Ein Wort mit drei ’s’

Zuerst ein Geständnis: ich dusche nicht. Jedenfalls nicht hinterher. Nicht unmittelbar danach. Ich kann nicht. Natürlich ist es auch kalt da, aber die vielen nackten Männer machen mich nervös. Vor allem die mit den Arnold-Schwarzenegger-Figuren. Und den rasierten Männerbrüsten. Ugh. Außerdem habe ich eine funktionierende Dusche zu Hause, danke vielmals.
Mein „Training“ (ich schreibe das so, wie ich darüber denke) ist außerdem nicht so Schweiß treibend wie das der 19jährigen Adonisse, die alle 120 Kilo mit ihrem Kinn oder ihrer Stirn stemmen können. Jedes Mal, wenn ich mich an ein Gerät setze und das Gewicht meines Vorgängers (300 Kilo) auf mein Maß (5 Kilo) einstelle, bilde ich mir ein, ein Kichern zu hören.
Fitnessstudio! Oh mein Gott. Ein Wort mit drei „s“. Wo jugendliches Prekariat abhängt und fit dafür macht, sich gegenseitig die Fresse zu polieren. Oder selbstverliebte Machos mit kleinen Pimmeln wenigstens ihre Oberkörper aufpumpen, um Frauen flachzulegen. Ich? Ha! Niemals.
Dochmals. Wenn es heißt, entweder sich unter die Muskelmenschen begeben oder vor lauter Schwindsucht nicht mehr sprechen zu können, fällt die Entscheidung nur ein bisschen schwer.
Jetzt müsste der Teil kommen, wo ich schreibe, dass ich mich geirrt habe und alles so viel besser ist als in den Klischees. Kommt er aber nicht. Jetzt kommt der Teil, wo ich schreibe, dass es alle möglichen Leute gibt, die ins Fitnessstudio gehen. Verdreht nicht eure Augen, sondern überlegt selber, ob ihr nicht auch diese Klischees im Kopf hattet. Nicht? Schön für euch. Ich bin vielleicht einfach zu arrogant in mancher Hinsicht. Typisch Intellektueller, der allem misstraut, was irgendwie nach Körper riecht. Äh.
Die Jugendlichen habe ich getroffen, ohne allerdings nach dem Einkommen ihrer Eltern zu fragen. Es gibt die Oberkörper-gepimpten, denen ich allerdings nicht auf den Schniedel schielte. Darüber hinaus gibt es eine erstaunliche Menge älterer Leute, sogar älter als ich, beiderlei Geschlechts. Und ich habe zu meiner unendlichen Beruhigung festgestellt, dass ich nicht mal der unfitteste im Studio bin. Nur der vorletzte Platz, jippieh.
Weil es absolut langweilig ist, was ich da mache und ich nicht die Option habe, mir ein iPod einzustöpseln wie 99% meiner Mitstreiter, beobachte halt, was die andern machen. Als ausgebildeter Soziologe bin ich zu erstaunlich banalen Ergebnissen gekommen.
1. Der „Muskelpark“ ist nur was für Männer. Aber er hat schon komische Qualitäten. Wie die Jungs sich da mit den Hanteln und Eisen abmühen und sich gegenseitig zu übertreffen versuchen. Und ihre Gesichter beim 500 Kilo reißen oder wie das heißt. Es tut mir fast leid, das „Hruuuaargh!“ nicht hören zu können.
2. Frauen trainieren meistens im Grüppchen. Oder mit ihrem Partner. Und meistens nur die Geräte, die auf Ausdauer gehen wie Crosstrainer, Laufband und Ergometer. Die aber dann richtig. Oft komme ich an, ziehe mich um, mache mein 50 Minuten-Programm, breche zusammen, schleppe mich in die Kabine, ziehe mich um, krieche nach Hause und die Dame, die bei meiner Ankunft schon eine halbe Stunde auf dem Band gelaufen ist, wird langsam warm.
Ich habe natürlich auch eine These zu dem Fitnessstudio-Verhalten der Frauen. Sie machen nur Sachen, bei denen sie potenziell mit anderen quatschen können. Allerdings scheint das ein Überbleibsel aus der Zeit vor ca. 1982 zu sein, denn mittlerweile gehört ein tragbares Musikgerät zur Fitnessstudio-Austattung wie die omnipräsente Wasserflasche. Manchmal glaube ich, die Damen trainieren eher ohne Hose als ohne Knopf im Ohr.
Trotz allem hilft mir das Studio, wieder ein bisschen mehr Lebensqualität zu haben. Ich breche nicht mehr in Schweiß aus, wenn ich die zwei Treppen zu unserer Wohnung hoch gestiegen bin. Ich kriege heute kein Muskelzittern mehr, wenn ich eine Milchtüte stemmen muss. Ich kann weiter als 500m am Stück gehen, ohne auszuruhen. Und den Stock brauche ich auch nicht mehr so oft.
Also gehe ich weiter hin und das nicht nur weil Lapis mich sonst mit Pixie in der Hand, in Ermangelung einer Neunschwänzigen, dahin treiben würde.

