Glaubensarbeit

Veröffentlicht in relativ religiös am November 5, 2009 von skeltem

Die Weihnachtsgeschichte von Montag habe ich nicht nur erzählt, um euch mit einem Schwank aus meiner Jugend zu unterhalten. Meine damalige Naivität ist aus heutiger Sicht vielleicht komisch, aber letztendlich demonstriert sie, wie Glauben funktioniert. Glauben ist Arbeit.
Die landläufige Meinung der aufgeklärten Bevölkerung geht dahin, dass Menschen, die einer religiösen Weltanschauung anhängen als ein bisschen rückständig oder naiv angesehen werden. Sie machten sich nicht die Mühe, Fakten zu erforschen, sondern würden einfach das akzeptieren, was man ihnen in ihren Tempeln vorsetzt. Das ist vor allen Dingen amüsant, weil diese Urteile häufig von Menschen kommen, die naiv akzeptieren , was ihnen ihre Schulweisheit so beigebracht hat, ohne dass sie selber die geringste Ahnung von den „Fakten“ haben. Oder dass sie damit selber einen Glauben ausdrücken. Den Glauben an eine geordnete Welt, die von der menschlichen Vernunft (irgendwann einmal) genau erfasst und durchschaut werden kann.
Tatsache ist, dass Glauben, auch religiöser Glaube, erarbeitet werden muss. Eine der bahnbrechendsten, und heute eigentlich selbstverständlichen, Erkenntnisse des in diesen Tagen verstorbenen Ethnologen Claude Lévi-Strauss war, dass es eine universelle Rationalität gibt. Gesunde Menschen denken rational, d.h. Zweck orientiert, zielgerichtet und vernünftig. Auch, und das war die Sensation, sog. Primitive.
Unsere Vernunft ist ein Mittel zum Überleben. Rationalität ist geboren aus dem Gedanken: „Was muss ich tun, damit ich mein Ziel erreiche?“ Welche Kenntnisse helfen mir dabei? Ich muss mich mit der Welt auseinandersetzen, um ihr das zu entreißen, was ich brauche. Um bei unserem Thema zu bleiben: Welcher (religiöse) Glaube nützt mir mehr?
Religionwissenschaftler haben sich gewundert, warum die monotheistischen Religionen solch einen Siegeszug angetreten haben. Die Antwort ist aber relativ banal: weil es vernünftiger war, an einen Gott zu glauben.
Der Glaube an den einen Gott einigte die Stämme Israels und hielt sie auch in den schwierigen Zeiten der Vertreibung und der Gefangenschaft zusammen. Hätten sie an verschiedene höhere Wesen geglaubt, wäre der Zusammenhalt bei weitem nicht so stark gewesen und sie wären irgendwann in den anderen Ethnien des Nahen Osten aufgegangen.
Die Christen waren einig in ihrem Glauben, als Rom auseinander fiel. Kaiser Konstantin machte das Christentum zur Staatsreligion, um sein zerbröckelndes Reich zu retten.
Im frühen Arabien gab es einen regelrechten Marktplatz der Götter. Sein Zentrum war die Stadt Mekka. Die Kaufleute Mekkas verdienten gutes Geld mit den Gläubigen, die von überall her strömten, um an der Ka’aba zu beten. Da trat Mohammed mit der Botschaft auf, dass es nur einen Gott gäbe. Das verdarb das Geschäft und sie vertrieben den lästigen Propheten samt seiner Anhänger. Yathrib (Medina) war der größte Konkurrent Mekkas und nahm Mohammed mit offenen Armen auf. Was wie eine feindliche Übernahme begann,, wurde zur Weltreligion.
Das Problem bei der Rationalität ist, dass etwas, was für die eine Gruppe vernünftig oder rational ist noch lange nicht für alle gelten muss. Meine Aufzählung oben spricht die Rationalität der aufgeklärten Europäer an, aber streng gläubige Juden, Christen oder Moslems würden Anstoß daran nehmen, weil ich die Tatsächlichkeit der religiösen Erfahrung, unter anderem, weg gelassen habe.
Und hier kommen wir wieder zum kleinen Skeltem. Ich haben versucht, aus dem Wenigen, das ich „wusste“ (es gibt das Christkind, er ist ein Säugling, er bringt Geschenke) eine rationale Kette aufzubauen. Wenn meine Eltern und Großeltern religiöser gewesen wären, wäre meine Idee von den Ereignissen vielleicht stringenter und vernünftiger (in unserem erwachsenen Sinne von Vernunft) gewesen. Aber mir, dem 4-5jährigen, reichte meine Erklärung. Sie war für mich vernünftig und ging in den Vorrat kindlicher Tatsachen ein.
Auch wenn es nur der Glaube an das Christkind war, so war es Glaubensarbeit. Die Arbeit bestand darin, nicht nur die verschiedenen bekannten „Tatsachen“ zu glauben, sondern die Lücken zu schließen, die zwischen den Tatsachen klafften. Wie kann ein Säugling Geschenke tragen? So verschwurbelt das Endergebnis war, es war eine rationale Erklärung.
Heute denke ich, dass ich mich nicht so sehr für Religion interessieren würde, wenn ich damals ein komplettes Bild von den Ereignissen hätte vorgesetzt bekommen. Die Arbeit, aus dem Unmöglichen eine unwahrscheinliche Kette zu basteln hat mich vielleicht auf den Geschmack gebracht.
Religiöse Menschen, das wird unsere Atheisten vielleicht wundern, leben nicht in irgend einer Phantasiewelt, sondern in der Wirklichkeit, die wir alle teilen. Ihren Glauben müssen sie ständig an den Tatsachen messen und anpassen. Sie beurteilen, was sie erfahren und ziehen vor dem Hintergrund ihres Glaubens eigene rationale Schlüsse. Genauso wie es Menschen gibt, deren Erkenntnisinteresse nicht von den Offenbarungen der Götter oder vor dem Hintergrund der beseelten Natur befriedigt wird. Diese versuchen durch Beobachtung und Experimente eine Welterklärung zu finden.
Die meisten Menschen allerdings scheuen die Glaubens- und Erkenntnisarbeit. Sie sind zufrieden einfach alles auf der Basis „es steht geschrieben“ oder „der gesunde Menschenverstand sagt mir“ zu akzeptieren. Diese können an Gott glauben oder an [Land/Ideologie eurer Wahl] oder daran, dass die menschliche Vernunft alles erklären kann. Diese Trägheit ist keiner Weltanschauung verbunden, sondern ein fester Bestandteil der Conditio Humana. Wer keine Zweifel hat, ist glücklicher.

