die Tür und sieht durch den Spion.)

(Schnitt zum „Fischauge“ durch den Türspion. Vor der Tür stehen zwei Männer in schwarzen Anzügen mit schwarzen Krawatten und weißen Hemden. Sie haben kurze dunkle Haare und tragen Sonnenbrillen. Ihre Gesichter wirken verkniffen.)
(Schnitt zu Nahaufnahme des Gesichtes der Frau. Sie schreit.)
Frau, sehr laut: Agenten!
(Schwarzblende)

2. Einstellung:

(Mann sitzt auf einer Ledercouch. Der Mann ist groß und schlacksig. Er hat kurze, dunkle Haare, trägt ein schwarzes T-Shirt und eine Lederhose. Er trägt eine Sonnenbrille. Vor ihm steht ein schmaler Glastisch mit Chrombeinen. Die Wände sind Beton, man sieht nur ein Poster des Filmes „Reservoir Dogs“ an der Wand. Die Musik ist immer noch an. Der Mann tippt auf der Tastatur eines Laptops herrum, als man den Ruf der Frau aus dem Off hört. Sofort springt der Mann auf und springt in einer Rolle vorwärts über den Glastisch. Schnitt)

(Der Mann kommt auf einem Läufer auf und rollt sich ab Man sieht eine Wand des Raumes, die von Schränken Marke „Gelsenkirchener Barock“ eingenommen ist. In der Mitte eine Tür aus Kiefernimitat. Der Man springt auf und hechtet zur Tür, öffnet sie und rennt hindurch. Die Musik hat sich geändert, sie unterlegt jetzt den Rhythmus der Flucht des Mannes. Die Kamera folgt dem Mann.)
(Der Mann rennt durch einen kurzen Flur. Weiße Raufasertapeten, kurzer sandfarbener Teppichboden. Er rennt auf eine Türe zu. Die Tür ist weiß. An ihr wurde ein Poster angebracht. Frank Zappa, das „Klobild“. Der Mann macht die Türe schnell auf und läuft in den dahinter liegenden Raum. Man sieht über seine Schultern eine kleine Küche. Schnitt)

(Totale der kleinen Küche. Hängeschränke, eine Herd, ein mit Flaschen und Krimskrams vollgemüllter Tisch.. Links ist die Türe, durch die der Flüchtling gerade hereinstürmt. Rechts ist eine Außentüre. In der Mitte des Raumes steht ein brauner Holzstuhl.)
(Totale, aber Szene in Zeitlupe. Man sieht, wie der Flüchtling in einem Hürdensprung über den Stuhl setzt. Beim Aufkommen Schnitt.)

(Die Küche mit Blick auf die Außentüre. Der Flüchtling kommt gerade auf und rennt zu der Türe. Man erkennt, dass links und rechts neben dem Stuhl genug Platz zum Drumherum laufen gewesen wären. Schnitt)

(Die Außentüre nah. Der Flüchtling ergreift den Türknauf und dreht. Der Knauf bewegt sich, der Mann kann die Türe aber nicht öffnen. Er reißt immer heftiger an der Türe und sieht über seine Schulter. )
Der Mann, panisch: Komm schon! Kommschonkommschonkommschon, du Sch….
(Nahaufnahme, ein ziemlich offensichtlicher Riegel)
Der Mann, ärgerlich: Verdammt, der war doch vorhin noch nicht da.
(Der Mann öffnet den Riegel und stürmt aus der Türe. Schwarzblende)

3. Einstellung:

(Ein Hof, schwach erleuchtet von einer Lampe. Er wird von einem Holzzaun begrenzt, an dem diverse Müllcontainer stehen. Der Zaun ist etwa 2m hoch. Der Mann schleicht vorsichtig über den Hof, nach links und rechts sichernd. Dann steht er vor den Containern..Schnitt.)

(Nahaufnahme vom Gesicht des Mannes. Er wirkt konzentriert.)
Der Mann, ruhig: Es gibt keinen Löffel.(Schnitt)
(Nahaufnahme. Die Frau aus der ersten Einstellung isst einen Pudding aus der Plastikschale mit den Fingern. Sie sieht überrascht in die Kamera. Schnitt)

(Totale des Mannes vor dem Zaun und den Containern. Er nimmt einen kurzen Anlauf und springt in einem Satz in Zeitlupe über den Zaun uns verschwindet auf der anderen Seite. Das Bild bleibt stehen, nach etwa 5 Sekunden Ton.)
Ton: Lärm wie von umstürzenden Mülltonnen.
Der Mann: flucht derbe.
Agenten: Da ist er, schnappt ihn euch.
Der Mann, zornig: Über meine kalten toten. Argh
Ton: Kampfgeräusche
Ton: Etwas fällt um
Agent: Ich hab ihn
(Schnitt)