Veröffentlicht in:  on 6. Februar 2010 at 12:55 Kommentare (2)

Schmöker – ein Trauerspiel

Kurz bevor ich, wie ich wusste, lange Zeit in irgendwelchen Kliniken verbringen musste, hatte ich mir wie ein fleißiges Eichhörnchen große Vorräte an Lesestoff besorgt und in meinem verwaisten Zimmer zu einem großen Haufen aufgetürmt. Dies ist die Geschichte von zweien dieser Bücher, einem großen Autor, der gefallen ist, ohne dass er etwas dafür kann – und einem Autor, der groß ist, ohne dass er es verdient hätte.
Es gibt Bücher, die, ich schäme mich nicht es zuzugeben, mich zum Weinen bringen. Darunter ist auch „Night Watch“ von Terry Pratchett, der vielleicht ernsthafteste Scheibenwelt-Roman. Dann gibt es Bücher, die mir Tränen es Zorns ins Gesicht treiben. Die meisten davon habe ich verdrängt oder sie sollen hier und immerdar ungenannt bleiben. Aber Wolfgang Hohlbein hat ein paar geschrieben.
Die beiden Bücher, die ich hier vorstelle haben mich immerhin traurig gemacht. Weil sie beide schlecht sind. Wirklich schlecht und zwar nicht im „Paradoxe Intervention“ Sinn, sondern in echt. Trotzdem sind beide sehr unterschiedlich schlecht und auf ihre Art fast unterhaltsam.
Das erste Buch ist „Unseen Academicals“ (UA) von Terry Pratchett. DER Terry Pratchett? Ein schlechtes Buch? Ja, genau. Es ist zum Heulen.
Die Eröffnungszene, in der die Zauberer der UU auf den Rücken von Dienern einen als Vogel verkleideten Rincewind jagten, gab mir einen Vorgeschmack auf die Irritationen, für die Pratchett bei seinen treuen Lesern sorgen sollte. Erst aber fängt sich das Buch wieder in bewährtem trocken humorigen sehr britischen Stil und man atmet auf. Es geht um Fußball in Ankh-Morpork und wie der Patrizier das Spiel vom Bürgerkriegs ähnlichen Spektakel für die armen Massen zu einem geordneten sportlichen Ereignis à la Bundesliga/Premier Division machen will. Die ‘Handlung spielt also wieder in AM, dass nach „Going Postal“ und „Making Money“* immer zivilisierter wird. Außerdem geht es um einen gewissen Mr. Nutt. Leider vergisst Pratchett ziemlich früh, worum es in dem Buch eigentlich geht. Die Fußball-Storyline verschwindet fast völlig und taucht nur hin und wieder mal auf. Nebenfiguren werden Hauptfiguren und wieder zurück. Eine Köchin beschimpft den Patrizier, der sich besäuft (!!) und außerdem spielen lauter „komische“ Leute mit, die leider aber kein Stück komisch (der Nekromant z. B.) ) oder skurril sind, sondern meistens einfach nur platt. Dazu kommen 150 Kilo, 70+ Jahre alte Zauberer, die plötzlich über ein Fußballfeld rennen können (ohne Magie), Toilettenwitze, Sex und ein Ende, das mehr als zu wünschen übrig lässt. Na ja, es lässt einen wünschen, dass TP das Buch nicht geschrieben hätte.
Es ist zum Weinen. Wir wissen, dass Pratchett an einer Form der Alzheimer Krankheit leidet. Aber warum musste er dann noch ein Buch schreiben, in dem das so deutlich ist? Es scheint, dass der
Autor mitten im Buch schlicht und ergreifend vergessen hat, worum es geht. Irgendwann fiel ihm dann ein, dass es ein Ende haben muss und er schüttelte sich irgendwas aus den Fingern. Ich denke, nicht mal Pratchett wird zufrieden gewesen sein.
So vergeht der Ruhm der Scheibenwelt. Nichtsdestoweniger: Pratchett war, und ist, ein großer Schriftsteller.Und andere Rezensenten haben das Buch auch weit besser besprochen als ich hier. Ich wünsche mir sehr, dass ich einfach nur was in den falschen Hals gekriegt habe und UA in Wirklichkeit ein großartiges Buch ist, wie dieser Rezensent meint. Wirklich.
Das zweite Buch ist „Limit“ von Frank Schätzing. Nach „der Schwarm“, den ich zumindest zur Hälfte sehr spannend fand, hatte mich das Buch hauptsächlich durch seine physische Erscheinung (1328 Seiten, ca. 2 Kilo) angesprochen, die ein langes Lesevergnügen versprach. Das Lesen konnte dann auch mit Adjektiven bezeichnet werden, die „Lang“ enthalten. Langweilig zum Beispiel. Ich habe mich durch das Buch gequält, weil ich irgendwie auf den Knalleffekt gewartet habe und nichts besseres zu tun hatte. Dachte ich. Ich hätte besser ein Rätselheft ausgefüllt. Auf das Ende kommt selbst ein vom Genre unbedarfter Leser nach ca. 300 Seiten, die vor allem mit uninteressanten und vor Adjektiven strotzenden Beschreibungen gefüllt sind. Und dann darf er sich weiter 1000 Seiten zu dem völlig vorhersehbaren Schluss quälen. Booring!
Worum geht es? 2025 hat ein Privatunternehmen alleine das Energieproblem der Menschheit gelöst. Er hat auf dem Mond das Mineral Helium-3 entdeckt, mal eben Fusionsreaktoren erfunden, die es verwenden und einen Fahrstuhl in den Erdorbit gebaut, damit man es Kosten deckend abbauen kann. In dem Buch fliegt er mit einer Reisegruppe zum, Mond, wo seine Tochter nebenbei ein Hotel leitet, um schwer reiche Investoren dazu zu bringen, bei ihm einzusteigen. Im zweiten Handlungsstrang sucht der Hard-boiled Cyber Detektiv Jericho Owen nach der chinesischen Dissidentin Yoyo, deckt eine Verschwörung auf und am Ende fliegt viel in die Luft. Eigentlich ist „Limit“ ein James Bond-Film aus den 80ern.
Aber Schätzing hat sich so viel Wissen angelesen, dass er er es unbedingt und auf aufdringliche, wie ich finde arrogante, Art an seine Leser weitergeben muss. Die Anzahl der unnötigen Fremdwörter pro Seite ist einfach ärgerlich und übersteigt diejenige der „Miszellen“ bei weitem.
Ach ich werde schon wieder sauer bei dem Gedanken an soviel verschwendete Lebenszeit. Ich könnte noch viel darüber schreiben, wie nichts in dem Buch zusammenpasst. Zum Beispiel die Technologie, die in 15 Jahren Hoverboards, fliegende Autos und künstliche Intelligenz mit „realistischer“ Technik, die es so durchaus geben kann, verbindet. Aber das ist „Limit“ einfach nicht wert.
Ich würde gerne eure Meinung, besonders zu „Unseen Academicals“ wissen.