Baby Jesus und der dicke Sack – ein Prolog

Veröffentlicht in HomeStory, relativ religiös am November 2, 2009 von skeltem

Als ich Kind war habe ich an das Christkind geglaubt. Das war harte Arbeit.

Vielleicht erinnert die Vor-Coca-Cola-Santa-Claus-Generation sich noch an das Christkind? Das war das Blag, dessen Geburtstag man eigentlich Weihnachten feiert. Baby Jesus sozusagen. Ich kannte das Christkind von der Krippe, die jedes Jahr im Advent im Wohnzimmer meiner Großeltern stand. Es war blond, hatte dicke rote Wangen, eine saubere Windel an und war ca. 10 Monate alt. Ein Wunder!

Meine Eltern waren orthodoxe Atheisten, die „das Ganze nur [Skeltem] zuliebe mitmachten“. Kirchlich geheiratet haben sie meinen Großeltern zuliebe. Meine Taufe war sicher auch jemandem zuliebe geschehen. Jedenfalls hatte Religion in meiner Kindheit viel mit Liebe zu tun.

Weihnachten war jedenfalls mein Fest. Es lief bei uns immer so ab: Den ganzen 24. Dezember hatte ich vor Aufregung Hummeln in diversen Körperteilen. Wir waren immer bei meinen Großeltern, weil meine Eltern a) mit Weihnachten nichts am Hut hatten wegen des ganzen orthoxen Atheisierens und b) wir in einem Loch wohnten, in dem ein Christbaum höchstens die Decke gestützt hätte. Außerdem war kein Platz für die Familie und Weihnachten ist ja bekanntlich das Fest der Liebe und der ausgedehnten Familienzwiste. Meine Tante und meine Mutter halfen meiner Oma bei der Zubereitung des Festmenüs, das sehr viel mit der Liebe zu toten Tieren zu tun hatte. Und weil es die 70er Jahre waren und sie emanzipiert taten sie es nicht gern. Schon gar nicht, weil der männliche Teil der Familie sich von jeder Form der Hausarbeit emanzipiert hatte. Allerdings schon vor den 70er Jahren.

Ich beschäftigte mich meistens mit meiner Cousine, bis unsere Eltern uns trennten und sie heulend und mich schmollend (es war nur eine
stumpfe
Waffe, oder?) vor „Wir warten aufs Christkind“ setzten. Die Sendung ist älter als jede andere Sendung im Deutschen Fernsehen und ist wahrscheinlich schon vor Hitlers „Ansprache zum endgültigen Ende des Endsiegs“ oder so einem Mist gelaufen.

Irgendwann wurden meine Cousine und ich dann aus dem Wohnzimmer verbannt und geheimnisvolle Dinge ereigneten sich. Es rumpelte und polterte im Haus. Erwachsene liefen in verschiedenen Stadien der Aufregung umher. Meine Cousine und ich waren so hypnotisert, dass wir sogar vergaßen, uns zu zanken. Am Ende erklang aus dem Wohnzimmer ein Glöckchen (ziemlich rachitisch), die Tür öffnete sich und wie durch ein Wunder lagen plötzlich Geschenke unter dem Weihnachtsbaum. Halleluja!

Ich weiß nicht wie andere Eltern ihren Kindern erklären, dass plötzlich das Indianerkostüm, das sie sich sich sehnlich gewünscht haben plötzlich unter dem Baum liegt. Bei uns hieß es jedenfalls: „Das Christkind war da“. Das musste reichen. Wie schon geschildert, war ich theologisch von meinem Elternhaus gefordert. Für mich war es erst mal ein Fakt, dass das Christkind da gewesen ist. Das Christkind, das hatte ich in der Krippe gesehen, ist ein Säugling. Ergo war ein Säugling in Omas Wohnzimmer gewesen und hatte mein Indianerkostüm unter den Tannenbaum gelegt.

Das fand ich ziemlich komisch. Wo soll es denn das Kostüm gehabt haben? Unter seiner Windel? Ugh! Nein, das Christkind hatte bestimmt einen Sack dabei wie der Nikolaus. Aber der Sack musste ziemlich groß sein. S’. Puppe passte auch noch rein und was die Erwachsenen sich so schenkten. Hm. Brachte das Christkind auch Geschenke für Erwachsene? Die konnten sich das ja auch kaufen. Außerdem sparte das dem Säugling eine Menge Arbeit.

