Verdorben
Es gibt ein Update zu dieser Miszelle: „Unverdorben„.
Ich gebe es zu. Ich bin verdorben. Bis ins Mark. Und ich wünschte, es wäre nicht so. Ich wünschte, ich könnte ganz normal sein. Aber dem ist nicht so.
Das Buch hieß „A long way down“ und ist das neueste Werk von Nick Hornby. Ich hatte schon die anderen Bücher von ihm gelesen und fand ihn unterhaltsam, aber nicht wahnsinnig aufregend. Und er bekommt keine guten Enden hin.
Ich wusste nie genau, warum. Aber jedes Buch von Hornby hat mich am Ende mit einem vagen Gefühl von „Und jetzt?“ zurückgelassen. Ich sag’s offen: Ich mag die Hornby-Enden so wenig, dass ich den Schluss der Verfilmung von „High Fidelity“ besser fand als den im Buch.
Aber „A long way down“ war viel perfider als die anderen „Hornbys“. Jedes Mal, wenn die Geschichte von „A long way down“ eine Kurve beschrieb oder eine Abkürzung nahm um dann wieder einen Umweg zu machen, schoss ich für einen Moment mit meiner Erwartung wie es weitergehen soll über das Ziel hinaus. In einem Cartoon wäre ich die Figur, die einer Straße einen Moment länger folgt, als sie vorhanden ist. Ich war gleichzeitig verunsichert und amüsiert.. Nachdem ich erst mal gemerkt hatte, dass Mr. Hornby den Teufel tut und seine Geschichte meinen Erwartungen anpassen wird, habe ich wirklich gerätselt, wie er es schafft, das Buch zu einem Ende zu bringen. Er hat es geschafft. Ich muss zugeben, dass das Ende, obschon nicht wirklich „befriedigend“, schlüssig ist. Ich habe sogar endlich verstanden, dass die anderen Bücher ebenfalls gute Enden haben, wenn man von den Erwartungen einer in sich geschlossenen Geschichte abgeht. Hornby erzählt von Lebensphasen seiner Figuren und nicht von ihrem Leben. Muss ich erwähnen, dass ich das Buch keinen Moment aus der Hand legen konnte?
Das Problem ist, dass ich danach „Anansi Boys“ von Neil Gaiman gelesen habe. Ein gutes Buch, wenn auch nicht so gut wie „American Gods„. Leider war das Ende sehr klischeehaft und die Handlung, wenn man ehrlich ist, schon ziemlich vorhersehbar. Ich war am Ende ziemlich enttäuscht, obwohl ich Gaiman eigentlich sehr mag. Kürzlich habe ich mir mal wieder „Taxi Driver“ von Scorsese angesehen. Guter Film, aber das Ende hat ihn mir ein wenig verdorben.
Ich hoffe, dass sich der Effekt von „A long way down“ bald wieder legt. Mal abgesehen davon, dass es es sehr stressig und anstrengend sein kann, nicht zu wissen, wohin die Reise geht: Wo kämen wir hin, wenn man anderen Leuten überließe, wie ihre Geschichten auszugehen haben?