*Ich könnte die deutschen Titel heraussuchen, will ich aber nicht, weil die schlicht zu dumm sind. Danke Goldmann Verlag.

Veröffentlicht in:  on 27. Januar 2010 at 17:41 Kommentare (3)

Schreibblockade

Hallo Alle.

Worüber schreibe ich bloß?

Ich habe eine Idee, dass ich Angela Merkel mit Helmut Kohl und seiner “Aussitz-Politik” vergleiche. Als Bild stelle ich mir ein Merkel-Bild neben dem einer Birne vor und schreibe, wie ähnlich sie sich schon sind. Aber damit komme ich dann in Teufels Küche. Von den Rechte-Inhabern an den Bildern. Außerdem erinnert sich bestimmt niemand mehr daran, dass Helmut Kohls Spitzname in seinen ersten Jahren “Birne” war. Oder an Helmut Kohl.

Oder eine Miszelle mit dem Titel “Muskeltunten”. Weil ich doch jetzt auch im Fitness-Studio bin. Ich! Aber der Witz geht irgendwie verloren, wenn man mich, die männliche Keira Knightly von Coburg, nicht kennt. Außerdem sind im Studio gar keine Tunten und beim Ergometer zusammengebrochen wie Norbert in der Ralf-König Geschichte bin ich auch nicht. Das war in der Reha.

Und mit der FDP und Mövenpick müsste man doch auch etwas machen können. Oder Obama. Oder ….