In meinem Kinderglauben vermischte sich das Christkind mit den Putten, die ich schon mal gesehen hatte. Ich glaubte, es flitzte am Heiligen Abend, mit seinen Stummelflügelchen schlagend durch das Wohnzimmerfenster herein, grüßte kurz meine Eltern und Großeltern, lud die Geschenke ab, die es in einem großen Sack mit sich führte und flog davon, um seine Runde fertig zu bekommen und dann in der Krippe Feierabend zu machen. Ich glaubte, dass wenn ich durch das Schlüsselloch lugen könnte, ich einen männlichen Säugling mit Windeln und einen großen Jutesack sehen würde.

Später erfuhr ich dann die Wahrheit.

Das Christkind beschäftigt Subunternehmer.

23.10.2009: Urlaub, W7 und Brutto

Veröffentlicht in Allgemeines am Oktober 23, 2009 von skeltem

Moin.

aalso ….

Erstens ist vielleicht aufgefallen, dass die Miszellen-Frequenz in den letzten Wochen wieder mal nachgelassen hat.
Schuld ist in diesem Fall meine Frau Lapis, die hat nämlich Urlaub. Deswegen mache ich auch so etwas wie Urlaub. Dazu kommt, dass ich in den nächsten Tagen einiges vor habe, also „don’t hold your breath“ (ich liebe englische Idiome!) wenn ihr auf die nächste Miszelle wartet.

Unter den Dingen, die ich mir für das Wochenende vorgenommen habe ist die Installation vom Windows 7. Nachdem ich Vista locker habe links liegen lassen, ächzt mein XP doch schon ganz schön. Dazu kommt, dass meine aktuelle Installation gut 3 Jahre alt ist und die Registry fetter als die Leber einer Stopfente. Wenn ihr nie wieder etwas von mir lest, ist bei der Installation etwas schief gegangen und ich habe aus Frust entweder mir oder meinem PC ein frühes, gewaltsames Ende gesetzt. Es hat schon einen Grund, warum ich so ungerne am Betriebssystem herum doktore.

Last but not least muss ich dann doch mal etwa Positives über den Einzelhandel loswerden. Meine schlimmen Befürchtungen, das „Upgrade“ unseres Plus-Marktes zum „Netto“ betreffend sind nicht eingetroffen. Der neue Markt ist tatsächlich schöner geworden. Der Umbau hat ihn gefühlt vergrößert und das Sortiment ist tatsächlich viel größer. Unsere geliebten „Biobio“-Artikel sind auch noch da. Und, Wunder über Wunder, sie haben Personal eingestellt. Sogar einen Mann im roten Leibchen konnte ich erspähen. Ich würde die Netto-(Lebensmittel)Marken zwar immer noch nicht kaufen, aber die befürchtete „Aldisierung“ ist ausgeblieben.

Bis bald,
Skeltem

Mehr Brutto im Minus

Veröffentlicht in HomeStory am Oktober 15, 2009 von skeltem

Lapis und ich trauern. Unsere „Minus“-Filiale ist geschlossen. Die direkt über die Straße. Die uns allen so illustre Freunde wie Lady Letta geschenkt hat. Wo sich Penner, türkische Mutter von fünf und armer Öko die Schwingtür in die Hand gaben. Da wo jeder deinen Namen kennt und alle sich freuen … sorry.
Die Minus-Kette wurde letztes Jahr an Zwodeka verkauft. Die Minus Läden sollten Zwodeka zusammen mit der eigenen Kette „Brutto“ zur größten Discounter Kette Deutschlands werden. Ich habe vergessen, ob sie größer als „Alberich“ ist. Aber ich glaube, nichts ist größer als der billige Zwerg, Und wie das so ist in der Welt des Kapitalismus sollen die Kosten möglichst gestern wieder reingeholt werden. Und weil der größte Kostenfaktor selbst bei den modernen Sklavenhaltern das Personal ist, wurde dort erst mal gespart. Lapis und ich bekamen in den letzten Monaten eine sehr anschauliche Lektion in modernem Wirtschaften.
Zuerst merkten wir, dass in unserem Minus weniger Personal arbeitete. Gesichter, die wir seit Jahren dort gesehen haben, waren plötzlich weg. Und die Frauen, die bleiben (ja, alles Frauen) rotierten plötzlich unaufhörlich.
Die Filiale suchte seit etwa einem Jahr nach einem neuen Filialleiter oder einer Filialleiterin. Es ist allerdings niemals einer aufgetaucht. Nachdem ich mit einem Bekannten gesprochen habe, der in der Branche arbeitet, wusste ich warum. Nein, wenn ich das schreibe, könnte ich Ärger bekommen. Die stellvertretende Filialleiterin jedenfalls scheint mittlerweile dort zu wohnen.
Die anderen Damen hetzen zwischen Regalen und Kassen hin und her. Beides kommt natürlich zu kurz. Entweder stehen die Leute bis zu den Kühlregalen oder sie fallen übereinander in den total verstopften Gängen. Denn das Sortiment scheint mehr und mehr aus „Saisonware“ (oder besser „Wochenware“) zu bestehen und wird ständig ausgetauscht. Das bedeutet, dass Regale ständig geleert, aufgefüllt usw. werden müssen. Und das während der Geschäftszeiten, denn sonst reicht es einfach nicht. Personalmangel.
Entsprechend gut drauf sind die Damen. Nein, das stimmt nicht. Ich würde wahrscheinlich mittlerweile nervende Kunden körperlich züchtigen. Die Minus-Maiden sind oft leicht genervt, aber immer höflich bis freundlich.
Das Sortiment hat arg gelitten. Der Minus war früh ein Vorreiter von bezahlbaren Bio-Produkten. Lapis und ich sind ohne die Minus-Marke völlig aufgeschmissen. Sicher, das andere Zeug kann man auch konsumieren. Es ist sogar billiger. Aber wir wollen nicht billig, sonder preiswert. Und das Zeug, das seit der Zwodeka-Übernahme im Minus verkauft wird ist zwar billig aber seinen Preis in Vielen Fällen einfach nicht wert. Um genau zu sein: viele der Brutto-Marken sind ungenießbar. Mittlerweile kaufen wir die Bio-Produkte und die Markenartikel, aber das andere Zeug fassen wir mit der Kneifzange nicht an.
Und bei den Marken habe ich festgestellt, dass viele der Chips, Cappuccinos oder Puddingpulver alt schmecken. Und dass das Haltbarkeitsdatum etwas ist, worauf man achten sollte. Ich vermute (ich vermute!), dass die Brutto Zentrale große Mengen von Waren, die sie bei den Zwodekas nicht mehr verkaufen wollen an ihre Discounter umleiten und da billiger verscheuern. Dass man nicht immer das Gleiche bekommt, erhärtet meinen Verdacht. Mittlerweile komme ich mir ein bisschen wie weiland der „Konsum“-Kunde vor, der halt das mitnehmen muss, was da ist.
Aber das ist auch vorbei. Der Minus ist zu. Und nächste Woche macht er wieder auf. Als Brutto. Wenn du denkst, es kann nicht schlimmer kommen …