4. Einstellung:

(Der Mann liegt auf dem Boden, er wird von einem der Agenten aus der ersten Einstellung festgehalten. Der Mann hat seine Sonnenbrille verloren. Er tobt und wehrt sich. Schwenk auf den zweiten Agenten, der langsam seine Sonnenbrille einsteckt und eine optische Brille aufsetzt.)
Agent, spricht langsam und zögerlich wie „Agent Smith“ aus dem Film „Matrix“: Herr … Andersson? Thomas Andersson? Mein Name ist Schmidt. Sachbearbeiter … Schmidt. Von der … Agentur für Arbeit. Ich habe Ihnen ein … Angebot zu machen.
(Schmidt lächelt zynisch. Schwenk auf Anderssons Gesicht, dessen Augen sich weiten. Schwarzblende.)

5. Einstellung:

(Heller Tag in einer Fußgängerzone. Man sieht und hört lateinamerikanische Folkloremusik. Eine Reihe von Männern steht auf den typischen Instrumenten spielend und lächelnd in der Sonne. Passanten gehen vorbei und manche von ihnen legen Geld in einen Hut, der auf dem Boden liegt. Die Kamera fährt ein Stück zurück und jetzt kann man Thomas Andersson sehen, der auf die gleiche Art wie in den anderen Einstellungen gekleidet ist, aber jetzt einen bunten Poncho und eine Wollmütze über seinen Sachen trägt. Er bläst missmutig in eine Panflöte. Die Kamera fährt weiter raus und man erkennt Sachbearbeiter Schmidt, der auf einem Gartenstuhl neben Andersson sitzt, grinst und im Takt der Musik die Hand bewegt, als würde er dirigieren. Ausblenden)

(Schluss)

Kurbad

Veröffentlicht in HomeStory am Juli 15, 2006 von skeltem

1. Buch: 10.7.06

-Suche fluche ich mache mich auf, öffne mich und die Tür und gehe raus im Rausch ….

-Was brummelst du?

-Ich begebe mich auf die Suche nach den verlorenen Großeltern und stimme mich ein.

-Was soll das sein? Proust?

-Äh, ja.

-Das klingst aber eher nach Joyce.

-Bei Proust bin ich immer eingeschlafen.

-Und was lernen wir daraus?

-Rauche nie, wenn du französische Bücher liest?

-Schreib ordentlich!

-Ja, Schatz.

-Und lass den dämlichen Hut und den Schal hier. Draußen hat’s 32 Grad!

-(Hitze, schwitze, Witze)

-Wie bitte?

-Bis später, Schatz.

2. Buch: 12.5. 05

Seit Wochen liege ich nun in dieser Klinik. Und stolpere und stütze mich auf Personal und Familie. Jetzt rolle ich einen Rollator und fühle mich, als habe ich plötzlich Superkräfte entwickelt. Kühn und beflügelt von Frau und Pfleger soll ich heute der Schöpfung wieder ins Angesicht sehen. Soll furchtlos dem Gott, der mich nicht bezwingen konnte meine kalte, Luft konditionierte, Stirne bieten und ihm entgegen rufen, dass er mich nicht besiegen kann. Aber können kann er mich mal.

Wir rollen und schieben vor die Türe und mein Blick ist zuerst völlig blind vom ungewohnten natürlichen Licht mit dem ich von der Welt, der ich so lange eine Ich-förmige Abwesenheit, ein Loch oder Lücke zugemutet habe, empfangen werde.

Mit zusammengekniffenen Augen mustere ich die sanften weiblichen Rundungen der Hügel. Den phallischen Turm, der in einem Schamgewächs nicht weit sich erhebt und dominant seine Potenz protzen lässt. Er ist ein beliebtes Ausflugsziel. Dann wenden sich die Schmerz gepeinigten Augen dem Örtchen zu und ich fühle eine tiefe Ruhe.

So tief, dass ich sofort wieder in das Gebäude möchte und schlafen. Lange, lange schlafen.