*Seufz*

Jedes mal, wenn ich eine Miszelle schreiben will (das heißt, wenn mir die Fitness Zeit lässt) starre ich auf den weißen Monitor und den blinkenden Cursor. Kann es sein, dass Muskeln, und wenn sie noch so dezent daherkommen, verdummen? Arnold Schwarzenegger ist immerhin Gouverneur von Kalifornien. Andererseits: Albert Einstein hat bestimmt keine 60 Kilo gedrückt. Ich auch nicht. Trotzdem revolutioniere ich keine Naturwissenschaft. Mist.

*Seufz*

Bei einem Schreib-Workshop hat mir mal ein Autor geraten, zu schreiben, egal was. Nur vom Schreiben kommt Schreiben. Er habe Jahre lang jeden Tag ein Gedicht geschrieben und es dann vernichtet, weil es schlecht war. Irgendwann waren sie dann gut und endlich bot er sie einem Verlag an. Natürlich wurde er in bescheidener Auflage gedruckt. Und stolz tingelte er durch die Kleinstädte und bot hoffnungsvollen Autorinnen und Autoren sein Weisheit in Workshops an. Vielleicht hätte er es wie Frank Schätzing machen sollen. Dessen letztes Buch “Limit” las sich so, als habe Schätzing jeden Tag etwas geschrieben. Und weil es von Schätzing ist, kann es per definitionem nicht schlecht sein, als hat er es in seinem Buch verwendet. Heraus gekommen sind 1400 Seiten, die besser vernichtet worden wären, aber ziemlich erfolgreich sind.

*Seufz*

Ich sollte einfach irgendwas schreiben. Was besser ist, als nichts zu schreiben. Ich titele es “Schreibblockade” und lösche es wieder.

Wollen Sie den Text behalten? Sicher nicht.

Oh nei …

Veröffentlicht in:  on 20. Januar 2010 at 15:12 Hinterlasse einen Kommentar

4.1.2010: Dezennte Anspielung

Hallo Alle.

Himmel schon wieder ein neues Jahrzehnt? Dann mal Frohes Neues Dezennium an alle.

Wie ihr unschwer erkannt habt, bin ich wieder zu Hause. Eigentlich schon etwas über einer Woche, aber ich habe mir erst mal etwas “Urlaub” gegönnt. Obwohl wahrscheinlich niemand in der westlichen und anderen Hemisphären in den Tagen und Wochen um Weihnachten entspannen kann. Wie jedes Jahr habe ich die Beobachtung gemacht, dass Jedermann und Jedefrau den Stress hasst. Die Leute drehen schier durch in einem Anfall von kollektivem, hysterischen Konsumterrors.

Und am 24. Dezember sitzen sie dann bei Kartoffelsalat und Würstchen zusammen und säuseln: “Schee ist’s.” Ich kapiers nicht. Und dass Lapis und ich am Abend des 24.12. nett bei Würstchen und Kartoffelsalat zusammen saßen und es uns gut gehen ließen hatte

    nicht das Geringste

mit Weihnachten zu tun. Das war einfach Zufall. *Hust*

Vielleicht bin ich auch einfach nur angepisst, weil alle den Geburtstag einer historischen Person feiern, von denen die meisten nicht mal glauben, dass es sie gegeben hat und dem überwiegenden Rest ist es egal. Und nicht meinen! Außerdem habe ich wieder mal festgestellt, dass man hundert mal sagen kann, dass man mit dem Quatsch nichts zu tun haben will, es einen aber trotzdem von allen Seiten um die Ohren gehauen bekommt.

Aber genug gemeckert.

Re(h)animation II (2):

Diesmal ist nicht wirklich etwas passiert, was sich zu berichten lohnte. Wenn man vielleicht von den drei Wochen anhaltenden Muskelkatern absieht, die ich aber gerne schnell vergessen würde, danke schön.

An einem Tag kam es allerdings zu einer kleinen Comedy, die entsteht, wenn 2 (oder 3) kognitiv geforderte Personen aufeinander treffen.