Addendum: Wie wichtig unser Minus für die Gegend hier ist, sehe ich jedes Mal, wenn ich aus dem Fenster gucke. Ab morgens acht Uhr sehe ich Leute gegen die geschlossenen Türen laufen. Ich weiß nicht, ob ich das tragisch oder komisch finden soll. Vielleicht beides. Lapis und ich kaufen inzwischen bei „T-Bonum“ ein. Teurer, preiswert.

8.10.2009: Es knirscht und knackt …

Veröffentlicht in Held sein, HomeStory am Oktober 8, 2009 von skeltem

Hallo Alle!

In meiner unermüdlichen Anstrengung doch noch etwas Sinnvolles aus meinem Leben zu machen, entwickele ich immer wieder größere oder kleinere Pläne. Der letzte größere Plan bestand aus einem Informatik-Fernstudium.

Es wäre ideal gewesen, wenn es geklappt hätte. Informatiker werden immer gesucht und gebraucht. Und ich habe sowohl von bekannten Nerds als auch Gehörlosen mitbekommen, dass man bei dem Job nicht unbedingt auf das Gehör angewiesen ist. Leider stand der Verwirklichung des Plans ein großes Hindernis im Weg: ich. Nachdem ich mich sorgfältig informiert hatte, mit der Fernuni Hagen in Kontakt getreten war und schon einmal, quasi als Fingerübung, angefangen hatte, JAVA zu lernen rannte ich vor die gleiche Mauer, an der ich als Jugendlicher gescheitert war. Mathematik.

Ich kann weder rechnen, noch habe ich den geringsten Sinn für Zahlen. Das ist mir alles so fremd wie Leistungssport. Ich hatte mir ein paar Bücher besorgt, die in die Informatik einführten und merkte recht schnell, dass mich das heillos überfordert hätte. Schade.

Der neue Plan ist eigentlich noch nicht spruchreif, aber ich denke, ich werde mich darauf beschränken, was ich wirklich kann. Zehn Jahre nach meinem Uni-Abschluss beschäftige ich mich wieder ernsthaft mit Forschung.

Um mich auf das neue Projekt vorzubereiten, habe ich wieder einmal einen Sack Fachbücher über die Fernleihe kommen lassen. Und festgestellt, dass ich nicht nur eingerostet bin, sondern auch vollkommen im Sand begraben und von neuer Vegetation überwuchert :(

Ich habe zwar nie mein Interesse an der Ethnologie und Religionswissenschaft verloren (wie ihr ja leidvoll erfahrt ;) ). Aber es ist etwas anderes, für sein Blog ein paar Seiten durchzulesen und zusammenzufassen oder tatsächlich wissenschaftlich zu arbeiten. Bei mir knirscht und knackt es im Kopf.

Aber auch wenn es etwas weh tut, von „Einführung in die Ethnologie“ gesagt zu bekommen, dass man ein chauvinistisches, ethnozentrisches Schwein sei (oder schlimmer: Laie!), tut es doch gut, wieder zu arbeiten. Ich hoffe mal, dass ich a) den Schwung nicht verliere, b) nicht schlimme Dinge passieren, dass ich wieder aufhören muss und ich c) nie den Glauben verliere, dass es doch etwas nützt, nicht aufzugeben.

In diesem Sinne: Held sein!
Skeltem

Babel, pantomimisch

Veröffentlicht in Gehör gefordert, HomeStory am Oktober 5, 2009 von skeltem

Seit zwei Wochen gehen Lapis und ich wieder zum Gebärden Kurs in der Volkshochschule. Weil das jetzt schon unser dritter Kurs ist, waren wir so verwegen und haben uns für den Fortgeschrittenen-Kurs angemeldet. Die Tücken der deutschen Gebärdensprache hatten wir allerdings nicht eingeplant.