3. Buch: 10.7.06

„Und sie haben die beiden nie gesehen?“, frage ich die Bedienung. „Nein. Ich kann mich nicht erinnern. Vielleicht, wenn Sie ….“ „Was?“ Wenn Sie was bestellen, fällt’s mir vielleicht wieder ein.“Ich funkelte die bedirndlte Viezigjährige mit dem rot gefärbten Haaren an. Ich sah ein, dass ich hier mit normaler Höflichkeit nicht weiterkam. „Ok, bringen Sie mir eine Apfelschorle.“ „Kommt sofort.“ Und stell dein dreckiges Grinsen ab, dachte ich. Als sie mir mein Getränk brachte, fragte ich sie. „Und? Haben Sie meine Großeltern gesehen?“ „Eine kleine dicke Frau mit Brille und einem ’süddeutschen’ Akzent und einen mitelgroßen Mann mit grauen Haaren und Brille? Ha!“ Sie sah vielsagend in die Gaststube der „Goldenen Gans“. Nur kleine dicke Frauen und grauhaarige Männer. Lachend ging sie weg.

Ich war verdammt.

4. Buch: Ode an B.R.

Oh, du fu-ränkisches Fu-runkel!

Du Schlamm um eine Perle,

dein Bad, deine Kur und dem Gestank der Therme

nimmst das Geld gleich vielen aus den Taschen

füllst dein Wasser in fast saubere Flaschen

(habe ich gehört).

O B.R.

Wie sehr!

Ich sehne mich nach deinen Wächtern,

des Nachts

19 Uhr 30 und alles ist gut!

5. Buch: 10.7.06

Heiß! Stunden laufe ich jetzt durch den Ort. Erst alle „Gut Bürgerlichen“, dann alle Cafés. Dann suchen suchen suchen. Der Ort ist ist ein Taubenschiss in der Landschaft. Ich suche ihre Unterkunft. War schon einmal dort. Ich erinnere mich an das Haus. Aber B.R ist der Ort der Klone. Sie haben nicht nur Die greisen Besucher geklont, die unfreundlichen Bedienungen, die stumpf blickenden Teenager, deren einziger Gedanke bis zur Volljährigkeit zu sein scheint „Ich will hier weg!“. Es schien auch irgendwann Mengenrabatt beim Architekten gegeben zu haben. Jedenfalls sieht B.R. Außerhalb der winzigen Altstadt aus, wie mit einem Förmchen gebaut.

Heiß! Warum mussten sie am wärmsten Tag des Jahrhunderts kommen? Warum mussten sei hierher kommen? Warum muss ich sie aufspüren?

Da! Dieses „Gut Bürgerliche“ erkenne ich wieder. Und das Café da. Ich falle ein wenig auf die Knie. Ihre Pension! Ich schäme mich meiner Tränen nicht, denn es ist ja sowieso niemand auf der Straße.

Nach einer Viertelstunde wurde klar, dass sie nicht da sind. Von meinem Zusammenbruch gerührt, gibt mir eine kleine dicke grauhaarige Frau mit Brille, die nicht wusste, in welchem Zimmer sie wohnen einen Zettel und Stift, damit ich im Flur eine Botschaft hinterlassen kann.

Besiegt torkele ich zurück zum Bahnhof.

Epilog:

Kurz vor Hitzeschlag und Dehydrierung stehend erreichte ich mühsam den Bahnhof von B.R. In einem Café rettete mir ein Sprudelwasser wahrscheinlich das Leben. Der Zug zurück nach C traf ein und in der Menge der Senioren erkannte ich meine Großeltern. Sie wirkten fröhlich und gut gelaunt. So sahen sie jedenfalls aus, bevor ich das Bewusstsein verlor.

Skeltem

Veröffentlicht in Rollenspiele, analog am Juli 14, 2006 von skeltem

Ich werde immer nicht gefragt, woher der Name ‘Skeltem’ eigentlich stammt. Das könnte drei Ursachen haben. Erstens, es wird angenommen, dass der Name von ‘Skeletor’, dem Bösewicht aus He-Man stammt und taktvoll darüber hinweg gegangen. Zweitens, es wird angenommen, dass der Name von ‘Skeletor’, dem Bösewicht aus He-Man stammt und mit einem Stöhnen ob der Infantilität der Namens darüber hinweg gegangen. Drittens, man kennt die Geschichte, die ich nur sehr selten erzähle, weil man dabei war. Oder viertens, es ist einem egal.

  • Das waren vier Ursachen.
  • Na und? Ich will hier ein Blog schreiben. Da erwarte ich kein Verhör der spanischen Inquisition.
  • No one expects….
  • Schnauze!

Anyway, die Geschichte Skeltems ist eine Geschichte voller Vorurteile und Irrtümer. Der größte Irrtum ist der Name an sich. Erinnert sich noch jemand an die Computer-Rollenspielserie „Might and Magic“? Bestimmt, schließlich sind die Rundenstrategie-Ableger der „Heroes“-Reihe ja immer noch ein Erfolg. Der dritte Teil hieß „Isles of Terra“ und wurde begann mit einem Intro in aufwändiger EGA-Grafik in dem sich ein sprechender Totenkopf als „Sheltem, Guardian of Terra“ vorstellte. Obwohl ich damals noch gut hörte, machte ich daraus „Skeltem, Guardian of Terror“.