Skeltem: Hallo, Herr S. [einer meiner Tischnachbarn im Restaurant]. Schön, Sie her zu treffen. Leider muss ich gleich weiter zur Ergotherapie.
Herr S.: Oh hallo. wo müssen Sie hin?
Sk.: Zur Ergotherapie.
S.: Das ist ein Stockwerk tiefer. Nach links, wenn Sie aus dem Aufzug kommen.
Sk.: Ich weiß, ich war schon mal hier. Sie erinnern sich? Ich habe es gestern am Tisch erzählt.
S.: Ja? Mnmnmnmnmnmn …. [das bin ich, der nicht versteht, was er sagt]
Sk.: Wie bitte? Ich muss zur Erotherapie.
S. (mit dem Ausdruck der Verzweifelung): Ein … Stockwerk … tiefer.
Sk.: Äh, sicher. Ich wollte doch nur ….
S.: (wendet sich an eine vorbei gehende Mitarbeiterin und sagt ihr etwas, das ich nicht verstehen kann)
Frau P.: Ergotherapie?
Sk.: Ja, aber wie ich …
P.: Zeigen Sie mal Ihren Plan.
Sk.: Ich weiß, wo ich hin muss. Ich habe nur Herrn S. hier ….
S.: Ein Stockwerk tiefer.
Sk.: (…)
P.: Schwester! Zeigen Sie doch Herrn K. mal …
Sk.: Aaaaaah!

Na ja. Am Ende ging es ohne Schreien ab, weil ich einfach in den Aufzug gesprungen bin. Und, um es mal festzuhalten, in der Klinik gibt es wirklich Menschen, die aufgrund ihres Problems (z.B. Schlaganfall) ernsthafte Orientierungsprobleme haben. Und durch meine Behinderung kann das schon mal so aussehen, als wüsste ich nicht, wo oben, unten, hinten oder vorne ist. Meistens, wenn verschiedene Personen auf mich einreden und ich versuche zig verschiedene Münder und Gesichter zu lesen.

Miszellen:

Alle meine guten Vorsätze für dieses Jahr behandeln langweiliger Weise meinen Gesundheitszustand und was ich damit machen kann. Mit den Miszellen geht es weiter, weil sie gewissermaßen auch Teil meines Fitnessprogramms sind. Wie ihr sehen könnt, spiele ich mal wieder mit dem Aussehen herum, aber ansonstens bleibt wohl alles beim alten.

Ich hoffe, dass ihr mir trotzdem auch 2010 die Treue haltet.

Bis die Tage,
Skeltem

Veröffentlicht in:  on 4. Januar 2010 at 16:06 Hinterlasse einen Kommentar

Re(h)animation II (1): Zeichen und Wunder

Hallo Alle.

Sagt mal, leben wir im 21. Jahrhundert oder was? Es gibt jetzt überall Internet. In den Kliniken, Schulen, beim Bäcker, beim Friseur … wow!
Für mich heißt das natürlich weniger zitternde Hände und öfter Wutanfälle wegen der Laptop-Tastatur. Für euch springen ein paar Miszellen raus. Allerdings werden es keine “großen” Würfe, sondern nur ein paar Anmerkungen hier und da. Sonst lest ihr vielleicht mal “Mann läuft Amok in Reha-Klinik – Die Tastatur war Schuld”.
Thema “Zeichen und Wunder”. Ein Wunder ist es, dass ich mich noch auf den Beinen halten kann. Nach fast einem Jahr Minimalbewegung durfte ich hier jetzt drei Tage Extremsport (sprich: mehr als die Finger anstrengen) betreiben. Aua. Und nächste Woche geht es erst richtig los.
Ein Zeichen, dass es aufwärts geht ist auch, dass ich wie ein Scheunendrescher futtere. Ich habe das Gefühl, mein Körper bereitet irgend etwas vor. Wenn ich jünger wäre, würde ich sagen: ich wachse. So hoffe ich mal auf ein paar Muskeln.
Wo die hinkommen könnten, spüre ich jeden Mal bei aufstehen.

Bis bald,
Skeltem

Veröffentlicht in:  on 29. November 2009 at 21:00 Kommentare (1)

23.11.2009: Raus aus der Klinik, rein in die Klinik

Hallo Alle.

Nachdem ich heute kurz die süße Luft der Freiheit schnuppern durfte (vom harten Anschlag meiner Tastatur will ich lieber gar nicht erst anfangen), muss ich morgen schon wieder weg.
Ich soll rehanimiert werden. Nicht, dass das nicht nötig wäre. Euer Miszellator hat inzwischen die Muskelmasse eines sehr jungen Korallentierchens. Trotzdem wäre ich gerne noch ein paar Tage zu Hause geblieben und hätte mich vor der Erholung erst mal erholt. Erfahrungsgemäß stehen mir wieder mehrere Wochen Blut, Schweiß ud Tränen bevor – und das nur beim Frühstücksbuffet.
Na ja. Wer früher stirbt, ist länger tot. Oder besser: je eher rein, desto eher raus.