Wie ich ja schon mal erwähnt hatte, zerfällt die deutsche Gebärdensprache in so viele, teils völlig unterschiedliche, Dialekte wie unser föderales Land selber. Stand: ca. 1834. Lapis und ich fingen in Göttingen mit der Norddeutschen Gebärdensprache an, die in Hamburg gelehrt wird. Nach dem VHS-Kurs lernten wir zusammen mit zwei sehr netten Mitschülerinnen (Hallo D.! Hallo N.!) im Selbststudium weiter. Und zwar die Westdeutsche Gebärdensprache (Aachen)*. Die Hamburger und die Aachener Varianten unterscheiden sich in meiner Erinnerung allerdings nicht so sehr.

Umso heftiger war das Umlernen, als wir dann nach Coburg zogen und hier, in Oberfranken, den Würzburger oder mittelfränkischen Dialekt lernten und nicht den oberfränkischen aus Bamberg. Der wiederum ist näher an der „bayrischen Gebärdensprache“, wie sie in München gelehrt wird. Und eben diese Bayrische Gebärdensprache lernen wir jetzt in der VHS.

Wir sind in der Situation von Leuten, die irgendwann einmal chinesisch gelernt haben. Angefangen mit dem Pekinger Dialekt. Dann sind sie nach Shanghai gegangen und haben dort ein paar Worte aufgeschnappt. In Sichuan lernten sie dann Kantonesisch um schließlich an der Uni ihr Mandarin zu vervollkommnen. Nur noch ein bisschen komplizierter.
Denn bisher hatten wir immer die „Laut begleitende Gebärdensprache“ gelernt. Wie der Name schon sagt, unterstreichen die Gebärden laut gesprochene Worte. Das bedeutet, dass sich die Struktur der Gebärden nach jener der Lautsprache richtet. Jedes gesprochene Wort erhält eine Gebärde.

Jetzt lernen wir die „Deutsche Gebärdensprache“**. Die DGS ist eine eigene Sprache mit eigener Grammatik. Vieles was in der Lautsprache geäußert wird, übergeht die Gebärdensprache als redundant. Personalpronomina werde z.B. äußerst selten gebärdet, da meistens klar ist, wer oder was gemeint ist. Auch wird sehr viel über Mimik, Gestik und Mundbild vermittelt. Häufig bezeichnen die gleichen Gebärden unterschiedliche Dinge abhängig von Mimik und Mundbild. In diesem Sinne ist die DGS schon wieder dem Chinesischen sehr ähnlich, da sie auch sehr viel Wert auf Betonung und Flexion legt.

Was mich wirklich nervt ist diese „Kleinstaaterei“. Gehörlose und Hörbehinderte Menschen werden in diesem Land sowieso schon als „ein bisschen dumm“ wahrgenommen. Wir haben keine nennenswerte Lobby. Und im Gegensatz zu zum Beispiel den Vereinigten Staaten gucken einen die Leute hier an als sei man vom Mars, wenn man in der Öffentlichkeit gebärdet. Das Leben von Hörenden und Gehörlosen oder Ertaubten findet normalerweise getrennt statt. Dass wir keine gemeinsame Sprache sprechen, könnte damit zu tun haben. Aber dass man ohne Not keine neue Sprache lernen will, die nur an einem ganz bestimmten Ort ge“sprochen“ wird, sollte auf der Hand liegen.

Was kann man machen? Ich kann am eigenen Leibe erfahren, wie es wäre, wenn irgend jemand eine „Allgemeine DGS“ zwangseinführen wollte. Durch die vielen Dialekte haben Lapis und ich unsere „Privatsprache“ entwickelt, in der wir jeweils lieb gewonnene Gebärden benutzen. Mit anderen Worten: Kauderwelsch. Aber jedesmal wenn ich die „richtige“ Gebärde benutzen soll, zögere ich ein bisschen. Was ist dann erst mit den Menschen, die mit einem Dialekt aufwachsen?

Ich denke, es sollte eine einheitliche Gebärdensprache eingeführt werden. Das stärkt die Hörbehinderten und Gehörlosen und gibt eine gemeinsame Identität. Diese „aDGS“ sollte überall in Deutschland gelehrt werden und zwar zusätzlich zu den lokalen Dialekten.

Dann wäre die Gebärdensprache in der gleichen Situation wie die Lautsprache. Und es wäre wieder ein wenig mehr Gemeinsamkeit geschaffen.

* In einer früheren Miszelle habe ich das etwas vereinfacht wiedergegeben.
** Der Name ist eigentlich ein Witz, wie man aus meinen Ausführungen sehen kann.

FDP-Kurzwahlprogramm, übersetzt

Veröffentlicht in Lebenshilfe, Zeitnah am September 26, 2009 von skeltem

tl;dr: Der gleiche Scheiß, den wir seit Jahrzehnten predigen. Wähl dich reich!

Freie Deutsche Partei (FDP) Deutschlandprogramm, Kurzwahlprogramm:

1. Mehr Netto vom Brutto
Die marktwirtschaftliche Erneuerung bietet viele neue Zukunftschancen.
Dafür brauchen wir eine echte Steuerstrukturreform. Unser Ziel sind einfache, niedrige und gerechte Steuern: für mehr Netto vom Brutto.
Unser Stufentarif mit niedrigen Steuersätzen (10%,25%, 35%) entlastet die Bürger. Dann können Sie sich mehr leisten und Unternehmen mehr investieren. Entlastung ist die Voraussetzung für Wachstum und Arbeitsplätze – und nicht nur die Folge davon.
Übersetzt: Die niedrigen Einkommen entlasten wir um 4%, die hohen um mehr als 12%. Das Problem der „kalten Progression“ fassen wir gar nicht erst an. Und die zig Miliarden Steuerausfälle, die der Staat durch die Entlastung gerade der hohen Steuerklassen, die einen höheren Anteil an den Steuereinnahmen des Bundes haben als die kleineren interessieren uns auch nicht. Wir (und unsere Wähler) haben es ja.