Irgendwann 1992 gründete ein Freund eine „RoleMaster“ Spielrunde in Göttingen. Wie bei früheren Rollenspielen üblich wurden zuerst die Werte festgelegt, danach musste man sich für einen Charakter entscheiden. Bei Rolemaster (oder auch „RuleMaster oder „SheetMaster“) waren die Besonderheiten bei der Charaktererschaffung die etwas 30.000 Hintergrundoptionen, auf die man würfeln konnte. Ich erwürfelte, dass mein Charakter von Stand, also adelig, war. Bei dem Wurf in der „Thronreihenfolge-Tabelle“ kam ich zwar nur auf den 72. Platz. Aber das bedeutete ja nur, dass man die 71 Leute vor einem aus dem Weg schaffen muss. Frisch ans Werk.

Damit was Skeltems Schicksal eigentlich besiegelt. Die Option ein „Guter“ zu werden war ihm von den Göttern des Rollenspiels verwehrt worden. Seit dem Moment seiner Geburt war er von dem krankhaften Ehrgeiz besessen König an Stelle des Königs zu werden. Skeltem beschloss, Hexenmeister zu werden und ließ sich mit Mächten ein, die einen später Sätze sagen lassen wie „Niemand kann mich aufhalten!“ oder „Werft sie in die Grube des [generisches Monster]“ oder „Mwahahahah“. Kurz: er begann eine Ausbildung zum Antagonisten und aus Sky-Lethor aph Niar von Te-Ra wurde Skeltem of Terror. Wie ihr vielleicht selber schon erfahren habt, neigen manche Rollenspielfiguren dazu, ein geradezu gespenstisches Eigenleben zu entwickeln. Skeltem hatte schon sehr früh den Schritt vom Hexenmeister-Archetyp zu einer erfundenen Persönlichkeit gemacht.

Leider sorgten sein Reisebegleiter (seine treuen Anhänger, wie Skeltem sich einredete) für den einen oder anderen Antiklimax. So machten sie sich zum Beispiel oft über Skeltems Wunsch „König anstelle des Königs“ zu werden lustig und wollten plötzlich „reich anstelle von arm“ oder „satt anstelle von hungrig“ werden. Auch seine Privatfehde gegen einen „guten“ Paladin lief nicht so gut, als die Gruppe ihn davon abhielt das Gehirn des Paladins zu brutzeln und einen willenlosen Sklaven aus ihm zu machen. Die Geschichte des ersten Skeltems war leider auch von unbeabsichtigen Toden gespickt. Der Tod bedeutete damals zwar nur eine kleine Ungelegenheit, aber irgendwann sah Skeltem ein, dass die Götter seiner Ambition nicht gewogen waren und weigerte sich schlichtweg vom Tod zurückzukehren.

Dem ging eine längere Diskussion mit dem Spielleiter voraus, in der ich ihm vorwarf, nur „sein Ding“ durchziehen zu wollen, d.h. seine teuer gekauften Abenteuer zu spielen. Ich (und vor allem Skeltem) wollte aber mehr und so viel Spaß ich bei der Spielrunde hatte, so sehr vermisste ich es, dass der Spielleiter nie (oder nur sehr selten) auf die Spieler einging. Also starb Skeltem und wenig später löste sich die Gruppe auch auf.

Jahre später entdeckte ich die Freuden von Online-Rollenspielen. Da aber sämtliche Namen aus der Fantasy-Literatur, Fernsehserien, Bastei-Romanen und Biersorten mindestens fünf mal in diesen Spielen vorkommen („Holsten_03“, „Gähndalf45“), erinnerte ich mich an Skeltem. Und es ist wirklich so, dass dieser Name anscheinend nur von mir benutzt wird. Deswegen reaktivierte ich ihn und viele seiner Pen&Paper Geschwister, damit sie ihren Namen nach in der 0 und 1 – Welt weiterleben können.

Leider sind dem Eigensinn von Avataren doch sehr starke Grenzen gesetzt und deswegen wird es wohl nie wie wieder so sein, dass ich mich plötzlich damit konfrontiert sehe, dass eine meiner Schöpfungen nicht mit meiner Entscheidung einverstanden ist und das Dümmste tut, was man in der Situation machen könnte.

Es sei denn, ich werde Vater.