Nur eine Sache wurmt mich: kein Internet.

Ich gebe Lebenszeichen von mir, wenn ich nicht von einem Rollator überrollt werde.

Bis dann,
Skeltem

Veröffentlicht in:  on 23. November 2009 at 21:54 Hinterlasse einen Kommentar

22.11.2009: Irgendwas ist immer

Hallo Alle.

Guckt mal! Ohne Kabel!
Jaja. Moderne Kliniken haben jetzt auch W-Lan Anschluss und euer Miszellator ein Notebook für € 3,50.
Das rettet mich hier ein wenig. Denn nachdem hier alles extrem gut verlaufen ist, ist mein größter Feind die Langeweile.

Langeweile und die Tastatur dieses Stück von einem Fei-oo Laptop.

Aber irgendwas ist ja immer ;)

Bis bald,
Skeltem

Veröffentlicht in:  on 22. November 2009 at 16:00 Hinterlasse einen Kommentar

10.11.2009: … und tschüss (mal wieder)

Hallo Alle.

Es ist mal wieder soweit.

Morgen fahre ich wieder einmal aus medizinischen Gründen weit weg. Rückkehr unbestimmt.

Ich werde mich hier sicher noch das eine oder das andere Mal melden. Aber ob es in diesem Jahr noch etwas mit Miszellen wird, weiß ich nicht.
Dabei wollte ich den Glaubenskram endlich abschließen.

Egal. Denkt in den nächten Tagen bitte mal ein paar gute Gedanken über mich (“Er schreibt nicht das langweiligste Zeug im Internet, manchmal muss ich grinsen”) oder sowas.

Bis die Tage,
Skeltem

Veröffentlicht in:  on 10. November 2009 at 23:15 Kommentare (2)