2. Gute Wirtschaftspolitik ist die beste Sozialpolitik
Der Staat soll sich auf seine Kernaufgaben konzentrieren. Wir werden die Fehler der Unternehmensteuerreform beseitigen. Die deutschen Unternehmen brauchen weniger Bürokratie für mehr unternehmerische Handlungsfreiheit. Wir wollen die Verschwendung von Steuergeldern
beenden und Subventionen abbauen.
Übersetzt: Lasst die Unternehmen machen, was sie wollen. Am Ende wird schon irgend etwas Gutes dabei rum kommen. Geld brauchen wir auch nicht, denn der Staat muss ja nichts mehr machen als Außenpolitik (können wir die nicht auch privatisieren?) und, eh, Hungeraufstände niederschlagen. Soziale Netze sind ja so 20. Jahrhundert.

3. Neues Vertrauen in das Finanzsystem
Bürger und Unternehmer müssen Vertrauen in das Finanzsystem haben können. Dieses Vertrauen ist erschüttert. Wir wollen es wiederherstellen. Dies gelingt uns nicht durch mehr, sondern durch bessere und wirksamere Regeln für den Finanzmarkt. Die Bankenaufsicht auf nationaler und internationaler Ebene muss effektiver und professioneller werden.
Übersetzt: Das war jetzt irgendwie Scheiße mit der Bankenkrise und alles. Liebe Banker, dafür geht ihr heute Abend ohne Hupferl ins Bett. Und morgen denken wir zusammen darüber nach, wie so was nicht nochmal vorkommt. Wenn ihr Lust habt.

4. Energie- und Umweltpolitik für mehr Lebensqualität
Die FDP steht für eine Umwelt- und Energiepolitik mit Verstand. Der Wettbewerb der Ideen führt zu neuen Lösungen, um unsere Zukunft zu meistern. Technischer Fortschritt sorgt dafür, dass Umweltschutz, Mobilität und Energie kein Luxus sind.
Übersetzt: Bloß keine Verpflichtungen für die Industrie! Außerdem hat Guido Westerwelles Friseur gesagt, dass der Klimawandel eh mit Erdstrahlen zu tun hat. Mit uns an der Regierung muss sich niemand vor den Folgen seiner Verschwendungssucht fürchten. Und Eisbären sind doch am schönsten im Zoo, oder?

Wahlprogramm der LINKEN, Auszüge. Kommentiert.

Veröffentlicht in Lebenshilfe, Zeitnah am September 25, 2009 von skeltem

Die „Miszellen“ sind ja bekanntlich auch eine Service-Seite. Weil die Wahl kurz vor der Tür steht, habe ich mir die Mühe gemacht, mir die Wahlprogramme der einzelnen Parteien mal anzuschauen. Leider schwafelt die LINKE wie ein Soziologiestudent im 16. Semester. Es gibt zwar auch eine Kurzfassung ihres Wahlprogrammes, aber ich habe mir die volle Dröhnung gegeben. Alles für euch.

Die Linke (Linke), Wahlprogramm (Auszüge):

1. Wer die aktuelle Krise bekämpfen will, muss mit Sofortmaßnahmen beginnen, die 
mit einem Zukunftsfonds Arbeitsplätze sichern und mit einem öffentlichen Investitionsprogramm neue Arbeitsplätze schaffen,
die sozialen Sicherungssysteme wieder befestigen und das öffentliche Eigentum stärken,
eine Millionärssteuer einführen, die Banken vergesellschaften und staatliche Hilfen nur im Tausch gegen entsprechende Eigentumsanteile und Entscheidungsrechte der öffentlichen Hand und Belegschaften vergeben.
– Liest sich ja knorke, wa? Ich sehe, dass die LINKE in den von ihr regierten Bundesländern schon mit dem Investitionsprogramm … nicht? Weil kein Geld da ist? Ach was! Und zum Glück wissen wir alle noch genau, wie unglaublich effektiv staatlich kontrollierte Betriebe sind. Immerhin war die DDR DIE Wirtschaftsmacht in Europa. Und gegen eine Landflucht der Reichen bauen wir am besten eine Mauer um Deutschland, hm?

2. DIE LINKE unterstützt den Kampf der Gewerkschaften und Sozialverbände im „Bündnis soziales Deutschland“ für eine sofortige Anhebung der Regelsätze für Hartz IV-Empfängerinnen und -Empfänger. Wir fordern für die nächste Wahlperiode die Anhebung auf 500 Euro. Es muss nach französischem Vorbild ein existenzsichernder, flächendeckender, gesetzlicher Mindestlohn eingeführt werden, der in der nächsten Wahlperiode auf 10 Euro erhöht wird.
- Würde ich ja sofort unterschreiben. Aber, liebe LINKE, schreibt ihr nicht ein paar Absätze über diesem: „Ob nach der Rettung der Banken noch ausreichend Mittel bereitstehen, Arbeitsplätze und Einkommen zu schützen, ist ungewiss. Im Herbst und Winter werden die Auswirkungen der Krise auf den Arbeitsmarkt in voller Konsequenz durchschlagen. Erst dann wird sich zeigen, unter welch massiven finanziellen Druck die Sozialsysteme geraten werden.“ Sprich: Kein Geld da! Und die ganzen tollen Pläne mit Millionärssteuer etc. würden, wenn sie denn realistisch wären, sowieso erst frühstens 2011 greifen. So lange müsste das alles auf Pump finanziert werden. Und dass wo vorsichtige Schätzungen davon ausgehen, dass Deutschland sich auch ohne LINKE Regierung im nächsten Jahr mit fast 90 Milliarden Euro neu verschulden wird. Aua!