Glaubensarbeit

Die Weihnachtsgeschichte von Montag habe ich nicht nur erzählt, um euch mit einem Schwank aus meiner Jugend zu unterhalten. Meine damalige Naivität ist aus heutiger Sicht vielleicht komisch, aber letztendlich demonstriert sie, wie Glauben funktioniert. Glauben ist Arbeit.
Die landläufige Meinung der aufgeklärten Bevölkerung geht dahin, dass Menschen, die einer religiösen Weltanschauung anhängen als ein bisschen rückständig oder naiv angesehen werden. Sie machten sich nicht die Mühe, Fakten zu erforschen, sondern würden einfach das akzeptieren, was man ihnen in ihren Tempeln vorsetzt. Das ist vor allen Dingen amüsant, weil diese Urteile häufig von Menschen kommen, die naiv akzeptieren , was ihnen ihre Schulweisheit so beigebracht hat, ohne dass sie selber die geringste Ahnung von den „Fakten“ haben. Oder dass sie damit selber einen Glauben ausdrücken. Den Glauben an eine geordnete Welt, die von der menschlichen Vernunft (irgendwann einmal) genau erfasst und durchschaut werden kann.
Tatsache ist, dass Glauben, auch religiöser Glaube, erarbeitet werden muss. Eine der bahnbrechendsten, und heute eigentlich selbstverständlichen, Erkenntnisse des in diesen Tagen verstorbenen Ethnologen Claude Lévi-Strauss war, dass es eine universelle Rationalität gibt. Gesunde Menschen denken rational, d.h. Zweck orientiert, zielgerichtet und vernünftig. Auch, und das war die Sensation, sog. Primitive.
Unsere Vernunft ist ein Mittel zum Überleben. Rationalität ist geboren aus dem Gedanken: „Was muss ich tun, damit ich mein Ziel erreiche?“ Welche Kenntnisse helfen mir dabei? Ich muss mich mit der Welt auseinandersetzen, um ihr das zu entreißen, was ich brauche. Um bei unserem Thema zu bleiben: Welcher (religiöse) Glaube nützt mir mehr?
Religionwissenschaftler haben sich gewundert, warum die monotheistischen Religionen solch einen Siegeszug angetreten haben. Die Antwort ist aber relativ banal: weil es vernünftiger war, an einen Gott zu glauben.
Der Glaube an den einen Gott einigte die Stämme Israels und hielt sie auch in den schwierigen Zeiten der Vertreibung und der Gefangenschaft zusammen. Hätten sie an verschiedene höhere Wesen geglaubt, wäre der Zusammenhalt bei weitem nicht so stark gewesen und sie wären irgendwann in den anderen Ethnien des Nahen Osten aufgegangen.
Die Christen waren einig in ihrem Glauben, als Rom auseinander fiel. Kaiser Konstantin machte das Christentum zur Staatsreligion, um sein zerbröckelndes Reich zu retten.
Im frühen Arabien gab es einen regelrechten Marktplatz der Götter. Sein Zentrum war die Stadt Mekka. Die Kaufleute Mekkas verdienten gutes Geld mit den Gläubigen, die von überall her strömten, um an der Ka’aba zu beten. Da trat Mohammed mit der Botschaft auf, dass es nur einen Gott gäbe. Das verdarb das Geschäft und sie vertrieben den lästigen Propheten samt seiner Anhänger. Yathrib (Medina) war der größte Konkurrent Mekkas und nahm Mohammed mit offenen Armen auf. Was wie eine feindliche Übernahme begann,, wurde zur Weltreligion.
Das Problem bei der Rationalität ist, dass etwas, was für die eine Gruppe vernünftig oder rational ist noch lange nicht für alle gelten muss. Meine Aufzählung oben spricht die Rationalität der aufgeklärten Europäer an, aber streng gläubige Juden, Christen oder Moslems würden Anstoß daran nehmen, weil ich die Tatsächlichkeit der religiösen Erfahrung, unter anderem, weg gelassen habe.
Und hier kommen wir wieder zum kleinen Skeltem. Ich haben versucht, aus dem Wenigen, das ich „wusste“ (es gibt das Christkind, er ist ein Säugling, er bringt Geschenke) eine rationale Kette aufzubauen. Wenn meine Eltern und Großeltern religiöser gewesen wären, wäre meine Idee von den Ereignissen vielleicht stringenter und vernünftiger (in unserem erwachsenen Sinne von Vernunft) gewesen. Aber mir, dem 4-5jährigen, reichte meine Erklärung. Sie war für mich vernünftig und ging in den Vorrat kindlicher Tatsachen ein.
Auch wenn es nur der Glaube an das Christkind war, so war es Glaubensarbeit. Die Arbeit bestand darin, nicht nur die verschiedenen bekannten „Tatsachen“ zu glauben, sondern die Lücken zu schließen, die zwischen den Tatsachen klafften. Wie kann ein Säugling Geschenke tragen? So verschwurbelt das Endergebnis war, es war eine rationale Erklärung.
Heute denke ich, dass ich mich nicht so sehr für Religion interessieren würde, wenn ich damals ein komplettes Bild von den Ereignissen hätte vorgesetzt bekommen. Die Arbeit, aus dem Unmöglichen eine unwahrscheinliche Kette zu basteln hat mich vielleicht auf den Geschmack gebracht.
Religiöse Menschen, das wird unsere Atheisten vielleicht wundern, leben nicht in irgend einer Phantasiewelt, sondern in der Wirklichkeit, die wir alle teilen. Ihren Glauben müssen sie ständig an den Tatsachen messen und anpassen. Sie beurteilen, was sie erfahren und ziehen vor dem Hintergrund ihres Glaubens eigene rationale Schlüsse. Genauso wie es Menschen gibt, deren Erkenntnisinteresse nicht von den Offenbarungen der Götter oder vor dem Hintergrund der beseelten Natur befriedigt wird. Diese versuchen durch Beobachtung und Experimente eine Welterklärung zu finden.
Die meisten Menschen allerdings scheuen die Glaubens- und Erkenntnisarbeit. Sie sind zufrieden einfach alles auf der Basis „es steht geschrieben“ oder „der gesunde Menschenverstand sagt mir“ zu akzeptieren. Diese können an Gott glauben oder an [Land/Ideologie eurer Wahl] oder daran, dass die menschliche Vernunft alles erklären kann. Diese Trägheit ist keiner Weltanschauung verbunden, sondern ein fester Bestandteil der Conditio Humana. Wer keine Zweifel hat, ist glücklicher.

Veröffentlicht in:  on 5. November 2009 at 21:21 Kommentare (3)

Baby Jesus und der dicke Sack – ein Prolog

Als ich Kind war habe ich an das Christkind geglaubt. Das war harte Arbeit.

Vielleicht erinnert die Vor-Coca-Cola-Santa-Claus-Generation sich noch an das Christkind? Das war das Blag, dessen Geburtstag man eigentlich Weihnachten feiert. Baby Jesus sozusagen. Ich kannte das Christkind von der Krippe, die jedes Jahr im Advent im Wohnzimmer meiner Großeltern stand. Es war blond, hatte dicke rote Wangen, eine saubere Windel an und war ca. 10 Monate alt. Ein Wunder!