3. Für die Große Koalition sind Wissenschaft und Forschung in erster Linie ein Standortfaktor, vor allem für die Exportwirtschaft. [...] Neue Erkenntnisse und Technologien müssen dem Gemeinwohl dienen und zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen wie der Überwindung von sozialer Ungleichheit, der Bewältigung des Klimawandels und der Ressourcenknappheit beitragen. Das geht nur, wenn über Chancen und Risiken von Innovationen transparent und mit öffentlicher Beteiligung verhandelt wird. Deshalb sind die Entscheidungen über die öffentliche Forschungsförderung aus den geschlossenen Zirkeln der Ministerien, Kuratorien und Industriekonsortien zu befreien. DIE LINKE steht der öffentlichen Förderung neuer Technologien aufgeschlossen gegenüber, wenn ihr Nutzen nachgewiesen und die Risiken für Menschen und Natur niedrig sind.
- Äh was? Die LINKE möchte gerne bestimmen, wozu geforscht wird. Sie will die „Öffentlichkeit“ an der Entscheidung beteiligen, was gefördert werden soll und nicht, sagen wir, Leute, die wissen wovon sie reden? Und gefördert werden soll, was nützt und ungefährlich ist? Hakt es? Arme Orientalisten. Arme Physiker. Armes (Forschungs-) Deutschland.

4. Die LINKE fordert:

    die Bundeswehr sofort aus Afghanistan abziehen;
    keine Auslandskriegseinsätze der Bundeswehr zulassen – auch nicht unter UN-Mandat: keine Militärberater zur Unterstützung autoritärer Regimes entsenden;
    den Verteidigungsetat verkleinern und den zivilen Friedensdienst ausbauen;
    sofort auf die Pläne zur militärischen Nutzung der Kyritz-Ruppiner Heide als Bombodrom verzichten: Kein Bombodrom nirgendswo (sic!)!;
    die NATO auflösen und ersetzen durch ein kollektives Sicherheitssystem unter Beteiligung Russlands:  die Errichtung des „Raketenabwehrschildes“ in Polen und Tschechien verhindern; die zivilen Partnerschafts- und Kooperationsabkommen zwischen EU und Russland ausbauen; die Östliche Partnerschaft mit Staaten aus der früheren Sowjetunion unter Berücksichtigung der Sicherheitsinteressen Russlands gestalten;
    noch ein paar super friedfertige und voll realistische Forderungen. Gummibärchen für alle!

– Ja, danke. Das wars. Im LINKE-Programm sind ja viele Sachen, die mich als linksliberalen Intellektuellen ansprechen würden. Leider zeigen Ausschnitte wie die oben, dass offenbar niemand die vielen vielen Forderungen der LINKEN zu Ende gedacht hat. Niemand, der in diesem Land und zu dieser Zeit lebt, jedenfalls.
Schade, aber vielleicht kommt die LINKE auch noch an den Punkt, ab dem man sie wählen kann. Ich würde es Deutschland gönnen.

SPD-Wahlprogramm, übersetzt

Veröffentlicht in Lebenshilfe, Zeitnah am September 25, 2009 von skeltem

Die „Miszellen“ sind ja bekanntlich auch eine Service-Seite. Weil die Wahl kurz vor der Tür steht, habe ich mir die Mühe gemacht, mir die Wahlprogramme der einzelnen Parteien mal anzuschauen. Leider sind die meisten recht unklar geschrieben. Deshalb habe ich mir die Freiheit genommen (solange ich sie noch habe), die Programme in richtige Sprache zu übersetzen.

Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD), 8 Ziele:

1. Gute Löhne für Gute Arbeit- und zwar Alle! 1. Vollbeschäftigung? Check. Mindestlohn? Check. Soziale Gerechtigkeit? Check. Amnesie die „Agenda 2010“ betreffend? Check.

2. Erstklassige Bildung ohne Gebühren! 2. Zum Glück regieren wir kaum noch Bundesländer. Deswegen haben wir in Bildungsfragen kaum noch etwas zu sagen. Aber fordern ist billig. Deswegen fordern wir alles mögliche und vergessen darüber, dass es heute schon kaum genug Erzieher, Lehrer, Professoren usw. gibt.

3. Klimaschutz mit sicherer Energie statt gefährlicher Atomkraft. 3. Und Braunkohle strahlt ja schließlich auch nicht, oder?

4. Unterstützung für unsere Familien! 4. Denn wir Politiker leben von der Hand in den Mund und können unsere Familien kaum ernähren.

5. Echte Gleichstellung für Frauen! 5. Deswegen haben wir in unsere Parteispitze zwei Frauen und fünf Männer. Die sind aber echt gleich. Irgendwie.

6. Ein tolerantes Land für alle. Vielfalt statt Einfalt! 6. Wir sind bald so wenige, dass wir unter den Minderheitenschutz fallen.

7. Eine menschliche Gesellschaft statt ungezügelten Kapitalismus! 7. Diesen super Slogan hat uns der Gerd von einer Gazprom-Sitzung zugefaxt. Wie der immer auf sowas kommt.