Meine Eltern waren orthodoxe Atheisten, die “das Ganze nur [Skeltem] zuliebe mitmachten”. Kirchlich geheiratet haben sie meinen Großeltern zuliebe. Meine Taufe war sicher auch jemandem zuliebe geschehen. Jedenfalls hatte Religion in meiner Kindheit viel mit Liebe zu tun.

Weihnachten war jedenfalls mein Fest. Es lief bei uns immer so ab: Den ganzen 24. Dezember hatte ich vor Aufregung Hummeln in diversen Körperteilen. Wir waren immer bei meinen Großeltern, weil meine Eltern a) mit Weihnachten nichts am Hut hatten wegen des ganzen orthoxen Atheisierens und b) wir in einem Loch wohnten, in dem ein Christbaum höchstens die Decke gestützt hätte. Außerdem war kein Platz für die Familie und Weihnachten ist ja bekanntlich das Fest der Liebe und der ausgedehnten Familienzwiste. Meine Tante und meine Mutter halfen meiner Oma bei der Zubereitung des Festmenüs, das sehr viel mit der Liebe zu toten Tieren zu tun hatte. Und weil es die 70er Jahre waren und sie emanzipiert taten sie es nicht gern. Schon gar nicht, weil der männliche Teil der Familie sich von jeder Form der Hausarbeit emanzipiert hatte. Allerdings schon vor den 70er Jahren.

Ich beschäftigte mich meistens mit meiner Cousine, bis unsere Eltern uns trennten und sie heulend und mich schmollend (es war nur eine
stumpfe
Waffe, oder?) vor “Wir warten aufs Christkind” setzten. Die Sendung ist älter als jede andere Sendung im Deutschen Fernsehen und ist wahrscheinlich schon vor Hitlers “Ansprache zum endgültigen Ende des Endsiegs” oder so einem Mist gelaufen.

Irgendwann wurden meine Cousine und ich dann aus dem Wohnzimmer verbannt und geheimnisvolle Dinge ereigneten sich. Es rumpelte und polterte im Haus. Erwachsene liefen in verschiedenen Stadien der Aufregung umher. Meine Cousine und ich waren so hypnotisert, dass wir sogar vergaßen, uns zu zanken. Am Ende erklang aus dem Wohnzimmer ein Glöckchen (ziemlich rachitisch), die Tür öffnete sich und wie durch ein Wunder lagen plötzlich Geschenke unter dem Weihnachtsbaum. Halleluja!

Ich weiß nicht wie andere Eltern ihren Kindern erklären, dass plötzlich das Indianerkostüm, das sie sich sich sehnlich gewünscht haben plötzlich unter dem Baum liegt. Bei uns hieß es jedenfalls: “Das Christkind war da”. Das musste reichen. Wie schon geschildert, war ich theologisch von meinem Elternhaus gefordert. Für mich war es erst mal ein Fakt, dass das Christkind da gewesen ist. Das Christkind, das hatte ich in der Krippe gesehen, ist ein Säugling. Ergo war ein Säugling in Omas Wohnzimmer gewesen und hatte mein Indianerkostüm unter den Tannenbaum gelegt.

Das fand ich ziemlich komisch. Wo soll es denn das Kostüm gehabt haben? Unter seiner Windel? Ugh! Nein, das Christkind hatte bestimmt einen Sack dabei wie der Nikolaus. Aber der Sack musste ziemlich groß sein. S’. Puppe passte auch noch rein und was die Erwachsenen sich so schenkten. Hm. Brachte das Christkind auch Geschenke für Erwachsene? Die konnten sich das ja auch kaufen. Außerdem sparte das dem Säugling eine Menge Arbeit.

In meinem Kinderglauben vermischte sich das Christkind mit den Putten, die ich schon mal gesehen hatte. Ich glaubte, es flitzte am Heiligen Abend, mit seinen Stummelflügelchen schlagend durch das Wohnzimmerfenster herein, grüßte kurz meine Eltern und Großeltern, lud die Geschenke ab, die es in einem großen Sack mit sich führte und flog davon, um seine Runde fertig zu bekommen und dann in der Krippe Feierabend zu machen. Ich glaubte, dass wenn ich durch das Schlüsselloch lugen könnte, ich einen männlichen Säugling mit Windeln und einen großen Jutesack sehen würde.

Später erfuhr ich dann die Wahrheit.

Das Christkind beschäftigt Subunternehmer.

Veröffentlicht in:  on 2. November 2009 at 18:16 Hinterlasse einen Kommentar