8. Fortschritt durch Arbeit, Bildung, Nachhaltigkeit. 8. Zum Abschied noch’n paar Seifenblasen.

(Anmerkung: Die längere Fassung der „8 Ziele“ war nicht kopierbar und abschreiben wollte ich den Schmu nicht. Wer sich genauer informieren mag, soll den Link klicken)

CDU-Wahlprogramm, übersetzt

Veröffentlicht in Lebenshilfe, Zeitnah am September 25, 2009 von skeltem

Die „Miszellen“ sind ja bekanntlich auch eine Service-Seite. Weil die Wahl kurz vor der Tür steht, habe ich mir die Mühe gemacht, mir die Wahlprogramme der einzelnen Parteien mal anzugucken. Leider sind die meisten recht unklar geschrieben. Deshalb habe ich mir die Freiheit genommen (solange ich sie noch habe), die Programme in richtige Sprache zu übersetzen.

Christlich-Demokratische Union (CDU), 10 Punkte „Regierungsprogramm“:

1. Wir brauchen nachhaltiges Wachstum, um die Folgen der Krise zu überwinden. 
Um dieses zu erreichen, müssen wir den Haushalt konsolidieren, in unsere Stärken wie Bildung und Innovationen investieren sowie die Bürgerinnen und Bürger entlasten. – 1. Trotz dem der Kapitalismus Billionen Euro und zigtausend Arbeitsplätze vernichtet hat, fällt uns nichts anderes als „Wachstum“ ein, um die Folgen unserer missratenen Finanzpolitik zu beheben. Wir erzählen den Leuten etwas von Bildung, Innovation und hoffen, sie merken nicht, dass wir mit dafür verantwortlich waren, dass Forscher ins Ausland gehen statt im Land zu bleiben und zunehmend nur noch die Kinder reicher Leute studieren können. Außerdem machen wir lächerliche Versprechungen, die wir nicht mal vorhaben, zu halten.

2. Wir stehen weiter ein für unser Ziel „Arbeit für Alle“. Alle müssen ihren Beitrag leisten, damit Arbeitsplätze erhalten und geschaffen werden. 2. „Vollbeschäftigung“ ist immer ein gutes Schlagwort, leider ist das irgendwie links. Aber wir können wenigstens durch die Blume andeuten, dass wir vorhaben, Arbeitnehmerrechte weiter einzuschränken. „Alle“ sind schließlich auch die Malocher.

3. Unser Land soll Bildungsrepublik werden. Bildung darf keine Frage des Einkommens der Eltern sein. Wir wollen unser Bildungsangebot weiter ausbauen. 3. Zum Glück ist Bildung hauptsächlich Ländersache und da haben unsere Provinzfürsten etwas zu sagen. Deshalb können wir das ohne rot zu werden schreiben, während unsere Parteifreunde Studiengebühren einführen.

4. Wir werden Ehe und Familie weiter stärken. Die Familien sind der Kern unserer Gesellschaft. Es ist unsere Politik, Eltern noch bessere Wahlmöglichkeiten zwischen Familie und Beruf zu schaffen. 4. Die wirtschaftliche Benachteiligung von Frauen ist gottgewollt, denn die sollen zu Hause bei den Kindern bleiben. Wir geben den Männern was fürs gute Gewissen, um modern auszusehen.

5. Deutschland braucht starke ländliche Räume. Wir erkennen die Leistungen der Menschen in ländlichen Räumen an und werden ihre Chancen für die Zukunft sichern. Faire Rahmenbedingungen für die Landwirte sorgen für Versorgungssicherheit und faire Preise. 5. Wir brauchen dringend die Stimmen der Bauern, die nicht CSU oder grün wählen. Und fragt uns um Gottes Willen nicht nach Milchpreisen!

6. Wir setzen uns weiter für verantwortungsbewussten Umgang mit knappen Ressourcen und für die Bekämpfung des Klimawandels ein. Unsere Energiestrategie umfasst Energiesicherheit, ökologische Verträglichkeit, bezahlbare und wettbewerbsfähige Energiepreise sowie Unabhängigkeit. 6. Wir legen uns auch weiterhin nicht fest, sondern verstecken uns hinter Blabla. Letzten Endes glauben wir, dass gut für Deutschland ist, was gut für die Wirtschaft ist. Also kein Öko-Schmarrn.

7. Wir wollen die Chancen- und Lohngleichheit von Frauen verwirklichen und fordern eine ausgewogene Berücksichtigung von Frauen in Führungsfunktionen. 7. Also entscheidet euch, Mädels: Familie oder Karriere!

8. Wir wollen ein gutes Zusammenleben von Einheimischen und Migranten ermöglichen. Wer die Werte unserer Gesellschaft und Deutschland als Heimat annehmen will, wird seine Chance in unserem Land bekommen und ist uns herzlich willkommen. 8. Was „unsere Werte“ genau sind, entnehmen Sie bitte der „Bild“ und der „BamS“.

9. Wir werden die Sicherheit in unserem Land bewahren. Jeder muss die Möglichkeit haben, sich jederzeit ohne Angst und Befürchtungen auf Straßen und Plätzen bewegen zu können. 9. Dafür werden wir noch mehr Kameras aufstellen. Es ist geplant, so genannte „Televisoren“ in jedem Haushalt zu installieren um Verbrechen schon im Vorfeld der Tat zu verhindern.

10. Deutschlands und Europas Selbstständigkeit und Einfluss sind in der Krise gewachsen. Wir wollen, dass die Soziale Marktwirtschaft weltweit zum Modell wird – damit auf den Märkten klare Regeln gelten. 10. Was soll man dazu noch sagen? „Die Maus die brüllt“, vielleicht.